Hintergrund: Jeder Klick verbraucht Strom

24. Mai 2012
Server mit vielen gesteckten Kabel unterschiedlicher Farbe.

Jeder Klick verbraucht Strom

Das Internet ist mittlerweile ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft – am Arbeitsplatz, in der Schule und in der Freizeit. Bei den 14- bis 19-Jährigen sind 100 Prozent zumindest gelegentlich im Netz. Oft wird dabei vergessen, dass auch das Surfen im Netz Strom verbraucht. Mit der immer intensiveren Internetnutzung wird auch der Verbrauch steigen. Wie lässt sich hier Strom sparen? Wie kann grünes Surfen aussehen?

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Der Börsengang von Facebook am Freitag, 18. Mai hätte medial kaum besser inszeniert sein können. Der amerikanische Sender CNN berichtete live, genauso der deutsche Nachrichtensender n-tv. Radiosendungen waren genauso voll von Mark Zuckerbergs erfolgreichem sozialen Netzwerk wie Zeitungen und Onlineportale. Fast 900 Millionen Nutzerinnen und Nutzer weltweit sind bei Facebook registriert, an der Börse wurde das Unternehmen zunächst mit 104 Milliarden Dollar bewertet. 16 Prozent der gesamten Zeit im Internet verbringen deutsche User auf Facebook. Bis heute hält die Diskussion an, ob die soziale Plattform wirklich so viel Geld wert ist – vor allem nachdem der Aktienkurs nach dem Börsengang wieder gesunken war.

Die Diskussion an den Börsen und das mediale Interesse machen die wachsende Bedeutung digitaler Angebote deutlich. Dabei ist Facebook eine von vielen Internetseiten, die millionenfach aufgerufen werden. Die Suchmaschine Google, der Kurznachrichtendienst Twitter oder auch das Videoportal YouTube gehören ebenfalls dazu. User aus der ganzen Welt klicken sich durch das World Wide Web, so auch die Deutschen. Die Onlinenutzung hierzulande ist rasant gestiegen: Während 1997 gerade einmal 6,5 Prozent der Deutschen gelegentlich im Netz surften (rund vier Millionen Menschen), waren es 2011 73,3 Prozent (mehr als 51 Millionen Menschen). Waren es 1997 noch 76 Minuten pro Tag, die die deutschen User im Internet verbrachten, waren es 2011 schon 137 Minuten. Laut einer Studie von ARD und ZDF war die Gruppe der Internetnutzer in der Altersgruppe von 14 bis 19 in den Jahren 2010 und 2011 zu 100 Prozent zumindest gelegentlich im Netz.

Der Stromverbrauch der Informations- und Kommunikationstechnik steigt beachtlich

Worüber sich nur wenige Internetnutzer Gedanken machen: Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) – hierzu zählt unter anderem die Internetnutzung, aber auch der Mobilfunk oder der Gebrauch von Fernsehbildschirmen –, verbrauchen viel Strom. Im Jahr 2007 entfielen mehr als zehn Prozent des jährlichen Strombedarfs in Deutschland auf IKT: Das waren etwa 55,3 Terawattstunden (55,3 Milliarden Kilowattstunden). Private Endgeräte, also Computer, Fernseher, MP3-Player, Handys und andere elektronische Geräte, nahmen mit etwa 33 Terawattstunden (TWh) den größten Teil ein. Dazu kamen etwa 9 TWh durch Server und Rechenzentren, auf die Endgeräte von Unternehmen und Behörden entfielen 6,8 TWh und auf Kernnetz und Netzzugang (Mobilfunk und Festnetz) entfielen rund 6 TWh. Damit verursachte die IKT in Deutschland im Jahr 2007 rund 33 Millionen Tonnen des Klimagases CO2 – mehr als der gesamte deutsche Luftverkehr. Nach Schätzungen des Wuppertal Instituts und des Umweltbundesamtes gingen 2008 zwei Prozent des Stromverbrauchs auf die Internetnutzung zurück. Detaillierte Angaben, die sich ausschließlich auf die Internetnutzung mit den unterschiedlichen Abläufen beziehen, fehlen.

Es gibt jedoch Daten zum Stromverbrauch der Server, die vergleichbar sind mit Knotenpunkten im Netz: Sie bearbeiten die Anfragen der User innerhalb des World Wide Web. Die Server werden von den Internetanbietern, auch Provider genannt, zur Verfügung gestellt. Zum Betrieb und zur Kühlung aller Server in Deutschland waren im Jahr 2008 rund zehn Terawattstunden (zehn Milliarden Kilowattstunden) nötig. Das entspricht der Stromerzeugung von fast vier mittelgroßen Kohlekraftwerken.

Grünes Surfen ist möglich

Bei jedem Klick im Netz wird Strom verbraucht, auch für jede Anfrage über eine Suchmaschine. Wie das Unternehmen Google selbst bekannt gegeben hat, beläuft sich der Verbrauch einer Anfrage auf 0,3 Wattstunden. 100 Anfragen entsprechen in etwa dem Betrieb eines Notebooks (mit 30 Watt Leistung) über eine Stunde. Oder dem Betrieb einer 12-Watt-Energiesparlampe über 2,5 Stunden. Die effiziente Nutzung von Suchmaschinen kann also helfen, Strom zu sparen – und Zeit.

Es gibt auch sogenannte "Grüne Suchmaschinen" wie zum Beispiel Ecosia oder Znout. Sie versprechen, ihre Werbeerlöse in Klimaprojekte zu investieren – denn Suchmaschinenbetreiber machen ihren Gewinn über die Schaltung von Werbung. Dadurch soll das Nutzen der Suchmaschinen für den Verbraucher klimaneutral werden. Allerdings basieren sämtliche Angebote auf gängigen Suchmaschinen wie Google, Yahoo oder Bing, die bei jeder Suche ebenfalls aktiviert werden. Damit wird mit jedem Suchvorgang zweimal die Rechenleistung in Anspruch genommen. Außerdem spenden die herkömmlichen Suchmaschinen ihre Werbeerlöse in der Regel nicht in klimafreundliche Projekte.

Aber es gibt noch andere Möglichkeiten die Umwelt zu schonen. Verbraucherinnen und Verbraucher können sich ihren Internetanbieter unter ökologischen Gesichtspunkten auswählen. Es gibt Anbieter, die Ökostrom verwenden oder auch den Energiebedarf ihrer Rechenzentren bewusst reduzieren. Zur Orientierung über die Qualität der Ökostrom-Angebote dienen Siegel wie das TÜV-Gütesiegel. Auch eine schnelle Internetverbindung ist sinnvoll, denn eine leistungsstarke DSL-Verbindung mit hoher Datenübertragungsrate spart Zeit, zum Beispiel bei der Nutzung multimedialer Anwendungen, und damit auch Strom.

Auch mit der richtigen Auswahl des Geräts lässt sich Strom sparen

Fünf Stunden arbeiten am Computer verbraucht eine Kilowattstunde Strom – bei der Nutzung eines typischen Desktop-PCs mit einer Leistung von 200 Watt. Dafür kann man auch 25 Minuten lang staubsaugen –bei einer Leistung von 2.400 Watt. Bei einer Leistung von etwa 1.000 Watt kann man mit einer Kilowattstunde Strom eine Stunde lange bügeln, bei einem TV-Gerät mit 142 Watt ist sieben Stunden lang fernsehen möglich.

Ein PC, an dem man aufwändige Spiele spielen kann, beispielsweise mit 3D-Grafiken, hat jedoch eine wesentlich höhere Leistung. Er kann bis zu 767 Kilowattstunden Strom pro Jahr benötigen. Dabei wird ein Großteil des Stroms durch Prozessoren, Grafikkarten und den Bildschirm verbraucht. Auch die Zusatzgeräte verbrauchen viel Energie: Ein WLAN-Router etwa verbraucht pro Jahr so viel Strom wie ein moderner Kühlschrank. Ein TV-Plasmabildschirm mit über einem Meter Diagonale frisst gleich sechsmal so viel Strom.

Auch bei der Auswahl des Geräts können Verbraucherinnen und Verbraucher also auf den Aspekt des Stromsparens achten. Für Textarbeit, einfache Internetanwendungen und Ähnliches kann ein sparsamer Multimedia-PC ausreichen. Dieser ist mit 88 Kilowattstunden Stromverbrauch pro Jahr günstiger und umweltschonender als ein "Gamer-PC" mit bis zu 767 Kilowattstunden. Ein Laptop verbraucht im Schnitt 70 Prozent weniger Strom als ein stationärer Computer.

Zudem kann die Nutzung des Energiesparmodus den Stromverbrauch erheblich senken: Normalerweise verbraucht ein Computer etwa 80 Watt im Leerlauf, das heißt, auch wenn gar nicht daran gearbeitet wird. Im Energiesparmodus sind es nur ein bis vier Watt. Entsprechende Einstellungen kann der Nutzer an seinem PC individuell vornehmen.

Wer Computer, Drucker und Router richtig ausschaltet, das heißt nicht auf Stand-by laufen lässt, kann bis zu 40 Euro im Jahr sparen und damit auch die Umwelt schonen. Beim Kauf der Geräte können Verbraucherinnen und Verbraucher auf umweltfreundliche Geräte achten: Hilfreich ist zum Beispiel das Umweltzeichen "Blauer Engel".

Die IKT soll grüner werden

Bei der Reduzierung des Stromverbrauchs im Bereich IKT sollen Innovationen und Ideen aus dem Bereich "Green IT" helfen, also eine Zunahme grüner und umweltfreundlicher Kommunikations- und Informationstechnologien. "Green IT" umfasst dabei alles von der Herstellung der Produkte und Geräte über die Nutzung bis hin zur Entsorgung. Damit soll "Green IT" dazu beitragen, nicht nur den Energieverbrauch zu senken, sondern auch den Bedarf Seltener Erden zu reduzieren, die für die Produktion zum Beispiel von Mobiltelefonen nötig sind.

Doch die IKT kann auch helfen, Strom zu sparen. Weltweit, so schätzen Experten, könnten durch gezielte Anstrengungen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Jahr 2020 rund 7,8 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente vermieden werden – allein über die durchdachte Nutzung von IKT. Das würde rund 15 Prozent der für 2020 vermuteten weltweiten Emissionen entsprechen.

Solche Reduktionspotenziale ergeben sich zum Beispiel durch IKT-gestützte Dienstleistungen wie Onlinebuchungen und Onlinebanking, der intelligenten Steuerung von Stromnetzen und Stromversorgung sowie im Bereich der Gebäudeautomatisierung. Andere Beispiele lassen sich finden: Über Telearbeit sowie Telefon- und Videokonferenzen kann die Zahl der Reisen begrenzt werden. Wer über seinen Computer auch Faxe empfangen kann, spart das Faxgerät und damit ein zusätzliches Element, das Strom verbraucht.

 

Weiterführende Links zum Thema:

Das BMU bietet Informationen zu Green IT
http://www.bmu.de/produkte_und_umwelt/produktbereiche/green_it/doc/46803.php

Das Umweltbundesamt bietet Anregungen für den Unterricht "Green IT  Arbeitsmaterialien für Schülerinnen und Schüler"
http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/4258.html

Ebenso bietet das UBA den Ratgeber "Computer, Internet und Co  Geld sparen und Klima schützen"
http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/3725.html

Hintergrundpapier des UBA "Green IT: Zukünftige Herausforderungen und Chancen"
http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/3726.html

Ratgeber des UBA "Ressourceneffiziente IT in Schulen – Optionen des energie- und materialeffizienten Einsatzes von Informationstechnik (IT)"
http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien

 

 

 

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