Hintergrund

Menschen verbrauchen mehr, als sie brauchen

Voller Einkaufswagen im Supermarkt

In den westlichen Industrieländern verbrauchen die Menschen weit mehr, als sie für ihre existenziellen Bedürfnisse brauchen. Das Problem dabei: Oft geht der Konsum auf Kosten der Umwelt und der natürlichen Ressourcen. Zudem werden bei der Produktion von Konsumgütern in manchen Entwicklungs- und Schwellenländern Arbeits- und Menschenrechte verletzt. Immer mehr Menschen in den Industrieländern wissen dies und achten auf nachhaltigen Konsum. Doch worum genau geht es dabei – und wieso handeln viele Verbraucherinnen und Verbraucher nicht immer nachhaltig?

Für ein Viertel der Treibhausgasemissionen in Deutschland ist der private Konsum verantwortlich. Dazu gehört neben Methan und Fluorkohlenwasserstoffen auch Kohlendioxid: 9,9 Tonnen beträgt der durchschnittliche Pro-Kopf-Kohlendioxidausstoß der Deutschen pro Jahr. Der private Verbrauch trägt aber auch zum Raubbau an natürlichen Ressourcen und den damit verbundenen Umweltschäden bei.

Dies verdeutlicht, warum es notwendig ist, nachhaltiger zu konsumieren. Nachhaltigkeit ist ein umfassendes Konzept mit dem Ziel einer Entwicklung, die langfristig ökologisch verträglich, sozial gerecht und zugleich wirtschaftlich leistungsfähig ist. Für den privaten Konsum bedeutet dies, dass Konsumentscheidungen sowohl Umwelt- als auch soziale Aspekte berücksichtigen müssen. Zudem dürfen nicht die Möglichkeiten künftiger Generationen gefährdet werden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Um zu entscheiden, was nachhaltiger Konsum ist, müssen Produkte und Dienstleistungen unter vielen Gesichtspunkten betrachtet werden: von der Herstellung über die Verarbeitung, den Handel und den Verbrauch bis hin zur Entsorgung.

Hoher Verbrauch = intensive Nutzung von Ressourcen

Doch bislang konsumieren insbesondere die Menschen in den westlichen Industrieländern über die Befriedigung ihrer existenziellen Bedürfnisse weit hinaus. Sie verletzen damit unter anderem durch den hohen Rohstoffverbrauch die Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung.

Die intensive Nutzung von Industriegütern wie Autos oder Computer hat unter anderem einen hohen Wasserverbrauch zur Folge. Dieser betrifft häufig Produktions- beziehungsweise Zulieferländer, in denen Wasser ohnehin knapp ist, zum Beispiel wegen der klimatischen Bedingungen. Auch andere natürliche Ressourcen werden ausgebeutet: So fallen weltweit pro Jahr rund 13 Millionen Hektar Wald dem illegalen Holzeinschlag zum Opfer, das entspricht mehr als der gesamten Waldfläche Deutschlands.

Häufig werden durch den Holzeinschlag Flächen für die Papierherstellung oder für Landwirtschaft und Nutztierhaltung gewonnen. In den Tropen etwa wird Regenwald vor allem für Rinderweiden gerodet sowie für Sojafelder, um wiederum Futter für die Viehzucht anzubauen. Dafür mit verantwortlich ist auch die hohe Nachfrage nach Fleisch, insbesondere in westlichen Industrieländern.

Auch für Palmölplantagen wird Wald abgeholzt. Palmöl ist das meistproduzierte Pflanzenöl der Welt. Es wird nicht nur als Biosprit und in Kosmetikprodukten verwendet, sondern steckt auch in vielen Lebensmitteln wie Eis, Tiefkühlpizza oder Schokolade. Der Raubbau an Urwäldern schadet nicht nur Natur und Klima, sondern auch indigenen Bevölkerungsgruppen, die mit dem Wald häufig ihre Lebensgrundlage verlieren.

Schattenseiten der Globalisierung

Mit der Globalisierung ist einerseits für die Konsumenten das Angebot an Produkten und Dienstleistungen zu immer geringeren Preisen gestiegen. Andererseits haben sich der Konkurrenzkampf zwischen den Unternehmen und der Preisdruck auf Erzeuger und Lieferanten verschärft. Gerade auch multinationale Konzerne sind aufgrund ihrer Marktmacht in der Lage, Preise zu drücken.

Da die Konsumenten möglichst wenig für ein Produkt bezahlen wollen, verlegen viele Unternehmen Teile ihrer Produktion in Länder, in denen die Lohnkosten niedrig sind. Dort werden Umwelt- und Sozialstandards nicht immer eingehalten: Industrielle Abwässer werden zum Teil ungereinigt in Oberflächengewässer eingeleitet und können das Grundwasser verschmutzen. Mancherorts werden die Organisationsfreiheit von Gewerkschaften oder das Verbot von Kinderarbeit nicht umgesetzt. Verschiedene Nichtregierungsorganisationen haben in der Vergangenheit zum Beispiel auf Kinderarbeit im westafrikanischen Kakaoanbau hingewiesen.

75 Prozent des Kakaos kommen aus afrikanischen Staaten – darunter vor allem aus den westafrikanischen Staaten Elfenbeinküste und Ghana. Wiederholt wurden Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen in Textilfabriken in Bangladesch öffentlich, die unter anderem Ware für deutsche Discounter herstellen, aber auch für internationale Markenfirmen. Zuletzt war Ende Mai eine Textilfabrik in der Hauptstadt Dhaka eingestürzt mit mehr als 1000 Toten, vor allem Frauen. Bereits am Tag vor dem Einsturz hatte das Gebäude Risse gezeigt, dennoch waren die Arbeiterinnen gezwungen worden die Arbeit in der Fabrik aufzunehmen. Auch mangelnde Brand- und Gebäudeschutzregeln sind mitverantwortlich für die hohe Zahl der Opfer. Als Folge wollen sich unter anderem die Modekette H&M sowie das Bekleidungsunternehmen C&A künftig auf Gebäude- und Brandschutzregeln verpflichten.

Wissen und Handeln

Obwohl die Schattenseiten des Konsums vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern bewusst sind, existiert eine Kluft zwischen Wissen und Handeln: Während beispielsweise zwei Drittel der Deutschen mehr politische Anstrengungen im Umwelt- und Klimaschutz fordern, ist der Energieverbrauch privater Haushalte in den vergangenen 20 Jahren nicht nennenswert gesunken. Zwar ist das Umweltbewusstsein hierzulande beim Einkauf hoch, zugleich bewertet mehr als die Hälfte der Deutschen regionale oder fair gehandelte Produkte für sich selber als zu teuer.

Für diesen Unterschied zwischen Umweltbewusstsein und Umwelthandeln gibt es vielfältige Ursachen: Nachhaltigkeitsorientierungen stehen oft im Konflikt zu anderen persönlichen Wünschen – Fernreisen, mobil sein mit dem eigenen Auto, ein Haus im Grünen oder einfach Bequemlichkeit –, die letztlich nachhaltiges Verhalten verhindern können. Auch fällt es vielen Menschen schwer, Gewohnheiten aufzugeben. Positive Ansätze werden zudem häufig durch das Gefühl gehemmt, allein wenig erreichen zu können. Manche Menschen sind zudem der Ansicht, andere müssten zuerst etwas tun, bevor sie selbst aktiv werden.

Die Dilemmata beim Verbrauch

In der Wissenschaft gibt es zur Erklärung von Konsumentenverhalten verschiedene Ansätze. Der "Low-Cost-Hypothese" zufolge handeln Menschen vor allem dann umweltbewusst, wenn sie dabei auf wenig verzichten müssen. Je geringer die Kosten oder Umstände, desto leichter fällt es Menschen, ihren Einstellungen auch Taten folgen zu lassen. Die Low-Cost-Hypothese wurde 1992 von den Umweltsoziologen Andreas Diekmann und Peter Preisendörfer aufgestellt.

Umweltpsychologen wie Andreas Ernst gehen dagegen von "ökologisch-sozialen Dilemmata" als Ursache für die Kluft zwischen Umweltbewusstsein und Umwelthandeln aus. Menschen müssten nicht nur unterschiedliche Präferenzen und Interessen unter einen Hut bringen, sie hätten häufig auch unzureichende oder widersprüchliche Informationen. Menschen seien deshalb mit gegenläufigen Handlungsanreizen konfrontiert – steckten also in einem Dilemma. So verstrickten sie sich bei der Nutzung kollektiver Umweltgüter in unterschiedlichen Fallen: Eine soziale Falle ist demnach eine Situation, in der die Nutzung einer natürlichen Ressource für einen Beteiligten Vorteile hat, die Kosten aber auf alle Beteiligten verteilt werden – zum Beispiel die Rodung einer Regenwaldfläche zur landwirtschaftlichen Nutzung. Eine zeitliche Falle bedeutet, dass die Nachteile der Ressourcennutzung erst mit Verzögerung spürbar werden. Als räumliche Falle wird schließlich das Phänomen bezeichnet, wenn Umweltschäden nur in räumlicher Distanz zu dem Ort auftreten, an der die Nutzung einer Ressource stattfindet.

Auch eine mangelnde Risikoeinschätzung kann dazu beitragen, dass Menschen sich wider besseren Wissens nicht nachhaltig verhalten: Wenn Umwelt- und Klimaprobleme sinnlich nicht leicht zu erfassen sind, neigen Menschen dazu, sie zu unterschätzen. Während beispielsweise Müll auf der Straße wahrnehmbar ist, sind viele andere Umweltprobleme sinnlich weniger erfassbar – etwa Auswirkungen des Klimawandels.

Wie können Verbraucher für nachhaltigen Konsum gewonnen werden?

Für eine erfolgreiche nachhaltige Entwicklung ist es wichtig, eine große Öffentlichkeit zu erreichen und zu überzeugen. Die Nachhaltigkeitskommunikation von Vereinen oder staatlichen sowie kommunalen Stellen zielt deshalb darauf ab, nachhaltige Wertorientierungen und Einstellungen zu stärken, nachhaltiges Verhalten zu fördern und Informationsdefizite zu beseitigen. Dazu zählt auch, Vorurteile ("nachhaltiger Konsum ist teuer", "Recyclingpapier ist grau", "Ökostrom bringt gar nichts") abzubauen. Die Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Nachhaltigkeit versucht auch mögliche Verhaltensänderungen in puncto Ernährung, Mobilität und Klimaschutz zu vermitteln.

Informationen werden dabei zumeist zielgruppengerecht gestaltet: Das heißt, entsprechend der Gruppen und ihren Lebensstilen aufbereitet. Gerade bei der Ansprache von Jugendlichen werden oftmals ihre Bedürfnisse sowie ästhetischen Vorlieben berücksichtigt. Hierzu zählt auch eine angemessene Sprache. Mehr Informationen und Hintergründe zur Nachhaltigkeitskommunikation bietet zum Beispiel das "Kompetenznetz Nachhaltigkeitskommunikation".

Nachhaltiger Konsum im Alltag

Eine Erscheinungsform der Nachhaltigkeitskommunikation sind verschiedene Siegel und Prüfzeichen für Produkte. Siegel sind einfach, wiedererkennbar und transportieren eine klare Botschaft – so erleichtern sie den Konsumenten die Entscheidung. Eines der ältesten und erfolgreichsten ist der "Blaue Engel". Das Umweltzeichen erhalten Produkte, die besonders umwelt-, gesundheits- und verbraucherfreundlich sind. 

Weitere bekannte Zeichen sind das "Bio"- und das "FairTrade"-Siegel, mit dem ökologisch produzierte beziehungsweise fair gehandelte Waren ausgezeichnet werden. Es gibt zahlreiche andere Label – einen guten Überblick bietet das Portal label-online.de von der Verbraucherinitiative.

Weiterführende Links

Informationen des Bundesumweltministeriums zu Nachhaltiger Entwicklung
http://www.bmu.de/themen/nachhaltigkeit-internationales/nachhaltige-entwicklung/kurzinfo/

Portal des "Rat für Nachhaltige Entwicklung"
http://www.nachhaltigkeitsrat.de/

Umweltbundesamt zu Umweltbewusstsein und nachhaltigem Konsum
https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/konsum-umwelt-zentrale-handlungsfelder#textpart-2

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