Wie kann man das Menschenrecht auf sanitäre Versorgung verwirklichen?

Illustration: Toilette
Sekundarstufe

Die Toilette als "Lebensretterin"? Die Schüler/-innen diskutieren anhand von Materialen von Nichtregierungsorganisationen sowie Beispielen für für sanitäre Einrichtungen weltweit, warum es ein Menschenrecht auf sanitäre Versorgung gibt. Mithilfe von konkreten Beispielen entwerfen die Schüler/-innen Konzepte für innovative Toiletten. Die Einheit kann auch abgewandelt werden, um als Auftakt für ein Schulklo-Projekt zu dienen.

Ziele

Die Schüler/-innen

  • bewerten die gesellschaftliche Bedeutung des Umgangs mit Trinkwasser auf lokaler Ebene und weltweit vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit,
  • erläutern Maßnahmen zur Erhaltung der eigenen Gesundheit am Beispiel von sanitären Einrichtungen und Hygiene,
  • beschreiben Lebensbedingungen und -formen von Menschen in Deutschland sowie Entwicklungsländern und vergleichen diese im Hinblick auf Gesundheit und Wohlstand, 
  • erstellen (Medien-)Produkte zu fachbezogenen Sachverhalten und präsentieren diese im (schul)öffentlichen Raum.

Umsetzung

Zum Einstieg kann auf Kampagnen-Materialien von Entwicklungsorganisationen zurückgegriffen werden. Diese haben verschiedene Ansätze entwickelt, um eine unverkrampfte Auseinandersetzung mit dem Thema Toiletten zu initiieren, das in der Regel als Tabu gilt. Dabei spielen Überraschungseffekte und Humor eine wichtige Rolle.

Beispiele: 

  • "Celebrate the Toilet" (feiere die Toilette): kurze Animation, in der eine Toilettenschüssel als "Held" bejubelt und mit Feuerwerk gefeiert wird. Online unter: http://www.celebratethetoilet.org/?show_intro
  • "Warum Toiletten Leben retten" (Broschüre der German Toilet Organization e. V.): Präsentation des Titels beziehungsweise des Titelbildes, Ergänzung durch weitere Zahlen, Fakten oder Fragen aus der Broschüre („Stell dir vor, du verlierst deinen Job, weil du Durchfall hast“)

Gegebenenfalls weist die Lehrkraft zudem darauf hin, dass die Vereinten Nationen einen "Welttoilettentag" ausgerufen haben. Die Klasse wird aufgefordert, Vermutungen zu äußern, was es mit den Kampagnen-Materialien und dem "Welttoilettentag" auf sich hat.

Die Lehrkraft erläutert im Anschluss den Zweck der Kampagnen und nennt zentrale Zahlen und Fakten (siehe auch Hintergrund oder Broschüre der German Toilet Organization): Ein großer Teil der Menschheit lebt ohne ausreichende sanitäre Versorgung. Die UNO möchte dies ändern; Zugang zu Wasser und ausreichender sanitärer Versorgung ist Menschenrecht.

Ergänzend oder als alternativer Einstieg kann darauf hingewiesen werden, dass die Gates-Stiftung einen Wettbewerb ausgerufen hat, in dem innovative Toiletten ausgezeichnet werden ("Reinvent the toilet challenge").

Die Lehrkraft stellt die Leitfrage vor: Warum gibt es ein Menschenrecht auf angemessene sanitäre Versorgung – und wie könnte man es verwirklichen? Als erste Annäherung werden im Unterrichtsgespräch eigene Erfahrungen thematisiert: In Deutschland gibt es zwar eine gute Ausstattung mit Toiletten, aber auch hier gibt es manchmal Gründe, sie nicht zu benutzen ...

  • Wer hat schon mal eine Toilette gesehen, die er nicht benutzen wollte? Warum nicht? (Beschädigung/Verschmutzung, mangelnde Privatsphäre, lange Warteschlange, fehlendes Papier/Seife etc.)
  • Wie wünscht ihr euch eine Toilette? (sauber, abschließbar, Möglichkeit zum Händewaschen, beheizbar etc.)
  • Was ist euch eine saubere (öffentliche) Toilette wert? (Wie viel) würdet ihr unterwegs bezahlen, um aufs Klo gehen zu können? Warum ist das wichtig? (Zugang zu Toiletten ist ein Grundbedürfnis – Menschen müssen auf die Toilette; "dringendes Bedürfnis" kann äußert unangenehme Gefühle auslösen, Vermeidung kann gesundheitliche Folgen haben, mangelnde Körperhygiene ist unangenehm etc.)
  • Woran könnte es liegen, dass manche Toiletten nicht benutzbar sind? (Verhalten der Menschen: Verschmutzung, Beschädigungen, zum Teil begünstigt durch schlechte Planung oder technische Mängel wie unstabile Ausstattung; schlechte Wartung/niemand kümmert sich etc.)
  • Was für Probleme könnte schlechte Versorgung mit Toiletten bedeuten? (Verschmutzung der Umwelt, Belästigung (Stichwort "Wildpinkeln"), Gesundheitsrisiko durch schmutzige Toiletten oder durch Vermeidung, wenn z. B. Schüler/-innen zu wenig trinken, weil sie die Schulklos nicht benutzen möchten etc.) 

Im Anschluss wird mithilfe einer Bilderserie die Fragestellung erweitert, indem Beispiele für sanitäre Versorgung in verschiedenen Ländern sowie Beispiele von historischen Toiletten gezeigt werden. Die Begleitinformationen zu den Bildern liefern zentrale Zahlen und Fakten zum Zusammenhang mit Gesundheit, Umwelt/Ressourcen sowie wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung. 

Zudem werden zwei Beispiele für innovative Toiletten vorgestellt, die im Wettbewerb der Gates-Stiftung ausgezeichnet wurden. Die wichtigsten Merkmale werden im Begleittext beschrieben.

Die Bilderserie wird zunächst im Plenum gezeigt.

Anschließend erhalten die Schüler/-innen die Aufgabe, in Kleingruppen oder Partnerarbeit selbst eine innovative Toilette zu entwerfen. Die Aufgabe kann leicht an einen größeren thematischen Rahmen und Bedürfnisse verschiedener Fächer (zum Beispiel Biologie, Politik) angepasst werden. Auch die Integration in ein Schultoilettenprojekt ist auf diese Weise möglich.

Mögliche Ansätze für die Aufgabenstellung:  

  • Wie könnte die sanitäre Versorgung in einem bestimmten Entwicklungsland verbessert werden? Recherchiert die örtlichen Bedingungen, begründet die Notwendigkeit der Verbesserung der Situation und beschreibt technische beziehungsweise bauliche Eigenschaften einer geeigneten Toilettenanlage.
  • Technik: Fertigt eine Skizze/ein Schaubild für den Bau einer Toilettenanlage an. Beschreibt darauf anschaulich ihre Funktionen und begründet diese.
  • Biologie: Wie können Gesundheitsgefahren vermieden werden? Benenne mögliche Risiken sowie Maßnahmen, um diese zu vermeiden.

Je nach Aufgabenstellung sollten auch kulturelle Faktoren berücksichtigt werden. Über Toiletten zu sprechen, ist für viele Menschen ein Tabu, auch in Deutschland.

Die Gruppen präsentieren ihre Ergebnisse. Dies kann zum Beispiel in Form einer Postergalerie geschehen. In einer Abschlussdiskussion werden die Ergebnisse mit den zu Beginn gesammelten Ideen abgeglichen: Ist die beschriebene Toilette wirklich geeignet, die Probleme zu beheben? Gegebenenfalls führt die Klasse eine eigene "Toilet challenge" durch und stimmt darüber ab, welches der vorgestellten Modelle das beste ist beziehungsweise ihrer eigenen "Wunschtoilette" am nächsten kommt. 

Erweiterung 

Bei Problemen mit den eigenen Schultoiletten können diese zum
zentralen Thema des Unterrichts gemacht werden. Dafür wird der
Verlauf entsprechend angepasst. So kann der Austausch eigener
Erfahrungen auf das Beispiel des Schulklos bezogen werden. Im
Anschluss kann eine Initiative für ein besseres Schulklo durchgeführt
werden. Auch Initiativen für eine bestimmte öffentliche Toilette in der
Nähe können sich anbieten – zum Beispiel auf einem Spielplatz etc.

  • Die Schüler/-innen verfassen eine eigene "Toilettenstory" oder einen Comic mit dem Thema: "Ich war noch nie so froh über eine saubere Toilette, als ..." (nach langer Autofahrt, in einer fremden Stadt, nach einem Musikfestival mit schrecklichen mobilen Klos …)
  • Kurze persönliche Berichte (in englischer Sprache) von Mädchen und Frauen sowie eindrucksvolle Fotos aus aller Welt finden sich auf der Website www.mytoilet.org. Sie eignen sich für eine Präsentation als Diskussionsimpuls oder für eigenständige Recherchen der Schüler/-innen.
  • Die Schüler/-innen gestalten eine "verrückte Wunschtoilette", als Zeichnung oder Collage (mit Discokugel, Playstation …)
  • Die Schüler/-innen entwickeln eine eigene Kampagne: Warum ist sanitäre Versorgung wichtig? Die Aufgabe kann an verschiedene Fächer angepasst werden. Beispiel Kunst: Verwenden von reduzierten "Icons" (Verbotsschilder, Symbole); Mathematik: Veranschaulichung von Zahlen (Gesundheitsdaten etc.) mithilfe von Diagrammen

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Informationen und Materialien

Hintergrund (1)

Toiletten-Hinweisschild aus einem TGV
Hintergrund
13.11.2014 | Gesundheit und Ernährung | Ressourcen

Die Vereinten Nationen schätzen, dass weltweit 2,5 Milliarden Menschen keine ausreichenden sanitären Einrichtungen nutzen können. Das hat ernste Folgen für Gesundheit, Wirtschaft, soziale Entwicklung und die Umwelt. Dabei sind bessere Toiletten nicht teuer. Sie können sogar zusätzlichen Nutzen bringen und Düngemittel oder Energie liefern.

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Bilderserien (1)

Ein rotes Plumpsklo
Bilderserie
13.11.2014 | Gesundheit und Ernährung | Ressourcen
Grundschule, Sekundarstufe

In Deutschland und anderen Industrieländern ist es selbstverständlich, dass es in jeder Wohnung mindestens eine Toilette gibt. Die Bilderserie zeigt Beispiele von Toiletten aus anderen Ländern und Zeiten. Die begleitenden Texte vermitteln zentrale Fakten zur Bedeutung von ausreichender sanitärer Versorgung.

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Zielgruppe