Hintergrund: Wasserbedarf und Wasserfußabdruck

22. März 2012
Junge fängt Wasser mit Händen auf, um dieses zu trinken.

Wasser ist nicht nur das wichtigste Lebensmittel. Es wird auch im Haushalt, für Landwirtschaft und Industrie benötigt. Der weltweite Wasserbedarf steigt, denn die Weltbevölkerung wächst – und ihre Konsumbedürfnisse nehmen zu. Das kann die Wasserknappheit in manchen Regionen verschärfen. Denn für viele Produkte, die in Industrieländern genutzt werden, wird andernorts Wasser benötigt.

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Eigentlich ist Wasser auf der Erde im Überfluss vorhanden – insgesamt mehr als 1,3 Milliarden Kubikkilometer. Doch nur ein geringer Teil davon ist als Trinkwasser nutzbar. Rund 97 Prozent der globalen Wasservorräte sind Salzwasser, nur 2,6 Prozent Süßwasser. Im Gegensatz zu anderen wichtigen Rohstoffen wie Erdöl oder Kohle kann die Ressource Wasser auf der Erde zwar nicht "aufgebraucht" werden, da Wasser Teil eines Kreislaufs ist. Was sich sehr wohl verringern kann ist die Menge des nutzbaren, sauberen Wassers. Tatsächlich ist schon heute sauberes Wasser in vielen Regionen der Welt ein knappes und deshalb äußerst wertvolles Gut.

Während in den industrialisierten Staaten sauberes Wasser selbstverständlich ist, haben nach Angaben von Weltgesundheitsorganisation (WHO) und UNICEF rund 800 Millionen Menschen weltweit kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung, das entspricht 11 Prozent der Weltbevölkerung. Die meisten der Betroffenen (40 Prozent) leben in Afrika, in Regionen südlich der Sahara.

Die Menschheit braucht mehr Wasser

Das Problem der Wasserknappheit wird sich voraussichtlich verschärfen – nicht nur im südlichen Afrika, sondern auch in anderen Regionen. Zu diesem Ergebnis kommt der "Dritte Weltwasserbericht der Vereinten Nationen (UN)", der im März 2012 veröffentlicht wurde. Die Gründe für die Verknappung sind vielfältig. Zum einen wächst die Weltbevölkerung immer schneller, und damit der Bedarf an Wasser. Im Herbst 2011 hat die Zahl der Menschen auf der Erde die Sieben-Milliarden-Grenze überschritten. Jede Sekunde kommen 2,6 Menschen hinzu. Nach Schätzungen der UN werden 2020 bereits 7,8 Milliarden Menschen auf der Erde leben, 2050 voraussichtlich sogar 9,4 Milliarden. Zum anderen lassen auch Verstädterung und wirtschaftliche Entwicklung in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern den Bedarf an Trinkwasser steigen. Gleichzeitig nimmt der Wasserbedarf zur Gewinnung von Nahrung und Energie zu.

Auch der Klimawandel wirkt sich auf Wasserangebot und -nachfrage aus: Prognosen des Weltklimarats der UN zufolge wird die Erderwärmung in vielen Regionen zu stärkeren Niederschlägen führen, extreme Wetterereignisse werden insgesamt häufiger. In einigen schon heute trockenen Regionen kann es zu noch größerer Trockenheit und Dürre kommen.

Die Versorgungsprobleme werden in vielen Entwicklungsländern dadurch verschärft, dass die Infrastruktur unzureichend ist: Haushalte sind nicht an die Wasserversorgung angeschlossen, Leitungen und Bewässerungsanlagen sind mangelhaft, oft ist die Entsorgung und Reinigung von Abwasser nicht sichergestellt. So wird Wasser oft ineffizient genutzt, vorhandene Ressourcen werden verschmutzt.

Auch Europa ist nicht immer vorbildlich beim Umgang mit Wasser: In einigen Mitgliedstaaten gehen 50 Prozent des Trinkwassers durch marode Leitungen verloren. Sehr viel Wasser wird ineffizient zur Bewässerung von Nutzpflanzen verwendet. Dabei sind die Ressourcen in vielen Regionen knapp, insbesondere in Südeuropa. Umweltorganisationen kritisieren zudem die Verschwendung von Wasser für touristische Einrichtungen wie Golfplätze.

Wasser für Felder, Fabriken und Haushalte

Ohne Wasser kann keine Nahrung erzeugt werden. Das meiste Wasser wird weltweit in der Landwirtschaft benötigt. Insgesamt entfallen circa 70 Prozent des globalen Süßwasserbedarfs auf die Landwirtschaft. Nach Angaben des dritten UN-Weltwasserberichts sind das jährlich rund 7.130 Kubikkilometer. 20 Prozent davon werden zur Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen verwendet. Insgesamt 16 Prozent der landwirtschaftlichen Ackerflächen werden weltweit künstlich bewässert. Gedeckt wird der Bedarf zu einem Viertel aus Grundwasser und zu drei Viertel aus dem Oberflächenwasser, das Flüsse, Seen und noch nicht versickerte Niederschläge einschließt.

Der größere Teil der weltweiten Nahrungsmittelproduktion wird zwar noch im Regenfeldbau erzeugt, also ausschließlich mit den verfügbaren Niederschlägen. Auf den künstlich bewässerten Flächen entstehen jedoch bezogen auf die Fläche deutlich mehr Nahrungsmittel, insgesamt 40 Prozent der weltweiten Produktion. Der Grund: Der Ertrag bei künstlicher Bewässerung ist durchschnittlich 2,7-mal höher als bei der natürlichen Bewässerung durch Regen. Daher hat sich die bewässerte Fläche seit 1970 auf weltweit über 300 Millionen Hektar fast verdoppelt.

Die Industrie inklusive der Energieproduktion und private Haushalte haben im Vergleich mit der Landwirtschaft einen deutlich geringeren Anteil am weltweiten Wasserbedarf. Der Anteil der privaten Haushalte liegt bei nur etwa 20, der Anteil der Industrie nur bei zehn Prozent des weltweit benötigten Wassers.

Wer braucht das meiste Wasser?

Beim Wasserbedarf bestehen weltweit große Unterschiede: So liegt etwa in Nordamerika sowie in Europa der Anteil der Industrie an der Wasserentnahme bei rund 50 Prozent. Bei der Wasserentnahme pro Kopf reicht die jährliche Menge von 5.319 Kubikmeter in Turkmenistan und sechs Kubikmeter in der Zentralafrikanischen Republik. Der hohe Wert für Turkmenistan ist vor allem eine Folge des Baumwollanbaus, für den sehr viel Wasser benötigt wird. Die Zentralafrikanische Republik hingegen gehört zu den ärmsten Ländern Afrikas, in weiten Teilen des Landes fehlen Energie- und Wasserversorgung. 

Der weltweite Durchschnitt liegt bei rund 600 Kubikmeter pro Kopf. Ein Kubikmeter sind 1.000 Liter, der Durchschnittswert entspricht also 600.000 Liter pro Kopf. Deutschland lag 2007 verglichen mit anderen Industriestaaten mit einer Wasserentnahme von knapp 400 Kubikmeter beziehungsweise 400.000 Liter pro Kopf und Jahr im unteren Mittelfeld. Der tägliche Wasserverbrauch pro Kopf ist hierzulande seit Jahren rückläufig: 2007 wurden 122 Liter pro Kopf verbraucht – 22 Liter weniger als 1991.

Gemessen an der absoluten Menge sind Indien, China, die USA, Pakistan, Iran, Japan, Thailand, Indonesien, Bangladesch und Mexiko die zehn Staaten mit dem größten Wasserbedarf (nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN). Allein auf Indien und China entfällt etwa ein Drittel der weltweiten Wasserentnahme.

Wer hat den größten "Fußabdruck"?

Ein völlig anderes Bild beim Vergleich des weltweiten Wasserbedarfs ergibt sich, wenn auch das so-genannte -virtuelle Wasser- in die Rechnung einbezogen wird: Dabei wird das Wasser, das für die Produktion von Waren und Dienstleistungen entnommen wird, den Staaten zugerechnet, in denen diese Waren und Dienstleistungen verbraucht werden. Ein Beispiel: Wasser, das beim Anbau von Kaffee benötigt wird, wird nicht dem Land zugerechnet, das die Kaffeeplantagen bewässert und die Bohnen schließlich exportiert, sondern dem Land, in dem der Kaffee schließlich getrunken wird.

Addiert man also das vor Ort verbrauchte Wasser und das virtuelle Wasser, so beläuft sich der Wasserverbrauch in Deutschland auf 1.545.000 Liter pro Jahr oder 4.230 Liter pro Tag. Das haben Berechnungen der niederländischen Non-Profit-Organisation "Water Footprint Network" ergeben. Der auf diese Weise berechnete Wert für den Wasserbedarf wird als "Wasserfußabdruck" bezeichnet. Er liegt ein Vielfaches über dem Wert von 122 Litern pro Kopf und Tag, der sich ohne Einbeziehung des virtuellen Wassers ergibt. Die Umweltstiftung WWF kommt in einer ähnlichen Studie zum Wasserfußabdruck sogar auf 5.288 Liter pro Person und Tag – das entspricht etwa 27 gefüllten Badewannen. Der gesamte Wasser-Fußabdruck für Deutschland beträgt demnach 159,5 Billionen Liter pro Jahr (anders ausgedrückt: 159,5 Milliarden Kubikmeter).

Die weltweiten Werte für den Wasserfußabdruck bewegen sich zwischen 702 Kubikmetern in China und 2.483 Kubikmetern in den USA, so die Organisation "Water Footprint Network". Der globale Durchschnitt beträgt 1.240 Kubikmeter. Deutschlands jährlicher Wasserverbrauch mit 1.545 Kubikmetern liegt damit im oberen Bereich der Spanne.

Deutschland importiert wesentlich mehr virtuelles Wasser als es exportiert. Dabei herrscht hierzulande Wasserreichtum: Die pro Jahr nutzbare Wassermenge umfasst insgesamt 188 Milliarden Kubikmeter beziehungsweise 188 Kubikkilometer. Zum Vergleich: Der Bodensee hat ein Volumen von gut 48 Kubikkilometern. Als Importeur von virtuellem Wasser steht Deutschland nach den USA an zweiter Stelle. Verantwortlich für diesen hohen Verbrauch ist vor allem unser Lebensstandard, insbesondere der Fleischkonsum und die intensive Nutzung von Industrieprodukten. So fallen beispielsweise bei der Herstellung eines Autos durchschnittlich 400.000 Liter virtuelles Wasser an, für einen Computer 20.000 Liter. Die Produktion eines Kilogramms Rindfleisch ohne Knochen erfordert 15.500 Liter virtuelles Wasser, von dem allein 15.300 Liter für das Futter aufgewendet werden.

Wasserintensiv ist auch die Produktion von Baumwollkleidung wie Jeans oder T-Shirts: Sie schlägt mit weltweit durchschnittlich 11.000 Liter pro Kilogramm an virtuellem Wasser zu Buche. An der Spitze der Produkte, die sich auf die weltweiten Unterschiede beim Wasserfußabdruck auswirken, steht aber der Kaffee: Die Herstellung von einem Kilogramm Röstkaffee erfordert 21.000 Liter Wasser.

"Sparen" und besser nutzen

Was aber lässt sich tun, um Versorgung mit Wasser zu verbessern und möglichst wenig des wertvollen Rohstoffs zu verschwenden? Ein effizienterer Umgang mit Wasser ist eine der Möglichkeiten, zum Beispiel in der Landwirtschaft. Es gibt Getreidesorten, die bezogen auf den Ertrag weniger Wasser benötigen. Schon heute gibt es Reissorten, die bei gleichem Wasserverbrauch bis zu viermal mehr Kornertrag erreichen als traditionelle Sorten. Viel erreichen lässt sich in der Landwirtschaft auch durch das gezielte Auffangen des Niederschlags, das auch als "Rainwater Harvesting" bezeichnet wird. Beispielsweise werden Zisternen auf den Kanaren seit Jahrhunderten zu diesem Zweck eingesetzt, moderne Versionen davon können Regenwasser auch in anderen Regionen effektiv und hygienisch sicher sammeln. Auch durch ein verbessertes Landmanagement und gemischte Forstwirtschaft könnten nach Ansicht von Fachleuten in den trockenen Regionen der Sub-Sahara-in Afrika die Wasserversorgung und die Nahrungsmittelsicherheit verbessert werden. Bei der künstlichen Bewässerung gibt es ebenfalls Potenzial für effizientere Wassernutzung: In vielen Bewässerungssystemen erreichten nur etwa 25 bis 30 Prozent des Wassers tatsächlich die Nutzpflanzen. Der Rest verdunstet und versickert.

Weltweit Wasser einzusparen, ist allerdings nur durch eine Änderung des Lebensstils möglich: Gerade durch eine Verringerung des Konsums von tierischen Nahrungsmitteln – insbesondere Fleisch – ließe sich der Wasserverbrauch deutlich senken. Dies gilt auch für Genussmittel wie Kaffee und Tee. Auch mehr regionale und saisonale Produkte aus biologischer Landwirtschaft zu kaufen und weniger Lebensmittel wegzuwerfen, spart Wasser und kann einen Beitrag gegen den Wassermangel in trockenen Ländern leisten.

Weiterführende Links zum Thema

Bundesumweltministerium: Unterrichtsmaterialien und Handreichungen zur Ressource Wasser:

 

Umweltbildungsprojekt: Virtuelles Wasser – versteckt im Einkaufskorb
http://virtuelles-wasser.de/

Dritter Weltwasserbericht der Vereinten Nationen (März 2012, in englischer Sprache)
http://www.unesco.de/wwdr.html


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