Hintergrund: Lärm und Lärmschutz

19. April 2012
Mehrere graue Nebelhörner, die gemeinsam verschaltet sind.

Lärm und Lärmschutz

Durch Flug- und Straßenverkehrsgeräusche fühlen sich viele Menschen gestört – aber auch der Fußballplatz nebenan oder die lauten Nachbarn können als Belästigung empfunden werden. Lärm ist eine Frage der subjektiven Wahrnehmung, dennoch gibt es durchschnittliche Schmerzgrenzen. Extremer Krach, aber auch chronischer Stress durch Dauerbeschallung können Menschen krank machen. Der "Tag gegen Lärm" informiert über Lärm, seine Ursachen und Auswirkungen. Wann schädigt Lärm, und wie kann man sich schützen? Welche Regelungen gibt es für den Lärmschutz?

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Der 25. April 2012 ist der 15."Tag gegen Lärm" – eine Initiative der Deutschen Gesellschaft für Akustik, gefördert durch das Umweltbundesamt (UBA) und das Bundesumweltministerium (BMU). Der Aktionstag findet seit 1998 jährlich im April statt. Dabei orientiert sich das Datum am "International Noise Awareness Day" den neben den USA inzwischen mehr als 40 Staaten weltweit begehen. In Europa beteiligen sich außer Deutschland unter anderem auch Österreich, die Schweiz und Spanien am "Tag gegen den Lärm". In diesem Jahr stehen zwei Bereiche im Fokus: Fluglärm und die Geräuschumgebung von Kindern.

Was genau ist Lärm? Lärm ist das, was der Mensch als störenden und belästigenden Schall wahrnimmt. Dabei ist nicht eindeutig messbar, ab wann jemand Geräusche als Lärm empfindet. Lärm ist insofern ein sozialer Begriff, da seine Wahrnehmung immer auch subjektiv ist. Was für die einen Lärm ist, ist für die anderen Musik. Die Bewertung hängt von Vorlieben ab, von der eigenen Gesundheit sowie der Art der Situation.

Wie wird Lärm gemessen?

Dennoch gibt es auch für Lärm eine Schmerzgrenze, die sich an der Hörfähigkeit des Durchschnittsmenschen orientiert. Denn Lärm kann gesundheitliche Auswirkungen haben und das körperliche, soziale und seelische Gleichgewicht gefährden. Neben dem subjektiven Empfinden von Lärm gibt es auch eine physikalische Komponente: den Schalldruckpegel beziehungsweise den Schallpegel. Dieser wird in der Einheit "Dezibel" – kurz dB(A) – bestimmt. Der Buchstabe "d" kommt von "dezi", also Zehntel. Das "B" steht für den Erfinder und Unternehmer Alexander Graham Bell. Der Schallpegel wird berechnet nach einem logarithmischen Relativmaß bezogen auf den Schalldruck, bei dem der durchschnittliche Mensch gerade eine Hörwahrnehmung hat. Diese Hörschwelle des Menschen bildet den Ausgangspunkt und entspricht 0 dB(A) – viele Menschen hören auch Schallpegel unter 0 dB(A). Die Schmerzgrenze liegt bei etwa 120 dB(A).

Aber was hat es mit dem "(A)" auf sich? Die Empfindlichkeit des menschlichen Ohres hängt nicht allein vom Schallpegel ab, sondern auch von der Frequenz. Tiefe und hohe Töne bewerten Menschen bei gleichem Schallpegel leiser als Töne im mittleren Frequenzbereich von etwa 1.000 Hertz (Hz). Um dies zu berücksichtigen, werden die im Schall enthaltenen Frequenzen unterschiedlich gewichtet und umgerechnet durch die sogenannte A-Bewertungskurve. Für einen tiefen Ton von 100 Hz liegt die (mittlere) Hörschwelle etwa bei 40 dB, bei einem hohen Ton von 10.000 Hz bei etwa 20 dB.

Die logarithmische Größe Bel beziehungsweise Dezibel wird auch in anderen Bereichen verwendet. Zum Beispiel in der Nachrichtentechnik für die elektrische Spannung: Der Spannungspegel wird in dBV gemessen mit der Bezugsgröße 1 Volt.

Konzentrationsmangel und Schlaflosigkeit bis hin zu Gehörschäden

Spricht man über gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Lärm, ist grundsätzlich zu unterscheiden zwischen einer direkten Schädigung des Gehörs sowie physischen und psychischen Auswirkungen, die nicht das Gehör unmittelbar selbst betreffen. Die Schmerzgrenze markiert dabei, ab wann eine akute Schädigung eintritt. So kann bei einer Stärke von etwa 130 dB(A) schon ein Augenblick genügen, um das Gehör nachhaltig zu verletzen. Durch eine Explosion mit einem Schallpegel von 150 dB(A) in unmittelbarer Nähe kann das Trommelfell platzen. Zum Vergleich: Beim Musikhören über Kopfhörer kann ein Schallpegel von bis zu 110 dB(A) erreicht werden, was etwa dem Pegel eines Presslufthammers entspricht.

Schwerhörigkeit durch Dauerschall oder durch kurzzeitige hohe Schallspitzen ist nicht heilbar. Die empfindlichen Hörsinneszellen können durch eine zu große Lautstärke geschädigt werden und sogar absterben. Zudem sinkt nicht nur die Hörfähigkeit, auch Einzeltöne lassen sich oft schlechter filtern. Eine weitere Gefahr ist das Erleiden eines Tinnitus, infolge eines Schalltraumas oder einer psychischen Überlastung. Ein Tinnitus kann zu beständigen Nebengeräuschen im Ohr führen.

Doch auch geringere Schallpegel können Hörschäden oder -beeinträchtigungen verursachen. Übliche Krankheiten sind Konzentrationsstörungen oder Schlafprobleme, vor allem durch konstanten Umgebungslärm wie von Baustellen oder Straßen – sie treten bereits ab einem Schallpegel von 25 dB(A) auf. Diese unterschiedlichen Stressreaktionen können sich langfristig zu Bluthochdruck und Herzproblemen ausweiten. Studien haben nachgewiesen, dass gesundheitliche Probleme auch dann auftreten können, wenn die betroffene Person den (Dauer-)Lärm gar nicht mehr als störend bemerkt.

Nachbar- und Verkehrslärm als größte Störquellen

Nach einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage zum "Umweltbewusstsein in Deutschland 2010" des BMU und des UBA fühlt sich über die Hälfte der Deutschen durch Straßenverkehrsgeräusche zumindest etwas gestört oder belästigt. 25 Prozent fühlen sich etwas gestört oder belästigt durch den Krach der Nachbarn – etwa durch laute Unterhaltungen und Partys. An dritter Stelle steht der Fluglärm, der von 18 Prozent als störend bis belästigend wahrgenommen wird. Menschen in unmittelbarer Nähe zu Straßen und Flughäfen fühlen sich teils auch äußerst und stark geschädigt: Beim Flugverkehrslärm betrifft das laut Umfrage vier Prozent, beim Straßenverkehrslärm elf Prozent.

Darüber hinaus finden sich weitere Lärmquellen im Alltag: Lärm durch den Schienenverkehr oder Bauarbeiten, Freizeitlärm durch Sportanlagen, Industrie- und Gewerbelärm von großen Fabriken oder kleinen Handwerksbetrieben. Auch hier gelten gesetzliche Bestimmungen. In den unterschiedlichen Bereichen gibt es daher viele Auflagen und Grenzwerte für den Lärmschutz. Im Arbeitsschutz ist ein Höchstwert von 80 dB(A) für einen Acht-Stunden-Tag vorgesehen. Wird dieser überschritten, muss der Arbeitgeber einen Lärmschutz zur Verfügung stellen – von Gehörstöpseln bis hin zu Kapselgehörschützern, auch als "Micky Mäuse" bekannt. Möglich sind auch Schallschutzkabinen für Maschinen.

Auch Club- und Discobesuche sowie Konzerte können das Gehör belasten: Stichprobenartige Lärmmessungen erfassten Pegel zwischen 90 und 110 dB (A) – ähnlich der Lautstärke einer Fabrikhalle. Ebenso stellt das Klassenzimmer häufig eine Lärmquelle dar. Durch laute Gespräche in Arbeitsgruppen, das Rücken der Stühle und zusätzliche Außengeräusche kann sich die Lärmkulisse nach Untersuchungen des Bundesamts für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin auf bis zu 80 dB(A) summieren. Ein besonderes Problem ist die hohe Nachhallzeit: Viele Klassenräume sind nämlich so ausgestattet, dass der Hall den Hintergrundlärm zusätzlich verstärkt. Bereits das kann stören. Doch zumeist reagiert man auf die so entstandenen Verständigungsprobleme mit noch lauterem Sprechen, damit wächst der Geräuschpegel weiter und kann sowohl von den Lehrkräften als auch von den Schülern und Schülerinnen als belastend empfunden werden.

Auswege aus dem Lärm: Dämmen, Schützen, Vermeiden

In einer nicht repräsentativen Online-Befragung des Umweltbundesamtes, an der sich bisher 70.000 Menschen beteiligten, gab nur ein Achtel der Befragten an, ohne Lärmbelästigungen zu leben. Lärm ist also ein weit verbreitetes Problem. Insofern gibt es zahlreiche Bemühungen auf unterschiedlichen Ebenen, den Schutz vor Lärm zu verbessern. Zuerst jedoch ist jede und jeder Einzelne gefragt, selbst Lärm zu vermeiden. Das bedeutet: Schon bei ersten Anzeichen der Überlastung sollte man reagieren. So kann man etwa in Clubs oder bei Konzerten Abstand von den Lautsprecherboxen halten oder spezielle Ohrstöpsel tragen, beim Musikhören über Kopfhörer die Lautstärke herunterdrehen oder zu Hause das Schlafzimmer nach Möglichkeit nicht zur Straßenseite legen. Wer beruflich großen Lautstärken ausgesetzt ist, sollte privat zudem für Ausgleich und Erholung sorgen. Beim Kauf von Werkzeugen und Geräten für Haushalt, Hobby oder Gartenarbeit wie Rasenmähern, Bohr- oder Küchenmaschinen gibt der "Blaue Engel" als akustisches Gütesiegel Hinweis auf besonders lärmarme Geräte.

Umweltlärm lässt sich allerdings für den Einzelnen kaum vollständig kontrollieren, deshalb kommt hier Gesetzgebern und Behörden eine große Verantwortung zu. Heute regelt bereits eine Reihe von Gesetzen den Lärmschutz. Auch finanzielle Anreize sollen beispielsweise helfen, schalldämmend zu bauen.

Für die Lärmdämmung und -abschirmung gibt es verschiedene Wege. Für den Straßenverkehr gehören dazu etwa Auflagen, Lärmschutzwände an Autobahnen zu bauen oder das Fahrverbot von Lastkraftwagen an Sonn- und Feiertagen. Ebenso wichtig ist es aber, Lärmquellen zu reduzieren: Verkehrsberuhigte Zonen und andere Tempolimits, aber auch die verbesserte Beschaffenheit von Fahrbahnen, Motoren und Reifen wirken sich positiv auf die Lärmbelastung aus.

Zwar sind in den vergangenen Jahren die Schutzmaßnahmen und lärmreduzierenden Technologien verbessert worden, auf der anderen Seite hat sich das Verkehrsaufkommen deutlich erhöht. Deshalb ist es auch wichtig, über das Verkehrsaufkommen an sich nachzudenken. Das gilt auch für den Flugverkehr, der kontinuierlich zunimmt. Im Jahr 2007 wurde daher das Gesetz zum Schutz gegen Fluglärm geändert. Mit der Gesetzesnovellierung wurden die Grenzwerte für den passiven Lärmschutz um 10 bis 15 dB(A) gesenkt. Dieser passive Lärmschutz umfasst zum Beispiel die Übernahme der Kosten für Schallschutzfenster von Anwohnerinnen und Anwohnern in der Nähe von Flughäfen. Mit der Absenkung der Grenzwerte haben mehr Haushalte Anspruch auf solch einen Ausgleich. Erstmals ist auch eine Nachtschutzzone auszuweisen, je nach Flughafen gibt es hier aber unterschiedliche Regelungen. Zuletzt entschied Anfang April 2012 das Bundesverwaltungsgericht Leipzig über ein Nachtflugverbot an Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt am Main. Das Verbot für Flüge zwischen 23 bis 5 Uhr wurde bestätigt, im Durchschnitt sollen lediglich 17 Starts und Landungen während dieser Zeit erlaubt sein. Damit ging ein jahrelanger Rechtsstreit um den Flughafen vorläufig zu Ende.

Ein weiterer Schritt in Richtung Lärmreduzierung ist die Umsetzung der europäischen Richtlinie zum Umgebungslärm. Hierfür wurden bereits in einer ersten Phase für 27 europäische Ballungsräume sogenannte Lärmkarten erstellt. In der zweiten Phase werden diese bis zum Juni 2012 auch für Städte ab 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner entwickelt. Vorgesehen ist dann, bis 2013 zu den Ergebnissen der Lärmkarten Aktionspläne aufzustellen. Sie sollen wirtschaftliche Anreize zur Lärmreduzierung beinhalten, aber auch Anregungen zur raumplanerischen und baulichen Gestaltung geben sowie mit technischen Maßnahmen zur Lärmminderung beitragen.

 

Weiterführende Links zum Thema:

Bundesumweltministerium mit Informationen zum Lärmschutz
http://www.bmu.de/laermschutz/aktuell/1690.php

Die Website des BMU bietet auch Hörbeispiele
http://www.bmu.de/laermschutz/ueberblick/akustische_beispiele/doc/41436.php

Umweltbundesamt mit Informationen rund um Lärm
http://www.umweltbundesamt.de/laermprobleme/index.html

Auf der Website des UBA findet sich auch ein Interview zum Thema als Podcast
http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/uba-podcast/index.htm

Aktionsseite "Tag gegen den Lärm"
http://www.tag-gegen-laerm.de/

Planet Wissen: Krachmacher – unsere Ohren im Dauerstress
http://www.planet-wissen.de/natur_technik/sinne/hoeren/hoeren_krachmacher.jsp

 

 

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