Hintergrund
29.05.2013 | Ressourcen | Konsum

So werden Festivals "grün"

Camping-Areal eines Festivals
Grundschule, Sekundarstufe

Von Rock am Ring bis Schlagermove: Die Sommermonate sind Hochsaison für Musikfestivals und andere Open-Air-Veranstaltungen. Manche finden buchstäblich auf der grünen Wiese statt, andere auf alten Fabrikgeländen oder im ehemaligen Tagebau, einige auch mitten in der Stadt. Bei allen geht es um das besondere Gefühl, draußen zu sein und mit vielen Menschen gemeinsam zu feiern. Welche Folgen hat das für die Umwelt? Und wie lassen sich Festivals nachhaltig organisieren?

Festivals erfreuen sich großer Beliebtheit. Der Infodienst festivalguide.de listet 2013 über 1.100 Veranstaltungen auf. Neben Hunderten von kleineren sind darunter viele bekannte Events mit beeindruckenden Größenordnungen. Zu Rock am Ring 2013 werden 85.000 überwiegend junge Besucherinnen und Besucher strömen. Die Eintrittskarten waren schon lange im Voraus ausverkauft. Und es geht noch größer. Etwa 500.000 Besucherinnen und Besucher kamen nach Polizeiangaben 2012 zum Schlagermove nach Hamburg-St. Pauli. Damit stellen die Festivals auch einen nicht zu vernachlässigenden Wirtschaftsfaktor dar. Laut Deutschem Musikrat erzielten die Veranstalter im Jahr 2011 einen Gesamtumsatz von 341 Millionen Euro.

Auf dem Weg zu nachhaltigen Veranstaltungen

Doch große Veranstaltungen hinterlassen Spuren. Die Besucher produzieren nicht nur Lärm, sondern auch eine große Menge Müll. Nach dem eintägigen Schlagermove meldete die Hamburger Stadtreinigung, dass sie bis zu 18 Tonnen Müll auf St. Pauli eingesammelt habe . Hinzu kommen Umweltbelastungen durch die An- und Abreise der Festivalfans, die oft große Strecken zurücklegen. So verursacht eine Autofahrt von München nach Berlin etwa 160 Kilo CO2, wie die Kampagne "Klima sucht Schutz" ausgerechnet hat. Für einen Flug entstünden auf dieser Strecke sogar bis zu 200 Kilo CO2.

Viele Organisatoren beschäftigen sich bereits seit Jahren damit, wie Festivals umweltfreundlicher beziehungsweise nachhaltiger gestaltet werden können. Dabei sind bereits eine Menge guter Ideen in verschiedenen Bereichen entstanden. Die Vermeidung von Müll und CO2-Ausstoß sind nur zwei davon. Lärm, Wasser/Abwasser und Catering spielen dabei auch eine Rolle, ebenso der Materialverbrauch für Technik und die Energie. Denn "nachhaltig" bedeutet, dass eine Veranstaltung das Ziel hat, ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich leistungsfähig zu sein.

Müll, Catering, Wasser

Das auffälligste Umweltproblem von Großveranstaltungen ist der Müll. Viele Veranstalter bemühen sich, den Besuchern die Müllvermeidung und -rückgabe so einfach wie möglich zu machen, zum Beispiel durch viele Abfall- oder Recyclinginseln mit verschiedenen Behältern (für Papier, Glas, Restmüll etc.).

Bei mehrtägigen Musikfestivals sammelt sich Müll vor allem auf den Zeltplätzen. Bei vielen Veranstaltungen bekommen die Besucher direkt bei der Ankunft Mülltüten ausgehändigt und müssen ein Pfand entrichten. Dieses erhalten sie zurück, wenn sie am Ende eine Tüte mit eingesammeltem Müll abgeben. Einige mehrtägige Festivals bieten "Green Camping"-Zonen an. Das sind Bereiche des Campingareals, wo Müll vermieden und besser entsorgt wird und außerdem weniger Lärm verursacht werden soll. Bei Rock im Park wird sogar ein Spaßwettbewerb daraus gemacht: Wer den saubersten Zeltplatz hinterlässt, erhält eine Trophäe – den "Umwelt-Rocky".

Liebe dein Zelt!

Die Sounds for Nature Foundation wirbt für die "Love your tent"-Kampagne, mit der Festivalbesucher für den nachhaltigen Umgang mit ihren Zelten sensibilisiert werden sollen. Die Initiative rät nicht nur zu jahrelang verwendbaren Zelten, sondern ruft auch auf, den Campingplatz sauber zu hinterlassen und die Nachtruhe der Nachbarn zu respektieren.

Das Highfield Festival in der Nähe von Leipzig hat eine Konservenstation eingerichtet, an der die Besucher ungeöffnete Dosen abgeben können. Diese werden von lokalen Tafel-Organisationen abgeholt und an Bedürftige verteilt.

Insbesondere beim Catering (Verpflegung) lässt sich Müll vermeiden, vor allem durch Mehrwegsysteme für Becher und Geschirr. Caterer können außerdem auf Speisen wie Wraps oder Pizzastücke setzen, da hierfür kein Besteck nötig ist. Einige Festivals gehen beim Catering noch weit darüber hinaus und achten darauf, dass regionale und biologisch erzeugte Lebensmittel angeboten werden.

Ein anderer Aspekt der Versorgung ist das Wasser. Um die Umweltbelastung zu reduzieren, verzichten einige Festivalveranstalter ganz auf Chemietoiletten. Wenn es die Rahmenbedingungen zulassen, können auch transportable Toiletten an die Kanalisation angeschlossen werden. Um Trinkwasser zu sparen, kann dabei zum Teil auch auf Regen- und Brunnenwasser zurückgegriffen werden.

Mobilität

Einer der wichtigsten Faktoren in der Umweltbilanz von Festivals ist die An- und Abreise der Besucherinnen und Besucher. Die Veranstalter versuchen, Staus und Parkplatzprobleme rund um ihre Veranstaltungszentren zu verringern. Die meisten haben dazu ein umfangreiches Mobilitätskonzept entwickelt.

Einige Festivals bieten Shuttle-Services vom nächstgelegenen Bahnhof an. Bei Rock am Ring pendeln Busse vom Koblenzer Hauptbahnhof zum Nürburgring und zurück. Fahrgemeinschaften sind eine weitere Möglichkeit. Gäste des bei Dessau stattfindenden Melt! Festivals können über das festivaleigene Forum Mitfahrgelegenheiten organisieren. Außerdem mietet das Melt! sogar Sonderzüge mit Liegewagenabteilen an. Die Züge – aus Köln und München kommend – bleiben auf dem Festivalgelände stehen, damit die Besucher darin übernachten können. Nach Angaben der Veranstalter halbieren die Nutzer mit dieser Reisevariante ihren CO2-Fußabdruck, verglichen mit einer An- und Abreise per Auto.

Gütesiegel von Sounds for Nature und Green Operations 

Wie ernst es die Veranstalter mit dem Engagement für Nachhaltigkeit nehmen, können Besucherinnen und Besucher auch an Siegeln erkennen, die von verschiedenen Initiativen ausgegeben werden. Eines wird von der Sounds for Nature Foundation vergeben, einer aus einem Projekt des Bundesamtes für Naturschutz entstandenen Organisation. Sie hat auch einen Leitfaden für Musikfestivals herausgegeben.

Die Green Operations Group Europe hat ebenfalls Richtlinien entwickelt. Organisatoren, die diese einhalten, erhalten den "Green'n'Clean Award". In Deutschland zählen unter anderem das Wacken Open Air, das Taubertal- und das Melt!-Festival zu den Award-Trägern.

Weltweit tätig ist die Initiative A Greener Festival, die ebenfalls einen Award vergibt.

Einen zentralen Beitrag zur Nachhaltigkeit eines Festivals leisten natürlich auch die Gäste, indem sie die entsprechenden Initiativen der Organisatoren annehmen und unterstützen. 

Ideen für kleinere Veranstaltungen

Viele der Ideen für mehr Nachhaltigkeit, die sich bei großen Events finden, lassen sich auch bei kleineren Veranstaltungen wie Schul- oder Vereinsfesten umsetzen. Recht einfach ist dies zum Beispiel bei Müllvermeidung und -trennung. Sogar einfacher als bei Großevents kann es sein, Speisen aus regionalen und ökologischen Produkten beziehungsweise aus fairem Handel anzubieten.

Auch ohne eigenen Shuttle-Service ist es möglich, die Veranstaltung so zu planen, dass sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen ist. Aufrufe zu Fahrgemeinschaften und der Hinweis auf attraktive Fuß- oder Radwege zum Veranstaltungsort können ebenfalls helfen.

Engagement und Nachhaltigkeit als Thema

Manche Festivals haben nicht nur den Anspruch, Musik in einem möglichst nachhaltigen Rahmen zu präsentieren. Sie machen Nachhaltigkeit auch zum Thema. So hat sich das Greenville Festival in Brandenburg ausdrücklich auf die Fahne geschrieben, Themen wie ökologisches Handeln, Menschenrechte und Kampf gegen Rassismus zu fördern. Dazu arbeiten die Organisatoren unter anderem mit Amnesty International und Oxfam zusammen.

Die Grenzen zwischen verschiedenen Formen von Open-Air-Festivals sind fließend. In den USA veranstalten Aktivisten 2013 in mehreren großen Städten "Green Festivals", Festivals rund um Umweltthemen. Sie ähneln eher Messen, allerdings mit großem Unterhaltungsfaktor. Dort können sich die Gäste nach Vorträgen und Filmen sowie bei Ausstellern, Showköchen und anderem über nachhaltige Lösungen für viele Lebenslagen informieren.

Weiterführende Informationen:

Sounds for Nature: Leitfaden für Open Air-Festivals
http://soundsfornature.eu/wp-content/uploads/SfN_Leitfaden.pdf

Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt: Leitfaden für die nachhaltige Organisation von Veranstaltungen
http://www.bmu.de/themen/wirtschaft-produkte-ressourcen/produkte-und-umwelt/umweltfreundliche-beschaffung/leitfaden-fuer-die-nachhaltige-organisation-von-veranstaltungen/

Kampagne Klima sucht Schutz: Checkliste für klimafreundliche Konzerte
http://www.klima-sucht-schutz.de/fileadmin/ksk/Bilder/Klimaklicker/checklilste_klimafreundliches_konzert.pdf

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