Greening: Berufliches Handeln und Nachhaltigkeit

3 Schüler/-innen arbeiten konzentriert zusammen.
Sekundarstufe

Die Schüler/-innen setzen sich mit den Zusammenhängen zwischen beruflichem Handeln und Nachhaltigkeit auseinander. Denn berufliche Entscheidungen ziehen bestimmte zukünftige Entwicklungen nach sich. Wie kann berufliches Handeln nachhaltig sein? Und welche "grünen" Kompetenzen braucht man dafür?

Kompetenzen und Ziele

Die Schüler/-innen …

  • identifizieren Zusammenhänge zwischen beruflichem Handeln und Nachhaltigkeit anhand von Beispielen aus verschiedenen Berufen,
  • erkennen, dass nachhaltiges Handeln für jeden Beruf und jede Branche von Bedeutung ist ("Jeder Job ist grün"), 
  • setzen sich mit dem Greening von Berufen und Arbeitsplätzen auseinander,
  • diskutieren und ermitteln berufliche Handlungsspielräume, um nachhaltig zu wirken,
  • entwickeln praktische Ansätze für nachhaltiges Handeln im Beruf,
  • arbeiten mit Checklisten sowie Pro-und-Kontralisten als Methoden der Entscheidungsfindung.

Umsetzung

Zum Einstieg zeigt die Lehrkraft Fotos, die auf humorvolle und übertriebene Art mögliche Folgen unüberlegten Handelns im Beruf zeigen. Solche Motive gibt es reichlich im Netz, zum Beispiel unter dem Suchbegriff "construction fails". 

Beispiele: 

Im Anschluss an die Extrembeispiele können alltäglichere Motive gezeigt werden, zum Beispiel zu Wegwerf-Kaffeebechern im Büro.

Anhand der Fotos wird deutlich, dass die Beteiligten die Konsequenzen ihres Handelns nicht berücksichtigt haben.

Vor diesem Hintergrund besprechen die Schüler/-innen im Plenum reale oder fiktive Fallbeispiele aus dem Berufsalltag:

  • Eigene Erfahrungen beziehungsweise Erlebnisse der Schüler/-innen: In welcher Situation wurde eine Entscheidung getroffen, die sich als problematisch erwies? Wann wurden bewusst Entscheidungen getroffen, die zu einer langfristigen und nachhaltigen Lösung geführt haben? Bei welchen Entscheidungen wurden ressourcen- oder klimaschonende Aspekte berücksichtigt?

Gegebenenfalls nennt die Lehrkraft weitere möglichst realistische Beispiele, in denen berufliche Entscheidungen Auswirkungen auf die Umwelt haben. Zum Beispiel der Einbau eines ineffizienten Heizkessels; der Kauf von Dienstfahrzeugen mit hohem Treibstoffverbrauch; das Design von Smartphones, deren Akkus nicht austauschbar sind; die Frage, ob ein Unternehmen auf Strom aus erneuerbaren Energien umsteigt oder vielleicht das Angebot von regionalem und saisonalem Essen in der Kantine einführt. 

Anhand der Beispiele wird deutlich, dass durch berufliche Entscheidungen jeweils "Weichen" für die Zukunft gestellt werden. Berufliches Handeln zeichnet "Pfade" vor für die künftige Entwicklung.

In einem fragengeleiteten Unterrichtsgespräch lernt die Klasse den Begriff "Pfadabhängigkeit" kennen. Dass also Entscheidungen bestimmte Entwicklungen nach sich ziehen. Ebenso wird der Begriff "zukunftsfähig", der die Prinzipien des nachhaltigen Handelns umfasst, erläutert (siehe hierzu auch den Hintergrundtext "Nachhaltigkeit und BNE in der Schulbildung"). Auch der Begriff des Greenings von Berufen wird erläutert. Damit wird deutlich, dass sich der Wandel hin zu einer "grünen" Wirtschaft nicht auf einzelne Branchen beschränkt, sondern alle Wirtschaftssektoren und damit auch alle Arbeitsplätze betrifft. Informationen dazu bietet der Hintergrundtext. Ebenso zu den Begriffen "grüne" Wirtschaft und "Green Economy" sowie zu "grünen" Berufen.

Wie nachhaltiges Handeln im Beruf realisierbar ist, untersuchen die Schüler/-innen anhand ihrer Berufe sowie Arbeitsplätze. Alternativ gibt die Lehrkraft Beispiele vor. Das kann eine Bäckerei sein, ein Reisebüro oder ein Supermarkt. Die Schüler/-innen entwickeln in kleinen Gruppen zunächst Checklisten, um Möglichkeiten nachhaltigen Handelns zu bestimmen. Auf diesen Checklisten können zum Beispiel folgenden Fragen stehen:

  • Wie lässt sich Energie sparen?
  • Ist es möglich, auf erneuerbare Energien umzusteigen?
  • Wie lassen sich Ressourcen einsparen? 
  • Welche Materialien oder Produkte können genutzt oder verkauft werden, die umweltfreundlich(er) sind?
  • Können Geräte/Maschinen gekauft werden, die langlebiger sind und/oder repariert werden können?
  • Ist es möglich, CO2-Emissionen zu reduzieren?

Im nächsten Schritt überprüfen die Gruppen anhand von Checklisten mit Pro- und Kontra-Argumenten die Möglichkeiten nachhaltigen Handelns. Dabei beantworten die Schüler/-innen zum Beispiel folgende Fragen:

  • Entstehen Mehrkosten?
  • Sind die Kunden/Kundinnen oder Käufer/-innen bereit, anfallende Mehrkosten zu tragen?
  • Wie offen sind die Kunden/Kundinnen oder Käufer/-innen für mehr Nachhaltigkeit?
  • Können die Kunden/Kundinnen und Käufer/-innen besser beraten werden, damit sie mehr Wert auf Nachhaltigkeit legen? Können durch mehr Nachhaltigkeit mehr Kunden/Kundinnen gewonnen werden?
  • Falls mit anderen Materialien gearbeitet wird: Steht das Material in ausreichender Menge zur Verfügung?
  • Werden Kosten durch mehr Effizienz eingespart?
  • Sind die Vorgesetzten offen für nachhaltiges Handeln?
  • Welche weiteren Informationen brauchen die Schüler/-innen, um zu einer Entscheidung zu kommen? Zum Beispiel, wenn es um die Mehrkosten geht, die Beschaffenheit eines Materials oder eine Marktanalyse.
  • Die Gruppen stellen ihre Ergebnisse im Plenum vor. Welche Möglichkeiten nachhaltigen Handelns gibt es? Welche sind nicht realisierbar und was spricht dagegen?

Abschließend diskutieren und bewerten die Lernenden, wie zukunftsfähige Entscheidungen getroffen werden können. Hier bietet sich eine klassische Vorgehensweise an, nämlich drei Schritte zur Entscheidungsfindung:

  • Wissen und Informationen einholen und sich mit anderen austauschen, um zu einer Entscheidungsbasis zu kommen,
  • Instrumente zur Entscheidungsfindung, wie zum Beispiel Pro-und-Kontra-Listen.

Erweiterung

  • Die Schüler/-innen greifen in einem Rollenspiel nachhaltiges Handeln im Beruf auf. Dafür können sie eines ihrer Beispiele nutzen. Alternativ entwerfen sie eine Situation oder die Lehrkraft gibt diese vor. Im Rollenspiel diskutieren Vertreter/-innen verschiedener Entscheidungsebenen einer Firma Möglichkeiten, nachhaltiger zu handeln. Die Entscheidungsebenen und Interessenvertreter/-innen können zum Beispiel sein: Chef/-in, Auszubildende/-r, Auftraggeber/-in, Verbraucherschutzverein. 
  • Das Förderprogramm "Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung befördern. Über grüne Schlüsselkompetenzen zu klima- und ressourcenschonendem Handeln im Beruf" des Bundesumweltministeriums im Rahmen des Europäischen Sozialfonds unterstützt Projekte in drei Formaten: Workcamps, Ausstellungen und Schulungsmodule. Dazu gehört unter anderem "Green Up Your Future", eine interaktive Wanderausstellung, die mit Beispielen aus der Bionik zeigt, wie die Jobs der Zukunft aussehen. Ebenso das vierjährige Ausstellungsprojekt "Bau Berufe Greening – Grüne Jobs in der Bauwirtschaft". Mithilfe eines mobilen, begehbaren kleinen Hauses, begleitender Informationen und angegliederter Praxiselemente wird die gesamte Palette der ökologisch vertretbaren Bauberufe präsentiert. Dies soll zu einer besseren Orientierung der Jugendlichen in Ausbildungsberufen beitragen. Veranstaltungen sind in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Bremen und Berlin geplant.
  • Die Berufsorientierungsinitiative "Energiewende schaffen" bietet auf seiner Webseite Videos, Fotostrecken und Texte zu Ausbildungs-, Studien- und Weiterbildungsberufen der Erneuerbaren Energien und im Bereich Energieeffizienz. Für den Einsatz in Schulen steht ein Unterrichtskonzept zum Download zur Verfügung. Vom 27. bis 31. März 2016 ruft die Initiative zum Abschluss des Projekts zur Kampagne "Ärmel hoch – #EnergiewendeSchaffen!" auf.

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Informationen und Materialien

Hintergrund (1)

Zwei junge Technikerinnen am Arbeiten.
Hintergrund
09.02.2017 | Klima | Wirtschaft und Arbeitswelt

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