Hintergrund

Nachhaltige Konzepte für große Events

Olympiastadion Berlin
Grundschule, Sekundarstufe

Große Events wie die Fußball-Weltmeisterschaft erfordern einen enormen Aufwand. Hunderttausende Menschen müssen an- und abreisen und verpflegt werden. Oft werden eigens neue Sportanlagen gebaut. Das löst häufig kontroverse Diskussionen aus. Doch Events können auch umweltverträglich durchgeführt werden. Vieles davon kann auch im Kleinen umgesetzt werden, ob beim sogenannten Public Viewing oder beim Schulfest.

Regelmäßig sorgen spektakuläre Sportereignisse für große Aufmerksamkeit – zum Beispiel internationale Fußball-Turniere, Olympische Spiele oder Ski-Events. Teilweise ziehen sie hunderttausende Besucherinnen und Besucher an und werden von Millionen im Fernsehen verfolgt. Entsprechend groß ist der Aufwand, der dafür betrieben wird.

Ein Beispiel ist die Fußball-WM 2018, die in Russland ausgetragen wird. Es werden mehr als drei Millionen Besucherinnen und Besucher erwartet, darunter eine Million aus dem Ausland. Zehn der 12 WM-Stadien wurden entweder neu gebaut oder aufwändig renoviert. Auch einige Flughäfen, U-Bahnhöfe und Straßen wurden eigens hergerichtet. 

Große Events: umstrittener Aufwand

Im Rahmen der 5. Weltkonferenz der Sportminister haben sich im Jahr 2013 über 120 Staaten der UNESCO zur Nachhaltigkeit von Sportgroßveranstaltungen bekannt. Veranstaltungen mit hunderttausenden Besucherinnen und Besuchern sind jedoch unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit eine Herausforderung. Unter anderem muss eine große Zahl von Menschen innerhalb kurzer Zeit an- und abreisen und verpflegt werden. Im Umfeld großer Fußballstadien zum Beispiel sind Staus, Lärm und Abfälle ein bekanntes Problem. 

Insbesondere Baumaßnahmen für Mega-Events im Sport werden häufig kontrovers diskutiert. Vor allem Kosten für Neubauten, die in der Regel – wenigstens zu einem bedeutenden Teil – aus öffentlichen Haushalten bezahlt werden.  So wurde bereits während der Planungen zur WM in Brasilien 2014 infrage gestellt, ob die aufwändigen Bauten dauerhaft genutzt werden könnten.  Mittlerweile ist klar, dass dies nicht der Fall ist – einige der Stadien stehen leer und verfallen.  Im Fall von Brasilien wurde auch kritisiert, dass Menschen wegen der Neubauten zum Umzug gezwungen wurden. (Siehe auch Thema der Woche "Wer baut die Stadt von morgen?")

Als Argumente für den Aufwand werden meist wirtschaftliche Aspekte genannt. So gibt die Fifa an, dass durch die WM in Russland 2018 über 100.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Stadion-Neubauten würden nach der WM dauerhaft für verschiedene Zwecke weiter genutzt. Dafür werden sie zum Teil erneut umgebaut, damit sie möglichst gut auf die Bedürfnisse vor Ort zugeschnitten sind. Auch die Modernisierung der Infrastruktur ist demnach von dauerhaftem Nutzen für die Menschen in den WM-Städten.  

Was haben Veranstaltungen mit Nachhaltigkeit zu tun?

Die Organisation von nachhaltigen beziehungsweise umweltfreundlichen Veranstaltungen kann sehr komplex sein. Sie umfasst eine ganze Reihe von Bereichen, die aus Sicht der Nachhaltigkeit relevant sind. Dazu gehören:

  • Mobilität,
  • Energie und Klima,
  • Catering (Verpflegung),
  • Abfallmanagement,
  • Umgang mit Wasser,
  • Soziale Aspekte. 

Mobilität

Im Bereich Mobilität geht es um die An- und Abreise der Besucherinnen und Besucher und die Wege, die sie am Veranstaltungsort zurücklegen. Der größte Teil der Umweltbelastungen durch eine Veranstaltung wird in der Regel durch die An- und Abreisen verursacht. 

Der Verkehr ist eine der Hauptquellen für klimaschädliche Treibhausgase. Luftschadstoffe und Verkehrslärm belasten zusätzlich Mensch und Umwelt. Nicht zuletzt sorgen Staus und Parkplatzsuche für Ärger bei den Besucherinnen und Besuchern einer Veranstaltung – und in der Nachbarschaft.   

Weil das ein häufiges Problem ist, geben sich Veranstalterinnen und Veranstalter hier meist besondere Mühe. Besucherinnen und Besucher bekommen Hinweise, wie sie öffentliche Verkehrsmittel nutzen oder wie sie ihr Auto außerhalb der Stadt oder von Wohngebieten parken können. Oft gibt es sogenannte Kombitickets. Das sind Eintrittskarten, die gleichzeitig als Fahrschein für öffentliche Verkehrsmittel gelten. Manchmal wird ein sogenannter Shuttle-Service angeboten. Dabei holen Pendelbusse Besucher vom nächstgelegenen Bahnhof ab.  

Vollständig vermeidbar sind die Emissionen durch An- und Abreise nicht. Dennoch können Veranstaltungen klimaneutral sein. Das bedeutet, dass die durch die Veranstaltung verursachten zusätzlichen Emissionen durch Einsparungen an anderer Stelle wieder ausgeglichen werden. Dazu gehören zum Beispiel Klimaschutzprojekte in anderen Ländern. 

Energie und Klima

Energie und Klima ist ein übergeordnetes Thema, das auch für andere Handlungsfelder wie Mobilität eine Rolle spielt. Neben dem Beispiel des Treibstoffverbrauchs bei An- und Abreisen per Auto kommen jedoch weitere Bereiche hinzu, in denen Energie benötigt wird. Vor allem sind dies Heizung – manchmal auch Kühlung – sowie Beleuchtung. Ein effizienter Umgang mit Energie senkt nicht nur Emissionen, sondern auch die Kosten. Strom und Wärme sollten zudem möglichst aus erneuerbaren Quellen stammen. 

Catering (Verpflegung)

Auch die Qualität, Herkunft und Produktionsweise von Lebensmitteln sind für die Nachhaltigkeit relevant. Ökologisch erzeugte, regionale und saisonale Lebensmittel schonen natürliche Ressourcen und begrenzen klimaschädliche Emissionen.  

Abfall

Die größten Abfallmengen fallen meist bei der Verpflegung an. Oft machen auch Werbematerialien wie Flyer, Give-aways und Fanartikel einen erheblichen Teil des Müllbergs aus. Zur Vermeidung von Abfall im Verpflegungsbereich bieten sich Mehrwegsysteme für Becher und Geschirr an, Werbeartikel können beschränkt werden.  

Auf Plastikteller und Kunststoffbesteck kann verzichtet werden, wenn Essen angeboten wird, das sich aus der Hand essen lässt, wie Bratwürstchen im Brötchen, Pizzastücke oder sogenannte Wraps. Müll, der nicht zu vermeiden ist, wird hingegen getrennt gesammelt und entsorgt. 

Bei den Olympischen Spielen in London wurden auf den Sportgeländen kostenlose Trinkbrunnen aufgestellt, wo mitgebrachte Behälter aufgefüllt werden konnten. Das hat zu einer merklichen Reduzierung des Verpackungsmülls beigetragen. 

Wasser und Abwasser

Trinkwasser sparen lässt sich etwa, indem es durch Regenwasser, Oberflächen- oder Brunnenwasser ersetzt wird. Das ist zum Beispiel bei der Bewässerung von Grünflächen oder bei Toilettenspülungen möglich. Zusätzlich kann der Wasserverbrauch insgesamt gesenkt werden. Dabei helfen sparsame Armaturen mit Durchflussbegrenzer und Stopp-Automatik oder Trockenurinale. 

Lärm

Ob Applaus, Fangesänge, Musik oder der Krach durch Verkehr – Großveranstaltungen erzeugen Lärm. Der beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität von Menschen. Wenn Veranstaltungen, wie etwa Ski- oder Radrennen, in der freien Natur stattfinden, können sie auch Wildtiere erheblich stören.  Um Lärm zu begrenzen, sollten laute Veranstaltungen in lärmgedämmten Räumen oder außerhalb von Wohn- oder wertvollen Naturlandschaften stattfinden. Zudem kann es helfen, die Besucher ausdrücklich um Rücksicht zu bitten. 

Materialverbrauch

Für viele Veranstaltungen müssen zeitweise spezielle Einrichtungen wie Zelte, Tribünen oder Medientechnik aufgebaut werden. Auch dabei lassen sich Ressourcen, Abfall und nicht zuletzt Kosten sparen. Bauteile und Materialien sollten umweltfreundlich und langlebig sein – dazu gehört auch, dass sie reparaturfreundlich und wartungsarm sind. Es sollten ausschließlich Stoffe verwendet werden, die recycelt oder umweltfreundlich entsorgt werden können. Eine Alternative zur Neuanschaffung kann auch die Miete von Einrichtungen sein.  

Warum Planung wichtig ist

Große Veranstaltungen zu organisieren, ist generell eine komplexe Aufgabe. Bei der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien gibt es aus Sicht der Veranstalterinnen und Veranstalter besondere Herausforderungen. 

Steht zum Beispiel der Ort fest, müssen in der Regel die vorhandenen Sportstätten und Unterkünfte genutzt werden – Strom- und Wärmebedarf von Hotels oder Wasserverbrauch können dann nur noch in engen Grenzen beeinflusst werden. Jedoch verbrauchen Neubauten erhebliche Ressourcen. Daher ist eine Nutzung und eventuelle Sanierung von vorhandenen Sportstätten stets einem Neubau vorzuziehen. Wird dennoch neu gebaut, sollte die spätere, langfristige Nutzung berücksichtigt werden, damit die 

Bevölkerung in größtmöglichem Maße profitieren kann. So sollten zum Beispiel notwendige Umbauten nach dem Event möglichst gering ausfallen.

Oft herrscht bereits bei der Planung Zeitdruck. Dabei können Umwelt- beziehungsweise Nachhaltigkeitskriterien ins Hintertreffen geraten. Doch nur, wenn Veranstaltungen bereits unter Berücksichtigung dieser Kriterien geplant werden, ist es möglich, die Umweltbelastung in vertretbaren Grenzen zu halten und den sozialen Aspekten voll gerecht zu werden. 

Veranstaltungen und Sportstätten müssen für alle Interessengruppen attraktiv beziehungsweise vertretbar sein. Dazu gehört auch, dass die Kosten für die Allgemeinheit berücksichtigt werden. Auch Nachteile für einzelne Gruppen wie Anwohner/-innen zählen zu den sozialen Aspekten. Die offene Kommunikation sowie die frühzeitige Einbindung aller Beteiligten und Betroffenen sind die Grundlage für Events, die auch unter sozialen Gesichtspunkten nachhaltig sind. 

Das Umweltbundesamt empfiehlt daher, bei Großveranstaltungen ein sogenanntes Umweltmanagementsystem einzusetzen. Es gibt bereits eine Reihe solcher Systeme, zudem existieren Normen und Leitfäden für nachhaltiges Veranstaltungsmanagement. Sie bieten zum Beispiel Übersichten und Checklisten, welche die umweltverträgliche Organisation erleichtern sollen.  Das Online-Portal Green Champions 2.0 – für nachhaltige Sportveranstaltungen etwa stellt Hintergrundinformationen, Praxisbeispiele und Checklisten für die nachhaltige Ausrichtung von Sportveranstaltungen unterschiedlicher Größe zur Verfügung, die auch für andere Events genutzt werden können.  

Schon seit längerem werden insbesondere für internationale Großveranstaltungen in der Regel entsprechende Nachhaltigkeitskonzepte entwickelt. Für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland wurde unter dem Titel "Green Goal" erstmalig ein Umweltkonzept mit anspruchsvollen Umweltzielen für eine Fußball-WM erarbeitet. Die Fifa hat zum Beispiel umfangreiche Hintergrundinformationen zu den WM-Turnieren in Brasilien 2014 und in Russland 2018 veröffentlicht. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verfolgt eine Reformagenda, bei der Nachhaltigkeit als eine von drei tragenden Säulen gilt. 

Auch einige jüngere Beispiele wie die aus Brasilien zeigen jedoch, dass bei Sportgroßveranstaltungen nicht immer alle Möglichkeiten der nachhaltigen Planung und Durchführung genutzt werden. Die Vorbereitungen zur WM 2018 in Russland wurden ebenfalls kontrovers diskutiert. So kritisierte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch schlechte Arbeitsbedingungen auf Stadionbaustellen. 

Welche Rolle spielen Sportfans?

Wichtige Handlungsbereiche setzen voraus, dass die Besucherinnen und Besucher an den Maßnahmen mitwirken. Besonders deutlich ist dies in den Bereichen Mobilität und Catering.

Zum Beispiel möchten Besucherinnen und Besucher in der Regel bequem und zu erschwinglichen Preisen an- und abreisen. Umweltverträgliche Verkehrsmittel müssen also entsprechend attraktiv sein. Außerdem müssen die Besucherinnen und Besucher diese Angebote kennen – sie müssen also entsprechend kommuniziert werden. 

Und beim Catering sind viele nachhaltige Lösungen möglich – zum Beispiel der Ausschank von Leitungswasser oder vegetarische Lebensmittel. Doch muss hier jeweils geprüft werden, ob beziehungsweise in welchem Maße die Besucherinnen und Besucher diese Angebote annehmen. 

Sport kann Impulsgeber sein

Große Sportveranstaltungen können für die Ausrichterstädte, die Aktiven sowie die Besucherinnen und Besucher eine herausragende Bedeutung haben. Daher können sie – eine nachhaltige Organisation vorausgesetzt – sogar Impulsgeber für eine nachhaltige Entwicklung sein. Sie können zum Beispiel dazu beitragen, umweltpolitische Leitbilder in der Gesellschaft zu verankern. Das betont der Beirat für Umwelt und Sport beim Bundesumweltministerium in einem Positionspapier.

Der Beirat hebt dabei die Bedeutung der Glaubwürdigkeit hervor. Je verbindlicher, konkreter und überprüfbarer Nachhaltigkeitskonzepte formuliert seien und gesteuert würden, umso überzeugender wirkten sie. 

Das "Event" zu Hause

Auch zuhause gebliebene Fans können bei Events einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Zum Beispiel beim sogenannten Public Viewing: Von Abfallvermeidung bis zum nachhaltigen Catering lassen sich die gleichen Maßnahmen wie im Großen umsetzen.

Zum Grillen kauft man am besten zertifizierte Holzkohle aus heimischen Wäldern und nachhaltiger Forstwirtschaft. So kann man sicher sein, dass für die Grillkohle kein Tropenholz  verwendet wurde und sie nicht Pech, fossile Kohlearten, Erdöl, Koks oder sogar Kunststoffe enthält. 

Bei größeren privaten Veranstaltungen kann sich auch ein sogenanntes Geschirrmobil lohnen: Dabei befinden sich Geschirr, Gläser, Besteck und eine Spülmöglichkeit in einem Anhänger. 

Strom und somit Emissionen lassen sich hier mit energiesparenden Beamern und Fernsehern sparen. Sie erkennt man zum Beispiel am Siegel "Blauer Engel". Auch die 

Energieverbrauchskennzeichnung mit dem sogenannten EU-Label hilft bei der Einschätzung. Die effizientesten Geräte sind die der Klassen A++ und A+++. 

Weiterführende Links

Umweltbundesamt: Leitfaden für die nachhaltige Organisation von Veranstaltungen
www.umweltbundesamt.de/publikationen/ratgeber-leitfaden-fuer-die-nachhaltige

Deutscher Olympischer Sport Bund: Green Champions 2.0 – Portal für nachhaltige Sportveranstaltungen
www.green-champions.de

Deutscher Fußball-Bund: Gute Ideen für Umwelt und Verein
www.dfb.de/umwelt/umweltschutz-im-verein/ideenkatalog

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