Hintergrund
18.12.2011

Online-Materialrecherche (I): Das Urheberrecht

Bildmontage: Iustitia, Weltkugel und Bücher

Darf man Inhalte anderer Websites – Texte, Bilder oder Videos – im Unterricht verwenden? Wir haben einige Informationen dazu zusammengestellt und wegen des großen Umfangs auf drei Beiträge aufgeteilt. In diesem ersten Teil geht es um den Hintergrund: Was müssen Sie beachten, wenn Sie Medien aus dem Netz verwenden – sei es für Arbeitsblätter, zum Zeigen auf dem Smartboard oder Beamer, zur weiteren Bearbeitung durch die Schüler/-innen oder zur Illustration der Website ihrer Schule?

In Teil 2 erklären wir das Lizenzmodell "Creative Commons" (CC). Materialien unter CC-Lizenz dürfen gebührenfrei verbreitet werden und bieten viele Vorteile im Bildungsbereich. Im dritten Teil stellen wir interessante Quellen für Fotos zu Umweltthemen und praktische Tipps zur Bildrecherche vor.

Wann betrifft mich das Urheberrecht?

Darf man Inhalte anderer Websites – Texte, Bilder oder Videos – eigentlich im Unterricht verwenden? Die Frage ist nicht immer einfach zu beantworten. Es kommt darauf an, welche Medien Sie verwenden möchten und was genau Sie damit vorhaben – möchten Sie nur zeigen, kopieren, oder für ein eigenes Arbeitsblatt bearbeiten und dieses wiederum vervielfältigen?

Das Urheberrecht betrifft Sie immer – jedenfalls sollten Sie davon ausgehen, wenn Sie Medien aus dem Netz im Unterricht verwenden wollen. Wichtig ist die Frage, inwieweit Sie die Texte und Fotos in der Schule zeigen oder sogar verändern dürfen. Es gibt wenige Ausnahmen, in denen gar kein Urheberrechtsschutz gilt – dazu mehr im zweiten Teil unserer Reihe. Allerdings gestatten viele Urheber ausdrücklich die Verwendung ihrer Medien.

Zunächst aber: Wozu dient das Urheberrecht? Wenn Sie sich den Zweck vor Augen halten, hilft dies oft schon bei der Einschätzung, was bei der Verwendung von Medien aus dem Netz beachtet werden muss.

Grundsätzlich soll das Urheberrecht die Interessen derjenigen schützen, die kreative Werke schaffen. Außer Fotos zählen dazu unter anderem auch Texte oder Musik. Schützen heißt: Dritte sollen sich die Werke nicht aneignen, verfremden oder damit Geld verdienen – jedenfalls nicht, ohne die Urheber zu fragen beziehungsweise sie dafür zu vergüten.

Professionelle Urheber wie Pressefotografen oder Schulbuch-Autoren verdienen ihr Geld damit, dass sie anderen gegen Entgelt gestatten, ihre Werke zu veröffentlichen – zum Beispiel Verlagen. Verlage oder kommerzielle Website-Betreiber wiederum verbreiten diese Inhalte, um damit Einnahmen zu erzielen. Oft erwerben sie dazu exklusive Verwertungsrechte von den Urhebern. Das heißt, dass niemand sonst dieselben Inhalte verbreiten darf. Auch die "öffentliche Aufführung" fällt darunter – damit ist auch das gemeinsame Anschauen von Videos im Unterricht nicht ohne Weiteres gestattet.

Welche Nutzung gestatten die Urheber?

Der Schutz des Urheberrechts gilt immer – auch wenn Inhalte nicht extra gekennzeichnet sind. Ein Copyright-Zeichen © zum Beispiel ist keine Voraussetzung dafür. Aber: Urheber können die Nutzung ihrer Inhalte auch ausdrücklich zulassen. Dabei dürfen sie detailliert festlegen, was mit den Werken geschehen darf und was nicht.

Und es gibt gesetzlich geregelte Ausnahmen speziell für die Schule. So ist es gestattet, "kleine Teile eines Werkes, Werke geringen Umfangs sowie einzelne Beiträge aus Zeitungen oder Zeitschriften zur Veranschaulichung im Unterricht [...] öffentlich zugänglich zu machen" (§ 52a UrhG).

Sie dürfen gedruckte Materialien also zeigen und sogar kopieren, auch das Aufrufen von Websites über den Beamer ist unproblematisch. Ausdrücklich ausgenommen von der Kopiererlaubnis sind allerdings Materialien der Schulbuchverlage – davon müssen also Klassensätze gekauft werden.

Wann dürfen Filme gezeigt werden?

Insbesondere bei Filmen muss darauf geachtet werden, dass sie tatsächlich "nicht öffentlich" gezeigt werden und dafür kein Geld verlangt wird. Nicht öffentlich heißt, dass der Teilnehmerkreis abgegrenzt und untereinander bekannt ist.  Das gilt für den Klassenverband; bei klassenübergreifenden Kursen oder offener Nachmittagsbetreuung jedoch möglicherweise nicht. Eine Aufführung beim Schulfest wäre eindeutig öffentlich, dafür müssten Gebühren entrichtet werden.

Probleme ergeben sich vor allem dann, wenn Materialien über den Unterricht hinaus gelangen könnten. Selbst erstellte Arbeitsblätter mit Infografiken aus der Zeitung an Kollegen weitergeben, Fotos im Blog des Schülerprojekts, auf den Postern für die Ausstellung bei der Projektwoche, Materialien für die Hausaufgaben auf der Schulwebsite: All diese Formen der Verbreitung wären nicht durch Ausnahmeregeln gedeckt.

Viele Urheber gestatten die Verwendung

Viele Urheber haben allerdings sogar ein besonderes Interesse daran, dass ihre Inhalte von möglichst vielen Menschen genutzt werden – gerade im Bildungsbereich. Daher erklären sie ausdrücklich, dass bestimmte Verwendungsarten gestattet sind:

  • Viele Lehrkräfte stellen ihre Unterrichtsmaterialien online Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung, zum Beispiel auf 4teachers.de.
  • Zahlreiche Skripte zu Lehrveranstaltungen werden von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zur freien Verwendung ins Netz gestellt. In Österreich zum Beispiel werden sie von der Website skriptenforum.net gesammelt.
  • Auch Fotos, die im Rahmen von Forschungsprojekten entstehen, dürfen häufig für Bildungszwecke frei verwendet werden.
  • Zudem stellt eine Reihe von staatlichen Einrichtungen Material zur Verfügung: Das Bundesarchiv hat viele historische Fotos in Zusammenarbeit mit Wikipedia online gestellt; die Bundeszentrale für politische Bildung bietet viele Texte auf ihrer Website sowie Videos in der Mediathek; auch die im Auftrag des Bundesumweltministeriums produzierten Texte von umwelt-im-unterricht.de dürfen für den Unterricht verwendet werden.

Solche verwendbaren Materialien sind in der Regel gekennzeichnet, die Bedingungen sind jeweils genannt. Meist werden dazu spezielle Lizenzmodelle wie Creative Commons (CC)  genutzt (mehr dazu im zweiten Teil unserer Reihe).

Will dagegen offensichtlich jemand mit den Inhalten Geld verdienen, dürfen Sie sie sehr wahrscheinlich nicht nutzen, ohne dafür Gebühren zu zahlen. Das gilt zum Beispiel für Fotos der großen Nachrichtenagenturen, die auf Magazin-Websites wie Spiegel Online oder zeit.de verwendet werden.

Verwendungsrechte anfragen

In jedem Fall aber gilt: Die Urheber haben das Recht, weitere Ausnahmen zu gestatten. Sie können also immer dort nachfragen, ob Sie bestimmte Inhalte nutzen dürfen. Geben Sie dabei möglichst genau an, auf welche Art die Texte, Bilder, Musik oder Videos verwendet werden und zu welchem Zweck. Gerade für Bildungszwecke gibt es oft kostenlose Genehmigungen. Lassen Sie sich diese am besten schriftlich geben, zum Beispiel per E-Mail, und bewahren Sie diese auf.

Weiterführende Links

Die Unesco und die Bundeszentrale für politische Bildung haben ausführliche, leicht verständliche Informationen zusammengestellt.

Der Verband Bildungsmedien hat zudem Kopierregeln für die Erwachsenenbildung zusammengestellt. Einen Überblick über Bestimmungen zu Fotokopien und digitalen Kopien in der Schule gibt es beim Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband.

Im zweiten Teil: Was sind "gemeinfreie Werke" und Creative Commons-Lizenzen?

Im dritten Teil: Praktische Tipps für die Bildrecherche

 

--

Dieser Text steht unter der Creative Commons-Lizenz CC BY-NC-SA 3.0. Sie dürfen ihn zu allen nicht-kommerziellen Zwecken - also auch für den Unterricht - verwenden und bearbeiten, z.B. kürzen oder umformulieren. www.umwelt-im-unterricht.de muss immer als Quelle genannt werden. Details zu den Bedingungen finden Sie auf der Creative Commons-Website.