26.10.2017 | Hintergrund

Was kennzeichnet Umweltberufe – und wie findet man sie?

Techniker arbeiten am Rotorblatt einer Windenergieanlage.
Grundschule, Sekundarstufe

Was kennzeichnet eigentlich "Umweltjobs“? Es sind nicht nur einzelne Branchen, spezielle Berufen oder bestimmte Unternehmen, in denen Menschen tagtäglich in ihrem Beruf zu Umwelt- und Naturschutz beitragen. Vielmehr spielen Umweltmanagement, nachhaltiges Wirtschaften und die Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft auch branchenübergreifend eine wachsende Rolle.

Was sind “Umweltberufe“?

Zu den umweltbezogenen, im englischen oft als green jobs bezeichneten Berufen zählen diejenigen, die direkt oder indirekt positive Auswirkungen auf den Umwelt- und Klimaschutz haben, so die Internationale Arbeitsorganisation (ILO). Jobs können demnach als "grün" im ökologischen Sinne bezeichnet werden, wenn sie dazu beitragen, nachhaltige Unternehmen und eine nachhaltige Wirtschaft zu schaffen. Beschäftigte in diesen Berufen helfen zum Beispiel, die Emission von Treibhausgasen sowie Abfälle und Umweltverschmutzung zu verringern.

Im Deutschen ist die begriffliche Abgrenzung „grüner“ Jobs schwieriger als im Englischen: Denn „Grüne Berufe“ bezeichnen meist die Ausbildungsberufe in der Landwirtschaft, die zwar oft im Grünen ausgeübt werden, aber nicht zwingend umweltschutzbezogen ausgerichtet sein müssen.

Nach der ILO-Definition geht es bei Umweltberufen zunächst um Berufe und Tätigkeiten, deren Zusammenhang mit Umweltschutz über die eigentliche Tätigkeit offensichtlich ist. Unter dieser Perspektive nennt die deutsche Arbeitsagentur knapp 40 Berufe im Berufsfeld Umwelt- und Naturschutz, von Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft über Techniker/-in Umweltschutztechnik – zum Beispiel im Bereich erneuerbare Energien – bis hin zu Umweltinformatiker/-in.

In welchen Branchen gibt es "grüne" Jobs?

Weiter gefasst sind umweltbezogene Tätigkeiten auch in Unternehmen der sogenannten Umweltwirtschaft angesiedelt. Darunter fallen Unternehmen, die Umweltschutzgüter und -dienstleistungen anbieten. Die Bandbreite reicht von Abfallwirtschaft und Recycling über Gewässerschutz und Abwasserbehandlung, Luftreinhaltung, Lärmminderung, erneuerbare Energien, umweltfreundliche Produkte, rationelle Energienutzung, Klimaschutz bis hin zu Mess-, Steuer- und Regeltechnik.

Nimmt man die Wirkung einzelner Jobs als Maßstab wie in der Definition der ILO, sind "grüne" Jobs aber auch außerhalb der Umweltbranche zu finden: überall dort, wo sich Menschen beruflich für den Wandel hin zu einer ressourcen- und klimaschonenden, Wirtschaftsweise engagieren. Zum Beispiel, wenn sich Mechatroniker/-innen mit Elektrofahrzeugen beschäftigen, wenn sich Maurer/-innen um die richtige Wärmedämmung kümmern oder Energie- und Gebäudetechniker/-innen Photovoltaikanlagen installieren. Auch nicht technische Berufe kommen demnach in Frage, zum Beispiel in Handels- oder Dienstleistungsunternehmen.

Wie "grün" ist ein bestimmter Job?

Es gibt keine allgemeingültigen Kriterien dafür, in welchem Maße eine konkrete Berufstätigkeit "grün" ist. Auch für Unternehmen gibt es keinen allgemeingültigen Maßstab. Im Unternehmensbereich gibt es jedoch eine Reihe von Umweltmanagementsystemen, freiwilligen Verpflichtungen und Siegeln, die Rückschlüsse darauf erlauben, wie sich ein Unternehmen für Nachhaltigkeit engagiert. 

Unternehmen können zum Beispiel freiwillig sogenannte Umweltmanagementsysteme anwenden. Die bekanntesten sind EMAS und die Norm ISO 14001. Ihr Ziel ist es, Umwelt- beziehungsweise Nachhaltigkeitsprinzipien systematisch im Unternehmen zu berücksichtigen.

Zudem gibt es in vielen Unternehmen eine Selbstverpflichtung zu einer verantwortlichen Unternehmensführung. Sehr oft wird dafür der englischsprachige Ausdruck Corporate Social Responsibility (CSR) verwendet. In der Regel veröffentlichen vor allem große Unternehmen Informationen zu ihren CSR-Aktivitäten. Eine Reihe von großen deutschen Unternehmen wendet freiwillig den sogenannten Nachhaltigkeitskodex an, den der deutsche Rat für nachhaltige Entwicklung ausgearbeitet hat.

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Siegeln, Verbänden und anderen Kennzeichnungen für Unternehmen, die für bestimmte Merkmale in Bezug auf Umweltschutz oder Nachhaltigkeit stehen. In der Landwirtschaft gibt es zum Beispiel ökologische Anbauverbände wie demeter oder Bioland. Es gibt auch branchenübergreifende Verbände von Unternehmen, zum Beispiel "dasselbe in grün", der sich als Verband nachhaltiger Unternehmen bezeichnet. Ein weiterer Verband ist "UnternehmensGrün", der „Bundesverband der grünen Wirtschaft“.

Der Wandel zur "Green Economy" verändert Berufe und Arbeitsmarkt

Fachleute gehen davon aus, dass sich der Arbeitsmarkt für umwelt- und klimaschutzbezogene Jobs positiv entwickeln wird. Demnach werden insbesondere Umwelt- und Effizienztechniken eine Schlüsselrolle für die Wirtschaft insgesamt spielen – gerade auch für klassische Wirtschaftsbereiche wie Autoindustrie oder Maschinenbau.

Hintergrund ist, dass sich das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung seit den 1990er-Jahren in der Politik und zunehmend auch in der Wirtschaft durchgesetzt hat. In der „Agenda 2030“ wurde es von den Vereinten Nationen 2015 noch einmal bekräftigt und in 17 Nachhaltigkeitszielen in konkrete Schritte übersetzt. Das Leitbild beruht auf der Einsicht, dass es Grenzen für die Tragfähigkeit des Planeten gibt. Nachhaltig ist demnach eine Entwicklung, die dauerhaft tragfähig ist – sowohl ökonomisch, ökologisch als auch sozial. Eine Wirtschaft, welche dies erfüllt, wird oft auch als "Green Economy" bezeichnet.

Um eine nachhaltige Wirtschaftsweise zu erreichen, ist ein umfassender Wandel über alle Branchen hinweg nötig: eine ökologische Modernisierung von Produktion und Dienstleistungen. Der Wandel betrifft unter anderem die Handlungsfelder Energieversorgung, Ressourcennutzung (Rohstoffe, Wasser und Land), Mobilität und Infrastruktur und Konsum.

Vor diesem Hintergrund wird die Notwendigkeit eines "Greenings" diskutiert. Darunter wird die ökologische Umgestaltung von Arbeitsplätzen allgemein verstanden, unabhängig davon, ob sie einer Umweltbranche zuzurechnen sind. 

Was bedeutet der Wandel für die Arbeitswelt?

Die Transformation hin zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise bezieht alle Arbeitsplätze ein und wird die Strukturen des Arbeitsmarktes verändern. Sie führt dazu, dass neue Arbeitsplätze entstehen, andere wegfallen oder neugestaltet werden. Ebenso verändern sich Arbeitsinhalte sowie die Qualität der Arbeit und damit verbunden die entsprechenden Qualifikationsprofile.

Eine "Green Economy“ erfordert demnach "green skills", also "grüne Kompetenzen". 

Neben technischem Fortschritt sind auch organisatorische und soziale Innovationen gefordert. Zum Beispiel müssen intelligente Stromnetze und Energiespeicher entwickelt werden, um den Umstieg auf erneuerbare Energien zu ermöglichen. Ein weiteres Handlungsfeld für sozialen und organisatorischen Wandel sind Städte: Hier sind zum Beispiel neue Konzepte gefragt, um in Zukunft Verkehrsströme klimaverträglich zu organisieren oder die Einwohnerinnen und Einwohner verstärkt mit regionalen Lebensmitteln zu versorgen.

Was sind die wichtigsten Wege in umwelt- und klimaschutzbezogene Jobs?

Es gibt vielfältige Zugänge. Wesentlich ist das eigene Interesse für Umweltthemen und Offenheit für Veränderungen. In vielen Bereichen sind auch Innovationskompetenz wichtig, um auf Herausforderungen angemessen reagieren zu können, sowie unternehmerische Fähigkeiten, um die Möglichkeiten kohlenstoffarmer Technologien erkennen und nutzen zu können.

Wer eine spezielle Ausbildung für eine Tätigkeit im Berufsfeld Umwelt- und Naturschutz absolvieren möchte, findet eine Übersicht über rund vierzig Berufe über die Bundesagentur für Arbeit. Darunter finden sich sowohl Ausbildungsberufe als auch Berufe, die ein Studium erfordern. Zudem gibt es eine Reihe von Weiterbildungen. 

Weitere Informationen zur Berufen und Tätigkeiten, die direkt oder mittelbar zu Umwelt- und Klimaschutz beitragen, bieten die Portale machgruen.de und green-up-your-future.de.

Hinweise können auch die Produkt- bzw. Dienstleistungs-Schwerpunkte eines Unternehmens bieten. Einen Überblick über Umwelttechnik-Unternehmen bietet zum Beispiel das Internetportal "Greentech made in Germany". Viele Firmen engagieren sich unabhängig vom Geschäftsfeld für mehr Umweltschutz oder verfolgen eine Nachhaltigkeitsstrategie. Erkennbar ist dies oft an einer freiwilligen Zertifizierung wie EMAS oder daran, dass das Unternehmen öffentlich dokumentiert, wie es seine Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft wahrnimmt (CSR).

Einige Unternehmen schreiben Stellen auch gezielt bei speziellen Jobbörsen aus, zum Beispiel www.greenjobs.de, www.nachhaltigejobs.de, www.jobverde.de, www.tbd.community/de/jobs.

In der Schule bietet sich der direkte Kontakt mit Unternehmen oder Berufstätigen an, um anschauliche Einblicke zu erhalten (siehe Unterrichtsvorschläge für Sekundarstufe und Grundschule). Der Austausch kann eine große Hilfe bei der Berufs- oder Studienwahl sein. Auch Arbeitgeber haben oft ein Interesse an Kontakten mit Schülern/-innen. Denn diese bieten ihnen die Möglichkeit, Nachwuchs für sich zu gewinnen.

Weiterführende Links

Umweltbundesamt: Qualifikationen, Berufe und Branchen für den Übergang in eine Green Economy – eine Bestandsaufnahme www.umweltbundesamt.de/publikationen/qualifikationen-berufe-branchen-fur-den-ubergang-in

Umweltbundesamt: Beschäftigung im Umweltschutz 2012 - Entwicklung und gesamtwirtschaftliche Bedeutung (Aktualisierte Ausgabe 2016) www.umweltbundesamt.de/publikationen/beschaeftigung-im-umweltschutz-2012

Umweltbundesamt: Die Umweltwirtschaft in Deutschland www.umweltbundesamt.de/publikationen/die-umweltwirtschaft-in-deutschland

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