Hintergrund
27.06.2014 | Stadt | Klima

Siedlungen im Klimawandel

Begrünte Dächer

Die globale Erderwärmung kann noch auf zwei Grad begrenzt werden, wenn die entsprechenden Maßnahmen zügig umgesetzt werden. Zu diesem Ergebnis kommt der Weltklimarat IPCC in seinem zuletzt veröffentlichten fünften Sachstandsbericht. Gleichzeitig betont der IPCC: Manche Folgen des Klimawandels sind schon jetzt spürbar - und die Welt muss sich besser darauf einstellen. In vielen Städten Deutschlands hat die Anpassung bereits begonnen.

Die Treibhausgasemissionen sind in den vergangenen Jahrzehnten weltweit angestiegen, und zwar mit zunehmender Geschwindigkeit. Obwohl sich immer mehr Menschen dafür einsetzen, das Klima zu schützen, hat der weltweite CO2-Ausstoß in diesem Jahrzehnt einen Höchststand erreicht. Zu diesem Ergebnis kommt der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC). Der IPCC ist ein internationales wissenschaftliches Gremium unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen. Er hat die Aufgabe, anhand der aktuellen und anerkannten wissenschaftlichen Veröffentlichungen den jeweils neuesten Kenntnisstand zum Klimawandel auszuwerten, führt jedoch keine eigenen wissenschaftlichen Untersuchungen durch. Die Ergebnisse der Bewertung fasst der IPCC in regelmäßigen Sachstandsberichten sowie in Sonderberichten zu ausgewählten Themen zusammen. Sein zuletzt veröffentlichter fünfter Sachstandsbericht wurde in den Jahren 2013 bis 2014 fertiggestellt. Der sechste Sachstandsbericht soll im Jahr 2021/22 erscheinen. 

Eine zentrale Rolle spielen darin die bereits spürbaren Folgen des Klimawandels, wie Temperaturanstiege, Hitzewellen oder Überschwemmungen. Diese erfordern Maßnahmen, die den Menschen helfen, sich bereits jetzt an veränderte Lebensbedingungen anzupassen.

Dem Bericht zufolge ist es noch möglich, das international vereinbarte Ziel einzuhalten, die globale Erderwärmung in Zukunft auf zwei Grad zu begrenzen. Der IPCC nennt die dafür nötigen wirtschaftlichen, technologischen und politischen Maßnahmen. Dabei spielt die Förderung kohlenstoffarmer Energiequellen eine wichtige Rolle, aber auch eine klimaschonende Stadtentwicklung.

Klimawandel schon jetzt spürbar

Die Anpassung hat in vielen Städten Deutschlands bereits begonnen. Denn auch unterhalb von zwei Grad Celsius hat die Klimaerwärmung Folgen. Der Zwei-Grad-Wert bezieht sich auf die langfristige Entwicklung der globalen Durchschnittstemperatur. Regional und phasenweise sind Abweichungen von diesem Durchschnittswert möglich. Vor allem aber sorgt die steigende globale Durchschnittstemperatur für stärkere Klimaschwankungen und häufigere Wetterextreme.

Ab 0,7 Grad Erderwärmung steigt laut IPCC die Wahrscheinlichkeit von Extremwetterereignissen. Obwohl sich einzelne Wetterereignisse nicht auf den Klimawandel zurückführen lassen, führen Forscher die große Zahl extremer Wetterereignisse der vergangenen Jahre insgesamt auch auf den Klimawandel zurück.

Ab 1,5 Grad Erwärmung steigt das Risiko eines beschleunigten Artensterbens, und spätestens mit einer Erwärmung von zwei Grad würden die Folgen der Klimaänderung ein Niveau erreichen, das nicht tolerierbar ist.

Dürren und Überschwemmungen – mit schweren Folgen

Für klimawandelbedingte Wetterextreme gab es in den vergangenen Jahren einige Beispiele, die wegen ihrer schweren Folgen international Beachtung fanden. Dazu gehörte etwa im Jahr 2012 die größte Hitzewelle in den USA seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1880. Zudem gab es zahlreiche Überschwemmungen aufgrund starker Regenfälle, wie etwa 2011 in Thailand.

Die Folgen solcher Extreme treffen laut Germanwatch vor allem Menschen, die in Armut leben. Klima- bzw. unwetterbedingte Ernteausfälle sowie die Zerstörung von Behausungen durch Sturm oder Flut können die Lebensgrundlage dieser Menschen zerstören. Ernteeinbußen können auch indirekt die Ernährungssicherheit gefährden, indem Nahrungsmittel knapp und teurer werden. Dieser Kreislauf kann sich fortsetzen, denn es wird erwartet, dass die Folgen des Klimawandels während des 21. Jahrhunderts das Wirtschaftswachstum abbremsen und dadurch die Armutsbekämpfung weiter erschweren. 

Folgen in Deutschland

Auch in Deutschland hat es in den vergangenen Jahren Wetterextreme gegeben. Dazu zählen die Überschwemmungen in den Jahren 2002 und 2013, bei denen Menschen ums Leben kamen und Schäden in Milliardenhöhe entstanden. Auch die Hitzewelle im Sommer 2003 und die daraus resultierenden Waldbrände machten die Risiken des Klimawandels deutlich. Vor allem für ältere und kranke Menschen können plötzliche Hitzewellen extrem belastend oder sogar gesundheitsgefährdend sein. Zudem kann es infolge von wiederkehrenden Hitzeperioden dauerhaft an Wasser mangeln, was wiederum Folgen für die Energiewirtschaft oder die Landwirtschaft hat.

So entnehmen viele Kraftwerke das von ihnen benötigte Kühlwasser aus nahen Flüssen. Ist dieses Wasser zu warm oder sind die Pegelstände der Flüsse zu niedrig, fehlt Kühlwasser, was im Extremfall dazu führen kann, dass Kraftwerke abgeschaltet werden müssen. Zugleich gefährdet zu warmes Wasser auch die Tier- und Pflanzenwelt der Flüsse und stellt – nicht nur in diesem Bereich – eine Gefahr für die Biodiversität dar.

Weitere Informationen zu Ursachen und Folgen von Wetterextremen finden sich im Hintergrundtext "Veränderungen im Klimasystem und extreme Wetterereignisse"

Gegensteuern in den Städten

Laut IPCC sind Maßnahmen zur Klimaanpassung in den Städten und Großstädten besonders wichtig. Schließlich sind vor allem in den verdichteten Stadtzentren mit wenigen Grünflächen Hitzewellen und Starkregen besonders problematisch. Anpassungsmaßnahmen sollten daher in Stadtplanungsprozesse dauerhaft einbezogen werden.

Dazu gehören unter anderem verbesserte Katastrophenschutzmaßnahmen. Zur Hochwasser-Vorsorge zum Beispiel können städtische Kanalnetze so erweitert werden, dass sie extremen Starkregen bewältigen können. Ein solches Projekt wurde 2007 in Mexiko-Stadt in Auftrag gegeben. Ein neuer Kanalisationstunnel soll das Wasser nicht nur aus der Stadt leiten, sondern es zusätzlich durch die Berge in Richtung Norden pumpen. Mexiko-Stadt zählt zu den größten Städten der Welt. Wegen ihrer Tallage ist sie immer wieder Hochwassern ausgesetzt.

Auch einzelne Gebäude können so ausgestattet werden, dass sie Hochwasser standhalten können. Dazu kann das Wasser zum Beispiel in Speicher abgeleitet werden. An manchen Standorten bietet es sich auch an, Gebäude auf Stelzen zu errichten. In den Niederlanden gibt es bereits Pilotprojekte für schwimmende Stadtviertel. Gebäude werden dabei auf Pontons errichtet und sind somit unempfindlich gegen einen Anstieg des Wasserspiegels.

Auch Warnsysteme spielen eine wichtige Rolle für den Katastrophenschutz. Nicht nur, wenn Menschen in Hochwassergebieten evakuiert werden müssen, sondern auch zur Warnung vor Hitzewellen. Neue Konzepte zur Gesundheitsvorsorge zielen darauf, Versorgungsnetzwerke für Wetterextreme aufzubauen. Im Hitze-Notfall können sich zum Beispiel sogenannte Trinkpaten darum kümmern, dass ältere Menschen ausreichend mit Flüssigkeit versorgt werden. Im Landkreis Kassel gibt es seit 2010 das Projekt "Hitzetelefon Sonnenschirm". Sollten Hitzeperioden bevorstehen, werden Ältere und pflegebedürftige Menschen telefonisch gewarnt. 

Ebenso nimmt die Bedeutung von baulichen Wärmeschutzmaßnahmen zu. Für Abkühlung sorgen zum Beispiel geeignete Baumaterialien, die Berücksichtigung der Gebäudeausrichtung, begrünte Dächer oder die Erhaltung von Luftleitbahnen. Dabei sollte gleichzeitig der Energieverbrauch für Kühlung und Klimatisierung begrenzt werden, um den Umstieg auf klimafreundliche erneuerbare Energien zu erleichtern.

Um gerade bei heißen Temperaturen auch die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs attraktiv zu halten und Menschen vor Gefahren zu schützen, sollten S- und U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse klimatisiert werden. Neben Methoden, die Energie verbrauchen – wie der Betrieb von Klimaanlagen –, können auch Sonnenschutz an den Fahrzeugen sowie Schattenplätze an Betriebshöfen und Endstationen dazu beitragen, dass die Verkehrsmittel sich nicht zu sehr aufheizen.

Freiflächen erhalten, Grünflächen schaffen

Bei der Stadtplanung ändern sich die Rahmenbedingungen bei der Schaffung von Wohnraum. Immer mehr Menschen ziehen in Städte, es gibt einen Trend zur Verdichtung der Stadtgebiete. Diese Verdichtung muss klimaverträglich gestaltet werden. Das heißt auch, Freiflächen und Kaltluftschneisen zu erhalten, damit Luft zirkulieren kann. Auch Grünachsen schützen vor überhitzten Bereichen in der Stadt , da sie die Luft nicht nur sauber halten, sondern auch für weniger Verdunstung sorgen und somit abkühlen. 

Parks und Grünanlagen dienen den Menschen in den Städten nicht nur als Erholungsräume, sondern verbessern als grüne Lungen auch das Klima. Deshalb ist es auch wichtig, die Baumbestände in Städten zu schützen und weiterzuentwickeln. Dächer und Fassaden zu begrünen, ist ebenso ein bedeutsamer Lösungsansatz, vor allem dort, wo Gebäude eng nebeneinander stehen und die Schaffung neuer Grünflächen nicht denkbar ist. Die Stadt Hamburg zum Beispiel stellt deshalb von 2015 bis 2019 drei Millionen Euro für die Begrünung von Flachdächern zur Verfügung.

Weiterführende Links

Bundesumweltministerium (BMU): Monitoring-Bericht der Bundesregierung zu Klimawirkungen und Anpassung - Folgen des Klimawandels in Deutschland deutlich spürbar
www.bmu.de/presse/pressemitteilungen/pm/artikel/folgen-des-klimawandels-in-deutschland-deutlich-spuerbar/

Bundesumweltministerium (BMU): Anpassung an den Klimawandel
www.bmu.de/themen/klima-energie/klimaschutz/anpassung-an-den-klimawandel/

Umweltbundesamt: Klimafolgen und Anpassung
http://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimafolgen-anpassung/

Deutscher Städtetag: Anpassung an den Klimawandel – Empfehlungen und Maßnahmen der Städte
http://www.staedtetag.de/fachinformationen/umwelt/059004/index.html

Deutscher Wetterdienst: Climate Data Center mit freiem online-Zugang zu aktuellen und historischen Klimadaten
http://www.dwd.de/cdc

Deutsches Klimaportal: Gemeinsames Portal der zuständigen Bundes- und Landesbehörden mit Fachinformationen nach Sektoren von Bauwesen bis Wasserwirtschaft
http://www.deutschesklimaportal.de

Creative Commons LizenzvertragDieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

Sie dürfen diesen Text unter anderem ohne besondere Genehmigung verwenden und bearbeiten, z.B. kürzen oder umformulieren, sowie weiterverbreiten und vervielfältigen. Dabei müssen www.umwelt-im-unterricht.de als Quelle genannt sowie die oben genannte Creative Commons-Lizenz verwendet werden. Details zu den Bedingungen finden Sie auf der Creative Commons-Website.

Open Educational Resources Logo Umwelt im Unterricht unterstützt die Erstellung von Bildungsmaterialien unter offenen Lizenzen im Sinne der UNESCO.