Hintergrund: Elektroaltgeräte und Recycling

16. Februar 2012
Gestapelte Fernseher in einem Wertstoffhof.

Ob Kühlschrank, Fernseher, Handy oder Laptop: In Elektro- und Elektronikprodukten werden viele wertvolle Rohstoffe verbaut. Bei einer geordneten Entsorgung können sie recycelt werden. Doch viele Altgeräte (Abfälle) werden illegal exportiert: In Afrika oder Asien werden sie zum Beispiel durch unzureichende Recyclingverfahren und auf unkontrollierten Deponien zur Gefahr für Umwelt und Gesundheit. Was steckt in den Geräten und wie funktioniert das Recycling?

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Im August 2012 ist eine neue EU-Richtlinie über Elektro- und Elektronikaltgeräte in Kraft getreten. Die sogenannte WEEE-Richtlinie soll unter anderem helfen, gegen den illegalen Export von gefährlichen Elektroaltgeräten vorzugehen. Denn diese landen teilweise auf illegalen und unkontrollierten Mülldeponien im Ausland, vor allem in asiatischen und afrikanischen Ländern. Dort werden unter extrem gesundheitsschädlichen Bedingungen aus den Geräten Rohstoffe gewonnen. Die neue Richtlinie soll auch das Recycling und die Verwertung fördern, indem die Rückgabe für Verbraucherinnen und Verbraucher einfacher wird.

Exportierte Umweltgefahr

Die Gefahren durch die unkontrollierte Abfallbehandlung wurden in der Vergangenheit immer wieder in Medienberichten aufgegriffen. Auch UNICEF macht mit dem UNICEF-Foto des Jahres 2011 darauf aufmerksam. Es zeigt einen Jungen auf einer Giftmüllhalde in Agbogbloshie – einem Ort in der Nähe der ghanaischen Hauptstadt Accra.

Dort werden Monitore zertrümmert und Gehäuse verbrannt, um wertvolle Metalle aus dem Schrott zu gewinnen. Dabei werden zum Teil hochgiftige Substanzen wie Schwermetalle, Bromverbindungen, Dioxine und andere Chlorverbindungen freigesetzt. Die Deponien stellen daher eine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung und die Umwelt dar. Andererseits bilden sie die Lebensgrundlage für viele Menschen, die sich mit den gefundenen Rohstoffen das Überleben sichern.

Illegaler Markt für Altgeräte

Der Export von gefährlichen Abfällen in Entwicklungsländer ist verboten. Elektro- und Elektronikaltgeräte für den Privatgebrauch müssen laut einem Gesetz von 2005 (ElektroG) bei den Sammelstellen der Kommunen abgegeben und vom Hersteller entsorgt werden. Doch bisher werden längst nicht alle Geräte wie vorgesehen gesammelt und verwertet.

Laut einer vom Umweltbundesamt (UBA) in Auftrag gegebenen Studie gelangten 2006 in Deutschland zirka 1,8 Millionen Tonnen neue Geräte auf den Markt. Im gesetzlichen Verwertungssystem wurden im gleichen Zeitraum 754.000 Tonnen Altgeräte gesammelt. Für die Differenz gibt es verschiedene Gründe: Zunächst einmal wirken sich bei der Betrachtung eines Jahres die verschiedenen Lebenszyklen der Geräte aus. Ein Teil der Geräte landet jedoch auch im Restmüll, viele werden zu Hause gelagert – und ein Teil landet auf dem illegalen Markt.

So wurden 2008 insgesamt rund 155.000 Tonnen Elektrogeräte aus Deutschland nach Asien und Afrika exportiert. Ein - nicht ermittelbarer - Anteil dieser Menge wurde illegal als gebrauchte Geräte verbracht, obwohl es sich um Altgeräte (Abfälle) handelte. Exporteure deklarieren viele Altgeräte als funktionsfähig, damit sie nicht unter die Regeln für gefährliche Abfälle fallen. Es wird davon ausgegangen, dass der Großteil dieser Elektrogeräte, die eigentlich als Abfälle gelten müssten, am gesetzlich vorgeschriebenen Sammelsystem vorbeigeschleust wurde.

Würde es sich tatsächlich um funktionsfähige Geräte handeln, wäre ein Export sinnvoll, wenn die Geräte weiter genutzt werden: Die mit viel Energie- und Materialaufwand produzierten Artikel hätten eine längere Lebensdauer.

Gute Gründe fürs Recycling

Bei den Exporten nach Asien und Afrika machten im Jahr 2008 Fernseher mit 38 Prozent den größten Teil aus, gefolgt von Monitoren und Kühl- und Gefriergeräten. Auch alle anderen in Privathaushalten verbreiteten Geräte – zum Beispiel Handys oder Computer – finden sich entsprechend häufig auf dem Gebrauchtmarkt und im Abfall.

Elektro- und Elektronikprodukte haben gemeinsam, dass sie neben einem hohen Anteil von Kunststoff viele Metalle wie Kupfer, Aluminium, Edel- oder Technologiemetalle enthalten. Die im Jahr 2008 in Deutschland anfallenden Altgeräte enthielten schätzungsweise 1,2 Tonnen Silber, 240 kg Gold und 120 kg Palladium.

Auch der hohe Aufwand für die Herstellung der Produkte spricht für das Wiederverwenden. Die Aufbereitung von Rohstoffen wie den Seltenen Erden kann sehr aufwändig sein. Zudem werden manche Rohstoffe unter ethisch und ökologisch nicht vertretbaren Bedingungen gefördert. So nutzten während des Krieges in der Demokratischen Republik Kongo 1998 bis 2004 die Kriegsparteien den Coltan-Abbau, um Waffen zu finanzieren.

Zum Aufwand bei der Herstellung zählen auch der Transport und Energieverbrauch. Die Rohstoffe und Einzelteile von Elektronikprodukten stammen oft von verschiedenen Kontinenten.

Goldmine Handy

Das Beispiel eines Handys macht deutlich, was in Elektronikgeräten steckt und wie die geordnete Entsorgung funktionieren kann. Ein Handy besteht typischerweise aus folgenden Komponenten (je nach Modell, Produktionsjahr und Funktionen können sich die Werte unterscheiden):

  • 56 % Kunststoffe vor allem Gehäuse, Tastatur oder verbindende Elemente
  • 25 % Metalle in elektronischen und mechanischen Komponenten
  • 16 % Glas und Keramik, zum größten Teil im Display
  • 3 % sonstige Stoffe (Flüssigkristalle, Flammenhemmer)

 

Besonders die Metalle sind wertvoll. Eisen, Aluminium und Kupfer machen zirka ein Viertel aus. In kleinen Mengen kommen Nickel, Blei, Silber, aber auch Gold, Lithium oder Zink vor. Die Bestandteile müssen bei der Entsorgung sorgfältig getrennt werden, denn zum Teil können sie gefährliche Stoffe enthalten. So enthielten Handy-Akkus bis vor einigen Jahren das gesundheitsschädliche Cadmium. Dies ist seit 2003 in der EU verboten, in einigen alten Modellen ist es aber noch zu finden. Zum Teil können gefährliche Stoffe auch bei unsachgemäßer Entsorgung entstehen, zum Beispiel bei der Verbrennung der Kunststoffe.

Bei der geordneten Abfallentsorgung werden Handys in ihre Einzelteile zerlegt: Displays werden abmontiert, da Glas und Flüssigkristalle sich wiederverwenden lassen. Akkus werden als Altbatterien entsorgt. Auch dabei können einzelne Bestandteile recycelt werden, zum Beispiel Nickel, Blei, Cadmium, Quecksilber, Silber, Eisen und Kupfer. Der Rest des Gerätes wird geschreddert. Auch dabei können Metalle gezielt herausgetrennt werden, beispielsweise durch Magnete. In spezialisierten Recyclingbetrieben können so auch aus kleinen Bestandteilen Blei, Nickel, Gold, Wismut, Zinn, Antimon oder Indium herausgelöst werden.

Bei funktionsfähigen gebrauchten Handys gibt es eine Alternative zur Abfallentsorgung: Sie können zum Beispiel als Spende an soziale Einrichtungen weitergereicht werden.

Wohin mit den Altgeräten?

Wie eine geordnete Entsorgung ablaufen sollte, ist in Deutschland im Elektro- und Elektronikgerätegesetz geregelt. Es sieht vor, dass Privatverbraucher Altgeräte kostenlos bei Sammelstellen der Städte und Gemeinden abgeben können. Die Hersteller wiederum sind verpflichtet, die Geräte von den Entsorgungsstellen zurückzunehmen, zu recyceln und fachgerecht zu entsorgen.

Auch die neu gefasste EU-Richtlinie soll bewirken, dass mehr Altgeräte gesammelt und verwertet werden. Kleinere Geräte sollen demnach direkt bei den Händlern zurückgegeben werden können. Die Richtlinie soll auch illegale Exporte bekämpfen helfen, damit keine Abfälle auf gefährliche Deponien in Asien und Afrika mehr gelangen: Es dürfen künftig grundsätzlich nur noch überprüfte, funktionsfähige Gebrauchtgeräte als Nichtabfall exportiert werden. In Zukunft sollen Exporteure beweisen, dass sie funktionsfähige Gebrauchtgeräte verschiffen.

 

Weiterführende Links zum Thema

Umweltbundesamt: Export von Elektroaltgeräten – Fakten und Maßnahmen
http://www.uba.de/uba-info-medien/4000.html

Bundesumweltministerium: Überblick Abfallwirtschaft
http://www.bmu.de/abfallwirtschaft/aktuell/3794.php

Unterrichtsdossier Handy-Recycling für Mittel- und Oberstufe (Schweiz)
http://www.umweltschutz.ch/index.php?pid=1201

Deutscher Text der WEEE-Direktive (The Waste Electrical and Electronic Equipment Directive) (Fassung Europäisches Parlament; abschließende Ratsentscheidung steht noch aus)
http://www.europarl.europa.eu/WEEE

UNICEF: Bild des Jahres 2011
http://www.unicef.de/aktionen/unicef-foto-des-jahres/

 

Aktualisiert am 7. Februar 2013

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