Wie Umwelt politisch wird

Fabrik in Lauchhammer, DDR (Weisflog, Rainer / Bundesarchiv / CC-BY-SA)
Sekundarstufe

Anhand von Fotos und Zeitzeugenberichten informieren sich die Schüler/-innen zur Umweltsituation in der DDR. Sie ermitteln, welche Rolle der Staat spielte und unter welchen Bedingungen Umweltaktivisten agierten. Sie benennen die wichtigsten Veränderungen seit der Wiedervereinigung und reflektieren, welche Möglichkeiten es in unserer heutigen Demokratie gibt, Umweltprobleme anzugehen.

Ziele

Die Schüler/-innen …

  • beschreiben die Auswirkungen des Wirtschaftssystems der DDR auf die Umwelt,
  • lernen am Beispiel der Umweltpolitik die Rolle der Opposition in der DDR während der "friedlichen Revolution" in den Jahren 1989 und 1990 kennen,
  • vergleichen die Funktion und Handlungsmöglichkeiten der Umweltbewegung in der DDR mit denen von Umweltschutzinitiativen in der heutigen Bundesrepublik,
  • erörtern am Beispiel des Wandels der Umweltsituation auf dem Gebiet der ehemaligen DDR Chancen und Grenzen der Umweltpolitik.

Umsetzung

Zum Einstieg präsentiert die Lehrkraft Fakten und Beispiele zur dramatischen Umweltsituation in der DDR Ende der 1980er-Jahre. Dazu können die Motive einer Bilderserie verwendet werden sowie Zitate und Ausschnitte aus Zeitzeugenberichten. Gegebenenfalls können Ausschnitte aus dem Film "Bitteres aus Bitterfeld" (3:14 Min.) gezeigt werden, den Umweltaktivisten in der DDR 1988 heimlich gedreht haben. Auch ein Online-Beitrag des Magazins Stern mit Vorher-nachher-Ansichten kann verwendet werden.

Die Schüler/-innen halten in Stichworten fest, was sie den Materialien entnehmen können:

  • Informiere dich, welche Rolle der Umweltschutz in der DDR spielte.
  • Beschreibe die Umweltprobleme, die angesprochen werden und nenne Beispiele.
  • Benenne, wer die Probleme anspricht.
  • Notiere, wie die Rolle des Staates beschrieben wird.

Anhand von weiteren Arbeitsmaterialien und Recherchetipps zu Internetquellen in den Materialien recherchieren die Schüler/-innen weitere Informationen zu den genannten Punkten.

In Gruppen- oder Partnerarbeit bereiten sie die Rechercheergebnisse in anschaulicher Form auf. Dies kann zum Beispiel in Form eines Plakates geschehen. Darauf wird ein Umweltproblem beispielhaft erläutert. Zudem veranschaulichen die Gruppen, wie sich Staat und Bürgerinitiativen zu diesem Problem verhielten.

Vermerkt werden wichtige politische Ereignisse sowie die Entwicklung bezüglich der Umweltsituation: Was waren die wichtigsten Schritte vor der Grenzöffnung, wie verlief der politische Umbruch in der DDR 1989 bis 1990, was geschah nach der Wiedervereinigung – unter besonderer Berücksichtigung der Umweltsituation?

Die Gruppen stellen ihre Ergebnisse im Plenum vor. Die Klasse bewertet die Entwicklung der Umweltsituation ab der friedlichen Revolution aus heutiger Sicht. Die Lehrkraft weist gegebenenfalls darauf hin, dass dabei auch die soziale Dimension berücksichtigt werden soll (zum Beispiel verbesserte Lebensqualität, aber auch Massenarbeitslosigkeit in Folge der Deindustrialisierung).

Diese Phase kann in mehrere Kartenabfragen gegliedert werden. Die Schüler/-innen bekommen Leitfragen gestellt und erhalten fünf Minuten Zeit, in Gruppen- oder Partnerarbeit Ergebnisse auf Karteikarten zu sammeln. Folgende Aspekte sollten thematisiert werden:

  • Welche der in der DDR vorhandenen Umweltprobleme sind gelöst, welche sind heute noch relevant und welche anderen/neuen Probleme gibt es?
  • Welche Rolle spielte der Umweltschutz aus staatlicher Sicht in der DDR, und welche Rolle spielt der Staat heute?
  • Was sind heute die Handlungsmöglichkeiten von Umweltinitiativen?

Eine zeitsparende Variante ist eine Abstimmung per Handzeichen. Dabei werden verschiedene Umwelthemen genannt und die Schüler/-innen bewerten, ob sich die Situation ihrer Meinung nach gebessert oder verschlechtert hat oder gleich geblieben ist. Das Ergebnis und die Gründe sollten jeweils im Plenum besprochen werden.

Zum Abschluss kann ein Bezug zu den persönlichen Ansichten der Schüler/-innen hergestellt werden, zum Beispiel in Form einer Blitzlicht-Umfrage. Jeder Schüler/jede Schülerin beantwortet in zwei Sätzen die Fragen: Was ist dir in Bezug auf die Umwelt besonders wichtig? Was kannst du persönlich in einer Demokratie dafür tun?

Erweiterung

  • Mittels einer Spurensuche wird ein Bezug zum Lebensumfeld der Schüler/-innen hergestellt. Diese kann in jeder Region durchgeführt werden, sowohl in ostdeutschen als auch westdeutschen Bundesländern. Die Schüler/-innen führen dabei Interviews mit Zeitzeugen zur Veränderung der Umweltsituation in der Region in den vergangenen Jahrzehnten. Dabei sollte ein geeignetes konkretes Thema beziehungsweise ein konkreter Ort vorgegeben werden, die sich eignen, um anschauliche Vergleiche herstellen zu können. In der Regel bieten sich bekannte regionale Umweltthemen an – zum Beispiel die Entwicklung eines bestimmten Betriebes beziehungsweise dessen Umfeld, die Luftqualität in einem Industriegebiet, der Zustand von bestimmten Gewässern, Flächen oder Waldgebieten, die Verkehrssituation et cetera. Nach Möglichkeit sollten Recherchen und Interviews mit einem Ortsbesuch verbunden werden. Auch die Entwicklung der Einstellung der Menschen zum Umweltschutz kann thematisiert werden.

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