
Chemikalien in der Textilherstellung
In vielen Textilien und Stoffschuhen von großen Bekleidungsmarken finden sich Nonylphenolethoxylate (NPE). Das hat die Umweltorganisation Greenpeace in einer im August 2011 veröffentlichten Studie nachgewiesen. NPE werden für Waschmittel in der Textilproduktion verwendet. Durch chemische Abbauprozesse werden sie in giftiges Nonylphenol umgewandelt.
Infolge der Veröffentlichung der Studie haben bisher (Stand 27.9.2011) drei Hersteller – Puma, Nike und Adidas – sowie die Modekette H&M angekündigt, zukünftig auf gefährliche Chemikalien verzichten zu wollen.
Greenpeace hatte 78 Textilprodukte von 15 bekannten Marken auf NPE untersuchen lassen. Darunter waren Jacken, T-Shirts, Unterwäsche und Schuhe. In 52 Produkten fanden sich Rückstände.
Nonylphenol stört Hormonhaushalt
In Europa ist der Einsatz von NPE bereits seit 2003 streng reglementiert. In Waschmitteln werden sie nicht mehr eingesetzt, aber in manchen Pflanzenschutzmitteln sind sie noch enthalten. NPE sind sogenannte Tenside aus der Gruppe der Alkylphenolethoxylate. 45 Tenside verändern die Oberflächenspannung von Flüssigkeiten – daher können sich Pflanzenschutzmittel oder Waschmittel mit NPE besser verteilen und Oberflächen benetzen. Tenside ermöglichen es Flüssigkeiten zu vermischen, die eigentlich nicht vermischt werden können. Mit ihrer Hilfe kann zum Beispiel Öl in Wasser gelöst werden.
Gefährlich sind Nonylphenolethoxylate vor allem, weil durch chemische Abbauprozesse Nonylphenol (NP) entsteht. NP ist giftig, langfristig stabil und schwer abbaubar. Besonders giftig ist es für Wasserlebewesen. Es reichert sich im Wasser und in Wasserlebewesen an. Für den Menschen hat Nonylphenol eine ähnliche Wirkung wie das Hormon Östrogen. Es kann den Hormonhaushalt im menschlichen Körper verändern und steht im Verdacht, Missbildungen oder Fruchtbarkeitsstörungen auszulösen. Nonylphenol wird auch als 4-n-Nonylphenol bezeichnet. Die chemische Summenformel ist C15H24O.

Abbildung: Strukturformel von Nonylphenol (Quelle: Wikipedia)
Von der Wäsche in die Nahrungskette
Nonylphenol ist in Deutschland in der Umwelt weit verbreitet, doch meist in sehr geringen Konzentrationen. Ein Grund dafür ist, dass es weiterhin für manche Zwecke verwendet werden darf. Eine weitere Belastungsquelle sind Importtextilien aus Ländern, wo NPE noch in Waschmitteln eingesetzt wird. Rückstände bleiben nach der Herstellung in den Kleidungsstücken haften und gelangen mit der Wäsche ins häusliche Abwasser.
Nonylphenol wurde in Deutschland auch in Nahrungsmitteln nachgewiesen. In die Nahrungskette kann es über Pflanzenschutzmittel und belastete Gewässer gelangen, aber auch durch die Düngung von Feldern mit Schlamm aus Kläranlagen.
Knitterfrei mit Chemie
Neben Nonylphenolethoxylaten werden in der Textilproduktion viele weitere chemische Substanzen eingesetzt. Ohne chemische Behandlung lassen sich viele gewünschte Eigenschaften von Stoffen nicht erreichen. Sie werden zum Beispiel beim Bleichen und Färben verwendet oder um Kleidung besonders pflegeleicht und knitterfrei zu machen. Chemische Produkte werden auch beim Transport eingesetzt, zum Beispiel um Schimmel oder Mottenbefall zu verhindern.
Der Einsatz von Chemikalien bei der Textilproduktion ist vor allem dann bedenklich, wenn er kaum kontrolliert wird. Kleidung wird wegen der geringeren Lohn- und Produktionskosten zum größten Teil in asiatischen Ländern wie China oder Bangladesch hergestellt. Umweltorganisationen weisen immer wieder darauf hin, dass dort vielerorts katastrophale Arbeits- und Umweltbedingungen herrschen. Das Verbrauchermagazin Öko-Test weist regelmäßig bedenkliche Chemikalien in Textilprodukten insbesondere aus asiatischen Ländern nach – einige seien "randvoll mit Schadstoffen".
Verbraucher haben Ansprüche
Die aktuellen Erklärungen von Textilunternehmen, auf gefährliche Chemikalien zu verzichten, stehen teilweise im Widerspruch zu ihren Selbstdarstellungen. So heißt es im Nachhaltigkeitsreport von H&M: "Wir wenden das Vorsorgeprinzip in unserer Umweltarbeit an und haben einen präventiven Ansatz mit der Substitution [dem Ersatz, Anm.d.Red] von gefährlichen Chemikalien übernommen." Umweltorganisationen fordern, dass solche hohen Ansprüche auch für Zulieferer der Unternehmen gelten müssten.
Auch bei den Verbraucher/innen haben sich die Ansprüche an Unternehmen gewandelt. Laut einer Trendstudie der Otto Group legen sie zunehmend Wert darauf, dass bei der Produktion soziale und ökologische Standards eingehalten werden.
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