Hintergrund

Berufe in der nachhaltigen Wirtschaft: "grüne" Kompetenzen

Zwei junge Technikerinnen am Arbeiten.
Grundschule, Sekundarstufe

Die Wirtschaft wandelt sich und wird "grüner". Das betrifft nicht nur Branchen wie erneuerbare Energien oder Elektromobilität. Auch in anderen Branchen gibt es bereits ganz konkrete Veränderungen. Fachleute sprechen vom "Greening". Was sind die Folgen für Ausbildung und Studium?

"Grüne" Schlüsselkompetenzen vermitteln, klima- und ressourcenschonendes Handeln im Beruf fördern: Das sind Ziele eines Förderprogramms des Bundesumweltministeriums im Rahmen des Europäischen Sozialfonds. Dieser Ansatz entspricht der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), die Kompetenzen für die Gestaltung einer nachhaltigen Gesellschaft vermitteln will. Im Kontext von Ausbildung und Studium sowie dem beruflichen Alltagshandeln spricht man von Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE). 

Das Förderprogramm ist das erste Bundesprogramm des Europäischen Sozialfonds (ESF), das einen expliziten Schwerpunkt auf Umwelt- und Klimaschutz legt. Es startete 2015.

Eine der Botschaften des Förderprogramms lautet: "Jeder Job ist grün." Es soll mehr Wissen über klima- und ressourcenschonende Berufe sowie Produktionsweisen vermittelt werden. Ziel ist, das Handeln im Berufsalltag im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung auszurichten. Dies wird als "Greening" bezeichnet.

Was genau bedeutet "Greening" für die berufliche Praxis? Und was kennzeichnet einen "grünen" Job?

"Green Economy": kohlenstoffarm, ressourceneffizient, sozialverträglich

Die Begriffe Greening und "grüne" Berufe stehen im Kontext des Umbaus der Wirtschaft hin zu einer grünen Wirtschaft. Häufig wird auch der englische Ausdruck "Green Economy" verwendet. 

Das Konzept einer grünen Wirtschaft orientiert sich am Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung, das sich seit den 1990er-Jahren in der Politik und zunehmend eben auch in der Wirtschaft durchgesetzt hat. Umweltschutz gilt nicht mehr allein als Kostenfaktor, sondern als Chance für die Wirtschaft. 

Dahinter steht die Einsicht, dass es Grenzen für die Tragfähigkeit des Planeten gibt. Bestimmte ökologische Grenzen müssen eingehalten werden, damit alle Menschen einschließlich der nachfolgenden Generationen die Chance haben, ihre Bedürfnisse zu erfüllen.

Als nachhaltig gilt demnach eine Entwicklung, die dauerhaft ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich leistungsfähig ist. Dies betrifft alle Bereiche unseres Lebens und unseres Wirtschaftens. Als Meilenstein auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung gilt der Umbau der Wirtschaft hin zu einer grünen Wirtschaft. 

Zur Veranschaulichung dessen, was dieser Wandel bedeutet, werden häufig bestimmte "grüne" Branchen beziehungsweise Märkte thematisiert. Dazu gehören zum Beispiel umweltfreundliche Energieerzeugung, Energieeffizienz, nachhaltige Mobilität, nachhaltige Wasserwirtschaft sowie Abfall- und Kreislaufwirtschaft. Diese Sektoren einer Umweltwirtschaft haben sich global sowie auch in Deutschland zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Schätzungen zufolge wird sich das Weltmarktvolumen "grüner" Zukunftsmärkte mehr als verdoppeln: von zwei Billionen Euro im Jahr 2011 auf 4,4 Billionen Euro im Jahr 2025. Deutschland gehört mit Weltmarktanteilen zwischen 10 und 23 Prozent zu den weltweit führenden Anbietern auf diesen Märkten. 

Greening: Es geht um die Transformation der Gesamtwirtschaft

Doch das Konzept der Green Economy umfasst nicht allein die Förderung ausgewählter Umweltindustrien und -technologien. Es geht um ein neues Modell des Wirtschaftens, um eine Transformation beziehungsweise ein Greening der gesamten Wirtschaft. Dieser Prozess beschränkt sich nicht auf einzelne Wirtschaftsbranchen, sondern betrifft alle Sektoren und damit auch alle Arbeitsplätze einer Volkswirtschaft. 

Denn die zentralen Herausforderungen wie knappe Ressourcen, Klimawandel und die Belastung der Ökosysteme sind nur zu bestehen, wenn alle Branchen ihren Beitrag dazu leisten.

"Grüne" Berufe im Kontext der Green Economy

Im Kontext der Green Economy hat sich der Begriff der "grünen" Berufe etabliert. Meist wird der Begriff im Zusammenhang mit "grünen" Branchen beziehungsweise Märkten verwendet. Weitere Informationen bietet das Thema "Jobs für eine 'grüne' Zukunft". Dabei geht es um den Wandel zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise und "grüne" Berufe. Beim Thema "Schulen checken 'grüne' Jobs" stehen die Berufsbilder im Bereich "grüne" Berufe im Mittelpunkt.

Bei vielen dieser Berufe ist der Zusammenhang mit dem Umweltschutz bereits anhand der Berufsbezeichnung erkennbar. Hierzu zählt zum Beispiel der Energieberater/die Energieberaterin, der Umweltgutachter/die Umweltgutachterin oder auch der Techniker/die Technikerin für Umweltschutztechnik. 

Es gibt jedoch bisher keine einheitliche Definition, was einen grünen Arbeitsplatz ausmacht und wie er sich von einem konventionellen, nicht grünen unterscheidet. In einer weiten Definition können "grüne" Berufe beschrieben werden als solche, in denen die dort Tätigen einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten. 

Wenn die Wirkung eines einzelnen Jobs als Maßstab angelegt wird, finden sich in der Praxis viele weitere "grüne" Berufe. Dann werden unter Umständen auch Berufe "grün", die auf den ersten Blick keinen Bezug zu Umweltthemen haben. Zum Beispiel, wenn sich Mechatroniker/-innen mit Elektrofahrzeugen beschäftigen, wenn sich Maurer/-innen um die richtige Wärmedämmung kümmern oder Energie- und Gebäudetechniker/-innen Photovoltaikanlagen installieren.

Damit ist der Arbeitsmarkt, der "grüne" Jobs umfasst, äußerst heterogen: von der Entwicklung von Windrädern, über die Anstellung im Bio-Supermarkt bis hin zum Vertrieb nachhaltiger Aktienfonds. 

Umgekehrt sind an Produkten aus Umweltbranchen oft auch "nicht grüne" Jobs beteiligt. So werden zum Beispiel Windenergieanlagen, Solarzellen oder Elektrofahrzeuge nicht vollständig nach ökologischen Produktionsstandards hergestellt. Viele Unternehmen der "grünen" Branchen sind häufig auf Produkte und Leistungen der konventionellen Branchen angewiesen. 

Greening und grüne Kompetenzen

Vor diesem Hintergrund wird die Notwendigkeit eines "Greenings" diskutiert. Darunter wird die ökologische Umgestaltung von Arbeitsplätzen allgemein verstanden, unabhängig davon, ob sie einer Umweltbranche zuzurechnen sind. 

Die Transformation hin zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise bezieht alle Arbeitsplätze mit ein. Sie führt dazu, dass neue Arbeitsplätze entstehen, andere wegfallen oder neu gestaltet werden. Ebenso verändern sich Arbeitsinhalte sowie die Qualität der Arbeit und damit verbunden die entsprechenden Qualifikationsprofile. Eine "grüne" Wirtschaft erfordert demnach "green skills", also "grüne Kompetenzen". 

Auch für den Begriff "green skills" existiert keine einheitliche Definition. Die internationale Arbeitsorganisation (ILO) und das European Centre for the Development of Vocational Training (CEDEFOP) haben in einer Studie von 2011 "Skills for Green Jobs" zusammengestellt. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Innovationskompetenz, um auf Herausforderungen adäquat reagieren zu können,
  • Beratungskompetenz, um Verbraucherinnen und Verbraucher über umweltfreundliche Problemlösungen und Technologien aufzuklären,
  • unternehmerische Fähigkeiten und Fertigkeiten, um die Möglichkeiten kohlenstoffarmer Technologien erkennen und nutzen zu können,
  • das Umweltbewusstsein sowie die Bereitschaft, sich mit nachhaltiger Entwicklung auseinanderzusetzen. 

Auch gewerkeübergreifende Qualifizierung kann dazu gehören. Dies ist neben "Jeder Job ist grün" das zweite Handlungsfeld des ESF-Bundesprogramms. Auszubildende bis hin zu Meistern/Meisterinnen sollen bei der energetischen Gebäudesanierung in ihrer Zusammenarbeit gestärkt werden, und zwar gewerkeübergreifend. Das heißt, bei handwerklichen und bautechnischen Arbeiten werden gemeinsame Lösungen gesucht.

Voraussetzung für das "Greening" von Jobs ist demnach, dass die entsprechenden "grünen" Kompetenzen umfassend in Qualifizierung und Weiterbildung berücksichtig werden. Dies ist Anliegen der Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE), die sich auf das etablierte Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) stützt. Ein Grundgedanke dieses Konzepts ist, dass Umweltschutz und Ressourceneffizienz nicht die Aufgabe von Spezialistinnen und Spezialisten ist, sondern alle angeht. 

Denn jeder Ausbildungs- und Studienberuf weist Bezüge zum Thema Energie- und Ressourceneffizienz auf – direkt oder indirekt. Industrie- und Bürokaufleute können bei der Beschaffung von Material auf Umweltaspekte achten. Elektroniker/-innen können im industriellen und handwerklichen Bereich bei der Installierung und/oder Wartung von Anlagen Aspekte der Nachhaltigkeit beachten.

Dementsprechend ist die Förderung der Energie- und Ressourceneffizienz eine wichtige Säule der Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE). Da nachhaltiges Handeln für jeden Beruf und für jede Branche von Bedeutung ist, ist die Kompetenz zum nachhaltigen beruflichen Handeln somit integraler Bestandteil beruflicher Handlungskompetenz. 

Weiterführende Links

UnternehmensGrün e.V., Bundesverband der grünen Wirtschaft: Greening der Berufe und nachhaltige Arbeitswelt: Auf dem Weg zu einer kohlenstoffarmen und ressourceneffizienten Wirtschaft
http://machgruen.de/wp-content/uploads/2017/02/Studie_Greening-der-Berufe.pdf

Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB): Nachhaltigkeit in der Berufsbildung
https://www.bibb.de/de/709.php

Wissenschaftsladen Bonn e.V. und gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt: Berufsorientierungsinitiative "Energiewende schaffen - Ausbildung und Studium für die Zukunft"
http://www.energiewende-schaffen.de

Bundesumweltministerium: Start des neuen ESF-Bundesprogramms mit dem Schwerpunkt Umwelt- und Klimaschutz
http://www.bmu.de/presse/pressemitteilungen/pm/artikel/start-des-neuen-esf-bundesprogramms-mit-dem-schwerpunkt-umwelt-und-klimaschutz/

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Berufsbildung für die grüne Wirtschaft 
https://www.bibb.de/dokumente/pdf/Berufsbildung_gruene_Wirtschaft_GlobalesPartnertreffen_Leipzig.pdf

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