Hintergrund: Verkehrsmittel und CO2-Emissionen

22. Juni 2012
Startendes Flugzeug; im Hintergrund Himmel.

Ab in den Urlaub: Verkehrsmittel und CO2-Emissionen

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Laut Statistik verbringen die Deutschen den Urlaub am liebsten im Inland, für die An- und Abreise benutzen sie meist Pkw oder Wohnmobil. Für die Reisen ins Ausland wird eher das Flugzeug gewählt. Ob Flugzeug, Pkw, Bus oder Bahn: Die Verkehrsmittel unterscheiden sich sehr durch ihre CO2-Emissionen. Die Fahrradtour macht sogar eine CO2-freie An- und Abreise möglich. Wie wirkt sich die Wahl der Verkehrsmittel auf die Klimabilanz einer Reise aus? Wie lässt sich die Reiseplanung umweltfreundlich gestalten?

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Im Jahr 2011 sind knapp 54 Millionen Deutsche verreist – laut Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen so viele wie nie zuvor. Die Reisenden unternahmen insgesamt knapp 70 Millionen Urlaubsreisen mit mindestens fünf Tagen Aufenthalt am Reiseziel. Hinzu kamen rund 78 Millionen Kurzurlaubsreisen von zwei bis vier Tagen. Die beliebtesten Ziele im Inland waren Bayern und Mecklenburg-Vorpommern, gefolgt von Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Baden-Württemberg: In diese fünf Bundesländer führten fast drei Viertel aller Urlaubsreisen im Inland. Bei den ausländischen Reisezielen lag Spanien mit 13,3 Prozent aller deutschen Reisenden an der Spitze, gefolgt von Italien, der Türkei und Österreich. Diese vier Länder waren das Ziel von knapp der Hälfte aller Urlaubsreisen ins Ausland.

Bei den Verkehrsmitteln legten Bus und Bahn leicht zu. Die Nutzung des Pkw nahm geringfügig ab. Insgesamt lagen Pkw und Flugzeug aber als Verkehrsmittel weiter deutlich vorn: Für 46 Prozent der 70 Millionen Urlaubsreisen wurde der Pkw oder das Wohnmobil genutzt. Auf das Flugzeug entfielen 37 Prozent, auf Busse über 8 und auf die Bahn über 5 Prozent. Je nachdem, ob die Reise ins In- oder Ausland ergeben sich bei der Wahl der Verkehrsmittel noch einmal unterschiedliche Präferenzen: Insbesondere Inlandsreisen werden mit dem Pkw oder Wohnmobil angetreten, und zwar zu 74 Prozent. Bei den Auslandsreisen hingegen dominiert das Flugzeug mit 53 Prozent.

Bahn, Auto oder Flugzeug

Wie stark Tourismus zu Umwelt- und Klimaproblemen beiträgt, lässt sich nur schätzen. Hierbei spielen unterschiedlichste Faktoren eine Rolle: Die An- und Abreise, ebenso die Wahl der Unterkunft, die Ernährung vor Ort oder auch die Ferienaktivitäten, die Touristen in ihrem Urlaub auswählen. Die Welttourismusorganisation schätzt, dass fünf Prozent aller weltweiten Treibhausgasemissionen durch Tourismus entstehen. Zu den Treibhausgasen zählen unter anderem Methan (CH4), Distickstoffdioxid (N2O2) sowie Kohlendioxid (CO2). CO2-Emissionen entstehen vor allem bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe. Sie machen einen Großteil der Treibhausgasemissionen aus und tragen erheblich zur Erderwärmung bei.

Reisende können im großen Maße selbst beeinflussen, wie klimafreundlich ihr Urlaub ist. Das beginnt mit der Wahl des Verkehrsmittels. Denn drei Viertel aller Treibhausgasemissionen einer Urlaubsreise entstehen allein durch den Kraftstoffverbrauch bei der An- und Abreise. Den größten CO2-Verbrauch verursacht mit 270 Gramm je Person und Kilometer die Reise mit dem Flugzeug. Im Vergleich dazu stößt ein Pkw 240 Gramm pro Person und Kilometer aus und die Bahn 50 Gramm Kohlendioxid pro Person und Kilometer.

Die Zahlen wurden mit dem CO2-Rechner des Bundesumweltministeriums und klimAktiv erstellt. Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte, denn verschiedenste Faktoren spielen bei der Errechnung der CO2-Emissionen eine Rolle. So hängt die Umweltbelastung stark davon ab, wie sehr die Verkehrsmittel ausgelastet sind. Entscheidend sind bei Reisen mit dem Pkw auch das Modell, die Fahrgeschwindigkeit und das Fahrverhalten. Ganz ohne CO2-Ausstoß für die An-und Abreise kommen jene Urlauber aus, die sich für eine Fahrradtour entscheiden und sich direkt zu Hause auf ihr Fahrrad schwingen. Im Jahr 2009 haben knapp fünf Millionen Deutsche einen Radurlaub mit mindestens einer Übernachtung unternommen. Die Anreise kann dabei mit dem Fahrrad selbst erfolgen oder auch mit der Bahn, dem Auto oder dem Flugzeug. Am Reiseziel bewegen sich die Fahrradfahrer dann wieder CO2-frei.

Mit dem Flugzeug in den Süden

Das Flugzeug gewinnt an Zuspruch: Im Jahr 2010 wurden noch knapp 35 Prozent der Urlaubsreisen per Flugzeug unternommen, im Jahr 2011 waren es 37 Prozent. Im gleichen Zeitraum ging der Anteil der Urlaubsreisen mit dem Pkw von knapp 50 auf 48 Prozent zurück. Auch der Anteil der Bahn sank von knapp 6 auf knapp 5 Prozent.

Doch gerade innerhalb von Deutschland und Europa bietet die Bahn gute Möglichkeiten, den Urlaubsort in angemessener Zeit zu erreichen und dabei gleichzeitig die Umwelt deutlich weniger zu belasten als mit dem Auto oder dem Flugzeug. Nicht nur ist der CO2-Ausstoß bei einer Bahnfahrt bereits heute geringer als bei anderen Verkehrsmitteln. Zusätzlich hat sich beispielsweise die Deutsche Bahn weitere neue Umweltziele gesteckt: Das Unternehmen war 2011 der größte Stromverbraucher in Deutschland und will bis zum Jahr 2020 den Anteil an regenerativer Energie auf mindestens ein Drittel erhöhen. 2011 lag er noch bei 2,5 Prozent des Gesamtstromverbrauchs. Die Bahn unterhält mit "Fahrtziel Natur" seit 2001 eine Kooperation mit drei großen Umweltverbänden. Die Partner fördern aktiv den nachhaltigen Tourismus. Unter anderem präsentieren sie 20 Naturlandschaften.

Verbessern der CO2-Bilanz bei Flugreisen

Im Vergleich der verschiedenen Verkehrsmittel ist das Flugzeug zwar häufig die scheinbar bequemste Fortbewegungsmöglichkeit. Gleichzeitig schneidet es bei der CO2-Bilanz am schlechtesten ab. Auch deshalb, weil die Treibhausgase wie Kohlendioxid, die bei der Verbrennung von Kerosin entstehen, in der Höhe mindestens zweimal stärker wirken als am Boden. Zudem sind Abgaspartikel, an denen feuchte Luft kondensiert, verantwortlich für die Bildung von Kondensstreifen und hohen Schleierwolken. Diese vermindern die Wärmeabstrahlung der Erde, was wiederum erheblich zum Klimawandel beiträgt.

Natürlich ist es nicht immer möglich, das Reiseziel anders als mit dem Flieger zu erreichen, ohne eine erheblich lange An- und Abreise in Kauf zu nehmen. Allerdings veursacht allein ein einziger Fernflug sehr große Mengen CO2. So entstehen zum Beispiel bei einem Flug von Deutschland auf die Malediven und zurück pro Person mehr als fünf Tonnen Kohlendioxid. Mit einem Mittelklassewagen kann man dafür mehr als zwei Jahre lang fahren.

Wenn der Flug oder die Autofahrt aus zeitlichen oder organisatorischen Gründen die einzig akzeptable Art der Anreise ist, gibt es jedoch die Möglichkeit, die Auswirkungen auf das Klima durch eine Spende an ein Klimaprojekt auszugleichen – mit sogenannten Kompensationsdienstleistern. Ihr Anliegen ist es, den CO2-Ausstoß, den man mit seiner Reise verursacht, mit einer Spende für ein Klimaschutzprojekt auszugleichen. Im Internet bieten diese Agenturen einfach zu handhabende CO2-Rechner an, mit deren Hilfe Reisende ausrechnen können, wie viel ihr Flug von A nach B an Kohlendioxid und anderen klimaschädlichen Stoffen verursacht. Anhand dieses Wertes ermittelt die Agentur anschließend die Geldsumme, die nötig ist, um ein entsprechendes Ausgleichsprojekt angemessen zu fördern. Ein Beispiel: Die Emissionen für einen Hin- und Rückflug Berlin–Mallorca betragen 860 Kilogramm CO2. Nach Angaben von atmosfair – einem der Dienstleister, die die Berechnung im Internet anbieten – kann diese Menge CO2 für 21 Euro in einem Klimaschutzprojekt ausgeglichen werden. Weitere Anbieter sind myclimate.org und goclimate.de. Es bleibt bei diesen Angeboten jedoch bei einer Kompensation. Die klimafreundlichere Lösung besteht darin, den CO2-Ausstoß von Beginn an einzusparen.

Entscheidend sind auch die Reisekosten

Wenn man sich für ein Urlaubsziel entschieden hat, spielt für viele Menschen auch der Preis der An- und Abreise eine wichtige Rolle. Gerade angesichts der sogenannten Billigfluglinien ist es in vielen Fällen deutlich günstiger zu fliegen, als etwa mit dem Zug zu fahren. Wer etwa im Juni 2012 eine Reise mit der Deutschen Bahn von Hamburg nach Basel in der Schweiz plant, muss für vier Personen für Hin- und Rückfahrt mit 1.080 Euro rechnen. Mit dem Flugzeug waren bei Swiss Air Tickets für die gleiche Strecke für vier Personen hin und zurück für rund 670 Euro erhältlich. Diese Preise sind Momentaufnahmen. Vor allem bieten die Deutsche Bahn sowie Anbieter von Flugreisen unterschiedliche Sparangebote an.

Umweltverbände fordern schon lange, eine Kerosinsteuer einzuführen sowie die Umsatzsteuerbefreiung im grenzüberschreitenden Flugverkehr aufzuheben. Bislang ist der Flugverkehr von Energiesteuern befreit. Ebenso wird eine Ökosteuer gefordert, durch die die Klimaschäden infolge von Flugreisen in die Preise für die Flugtickets einfließen sollen. Solche Abgaben könnten zum einen mehr Menschen dazu bringen, auf andere Verkehrsmittel umzusteigen, wie zum Beispiel auf die Bahn. Zum anderen gehen die Verbände davon aus, dass so der Druck auf Flugzeughersteller und Airlines erhöht werden könnte, sparsamere Modelle zu bauen und einzusetzen.

 

Weiterführende Links zum Thema

Umweltbundesamt: Klimaschutz macht keine Ferien
http://www.umweltbundesamt.de/themen/klimaschutz-macht-keine-ferien-0

CO2-Rechner des Bundesumweltministeriums und klimAktiv
http://klimaktiv.klimaktiv-co2-rechner.de/de_DE/page/

Bundesumweltministerium mit Informationen zum Verkehr
http://www.bmu.de/verkehr/aktuell/1787.php

Broschüre des Umweltbundesamtes: "Verkehr: Anpassung an den Klimawandel" (PDF)
http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/anpassung-an-den-klimawandel-verkehr

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