Hintergrund

Die Endlagerung radioaktiver Abfälle

Castorbehälter
Sekundarstufe, Grundschule

Die Endlagerung von radioaktiven Abfällen ist eine generationenübergreifende Aufgabe. Die Standortfrage für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle war über Jahrzehnte Anlass für gesellschaftspolitische Konflikte – und ist noch immer ungelöst. Neue gesetzliche Grundlagen für die Auswahl eines Standortes sollen dies ändern. Was kennzeichnet radioaktive Abfälle, und was sind die technischen Anforderungen für eine sichere Endlagerung? Wie kann sich die Öffentlichkeit an der Entscheidungsfindung für ein Endlager beteiligen?

Die Suche nach einem Endlagerstandort für hochradioaktive Abfälle in Deutschland wurde in den vergangenen Jahren neu geregelt. Ziel der Neuregelung ist, die jahrzehntelangen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um die Endlagerung dieser Abfälle zu beenden.

Eine neue Fassung des Standortauswahlgesetzes, in dem das nun geltende Verfahren festgelegt wird, wurde im März 2017 von Bundestag und Bundesrat beschlossen. Damit kann die eigentliche Standortsuche beginnen.

Das Verfahren beruht auf den Empfehlungen der sogenannten Endlagerkommission ("Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfälle"). Die Kommission bestand aus Vertreterinnen und Vertretern des Bundestages, der Landesregierungen, der Wissenschaft und anderer gesellschaftlichen Gruppen (Umweltverbände, Gewerkschaften, Kirchen und Industrie). 

Das Auswahlverfahren soll durch einen wissenschaftsbasierten und transparenten Auswahlprozess zu einem fairen und legitimen Ergebnis für den Standort mit der bestmöglichen Sicherheit kommen. Im Gesetz sind insbesondere der Verfahrensablauf sowie die Kriterien für die Standortauswahl festgelegt. Ausgehend von einer sogenannten "weißen Deutschlandkarte" sollen potentiell geeignete Gebiete im gesamten Bundesgebiet identifiziert und in mehreren Schritten hinsichtlich ihrer Eignung verglichen werden. Außerdem ist eine umfassende Beteiligung der Öffentlichkeit vorgesehen.

Der Neustart der Endlagersuche war im Juni 2013 mit breiter Mehrheit vom Bundestag beschlossen worden Auf der Grundlage des Gesetzes wurde die Endlagerkommission eingesetzt, die das eigentliche Standortauswahlverfahren vorbereiten sollte. Die Kommission nahm 2014 ihre Arbeit auf, ihre Empfehlungen wurden im Juli 2016 in einem Abschlussbericht veröffentlicht und an Bundestag, Bundesrat und die Bundesumweltministerin überreicht.

Das Standortauswahlgesetz gibt vor, dass die Festlegung des Standortes für das Jahr 2031 angestrebt werden soll. Die Einlagerung der Abfälle soll um das Jahr 2050 beginnen.   

Woher stammen die Abfälle?

Im Fokus des Standortauswahlgesetzes stehen hochradioaktive Abfälle. Dabei handelt es sich vor allem um bestrahlte Brennelemente, die zur Stromerzeugung in Atomkraftwerken genutzt wurden, sowie die bei der Wiederaufarbeitung von solchen Brennelementen entstandenen Abfälle. Insgesamt werden 1.900 Behälter mit solchen Abfällen erwartet. Das Volumen der hochradioaktiven Abfälle ist deutlich geringer als das der schwach- und mittelradioaktiven Abfälle. 

Mehr als 90 Prozent der radioaktiven Abfälle fallen bei der Stilllegung und beim Abbau kerntechnischer Einrichtungen, in der Forschung, der Industrie und in der Medizin an. Bis in Deutschland die Kernkraftwerke stillgelegt und abgebaut sind, werden so zusätzlich zu den hochradioaktiven Abfällen insgesamt bis zu 620.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle zusammenkommen. Die Menge beinhaltet unter anderem auch die radioaktiven Abfälle, die aus der Schachtanlage Asse geborgen werden sollen sowie möglich Abfälle aus der Urananreicherung. 

Wie gefährlich sind radioaktive Abfälle?

Radioaktive Stoffe sind gefährlich, weil ihre Strahlung Zellen im menschlichen Körper schädigen und unter anderem Krebs auslösen kann. Der Grad der Schädigung hängt von der Art der Strahlung und ihrer Höhe ab. Neben der direkten Strahlung, die von außen auf den Körper einwirkt, besteht zudem die Gefahr einer inneren Strahlenbelastung. Radioaktive Stoffe können zum Beispiel über die Atemluft, das Trinkwasser oder die Nahrung in den Körper gelangen. (Weitere Informationen im Hintergrundtext "Wie entsteht Radioaktivität und wie wirkt sie?")

Wegen der mit ihnen verbundenen Gefahren müssen radioaktive Abfälle sicher gelagert werden. Die von den Abfällen ausgehende Strahlung kann abgeschirmt werden. Dies geschieht zum Beispiel, indem beim Transport und bei der Zwischenlagerung spezielle Behälter verwendet werden. Als geeignete Lösung für die Endlagerung gilt die Einlagerung in Gesteinsschichten tief unterhalb der Erdoberfläche. Dort werden die Abfälle von der Biosphäre ferngehalten, aus der wir unser Trinkwasser und unsere Nahrungsmittel gewinnen.  

Gibt es schon Endlager in Deutschland?

Für hochradioaktive Abfälle gibt es kein Endlager in Deutschland. Dagegen wurden schwach- und mittelradioaktive Abfälle in der Vergangenheit bereits an zwei Standorten eingelagert: im Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben (ERAM) und in der Schachtanlage Asse II bei Wolfenbüttel. Beide Standorte sollen stillgelegt werden. 

In Morsleben wurde 1971 damit begonnen, ein Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle in einem ehemaligen Kali- und Salzbergwerk einzurichten. Nach heutigen Gesichtspunkten würde der Standort heute nicht mehr ausgewählt werden. Die Einlagerung von Abfällen wurde im Jahr 1998 beendet. Die unterirdischen Räume sollen verschlossen werden. Die Abfälle sollen in der Anlage verbleiben.  

Die Schachtanlage Asse II bei Wolfenbüttel ist ein rund 100 Jahre altes Kali- und Salzbergwerk. Ehemals als Einrichtung zur Endlagerforschung betrieben, wurden dort von 1967 bis 1978 im Auftrag des Bundes rund 47.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle eingelagert. Heute steht die Asse vor zwei großen Problemen: Zum einen dringt Wasser in das Bergwerk ein, zum anderen ist die Stabilität des Grubengebäudes gefährdet. Daher soll die Asse stillgelegt werden. Oberstes Ziel dabei ist die langfristige Sicherheit von Mensch und Umwelt. Dies ist nach dem derzeitigen Kenntnisstand nur durch die Rückholung der Abfälle aus der Asse möglich. Der Bundestag hat im Februar 2013 gesetzlich festgelegt, dass die Abfälle zurückgeholt werden sollen.

Das Endlager Konrad ist das erste nach Atomrecht genehmigte Endlager in Deutschland. Die ehemalige Eisenerzgrube im Stadtgebiet Salzgitter wurde seit 1976 auf ihre Eignung als Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle untersucht. Im Mai 2007 wurde mit der Errichtung des Endlagers Konrad begonnen. Es wird voraussichtlich im Jahr 2022 in Betrieb gehen. 

Wo steht was? Die Entstehung und Lagerung von radioaktiven Abfällen in Deutschland im Überblick (Quelle: BfE)

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (BGE) ist Betreiber der Projekte Morsleben, Asse und Konrad. Genehmigungsbehörde sind die Landesumweltministerien in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Die atomrechtliche Aufsicht liegt beim Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit.

Und wo sind die Abfälle jetzt?

Solange sie nicht endgelagert werden können, müssen alle radioaktiven Abfälle in Zwischenlagern aufbewahrt werden. Im Bereich der hochradioaktiven Abfälle sind die Betreiber von Kernkraftwerken seit 2002 verpflichtet, abgebrannte Brennelemente aus Kernkraftwerken direkt an den Standorten zu lagern. Sie befinden sich in speziellen Behältern wie zum Beispiel den sogenannten CASTOR-Behältern. Durch diese dezentrale Lagerung werden Transporte vermieden. Zusätzlich zu den Zwischenlagern an den Kraftwerksstandorten gibt es noch drei zentrale Zwischenlager in Gorleben, Ahaus und Lubmin. Auch die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle werden in Zwischenlagern aufbewahrt.

Wie muss ein Endlager beschaffen sein?

Für hochradioaktive Abfälle gibt das Standortauswahlgesetz vor, dass derjenige Standort auszuwählen ist, der über einen Zeitraum von einer Million Jahren die bestmögliche Sicherheit gewährleistet. Die Endlagerung ist tief unter der Erdoberfläche vorgesehen. Ziel ist, die radioaktiven Abfälle von der Biosphäre fernzuhalten, aus der der Mensch seine Lebensmittel und sein Trinkwasser gewinnt. Daher soll ein Endlagersystem entwickelt werden, dass aus mehreren sogenannten Barrieren besteht. Diese verhindern die Ausbreitung von Stoffen, die sich aus den Abfällen lösen können. Barrieren können entweder das Gestein sein, in dem die Endlagerung erfolgt, oder künstlich errichtete Barrieren (diese heißen auch technische und geotechnische Barrieren). 

Gesteine, die sich als Barrieren eignen, müssen insbesondere möglichst "dicht" sein, sodass Wasser keine Stoffe aus dem Endlager austragen kann. Künstliche Barrieren können die Abfallbehälter, die Verschlüsse des Endlagers oder schützende "dichte" Schichten sein, die um die Endlagerbehälter eingebaut werden. Das Standortauswahlgesetz legt fest, dass Standorte mit Steinsalz, Tonstein und Kristallingestein (zum Beispiel Granit) auf ihre Eignung als Endlagerstandort untersucht werden sollen. 

Die Anforderungen an die Barrieren und sonstige wichtige Eigenschaften des Endlagers sind in den sogenannten Sicherheitsanforderungen festgelegt. Die wichtigsten Sicherheitsanforderungen stehen bereits im Standortauswahlgesetz. Konkretere Anforderungen müssen noch in einer Verordnung festgelegt werden. Da es ein unter allen denkbaren Umständen perfekt "dichtes" Endlager vermutlich nicht geben kann, legt das Standortauswahlgesetz bereits fest, dass mögliche Freisetzungen radioaktiver Stoffe allenfalls "geringfügig" sein dürfen. Die bisher geltende Begrenzung, wieviel Radioaktivität innerhalb einer Million Jahre aus dem Endlager herauskommen darf, sieht vor, dass der Schutz Strahlung in Zukunft mindestens so gut sein muss, wie dies für heute lebende Menschen gefordert wird. Daher wird zum Beispiel als Begrenzung der Wert verwendet, der heute für unser Trinkwasser gilt.

Durch eine Endlagerung mehrere Hundert Meter unter der Erdoberfläche wird auch verhindert, dass die direkte Strahlung zur Oberfläche durchdringt, die von den Abfällen ausgeht. Dafür sorgen der große Abstand und die Abschirmung durch die dazwischenliegenden Gesteinsschichten. Wenn sich zum Beispiel der Abstand zur Strahlenquelle verdoppelt, reduziert sich die Intensität der ankommenden Strahlung auf ein Viertel. 

Wichtig bei einem derart langfristigen Projekt ist zudem eine mögliche Fehlerkorrektur. Darum soll das Endlager so geplant werden, dass die hochradioaktiven Abfälle in Deutschland während des Einlagerungsbetriebs rückholbar sind und eine Bergung auch 500 Jahre nach dem Verschluss des Endlagers möglich bleibt.

Kann Atommüll nicht anders gelagert werden?

In Diskussionen werden immer wieder Alternativen zu einem unterirdischen Endlager in Deutschland genannt, wie zum Beispiel der Export und die dauerhafte oberirdische Lagerung. In einigen Ländern wird eine längerfristige Zwischenlagerung praktiziert. Vor dem Hintergrund möglicher wirtschaftlich oder gesellschaftlich instabiler Verhältnisse und der Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen sehen dies internationale Expertinnen und Experten aber kritisch. Gegen einen Export sprechen das Verantwortungsprinzip und Sicherheitsinteressen. Daher sieht das Standortauswahlgesetz vor, dass Atommüll, der in Deutschland entstanden ist, auch in Deutschland endgelagert wird.  

Es gibt auch noch weitere Alternativen, die gelegentlich genannt werden: zum Beispiel eine Endlagerung in tiefen Bohrlöchern, die Versenkung im Meer oder die Verbringung ins Weltall. Mit all diesen Alternativen hat sich die Kommission Lagerung hoch radioaktive Abfälle auseinandergesetzt und kurze Bewertungen in ihren Abschlussbericht aufgenommen. Die Endlagerkommission hat im Ergebnis klar die Endlagerung in tiefen geologischen Formationen empfohlen.

Auch die Europäische Kommission hat eine Richtlinie über die sichere Entsorgung radioaktiver Abfälle erlassen. Darin fordert sie von den Mitgliedsstaaten unter anderem, ein nationales Entsorgungsprogramm aufzustellen. Entsprechend den Vorgaben der EU-Richtlinie hat Deutschland der Kommission im August 2015 ein Nationales Entsorgungsprogramm vorgelegt.

Herausforderung Standortsuche

Wissenschaftliche Arbeiten zur Endlagerung radioaktiver Abfälle gibt es seit etwa 50 Jahren. Dennoch stellt die sichere Endlagerung hochradioaktiver Abfälle nach wie vor eine große Herausforderung dar. Mittlerweile sind große technisch-wissenschaftliche Fortschritte bei der Sicherheitsbewertung von Endlagern erzielt worden, für die die verstärkte internationale Zusammenarbeit eine große Rolle spielt. Das allgemeine Vertrauen in das nun in Deutschland festgelegte Verfahren muss noch wachsen. Gerade bei den Menschen, die sich lange gegen die Erkundung des Salzstocks Gorleben eingesetzt haben, ist die Skepsis gegenüber dem Verfahren noch spürbar groß. 

Der Streit über die Endlagerung steht im Kontext der Auseinandersetzungen über die Nutzung der Kernkraft allgemein. Nach anfänglicher Euphorie in den 1950er- und 60er-Jahren verbreitete sich in Deutschland bald Skepsis gegenüber der Kernenergie. Zunehmend wurden Risiken thematisiert, Kritikerinnen und Kritiker warnten insbesondere vor unkontrollierbaren Unfällen ("GAU" – größter anzunehmender Unfall). Schon früh verwiesen sie zudem auf das Problem der radioaktiven Abfälle, die in Kernkraftwerken entstehen: Diese seien eine Last für zukünftige Generationen. Aus vereinzelten lokalen Protesten entstand in den 1970er-Jahren eine deutschlandweite Anti-Atomkraft-Bewegung. In der Diskussion um die Endlagerung radioaktiver Abfälle warfen sich die Gegner häufig ideologisches und unwissenschaftliches Vorgehen vor. 

Viele verschiedene Aspekte dieser Auseinandersetzungen zeigen sich in der Diskussion über Gorleben. Der Ort war 1977 von der damaligen niedersächsischen Landesregierung als Standort für ein nukleares Entsorgungszentrum mit Wiederaufarbeitungsanlage, Brennelementefabrik und Endlager vorgeschlagen worden. Seitdem gab es dagegen zum Teil massive Proteste. Der Bericht der Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe zeigt, dass es bis heute keinen Konsens über die Bewertung zu Gorleben gibt.

Das nun geltende Standortauswahlgesetz sieht vor, dass Gorleben im Auswahlverfahren wie jedes andere Gebiet auf der weißen Deutschlandkarte behandelt wird. Bei der Anwendung der Auswahlkriterien wird es somit zu einer wissenschaftlichen Bewertung auch dieses Gebietes kommen, die zum Ausschluss aus dem Verfahren führen kann. Die Einbeziehung Gorlebens ist erforderlich, um den Betroffenen am zukünftig auszuwählenden Standort die Gewissheit zu geben, dass alle Optionen in die Standortauswahl einbezogen wurden.

Neben den Herausforderungen, die aus der Vergangenheit resultieren, ist das Verfahren selbst eine große Aufgabe: Nur wenn das Verfahren von Beginn an transparent und unter Einhaltung der erforderlichen wissenschaftlichen Standards geführt wird, wird man Vertrauen in das Verfahren aufbauen können. Die größte Herausforderung wird darin bestehen, den Menschen, die am ausgewählten Standort leben, zu vermitteln, wie und warum dieser Standort ausgewählt wurde. 

Die Standortsuche als mehrstufiges Verfahren

Das 2017 in Kraft getretene Standortauswahlgesetz sieht ein Standortauswahlverfahren in drei Phasen vor. Einen Überblick gibt ein kurzes Erklärvideo des BfE.

Im Auswahlverfahren werden die Suchräume zunehmend eingeengt. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (BGE) hat die Aufgaben, das Standortauswahlverfahren durchzuführen. Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) hat die Aufsicht über das Verfahren. Am Ende jeder Phase prüft es die Vorschläge der BGE für das weitere Verfahren beziehungsweise den auszuwählenden Standort; es ist verantwortlich für die Öffentlichkeitsbeteiligung. Das Bundesumweltministerium unterrichtet den Bundestag und Bundesrat und legt am Ende des Verfahrens einen Gesetzentwurf für die Standortentscheidung vor. Die Parlamente beraten und entscheiden am Ende jeder Phase des Verfahren per Gesetz über die von der Bundesregierung vorgelegten Vorschläge und treffen so insbesondere die abschließende Standortfestlegung. 

Phase 1: Ermittlung der Standorte zur übertägigen Erkundung

Zu Beginn sollen Teilgebiete auf Grundlage der im Standortauswahlgesetz festgelegten geowissenschafltichen Anforderungen und Kriterien unter Nutzung bereits vorhandener geowissenschaftlicher Daten identifiziert werden erfüllen. Über diese Teilgebiete ist ein Bericht vorzulegen.

Die weitere Einengung der Gebiete in Phase 1 erfolgt durch vorläufige repräsentative Sicherheitsuntersuchungen, die nochmalige Anwendung der geowissenschaftlichen Anforderungen und Kriterien sowie die Anwendung planungswirtschaftlicher Kriterien. Daraus resultiert ein Vorschlag für Standortregionen, die in der nächsten Phase übertägig (von der Oberfläche aus) durch Bohrungen und seismische Messungen erkundet werden sollen. 

Phase 2: Ermittlung der Standorte zur untertägigen Erkundung

Es wird die übertägige Erkundung durchgeführt. Auf Basis der so ermittelten Daten werden alle Kriterien und Anforderungen des Standortauswahlgesetzes erneut angewendet. Insbesondere können nun bereits genauere Sicherheitsuntersuchungen durchgeführt werden.  Als Ergebnis werden mehrere Standorte für eine untertägige Erkundung vorgeschlagen. 

Phase 3: Einengung und Festlegung des Standortes für die Endlagerung

Es wird eine Erkundung unter Tage durchgeführt, um die Standorte noch genauer zu prüfen. Dies kann durch Erkundungsbergwerke geschehen, die an den Standorten errichtet werden. Die Kriterienanwendung wird mit den dabei gewonnenen Daten nochmals wiederholt und die Sicherheitsuntersuchungen soweit verfeinert, dass eine Aussage über die voraussichtliche Genehmigungsfähigkeit der Standorte abgeleitet werden kann. Der Standort mit der bestmöglichen Sicherheit wird für die abschließende Standortentscheidung vorgeschlagen.

Ein unabhängiges gesellschaftliches Gremium soll das Auswahlverfahren und insbesondere die Öffentlichkeitsbeteiligung begleiten (Nationales Begleitgremium). So soll Vertrauen in das Verfahren ermöglicht werden. Das Gremium hat das Recht, Einsicht in die Akten des Auswahlprozesses zu nehmen, es veröffentlicht seine Beratungsergebnisse und es kann dem Bundestag Empfehlungen zum Standortauswahlverfahren geben. 

Beteiligung der Öffentlichkeit

Über die natürlichen geologischen Gegebenheiten und politischen Zuständigkeiten hinaus spielt die Beteiligung der Bevölkerung an der Planung eines möglichen Standorts eine wichtige Rolle. 

Träger der Öffentlichkeitsbeteiligung ist das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE). Die Behörde informiert die Öffentlichkeit umfassend über alle wesentlichen Aspekte des Auswahlverfahrens. Die Bürgerinnen und Bürger werden über verschiedene Beteiligungsformate eingebunden und haben die Möglichkeit, Stellungnahmen abzugeben, Nachprüfungen zu veranlassen und Einwände anzumelden. Eine Mitentscheidung der Bürgerinnen und Bürger ist nicht vorgesehen. Ziel der Beteiligung ist es, dass die Standortentscheidung von einem breiten gesellschaftlichen Konsens getragen und von den Betroffenen am Endlagerstandort toleriert werden kann. Mögliche Fehler bei der Durchführung sollen während des Verfahrens erkannt und korrigiert werden. Eine Anpassung des Verfahrens soll möglich sein. Die Endlagerkommission spricht auch von einem "lernenden" und "ergebnisoffenen" Prozess, in welchem Entscheidungen "reversibel", das heißt umkehrbar, sind. 

Ähnlich wird das Verfahren auch in anderen Ländern strukturiert. So gibt es beispielweise in der Schweiz einen mehrstufigen Auswahlprozess ohne Vorfestlegung auf bestimmte Standorte. Auch die Bevölkerung und die benachbarten Staaten werden bei der Auswahl beteiligt.

Weiterführende Links

Bundesumweltministerium (BMU): Endlagerprojekte
http://www.bmu.de/themen/atomenergie-strahlenschutz/endlagerprojekte/

Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE):
http://www.bfe.bund.de/

Bundesgesellschaft für Endlagerung: Standortauswahl
https://www.bge.de/de/standortauswahl/

Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE): Ausstellung zur Endlagersuche – multimediale Informationen zum Standortauswahlverfahren:
http://multimedia.gsb.bund.de/BFE/animation/endlagerausstellung/index.html

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