Hintergrund

Fleischkonsum: Klima- und Umweltbilanz

Hamburger

Fleisch ist für viele Menschen ein fester Bestandteil der Ernährung – sei es das Salamibrot, die Spaghetti Bolognese oder der Sonntagsbraten. Vor allem in den Industrieländern verbrauchen die Menschen im Durchschnitt verhältnismäßig viel Fleisch. Das wirft nicht nur ethische Fragen auf, sondern wirkt sich auch auf Umwelt und Klima aus – zum Beispiel durch einen hohen Wasser- und Flächenverbrauch.

Weltweit nimmt der Verzehr von Fleisch seit Jahrzehnten drastisch zu: Wurden 1961 noch 70 Millionen Tonnen Fleisch im Jahr verspeist, waren es im Jahr 2011 bereits 283 Millionen Tonnen. Der steigende Fleischkonsum hat Auswirkungen auf Tier, Mensch und Umwelt. Darauf will auch der "Fleischatlas 2014" hinweisen, der im Januar pünktlich zur Grünen Woche in Berlin erschienen ist. Herausgegeben vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Heinrich-Böll-Stiftung und der Zeitung Le Monde Diplomatique, bietet die Publikation Daten und Zahlen rund um Fleischproduktion und -konsum in Deutschland und weltweit. Zugleich rufen die Herausgeber zu einem verantwortungsvolleren Fleischkonsum auf.

Das Thema Fleisch auf dem Speiseteller führt immer wieder zu hitzig geführten Debatten. Das zeigte zuletzt die Diskussion um die mögliche Einführung eines "Veggi-Day". Aber auch Skandale wie um nicht deklariertes Pferdefleisch oder sogenanntes Gammelfleisch,erregen die Gemüter. Fleischproduktion und -verbrauch sind ein komplexes Thema – dazu gehört auch der Aspekt Klima- und Umweltbilanz.

Auf den Tellern landet immer mehr Fleisch

60 Kilogramm Fleisch und Wurst verbraucht ein Deutscher oder eine Deutsche im Jahr. Im Vergleich zum Jahr 1850 hat sich der Fleischkonsum in Deutschland damit vervierfacht. Damals aßen die Deutschen pro Kopf noch 20 Kilogramm Hülsenfrüchte im Jahr, zum Beispiel Erbsen, Linsen oder Bohnen. Doch von diesen zum Fleisch alternativen Eiweißlieferanten verspeisen die Deutschen heute nur noch 500 Gramm pro Kopf im Jahr. Fleisch wurde zunehmend zu einem wichtigen Lebensmittel: Heute isst jeder Deutsche im Laufe seines Lebens im Durchschnitt 1.094 Tiere: nämlich 945 Hühner, 46 Schweine, 46 Puten, 37 Enten, 12 Gänse, 4 Rinder und 4 Schafe. Vor allem seit den 1950er-Jahren ist der Fleischkonsum enorm angestiegen: Zwischen 1950 und 2009, also in nicht einmal 50 Jahren, hat sich der Fleischverzehr in Deutschland mehr als verdoppelt.

Auch weltweit steigt die Nachfrage nach Fleisch, wobei sich eine neue Dynamik erkennen lässt: Der Fleischkonsum scheint in den reichen Ländern seinen Höhepunkt erreicht zu haben und stagniert – im Verhältnis zu Entwicklungs- und Schwellenländern bleibt der Fleischverbrauch in den Industrieländern jedoch weiterhin hoch. In Schwellenländern wie Brasilien, Indien, China oder Südafrika, die durch zunehmenden Wohlstand und eine wachsende Mittelschicht gekennzeichnet sind, steigt auch der Fleischkonsum. Fleisch gilt nicht nur als Kraftspender und Eiweißlieferant, sondern auch als Luxussymbol. In den ärmsten Ländern liegt der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch bei 10 Kilogramm jährlich – im Vergleich zu den 60 Kilogramm Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland.

Drastische Folgen für Umwelt und Klima: Flächenverbrauch

Der hohe Fleischkonsum hat direkte Auswirkungen auf die Tiere, zum Beispiel durch immer weiter verbreitete Massentierhaltung. Zugleich wirkt sich das Verspeisen von Fleisch auch auf die Umwelt- und Klimabilanz aus. Ein zentraler Aspekt dabei ist der hohe Verbrauch von Weiden- und Ackerflächen für die Tiere. Pflanzliche Lebensmittel wie Getreide können direkt konsumiert werden. Bei Fleischprodukten gibt es hingegen einen "Umweg": Bevor die Tiere auf dem Teller landen, werden sie gefüttert.

Über 40 Prozent der Ernte von Weizen, Roggen, Hafer und Mais wandern direkt in die Futtertröge. Um ein Kilogramm Fleisch von einem Mastschwein zu gewinnen, werden beispielsweise etwa drei Kilogramm Futter benötigt. Bei Rindern liegt der Anteil noch höher. Hier braucht es wesentlich mehr pflanzliche Substanz, um den gleichen Nährwert als tierisches Produkt zu erzielen.

Durch den Fleischboom ist der Futtermittelbedarf und damit der Flächenbedarf enorm gestiegen. Und das obwohl zum Beispiel Rind, Schaf und Ziege eigentlich Grasfresser sind. Doch Gras, Heu oder Silage machen nur 40 Prozent des Tierfutters insgesamt aus. Die Landwirte setzen auf einen hohen Anteil an Kraftfutter wie Mais und Soja, damit die Tiere schneller wachsen.

Damit haben tierische Lebensmittel auf indirekte Weise einen deutlich höheren Flächenbedarf als pflanzliche, sei es als Ackerland oder als Weidefläche. In Afrika, wo 80 Prozent der Getreideernte von Menschen gegessen werden, wären solche Zahlen unvorstellbar. Das Hungerrisiko ist vor allem südlich der Sahara viel zu hoch – Weizen, Mais und Soja sind effizienter als Nahrungsmittel zu verwenden.

Zerstörung von Ökosystemen

Ein Großteil der Fleischproduktion in Europa wirkt sich auch auf Agrarflächen außerhalb des Kontinents aus, indem Futtermittel importiert werden. So benötigte die Fleischproduktion in der Europäischen Union in den Jahren 2008 bis 2010 rund 13 Millionen Hektar Anbaufläche für Soja in Südamerika. Man spricht hier auch von einem virtuellen Landhandel.

Mit diesem "Ankauf" von Land ist die Rodung tropischer Regenwälder sowie deren Umwandlung in Weide- und Anbauflächen verbunden. In Südamerika werden laut Angaben des World Wide Fund for Nature (WWF) jährlich noch immer vier Millionen Hektar Wälder vernichtet, vor allem zum Anbau von Soja. Die brasilianische Savanne, der Cerrado, ist eines der artenreichsten Savannenlandschaften der Erde. Laut WWF waren 2008 bereits 47 Prozent des Cerrado vernichtet. Mit der Umwandlung von Regenwald in Ackerflächen gehen nicht nur wichtige CO2-Speicher verloren, sondern auch Ökosysteme und damit Lebensräume für Tiere und Pflanzen.

15.455 Liter Wasser für ein Kilogramm Rindfleisch

Die Fleischproduktion ist recht wasserintensiv. Laut einer Untersuchung des WWF wurden für ein Kilogramm Rindfleisch knapp 15.500 Liter Wasser beansprucht. Wenn das Rind geschlachtet wird, hat es im Schnitt 1.300 Kilo Getreide und 7.200 Kilo Raufutter, zum Beispiel Heu, gefressen. Dieses Futter braucht Wasser, um zu wachsen. Außerdem trinkt das Tier durchschnittlich 24 Kubikmeter Wasser und sieben Kubikmeter Wasser benötigt die Stallreinigung.

Neben dem hohen Verbrauch stellt auch die Verschmutzung von Trinkwasser ein Problem dar. Zum Beispiel durch Antibiotika, die in der Massentierhaltung eingesetzt wird. Aber auch durch künstliche Düngemittel, die auf konventionell geführten Ackerflächen eingesetzt werden, um Futtermittel zu produzieren.

Klimabilanz und Fleischverzehr

Der Konsum von Fleisch hat auch Auswirkungen auf das Klima. Dazu gehört zum Beispiel die Umwandlung von Graslandschaften und Wäldern zu Ackerland. Durch den Abbau von Humus, der CO2 bindet, wird sehr viel CO2 freigesetzt. Wiesen und Wälder sind wichtige CO2-Speicher.

Außerdem stoßen einige Tiere die klimaschädlichen Gase Methan und Lachgas aus – das betrifft die Wiederkäuer Rind, Schaf und Ziege. Ein Rind gibt 200 Liter Methan täglich an die Atmosphäre ab. Es ist damit in etwa so klimaschädlich wie ein Kleinwagen, der im Jahr 18.000 Kilometer gefahren wird. Das Rind hat im Vergleich zum Schwein beim CO2-Ausstoß eine dreimal schlechtere Klimabilanz. Die schlechte Klimabilanz des Rindes liegt auch daran, dass diese viel Kraftfutter bekommen. Fleisch aus Weidehaltung hingegen kann annähernd klimaneutral erzeugt werden: Weideflächen zum Grasen binden wiederum Klimagase. Zur Entstehung von Treibhausgasen trägt ebenfalls die Herstellung und Verwendung von Dünger bei. Laut Welternährungsorganisation FAO ist Dünger für mehr als ein Drittel der Treibhausgase, die aus der Tierhaltung stammen, verantwortlich.

Bewusster Fleisch essen

Angesichts ethischer Fragen, aber auch vor dem Hintergrund der Umweltprobleme, wächst die Zahl von Vegetariern und Veganern in Deutschland sowie insgesamt die Akzeptanz vegetarischer Speisen. Neben dem Verzicht auf Fleisch können Verbraucherinnen und Verbraucher auch durch einen verantwortungsvolleren Fleischkonsum zum Umwelt- und Klimaschutz beitragen. Denn die Menge macht den Unterschied. Schon ein geringerer Fleischkonsum zahlt sich aus. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung weist darauf hin, dass ein hoher Fleischkonsum für eine gesunde Ernährung nicht nötig sei und empfiehlt, nur ein bis zwei Mal in der Woche Fleisch zu essen. Anregungen zu pflanzlichen Alternativen gibt es zum Beispiel beim Vegetarierbund.

Eine wichtige Rolle spielen auch Initiativen zur gemeinsamen Umstellung auf weniger Fleisch. Bremen zum Beispiel hat 2010 einen "Veggiday" eingeführt. An diesem Tag stehen in Restaurants und Kantinen die vegetarischen Produkten im Vordergrund, Unterstützung bei der Umsetzung liefert die Bürgerstiftung Bremen. Wenn die über 500.000 Einwohnerinnen und Einwohner Bremens jede Woche einen Tag auf Fleisch verzichten, sparen sie so viel CO2 ein wie 40.000 Autos pro Jahr ausstoßen. Solch ein "Veggiday" kann auch eine Alternative für die Verpflegung an Schulen oder im Betrieb sein.

Auch die Politik kann steuernd eingreifen. So fordert das Umweltbundesamt, die Anzahl der Tiere an die landwirtschaftlich genutzte Fläche zu binden. Das heißt, dass nur eine bestimmte Anzahl von Milchkühen, Mastschweinen oder Legehennen zugelassen wird, je nach vorhandener landwirtschaftlich genutzter Fläche. Lediglich Betriebe, die ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Tieren und Flächen aufweisen, sollten Privilegien, etwa im Baurecht, und Investitionsförderung erhalten.

Weiterführende Links

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Heinrich-Böll-Stiftung und Le Monde Diplomatique: Fleischatlas 2014 mit Zahlen und Fakten zum Fleischverbrauch
http://www.bund.net/index.php?id=18744

Pressemitteilung des Umweltbundesamtes und der Verbraucherzentrale für mehr Umweltfreundlichkeit im Lebensmittelbereich
http://www.umweltbundesamt.de/presse/presseinformationen/mehr-umweltfreundlichkeit-im-lebensmittelbereich

WWF-Studie zum Zusammenhang zwischen Ernährung und Klimawandel: "Klimawandel auf dem Teller" (PDF)
http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Klimawandel_auf_dem_Teller.pdf

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