26.02.2016 | Wirtschaft und Konsum

Wer zahlt für meine Kleidung?

Fabrikarbeiter in Indien

Modetrends wechseln ständig, und in vielen Läden ist Kleidung billig zu haben. Für viele Menschen sind Kleidungsstücke Wegwerfartikel, die schnell wieder ausgetauscht werden. Doch Textilien sind mit vielen Umweltproblemen verbunden. Sie reichen über die gesamte Produktionskette, von den Rohstoffen über die Textilfabriken bis hin zur Entsorgung. Und in manchen Herstellerländern wie Pakistan und Bangladesch arbeiten viele Beschäftigte unter unmenschlichen Bedingungen. Wie lassen sich die Produktionsbedingungen verbessern? Und was können Verbraucherinnen und Verbraucher dazu beitragen? 

[Das Thema der Woche wurde ursprünglich im September 2011 erstellt und im Februar 2016 vollständig überarbeitet.]

Informationen und Materialien

Didaktischer Kommentar

Immer wieder werden problematische Auswirkungen der Textilproduktion öffentlich diskutiert. Dazu gehören Umweltschäden und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in vielen Textilfabriken in Niedriglohnländern wie Bangladesch oder Pakistan. Spätestens der Einsturz der Textilfabrik in Rana Plaza in Bangladesch im April 2013 rückte die Schattenseiten der Textilbranche stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Bei der Katastrophe kamen weit über 1.000 Menschen ums Leben. Nachhaltige Ansätze in der Textilbranche bekommen zunehmend Aufmerksamkeit. 

Gleichzeitig lockt die Modebranche mit Werbung und günstigen Preisen zu schnellen Käufen. Viele Werbekampagnen richten sich gezielt an Jugendliche. Auch die Jüngsten orientieren sich schon an Marken. Studien zeigen, dass sich Jugendliche in besonderem Maße durch ihre Kleidung ausdrücken. Konsum entscheidet häufig darüber, ob sie integriert oder ausgeschlossen werden. Daher ist der Verzicht auf Konsum für Jugendliche kaum eine Alternative. 

Eine nachhaltige Verbraucherbildung zielt darauf, dass Schüler/-innen die Fähigkeit entwickeln, Verantwortung für ihr eigenes Konsumverhalten zu übernehmen und dessen Tragweite abzuschätzen.

Im Unterrichtsvorschlag für die Sekundarstufe liegt der inhaltliche Schwerpunkt auf den ökologischen und sozialen Problemen entlang der textilen Wertschöpfungskette. Dabei werden auch entsprechende Lösungsansätze thematisiert. Methodisch ist ein handlungsorientierter Ansatz vorgesehen, das heißt ein Gruppenarbeiten an Stationen. Anhand der Materialien können die Schüler/-innen ihre Beiträge überwiegend selbstständig erarbeiten. Anschließend werden die gesammelten Erkenntnisse genutzt, um das eigene (Textil-)Konsumverhalten zu reflektieren und Lösungsansätze für einen nachhaltigeren Textilkonsum zu entwickeln.

Laut Vorgaben der Bundesländer lässt sich der Unterrichtsvorschlag für die Sekundarstufe in zahlreichen Fächern sowie fächerübergreifend behandeln. Er eignet sich für alle Schulformen der Sekundarstufe I. Unter anderem bieten sich folgende Fächer an: Geographie (Globalisierung, Handel, Produktion, Konsum), Biologie (Schadstoffe, Materialien), Gemeinschaftskunde (Konsum, Verhalten), Wirtschaftslehre und Politik (Konsum, Globalisierung, Produktion, Handel), Technik (Produktion, Material), Hauswirtschaft (Konsum), Arbeitslehre (Produktion), Textilunterricht (Materialien, Produktion). Außerdem sind Projektarbeiten denkbar. 

In einzelnen Bundesländern ist bereits das Fach Verbraucherbildung in der Sekundarstufe I vorgesehen. Das Fach umfasst die Kernbereiche Konsum und Lebensstil sowie Ernährung und Gesundheit. Die vorgelegten Unterrichtsvorschläge eignen sich zum Einsatz in beiden Kernbereichen, denn das Fach Verbraucherbildung hat unter anderem die Aufgabe, den Zusammenhang zwischen Konsum und Lebensstil im Sinne der Nachhaltigkeit aufzuzeigen. 

Zudem ist die Stärkung nachhaltiger Konsumstile essenzieller Bestandteil im "Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung im Rahmen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung" der Kultusministerkonferenz (KMK 2015).

Auch in der Grundschule können bereits problematische Aspekte der Textilienproduktion thematisiert und Möglichkeiten nachhaltiger Alternativen veranschaulicht werden.

In der Arbeitsphase erarbeiten die Schüler/-innen in Partnerarbeit anhand von Bild- und Textmaterialien die einzelnen Stationen der Herstellung eines T-Shirts. Dabei erhalten sie auch Hinweise auf ökologische und soziale Missstände. Die Schüler/-innen erhalten die Möglichkeit, Kritik zu äußern, und erörtern Möglichkeiten eines nachhaltigeren Textilkonsums.

In der Grundschule lassen sich die Inhalte vor allem dem Fach Sachunterricht, Kunst oder einer fächerübergreifenden Betrachtung zuordnen. Hier sind sie vor allem für die höheren Klassen geeignet. 

Der Unterrichtsvorschlag zielt darauf, Kompetenzen zu entwickeln, um sich in der Lebenswelt zurechtzufinden, diese zu erschließen, zu verstehen und verantwortungsbewusst mitzugestalten. Durch sachunterrichtliche Fragestellungen und durch die Erarbeitung in Zusammenhängen fördert der Unterricht unter anderem den verantwortungsvollen Umgang mit der natürlichen und gestalteten Lebenswelt und ihren Ressourcen, die Solidarität mit und in der sozialen Gemeinschaft sowie eine kritisch-konstruktive Haltung zu Konsum.

Verwandte Themen bei Umwelt im Unterricht

Bei Umwelt im Unterricht sind eine Reihe von weiteren Informationen und Materialien zum Thema Konsum erschienen, die sich mit dem vorliegenden Thema der Woche verknüpfen lassen:

G7-Gipfel: Wirtschaft und Umweltstandards
Wie hängen internationale Wirtschaftsbeziehungen und Umweltschutz zusammen, und wie werden sie geregelt? 

Ecodesign – ausgezeichnete Nachhaltigkeit
Was kennzeichnet ein umweltfreundliches Produkt? Was bedeuten "Ökobilanz" und "ökologischer Rucksack"? Und warum lohnt es sich, schon beim Design eines Produktes zu überlegen, wie es eines Tages wieder entsorgt werden kann? 

Arbeitsmaterialien: "Echt schlecht! Falsche Produktsiegel" 
Wer beim Einkauf auf Nachhaltigkeit achten will, muss genau hinschauen. Die hier abgebildeten Produktsiegel sind erfunden. Sie weisen aber auf reale Probleme hin, die mit verschiedenen Produkten wie zum Beispiel Textilien, Schokolade oder Handys und anderen Elektronikprodukten verbunden sind. 

Was brauchen wir zum Glück?
Anhand einer Fotoserie, die Menschen in verschiedenen Lebenslagen zeigt, erarbeiten die Schüler/-innen in Gruppen allgemeine Voraussetzungen für menschliches Glück. 

Zudem hat der Bildungsservice im Bundesumweltministerium umfangreiche Materialien zum Thema Konsum und Umwelt herausgegeben: "Umweltfreundlich konsumieren". In Kapitel 2 geht es um Textilien. 

Hintergrund (1)

Kleiderstange
Hintergrund
26.02.2016 | Wirtschaft und Konsum

Die Textilbranche ist stark von der Globalisierung geprägt. Die Produktionsschritte verteilen sich weltweit auf diejenigen Standorte, an denen die geringsten Kosten anfallen. Das ermöglicht niedrige Preise für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Doch Umwelt- und Sozialstandards werden auf diese Weise häufig vernachlässigt, zum Teil mit katastrophalen Folgen. Das zeigt zum Beispiel der Einsturz des Fabrikgebäudes Rana Plaza in Bangladesch im Jahr 2013. Welche Folgen haben die Produktionsbedingungen für Mensch und Umwelt? Welche Ansätze zur Verbesserung gibt es?

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Unterrichtsvorschläge (2)

Ware und Preisschilder in einem Kleidungsgeschäft
Unterrichtsvorschlag
26.02.2016 | Wirtschaft und Konsum
Sekundarstufe

Die Modebranche lockt mit Werbung und günstigen Preisen zu schnellen Käufen. Doch Umweltprobleme und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie stehen in der Kritik. Die Schüler/-innen setzen sich anhand von Medienberichten mit der Frage auseinander: Welche ökologischen und sozialen Auswirkung hat "Fast Fashion"? Die Schüler/-innen reflektieren ihr eigenes Konsumverhalten und entwickeln Lösungsansätze für einen nachhaltigeren Umgang mit Textilien.

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Globus, drumherum Silhoutten von Menschen
Unterrichtsvorschlag
26.02.2016 | Wirtschaft und Konsum
Grundschule

Auch Grundschüler/-innen entwickeln bereits ein Bewusstsein für Mode. Sie kennen Marken oder wünschen sich Kleidung mit Filmhelden. Mit ihren Vorstellungen nehmen sie Einfluss darauf, was Eltern kaufen. Der Unterrichtsvorschlag zielt darauf zu veranschaulichen, wie Kleidung hergestellt wird. Mit Hilfe von Illustrationen erarbeiten die Schüler/-innen, auf welchen Wegen dabei Schadstoffe in die Umwelt gelangen können. Sie übertragen ihre Erkenntnisse auf eine Weltkarte und entwickeln Ideen, wie Kleidung nachhaltiger hergestellt werden kann. 

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Arbeitsmaterialien (2)

Hemden und Rabatthinweis in einem Kleidungsgeschäft
Arbeitsmaterial
26.02.2016 | Wirtschaft und Konsum
Sekundarstufe

Für jede Party neue Klamotten? Kein Problem, wenn ein T-Shirt nicht viel mehr kostet als eine Tasse Kaffee. Doch wie kann es sein, dass ein Kleidungsstück so günstig ist, obwohl es so aufwändig zu produzieren ist? Zu dieser Frage recherchieren die Schüler/-innen in verschiedenen Medienberichten.

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Illustration: Stoppschild
Arbeitsmaterial
26.02.2016 | Wirtschaft und Konsum
Grundschule

Wie und wo wird unsere Kleidung genau produziert? Und was passiert dabei? Das Arbeitsmaterial enthält bebilderte Texte, die einige Stationen vom Weg der Kleidung verdeutlichen. Die Schüler/-innen erhalten den Auftrag, die Stationen der textilen Kette in die richtige Reihenfolge zu bringen. Sie identifizieren mögliche Probleme und entwickeln eigene Lösungsansätze. 

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Bilderserien (1)

Junge Frau mit Einkaufstüten
Bilderserie
26.02.2016 | Wirtschaft und Konsum
Sekundarstufe, Grundschule

Machen Kleider Leute? Die Mode ändert sich ständig, und viele Menschen legen Wert darauf, sich öfter neue Kleidung zuzulegen. Die Fotos veranschaulichen unsere Konsumkultur - und zeigen Initiativen, die gegen deren Folgen protestieren. Die Motive können als Anlass dienen, um in der Klasse über die eigenen Gewohnheiten zu diskutieren.

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