Hintergrund: "Grüne" Veranstaltungen organisieren

07. Juni 2012
Public Viewing: Fans sitzend vor der Leinwand; Müll auf dem Boden.

Müllberge und endlose Staus müssen nicht sein: Große Events können auch umweltfreundlich und nachhaltig durchgeführt werden. Das hat zum Beispiel die WM 2006 in Deutschland gezeigt. Hier wurde viel Wasser gespart, Müll vermieden – und Hunderttausende reisten mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch im Kleinen, ob beim Public Viewing oder Schulfest, können viele Maßnahmen umgesetzt werden.

Gehört zu:

 

Die Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine ist ein Ereignis der Superlative: Geschätzt 150 Millionen Menschen werden die Spiele an ihren Fernsehgeräten live verfolgen, etwa 1,4 Millionen Fans werden bei den 31 Spielen in den EM-Stadien erwartet. Für das Turnier wurden acht Stadien neu gebaut oder umfangreich erweitert.

Sport hinterlässt Spuren

Zudem flossen in Polen und der Ukraine anlässlich der EM rund 33,1 Milliarden Euro in den Bau oder Ausbau von Straßen, Eisenbahnlinien, Stadien, Hotels und Flughäfen. 7000 Kilometer neue Autobahnen und Schnellstraßen wurden geplant. Das war als notwendig erachtet worden, damit die Besuchermassen zügig an- und abreisen können. Während des Turniers müssen große Distanzen überwunden werden. So liegen zwischen den Austragungsorten Posen im Westen Polens und Donezk im Osten der Ukraine 1.895 Kilometer. Allerdings wurden Teile des Verkehrsnetzes bis zum Beginn des Turniers nicht mehr fertig.

Ein Großereignis wie die Fußball-Europameisterschaft hinterlässt somit deutliche Spuren. Viele der Folgen für die Umwelt sind allerdings nicht auf den ersten Blick sichtbar: etwa die erhöhten Emissionen von Treibhausgasen und Luftschadstoffen durch die An- und Abreise der Gäste und der hohe Energie- und Wasserverbrauch bei der Veranstaltung selbst.

"Grüne" Fußball-WM in Deutschland

Es gibt bereits einige Beispiele für sportliche Großveranstaltungen, bei denen auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit geachtet wurde. So führten bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft 2005 und der Alpinen Ski-Weltmeisterschaft in St. Moritz die Pisten möglichst nicht durch sensible Regionen. Für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland wurde ein umfassendes Umwelt- und Klimaschutzkonzept entwickelt. Der Name: "Green Goal". Bei der WM der Frauen in Deutschland im Jahr 2011 wurde es fortgeführt und weiterentwickelt.

Bei der WM 2006 gelang es, durch Regenwassernutzung 18 Prozent Trinkwasser in den Stadien einzusparen. Die allermeisten Besucher (74 Prozent) reisten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die verkehrsbedingten Treibhausemissionen wurden um 19 Prozent gesenkt. Erstmals bei einer WM wurden Mehrwegsysteme eingesetzt. Vor allem dadurch schrumpfte die Menge des Abfalls um 17 Prozent. Dennoch verursachte die WM einen Ausstoß von 100.000 Tonnen Kohlendioxid und anderen Klimagasen. Sie sollen innerhalb von zehn Jahren andernorts eingespart und somit kompensiert werden – damit wäre die WM "klimaneutral". Zu diesem Zweck werden Klimaschutzprojekte in Südafrika und Indien finanziert.

Bei der Frauen-WM 2011 wurde Green Goal weiterentwickelt. Unter anderem wurde bei Fans dafür geworben, auch im Alltag Umwelt und Klima zu schützen. Die WM-Stadien führten ein Umweltmanagementsystem ein, das auch nach der WM bestehen bleibt. So wird der Betrieb der Stadien dauerhaft umweltfreundlicher.

Handlungsfelder für Nachhaltigkeit

Ob Mega-Event, Vereinsfeier oder Schulfest: Um eine Veranstaltung "grün" und nachhaltig zu gestalten, gilt es, viele Bereiche zu beachten. Energie, Mobilität, Lärm, Wasser/Abwasser, Abfall, Catering sowie der Materialverbrauch für Technik und Bauten spielen eine Rolle.

Nachhaltig bedeutet dabei mehr als "grün" oder "umweltfreundlich". Unter Nachhaltigkeit wird ein Gesamtkonzept verstanden, das eine Entwicklung zum Ziel hat, die ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich leistungsfähig ist. Nachhaltig handeln heißt somit auch, hier und heute nicht auf Kosten der Menschen in anderen Regionen der Erde und auf Kosten zukünftiger Generationen zu leben. Ein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen ist sorgfältig und effizient – und dauerhaft tragfähig.

Energie: Bei fast allen Arten von Veranstaltungen wird Energie benötigt, vor allem Strom für Beleuchtung, Beschallung und Wärme – manchmal auch Kühlung – für die Räume. Ein sparsamer und effizienter Umgang mit Energie senkt Emissionen und Kosten. Strom und Wärme sollten zudem möglichst aus erneuerbaren Quellen stammen. 

Mobilität: Der Verkehr ist eine der Hauptquellen für klimaschädliche Treibhausgase. Luftschadstoffe und Verkehrslärm belasten zusätzlich Mensch und Umwelt. Nicht zuletzt sorgen Staus und Parkplatzsuche für Ärger bei den Veranstaltungsbesuchern. Weil das ein häufiges Problem ist, geben sich Veranstalter hier meist besondere Mühe. Besucher bekommen Hinweise, wie sie öffentliche Verkehrsmittel nutzen oder wie sie ihr Auto außerhalb der Stadt oder von Wohngebieten parken können. Oft gibt es sogenannte Kombitickets. Das sind Eintrittskarten, die gleichzeitig als Fahrschein für öffentliche Verkehrsmittel gelten. Manchmal wird ein Shuttle-Service angeboten. Dabei holen Pendelbusse Besucher vom nächstgelegenen Bahnhof ab. Vollständig vermeidbar sind die Emissionen durch An- und Abreise nicht. Dennoch können Veranstaltungen am Ende "klimaneutral" sein, wenn Emissionen durch Klimaschutzmaßnahmen anderer Stelle wieder ausgeglichen werden.

Wasser/Abwasser: Trinkwasser sparen lässt sich etwa, indem es durch Regenwasser-, Oberflächen- oder Brunnenwasser ersetzt wird. Das ist zum Beispiel bei der Bewässerung von Grünflächen oder bei Toilettenspülungen möglich. Zusätzlich kann der Wasserverbrauch insgesamt gesenkt werden. Dabei helfen sparsame Wasserhähne mit Durchflussbegrenzer und Stoppautomatik oder Trockenurinale.

Abfall: Die größten Abfallmengen fallen meist bei der Verpflegung an. Oft machen auch Werbematerialien wie Flyer, Give-aways und Fanartikel einen erheblichen Teil des Müllbergs aus. Zur Vermeidung bieten sich Mehrwegsysteme für Becher und Geschirr an; Werbeartikel können beschränkt werden. Auf Plastikteller und Kunststoffbesteck kann verzichtet werden, wenn Essen angeboten wird, das sich aus der Hand essen lässt, wie Bratwürstchen im Brötchen, Pizzastücke oder sogenannte "Wraps". Ist auf Teller gar nicht zu verzichten, empfehlen sich Pappschalen und Holzgabeln statt Plastikgeschirr. Bei größeren Events kann sich auch ein "Geschirrmobil" lohnen: Dabei befinden sich Geschirr, Gläser, Besteck und eine Spülmöglichkeit in einem Anhänger. Müll, der nicht zu vermeiden ist, wird hingegen getrennt gesammelt und entsorgt.

Catering (Verpflegung): Auch die Qualität, Herkunft und Produktionsweise von Lebensmitteln sind für die Nachhaltigkeit relevant. Ökologisch erzeugte, regionale und saisonale Lebensmittel schonen natürliche Ressourcen und begrenzen klimaschädliche Emissionen. Zum Grillen wird am besten zertifizierte Holzkohle aus heimischen Wäldern und nachhaltiger Forstwirtschaft verwendet. So ist sichergestellt, dass für die Grillkohle kein Tropenholz verwendet wurde und sie nicht Pech, fossile Kohlearten, Erdöl, Koks oder sogar Kunststoffe enthält.

Lärm: Ob Applaus, Fangesänge, Musik oder der Krach durch Verkehr – Großveranstaltungen erzeugen Lärm. Geräusche lassen sich nicht ganz vermeiden, zum Beispiel bei einem Konzert; und beim Sport gehört der Jubel zum Erlebnis. Doch  kann Lärm die Lebensqualität von Menschen beeinträchtigen. Wenn Veranstaltungen, wie etwa Ski- oder Radrennen, in der freien Natur stattfinden, können auch Wildtiere erheblich gestört werden. Um Lärm zu begrenzen sollten "laute" Veranstaltungen in lärmgedämmten Räumen oder außerhalb von Wohn- oder Naturschutzgebieten stattfinden. Zudem kann es helfen, die Gäste ausdrücklich um Rücksicht zu bitten.
 

Materialverbrauch: Für viele Veranstaltungen müssen zeitweise spezielle Einrichtungen wie Zelte, Tribünen oder Medientechnik aufgebaut werden. Auch dabei lassen sich Ressourcen, Abfall und nicht zuletzt Kosten sparen. Bauteile und Materialien sollten umweltfreundlich und langlebig sein – dazu gehört auch, dass sie reparaturfreundlich und wartungsarm sind. Es sollten ausschließlich Stoffe verwendet werden, die recycelt oder umweltfreundlich entsorgt werden können. Eine Alternative zur Neuanschaffung kann auch das Mieten von Einrichtungen sein.

Die "grüne EM" zu Hause

Auch die Fans zu Hause können einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Zum Beispiel beim Public Viewing: Vom Abfall vermeiden bis zum nachhaltigen Catering lassen sich die gleichen Verhaltensweisen wie im Großen umsetzen.

Strom und somit Emissionen lassen sich hier mit energiesparenden Beamern und Fernsehern sparen. Sie erkennt man zum Beispiel am Siegel "Blauer Engel". Seit dem 30. November 2011 müssen in der EU zudem alle Fernseher eine Energieverbrauchskennzeichnung haben. Sie hat die Klassen A bis G, die sparsamsten Geräte sind die der Klasse A (ab 2014 ändern sich die Klassen). Um einen besonders energieeffizienten Fernseher auszusuchen, empfiehlt es sich, verschiedene Geräte einer Größe zu vergleichen. Dabei hilft auch die Angabe der Leistungsaufnahme und des Jahresenergieverbrauchs auf dem Etikett.

 

Weiterführende Links

Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt: Leitfaden für die nachhaltige Organisation von Veranstaltungen. Mit Arbeitsblättern für die Planung aller Bereiche von Abfall über Catering bis Wasser.
http://www.bmu.de/produkte_und_umwelt/umweltfreundliche_beschaffung/
nachhaltige_organisation_veranstaltungen/doc/36714.php

Bundesumweltministerium: Das Umweltkonzept zu WM 2006 - "Green Goal Legacy Report"
http://www.bmu.de/tourismus_sport/downloads/doc/38367.php

Bundesumweltministerium und Öko-Institut: Green Champions – Leitfaden für umweltfreundliche Sportgroßveranstaltungen. Enthält Checklisten und gesetzliche
Vorgaben (zum Beispiel zu Lärm), die auch für andere Veranstaltungen interessant sind.
http://www.bmu.de/tourismus_sport/downloads/doc/44935.php

Umweltbundesamt: Kennzeichnung von sparsamen Fernsehgeräten: 
http://www.umweltbundesamt.de/energie/kennzeichnung/fernsehgeraete.htm

 

 

---

Dieser Text steht unter der Creative Commons-Lizenz CC BY-NC-SA 3.0. Sie dürfen ihn zu allen nicht-kommerziellen Zwecken - also auch für den Unterricht - verwenden und bearbeiten, z.B. kürzen oder umformulieren. www.umwelt-im-unterricht.de muss immer als Quelle genannt werden. Details zu den Bedingungen finden Sie auf der Creative Commons-Website.