Hintergrund

Feuchtgebiete und Moore sind wertvoll

Ein Sumpf eingerahmt von Bäumen.

Der 2. Februar ist Welttag der Feuchtgebiete. Seit 1997 wird er jährlich begangen, um an die Unterzeichnung der internationalen Konvention über Feuchtgebiete in der iranischen Stadt Ramsar am 2. Februar 1971 zu erinnern. Feuchtgebiete sind wichtige Ökosysteme und speichern erhebliche Mengen an Kohlenstoff. Doch Sümpfe, Auen und auch Moore sind immer stärker bedroht. Welche Bedeutung haben sie für die Umwelt und wie ist ihr Schutz möglich?

Die Ramsar-Konvention aus dem Jahr 1971 ist das älteste globale Naturschutzabkommen. Ursprünglich von der UNESCO angestoßen, hat sie heute 160 Vertragsstaaten. Ihr Hauptziel ist es, die Feuchtgebiete weltweit zu erhalten und beeinträchtigte oder zerstörte Gebiete wiederherzustellen. Deutschland hat bislang als Beitrag zur Ramsar-Konvention 34 Feuchtgebiete mit internationaler Bedeutung gemeldet.

Unter Feuchtgebieten versteht man eine Fülle unterschiedlicher, vom Wasser geprägter Lebensräume. Die Bandbreite reicht vom nährstoffreichen, biologisch sehr aktiven Marschland an den Küsten bis hin zum sehr nährstoffarmen, nur vom Regenwasser gespeisten Hochmoor in den Gebirgen. Auch das Wattenmeer der Nordsee ist ein Feuchtgebiet: Die Landschaft im Küstenbereich wird zweimal täglich bei Hochwasser geflutet und ist während des Niedrigwassers wieder trocken. Auen wiederum finden sich entlang von Bächen und Flüssen und werden in ihrer Vegetation durch Hoch- und Niedrigwasser geprägt.

Feuchtgebiete: Nieren der Landschaft


Feuchtgebiete kommen in jeder Klimazone vor. Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge bedecken sie weltweit 12,8 Millionen Quadratkilometer – die Erdoberfläche umfasst insgesamt rund 510 Millionen Quadratkilometer. Doch die von Feuchtgebieten bedeckte Fläche schrumpft rapide. In den letzten hundert Jahren sind 60 Prozent der Feuchtgebiete weltweit zerstört worden. In Europa sind es bis zu 90 Prozent – eine Entwicklung mit ernsten Folgen für Umwelt, Tier und Mensch. Denn Feuchtgebiete gehören zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde. Dort finden sich zahlreiche Fischarten, eine vielfältige Wirbellosenfauna (Schwämme, Würmer oder Schnecken) sowie seltene Pflanzen, darunter verschiedenste Gräser, Kräuter und Moose. Sie dienen vielen Zugvogelarten als wichtige Rast- und Überwinterungsplätze. Zugleich speichern, filtern und reinigen Feuchtgebiete wertvolles Trinkwasser. Man bezeichnet sie deshalb auch als "Nieren" der Landschaft. Durch ihre Fähigkeit Wasser zu speichern, schützen Feuchtgebiete außerdem vor Hochwasser und Bodenerosion.

In Deutschland reicht das Spektrum der Feuchtgebiete vom Weltnaturerbe Wattenmeer und den Boddengewässern über die größeren und kleineren Fließgewässer mit ihren Auen bis hin zu den Seen, Weihern, Teichen und Tümpeln, Mooren und Sümpfen. Feuchtgebiete finden sich hierzulande vorwiegend im Nordwesten und Osten sowie im Alpenvorland. 34 solcher Ökosysteme, darunter die Donau- und Elbauen, die Rieselfelder in Münster sowie der Chiemsee, wurden bislang in der Ramsar-Konvention erfasst. Das bedeutet, dass die Gebiete erhalten und gefördert werden. Umweltverbände bemängeln, dass dieser Schutzstatus allein nicht für die dauerhafte Sicherung der Lebensräume ausreiche. Tatsächlich sind Feuchtgebiete auch in Deutschland von Zerstörung bedroht.

Landwirtschaft und Torfabbau zerstören Moore

Vor allem die wertvollen Moore sind selten geworden: Ursprünglich bedeckten Moorlandschaften mit einer Fläche von 1,5 Millionen Hektar 4,2 Prozent der Landfläche Deutschlands. Heute sind jedoch 95 Prozent dieser Fläche entwässert, bebaut oder werden landwirtschaftlich wie auch forstwirtschaftlich genutzt. Solche Moore gelten als "tot".

Neben der landwirtschaftlichen Nutzung ist der Hauptgrund für die Zerstörung vieler Moore der Abbau von Torf, der zunächst vor allem als Brennmaterial benutzt wurde. Auch wenn Torf heute nicht mehr zum Heizen genutzt wird, wird er – vorwiegend in Niedersachsen – weiterhin abgebaut. Auf einer Fläche von 4.000 Quadratkilometern werden jährlich zehn Millionen Kubikmeter gewonnen und in der Medizin sowie im Gartenbau eingesetzt.

Doch in Deutschland wird mehr Torf verbraucht, als hierzulande abgebaut wird. Daher wird auch Torf importiert. Ein großer Teil kommt aus dem Baltikum, wo durch den Abbau jedes Jahr große Moorflächen "sterben“ und mit ihnen ein einzigartiger Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Moore entstanden in Mitteleuropa nach der letzten Eiszeit, als sich das Klima langsam wieder erwärmte. Im wassergesättigten Milieu werden abgestorbene Pflanzenreste unter Sauerstoffausschluss nicht vollständig zersetzt. Es kommt zur Anhäufung von Biomasse – organische Substanz, erzeugt von Pflanzen und Tieren – und zur Bildung von Torf. Dieser anhaltende Prozess lässt die Moore wachsen.

10.000 Jahre für 10 Meter

Moore lassen sich grob in drei Typen unterteilen: Niedermoore, die sich vor allem durch Grundwasser nähren, entwickelten sich in feuchten Senken, Mulden oder auch Flussniederungen. Sie sind vergleichsweise nährstoffreich und infolgedessen artenreich. Man findet sie insbesondere im Nordosten Deutschlands.

Hochmoore oder sogenannte Regenwassermoore entstanden vor allem in kühl-feuchten Gebieten, in denen weniger Wasser verdunstet und abfließt, als es regnet. Sie decken ihren Nährstoffbedarf ausschließlich über die nährstoffarmen Niederschläge. Deshalb leben dort vergleichsweise wenige spezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Hochmoore wachsen sehr langsam – etwa einen Millimeter pro Jahr. Das heißt: Für den Aufbau eines zehn Meter dicken Torfkörpers braucht ein lebendiges Hochmoor rund 10.000 Jahre. Sie sind besonders stark in Niedersachsen verbreitet.

Als dritter Typ gelten die sogenannten Übergangsmoore. Sie befinden sich in einem Übergangsstadium in der Entwicklung vom Nieder- zum Hochmoor. Solche "Übergangsmoore" speisen sich sowohl über Grund- als auch Regenwasser und sind zum Beispiel im Randsumpf von Hochmooren verbreitet.

Moorschutz ist Klimaschutz

Moore gilt es zu schützen: nicht nur aufgrund ihrer einzigartigen Flora und Fauna, sondern auch wegen ihrer Bedeutung für den Klimaschutz. Wie alle Feuchtgebiete binden Moore Kohlenstoff. Moore sind die effektivsten Kohlenstoffspeicher aller Landlebensräume. Legt man Moore trocken, entlässt man den Kohlenstoff in die Atmosphäre. Der als Kohlendioxid freigesetzte Kohlenstoff erhöht die Treibhausgas-Konzentration und trägt zum Klimawandel bei.

Aber was macht Moore zu effektiven Kohlenstoffspeichern? Der Grund: Die Zersetzung organischen Materials geht hier nur sehr langsam voran, daher wird auch der darin enthaltene Kohlenstoff nur langsam freigesetzt. Mit dem abgelagerten organischen Material wird der Kohlenstoff für Jahrtausende im Moor "gepuffert": Sie sind also wichtige natürliche Kohlenstoffspeicher. Das gilt für Feuchtgebiete insgesamt: Wissenschaftler schätzen, dass sie weltweit 771 Gigatonnen Treibhausgase binden. Das entspricht – in CO2-Äquivalenten formuliert – in etwa dem gesamten Kohlenstoffgehalt der heutigen Atmosphäre.

Doch die Speicherfunktion von Mooren kann sich ins Gegenteil umkehren: Werden Moore entwässert, werden erhebliche Mengen des gebundenen Kohlenstoffs in die Atmosphäre freigesetzt und ebenso das über 300-mal klimaschädlichere Lachgas. Wissenschaftler warnen, dass das weltweite Schrumpfen von Feuchtgebieten so zur Verstärkung der globalen Erwärmung beiträgt.

Gesetzlich geschützte Biotope

Aufgrund ihrer Bedeutung und Gefährdung gehören Feuchtgebiete in Deutschland zu den gesetzlich geschützten Biotopen. Auf europäischer Ebene spielen sie eine wichtige Rolle im Schutzgebietssystem "Natura 2000", einem Netz von Schutzgebieten, das in der EU nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie aufgebaut wird. Diese wurde in Deutschland mit dem Bundesnaturschutzgesetz 1998 sowie mit seinen Novellen 2002 und 2007 rechtsverbindlich.

Darüber hinaus hat sich Deutschland im Jahr 2007 im Rahmen der Nationalen Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung zu konkreten Zielen auch im Feuchtgebietsschutz verpflichtet, um sowohl den Artenrückgang zu stoppen als auch wesentliche Beiträge zum Klimaschutz zu leisten. So sollten alle Bundesländer bis 2010 Moorentwicklungskonzepte erarbeiten, die bis 2025 umgesetzt werden sollen.

Umweltverbände und Naturschutzorganisationen wünschen sich mehr Engagement und verlangen ein bundesweites Konzept zum Moorschutz. Forderungen sind unter anderem die Renaturierung der Hälfte der geeigneten Flächen, ein sofortiges Umbruchverbot von Grünland auf Moorböden sowie die Koppelung von EU-Agrarsubventionen für Landwirte an umwelt- und klimapolitische Ziele.

Zugleich zeigen die Bemühungen um den Schutz der Moore erste Erfolge: So wurden bundesweit noch bestehende naturnahe Moorflächen unter Schutz gestellt und geschädigte Moore renaturiert und wiedervernässt. Einige Bundesländer wie Bayern, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern verfügen außerdem über eigenständige Moorschutzprogramme, mit deren Hilfe vor Ort Projekte finanziert werden können. Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel führte 2010 die Öko-Aktie "MoorFutures" ein. Vor allem Unternehmen wollte man damit erreichen. Wer die Aktie kauft, finanziert die Renaturierung von Mooren und gleicht seine eigenen Emissionen aus. Zurzeit wird auch die Kleine Pelzlaake bei Köpenick renaturiert, und zwar mit Mitteln aus der Klimaabgabe des Landes Berlin. Die Berliner Bürger können sich an der Maßnahme auch mit einer Spende beteiligen. Das Moor war nach einer langjährigen Grundwasserabsenkung ausgetrocknet.

Allerdings: Nicht alle Moore können revitalisiert werden. Und selbst da, wo es aufgrund genügend hoher Grundwasserstände möglich ist, gelingt eine Renaturierung nicht immer problemlos. So kann etwa sehr viel Phosphor ins Wasser gelangen, wenn die ausgetrocknete Moor-Dreckschicht wieder vernässt wird. Angrenzende Bäche und Flüsse wären durch den erhöhten Nährstoffeintrag gefährdet umzukippen. Wissenschaftler haben außerdem nachgewiesen, dass neuangelegte Feuchtgebiete natürliche nicht ersetzen können. Selbst 100 Jahre nach ihrer Entstehung speicherten sie rund ein Viertel Kohlenstoff weniger als natürliche Moore, Auen oder Feuchtwiesen.

Weiterführende Links zum Thema:

Bundesamt für Naturschutz (BfN): Ökosystemleistungen der Moore
http://www.bfn.de/0311_moore-oekosystemleistungen.html

Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe: Das Niedermoor – Boden des Jahres 2012
http://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Boden/Aktuelles/Archiv/Boden-des-Jahres-2012.html

Naturschutzbund Deutschland (NABU): Moorschutz 
http://www.nabu.de/themen/moorschutz/ 

Informationen bei Planet Wissen: Moore
http://www.planet-wissen.de/natur_technik/moore/index.jsp 

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