Hintergrund

Die Textilbranche, "Fast Fashion" und Wege zu nachhaltiger Bekleidung

Kleiderstange
Grundschule, Sekundarstufe

Die Textilbranche ist stark von der Globalisierung geprägt. Die Produktionsschritte verteilen sich weltweit auf diejenigen Standorte, an denen die geringsten Kosten anfallen. Das ermöglicht niedrige Preise für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Doch Umwelt- und Sozialstandards werden auf diese Weise häufig vernachlässigt, zum Teil mit katastrophalen Folgen. Das zeigt zum Beispiel der Einsturz des Fabrikgebäudes Rana Plaza in Bangladesch im Jahr 2013. Welche Folgen haben die Produktionsbedingungen für Mensch und Umwelt? Welche Ansätze zur Verbesserung gibt es?

Immer wieder sorgen problematische Aspekte der Textilproduktion für öffentliche Diskussionen. Dazu gehören Umweltprobleme, aber auch teilweise menschenunwürdige Arbeitsbedingungen.

Als ein Symbol dafür gilt der Einsturz des Rana-Plaza-Gebäudes in Dhaka in Bangladesch im Jahr 2013, der weltweit Kritik an der Branche auslöste. Nach offiziellen Angaben kamen dabei über 1.100 Menschen ums Leben, mehr als 2.400 wurden verletzt. In dem Gebäude waren mehrere Textilfirmen untergebracht. Trotz Warnungen vor einem Einsturz waren die Angestellten angewiesen worden weiterzuarbeiten.  

Auch Berichte über Umweltprobleme sorgen immer wieder für Aufsehen. Unter anderem kritisiert die Umweltschutzorganisation Greenpeace die Verwendung von schädlichen Chemikalien in der Bekleidungsproduktion. Mit der Kampagne "DETOX" will Greenpeace die Herstellerfirmen bewegen, umweltfreundlicher zu produzieren. Zu diesem Zweck lässt die Organisation unter anderem Kleidungsstücke auf Rückstände hin untersuchen. Im Januar 2016 wurde so bekannt, dass Outdoor-Kleidung teilweise gesundheitsschädliche Chemikalien enthält. 

Im Januar 2016 ist zudem der Dokumentarfilm "The True Cost" in deutschen Kinos angelaufen. Dafür hat Filmemacher Andrew Morgan unter anderem Arbeiterinnen in Kambodscha und Bangladesch besucht, Baumwollfarmer in Texas getroffen und an Modeschauen teilgenommen.  

Gleichzeitig legen einige Modefirmen und viele Verbraucherinnen und Verbraucher Wert auf nachhaltig produzierte Kleidung. Der Markt dafür wächst, so der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft. Während der bekannten "Fashion Week" 2016 in Berlin gab es eine eigene Veranstaltung zu diesem Thema, die "Ethical Fashion Show" . 

Globalisierung und Fast Fashion: Die Entwicklungen in der Textilbranche

Die Textilindustrie ist eine der wichtigsten Konsumgüterbranchen in Deutschland. Sie beschäftigt ungefähr 120.000 Menschen. Die Branche ist stark von der Globalisierung geprägt. Der allergrößte Teil der in Deutschland gekauften Bekleidung – circa 90 Prozent – wird importiert. Die Herkunftsländer sind vor allem China, Türkei und Bangladesch. 

Der Konsum in Deutschland ist davon geprägt, dass Bekleidung relativ günstig ist. Eine ganze Reihe von Einzelhandelsketten bietet Textilien zu betont niedrigen Preisen an. Kritiker wie die Umweltschutzorganisation Greenpeace bezeichnen diesen Trend als "Fast Fashion".  

Dazu gehört, dass immer wieder neue Kollektionen auf den Markt kommen und intensiv beworben werden. Eine Umfrage im Auftrag von Greenpeace ergab, dass viele Menschen Kleidung nur kurz oder zum Teil gar nicht tragen und anschließend schnell aussortieren. Kleidung ist für viele demnach austauschbare Wegwerfware. 

Die Produktionsbedingungen und Konsummuster bedingen einander. Die Produktionsschritte verteilen sich weltweit auf diejenigen Standorte, an denen die geringsten Kosten anfallen. Das ermöglicht niedrige Preise für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Deren Konsumgewohnheiten veranlassen wiederum viele Modeunternehmen, die Herstellungskosten so gering wie möglich zu halten. So werden viele Zulieferer unter Druck gesetzt; Umwelt- und Sozialstandards werden auf diese Weise vernachlässigt.  

Probleme auf allen Stufen des Herstellungsprozesses

Auch weltweit ist die Bedeutung der Textilbranche groß. Dementsprechend groß sind die Auswirkungen ihrer problematischen Aspekte für die Umwelt und die Beschäftigten. Die Folgen unterscheiden sich je nach Stufe im Herstellungsprozess. Zusammengenommen werden die Stufen auch als "textile Kette" bezeichnet. 

Besonders starke Umweltbelastungen entstehen beim Anbau und der Produktion von Rohfasern sowie bei der Textilveredelung. So werden beim Baumwollanbau große Mengen Pestizide und Wasser eingesetzt. Bei der Veredelung gelangen über das Abwasser große Mengen von Chemikalien in die Umwelt.  

Wenn Chemikalien in die Umwelt gelangen, können sie sich in Flüssen, Meeren, im Boden und in Pflanzen anreichern. Einige Stoffe können sich auch in Lebewesen anreichern – in Blut, Organen und im Gewebe. Das kann zu Gesundheitsschäden führen.   

Die Umweltfolgen sind in Asien besonders schwerwiegend. Von dort stammen mehr als 90 Prozent der Kleidung, die in Deutschland verkauft wird. In Asien arbeiten auch die meisten Beschäftigten der Textilbranche, vor allem in China und Bangladesch. Weltweit arbeiten etwa 60 Millionen Menschen für Textil- und Bekleidungsunternehmen. Die meisten von ihnen leben in Entwicklungs- und Schwellenländern. Dort sind die Sozialstandards häufig ungenügend. Das kann zu menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen führen. 

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung nennt folgende Beispiele: Löhne, die nicht den notwendigen Lebensunterhalt abdecken, Arbeitszeiten von bis zu 16 Stunden täglich, sieben Tage die Woche, Vernachlässigung von Arbeits- und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, fehlender Gewerkschaftsschutz und mangelhafte Sicherheitsstandards der Fabrikgebäude. Immer wieder kommt es in Zulieferfirmen zu Unfällen wie Bränden und dem Einsturz von Gebäuden.  

Auch der Energiebedarf für den langen Transport bis in den Handel stellt eine Umweltbelastung dar.   

NGOs und Behörden suchen Lösungen

Verschiedene Initiativen bemühen sich darum, die Bedingungen in der Textilindustrie zu verbessern. So zielen verschiedene NGOs darauf, die Konsumentinnen und Konsumenten auf Probleme aufmerksam zu machen und auf diese Weise Unternehmen zum Handeln zu bewegen. Zum Beispiel haben sich infolge der "DETOX"-Kampagne von Greenpeace über 30 Modemarken verpflichtet, bis zum Jahr 2020 keine Schadstoffe mehr zu verwenden.  

In Deutschland wurde 2014 auf Initiative des Bundesentwicklungsministeriums das "Textilbündnis" ins Leben gerufen. Der Zusammenschluss aus Politik und Unternehmen will Standards etablieren und auf diese Weise die Bedingungen entlang der gesamten Lieferkette verbessern.  

Schon seit über 20 Jahren existiert die "Kampagne für Saubere Kleidung", die sich für bessere Arbeitsbedingungen und faire Löhne einsetzt.

Die konkreten Möglichkeiten für Verbesserungen sind vielfältig. Zum Beispiel können viele bedenkliche Chemikalien ersetzt werden, die bei der Veredelung und beim Färben eingesetzt werden oder beim Gerben von Leder. Auch Textilien an sich können aus umweltverträglicheren Materialien hergestellt werden. 

Viele Bemühungen zielen darauf, verbindliche Standards zum Schutz der Umwelt und der Beschäftigten durchzusetzen. So werden unter anderem strengere Bedingungen für den Import von Textilien in die EU diskutiert.  

Einige NGOs und staatliche Initiativen werden zudem direkt in den Herstellerländern aktiv. So unterstützt die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) Bemühungen, Beschäftigte in der Textilindustrie in Bangladesch über ihre Rechte zu informieren. 

Entscheidung für nachhaltigen Konsum

Verbraucherinnen und Verbraucher können durch bewussten Konsum einen eigenen Beitrag zu Veränderungen leisten. 

So gibt es eine wachsende Zahl von Läden, Versandhäusern und Modelabels, die sich auf ökologische und fair gehandelte Kleidung spezialisiert haben. Bei der Auswahl helfen die entsprechenden Gütesiegel für Kleidung, zum Beispiel Fairtrade oder GOTS. Einen Überblick über die verschiedenen Siegel bietet die Internetseite www.siegelklarheit.de.

Zudem liegt es nahe, den eigenen Konsum zu überdenken. Wie oft muss neue Kleidung wirklich sein? Laut Greenpeace wird jedes fünfte Kleidungsstück so gut wie nie getragen. Eine Alternative können weniger Kleidungsstücke sein, die dafür qualitativ hochwertiger sind. Wer nicht auf neue Outfits verzichten will, kann vielerorts auch Kleidung tauschen oder gebraucht kaufen. Gelegenheiten finden sich zum Beispiel auf den Internetseiten tauschring.de oder kleiderkreisel.de.   

Nationales Programm für nachhaltigen Konsum

Die Bundesregierung möchte den nachhaltigen Konsum in den Bereichen Haushalt und Wohnen, Mobilität, Ernährung, Büro und Arbeit, Bekleidung sowie Tourismus und Freizeit weiter ausbauen. Aus diesem Grund ist am 24. Februar 2016 das Nationale Programm für nachhaltigen Konsum vom Bundeskabinett verabschiedet worden.

Das Programm nennt Ziele für einen nachhaltigeren Konsum im Allgemeinen, auch im Bereich Bekleidung werden konkrete Maßnahmen für die Schaffung eines Nachhaltigkeitsbewusstseins angeführt. 

Weiterführende Links

Umweltbundesamt: Textilindustrie:
https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/industriebranchen/textilindustrie

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Textilwirtschaft:
http://www.bmz.de/de/themen/textilwirtschaft/index.html

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Web-App "Nachhaltige Textilwirtschaft fördern!":
https://www.bmz.de/webapps/textil/index.php#/de/hintergrund

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Tipps für verantwortungsvollen Kleidungskauf
http://www.bmz.de/de/themen/textilwirtschaft/mitmachen/index.html 

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