Hintergrund

Wintersport mit Folgen: das Ökosystem Alpen

Skigebiet; im Vordergrund eine Seilbahn; im Hintergrund Berge.
Grundschule, Sekundarstufe

Millionen Menschen reisen in den Wintermonaten in die Berge – viele, um dort Ski zu fahren. Und das hat Folgen für die Umwelt. Zum Beispiel werden in Skigebieten natürliche Lebensräume von Tieren und Pflanzen beeinträchtigt. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass sich durch den weltweiten Klimawandel die Schneefallgrenze in größere Höhen verschiebt und auch die beliebte Reisezeit der Weihnachtsferien keine Schneegarantie mehr bieten kann. Vor diesem Hintergrund setzt auch die Tourismuswirtschaft zunehmend auf alternative, umweltfreundlichere Angebote für den Winterurlaub im Gebirge.

Der Wintersport ist für viele Orte in den Alpen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Sie sind im Winter ein äußerst beliebtes Ziel für den Tourismus, auch international. Fast die Hälfte der Zeit, die Skifahrer weltweit auf der Piste verbringen, entfällt auf die Alpenländer Österreich, Frankreich, Italien, Schweiz, Deutschland und Slowenien. Österreich nimmt hierbei den Spitzenplatz ein – mit rund 51 von insgesamt 158 Millionen sogenannten Skifahrertagen. Deutschland liegt mit vier Millionen auf Rang fünf. Über acht Prozent aller Übernachtungen von Touristen in der EU fallen zwischen November und April im Alpenraum an. 

Der alpine Skilauf hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer sehr populären Sportart entwickelt. Auch Snowboard sowie Langlauf sind weitverbreitet. 2015 übten über zwölf Millionen Deutsche ab 14 Jahren eine dieser Wintersportarten aus. Allerdings ist die Zahl der Anfänger bei den Wintersportarten seit längerem rückläufig.

Wintersporttourismus: Folgen für Umwelt und Natur

Der Wintersporttourismus steht vor zwei zentralen Herausforderungen. Zum einen führt der Klimawandel dazu, dass Gebiete in den Alpen in geringeren Höhen nicht mehr schneesicher sind. Zum anderen beeinträchtigt der Skitourismus in seiner derzeitigen Form das Ökosystem Alpen. Damit gefährdet er seine eigene Grundlage, denn die einzigartige Natur und Landschaft macht diese Region für Tourismus und Erholung attraktiv. 

Skigebiete beanspruchen Flächen für ihre Infrastruktur, darunter Pisten, Liftanlagen und Parkplätze. Dadurch wird der natürliche Lebensraum vieler Pflanzen und Tiere beeinträchtigt, durch den Neu- und Ausbau von Gebieten zerstört. Die Skigebiete liegen inmitten von Gebirgslandschaften, die für seltene und vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen von höchster Bedeutung sind.

Das Erscheinungsbild vieler populärer Skiorte ist von Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, Liften und Loipen geprägt. Beim Bau neuer Skipisten sind die Waldrodungen und das Planieren der Böden wohl der schwerwiegendste und auf lange Zeit sichtbarste Eingriff in die Natur und Landschaft der Berggebiete. Durch das Planieren wird die vorhandene natürliche Pflanzendecke zerstört. Der Boden wird verdichtet, sodass weniger Wasser versickern kann. Damit steigen die Erosionsgefahr sowie die Gefahr von Schlamm- und Gerölllawinen bei Starkregen und Schneeschmelze. Durch das Zerstören der Pflanzendecke können Arten verschwinden, auf die wiederum Insekten angewiesen sind, wie zum Beispiel Schmetterlinge und Blattkäfer. 

Theoretisch können die negativen Auswirkungen des Baus von Skipisten auf die Natur "repariert" werden. Doch eine Renaturierung ist nur unterhalb der Waldgrenze (1500 bis 1700 Meter Höhe) realistisch und würde auch hier bis zu 20 Jahre dauern. Über der Waldgrenze erholt sich die Natur aufgrund der extremen Wetterverhältnisse und der kargen Böden zu langsam.

Ein weiteres zentrales Umweltproblem ergibt sich aus der An- und Abreise der vielen Urlaubsgäste. 84 Prozent der Urlaubsreisen in die Alpen, im Sommer und im Winter, werden mit dem eigenen Auto unternommen. Bei 120 Millionen Gästen pro Jahr in den Alpen führt das zu einem hohen Verkehrsaufkommen verbunden mit entsprechenden Belastungen aufgrund von Schadstoff-, Lärm- und Treibhausgasemissionen sowie entsprechendem Flächenbedarf für die Verkehrsinfrastruktur. Mehr zu den Auswirkungen von An- und Abreise auf Umwelt und Klima findet sich im Hintergrundtext Verkehrsmittel und ihre Klimabilanz.

Schnee wird gemacht: Mit Kanonen gegen Schneemangel?

Auch der Kunstschnee ist problematisch. Die klassischen Skiorte ziehen nur Gäste an, wenn sie Schneesicherheit und gut präparierte Pisten versprechen können. Eine Garantie für natürliche Schneefälle gibt es jedoch nicht, daher setzen fast alle Skigebiete sogenannte Schneekanonen zur technischen Beschneiung ein. Selbst in einem Skigebiet wie beispielsweise dem österreichischen Ischgl, das größtenteils höher als 2000 Meter liegt und somit im Winter ausreichende Schneemengen verzeichnet, werden 90 Prozent aller Pisten künstlich beschneit, um die perfekten Pistenbedingungen für ein komplettes Winterhalbjahr bis in den Mai hinein zu gewährleisten.

Schneekanonen haben einen beträchtlichen Bedarf an Wasser und Energie zur künstlichen Schneeerzeugung. Um für den Wintersport die Pistenfläche von einem Hektar zu beschneien, werden mindestens eine Million Liter Wasser benötigt. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Grundbeschneiung mit einer Schneehöhe von rund 30 Zentimetern. Das dafür benötigte Wasser gelangt jedoch mit der Schneeschmelze in den natürlichen Wasserkreislauf zurück. Zum Sammeln des benötigten Wassers für die Schneeerzeugung werden in der Nähe der Pisten künstliche Speicherteiche gebaut. Auch das beansprucht Flächen und verändert das Landschaftsbild. Der Energieverbrauch der Beschneiungsanlagen liegt bei schätzungsweise 600 GWh für die insgesamt 23.800 Hektar beschneibare Pistenfläche in den Alpen. Dies entspricht in etwa dem jährlichen Stromverbrauch von 130.000 Vier-Personen-Haushalten.

Zudem machen Schneekanonen ähnlich viel Lärm wie eine stark befahrene Straße. Da sie meist in den Abendstunden eingesetzt werden, stören sie Wildtiere während ihrer Ruhephasen. Das führt zu Stress und damit zu einem erhöhten Energieverbrauch – gerade im Winter, wenn die Nahrung knapp ist. 

Folgen des Klimawandels für die Alpen

Der weltweite Klimawandel wirkt sich auch in der Alpenregion aus. Dort sind die Temperaturen in den vergangenen 120 Jahren um knapp zwei Grad Celsius gestiegen, beinahe doppelt so viel wie im globalen Durchschnitt. Die Forschung rechnet mit einem Anstieg von weiteren zwei Grad Celsius in den nächsten 40 Jahren. Die Folgen werden zum Beispiel an den Alpengletschern deutlich. In den vergangenen Jahrzehnten schrumpften viele auf die Hälfte ihrer einstigen Ausdehnung. Bis Ende des Jahrhunderts könnten die Alpengletscher abgeschmolzen sein, bis auf wenige Ausnahmen.

Aufgrund der höheren Temperaturen wird sich künftig die Schneefallgrenze in größere Höhen verschieben, die natürliche Schneesicherheit abnehmen und in den Frühjahrsmonaten die Schneedecke voraussichtlich schneller abschmelzen. In Bayern zum Beispiel sind laut einer Studie bereits bei einem Grad Erwärmung nur noch 15 bis 20 Prozent der Skigebiete schneesicher. Um weiterhin Wintersport im heutigen Ausmaß zu ermöglichen, müsste der Einsatz von Kunstschnee weiter gesteigert werden. Allerdings sind auch für eine technische Schneeerzeugung zumindest Temperaturen unter dem Gefrierpunkt notwendig.

Was das für die Weiterentwicklung des Wintersporttourismus bedeutet, darüber wird viel diskutiert. Die unterschiedlichen Bedürfnisse und Interessen zeigen sich aktuell in den bayerischen Alpen am Beispiel der geplanten Skigebietserweiterung, die sogenannte Skischaukel, am Riedberger Horn im Oberallgäu. Dort sollen Lifte bis in Gipfelnähe gebaut werden, um damit zwei bestehende Skigebiete zu verbinden. Doch das Riedberger Horn liegt in der Landschaftszone C, die höchsten Schutzstatus genießt und in der absolutes Bauverbot herrscht. Diese Kategorisierung basiert auf dem Alpenplan und ist ein international anerkanntes landesplanerisches Instrument. Befürworter der Skischaukel wollen das Skigebiet weiterentwickeln, um auch künftig Skitouristen anzuziehen. Kritiker hingegen fordern den Schutz der Berggebiete und bezweifeln die erhoffte Attraktivitätssteigerung für den Wintertourismus. Zum einen wegen der Frage der künftigen Schneesicherheit, zum anderen weil bereits jetzt viele Urlaubsgäste wegen des ungestörten Naturerlebnisses anreisen, das durch die Skigebietserweiterung beeinträchtigt würde.

Einzigartiges Ökosystem Alpen

Die Natur der Alpenregion ist vielfältig und einzigartig. Die Alpen sind ein wichtiger europäischer Biodiversitäts-Hotspot. Das bedeutet: Hier findet sich eine besonders große Vielfalt an Lebensräumen sowie Tier- und Pflanzenarten. Zu den etwa 13.000 Pflanzenarten zählen seltene Arten wie Edelweiß, Alpenrose oder Enzian. Das Besondere vieler Alpenpflanzen ist, dass sie sich angepasst haben an Wind, Kälte, Schnee, nährstoffarme und steinige Böden, intensive Sonnenbestrahlung und kurze Vegetationsperioden. 

Auch die Alpenfauna ist besonders vielfältig: Etwa 30.000 Tierarten leben in den Alpen. Zu ihnen zählen zum Beispiel die Alpenfeldmaus und die bayrische Feldmaus, die allein in den Alpen vorkommen. Bekanntere typische Alpentiere sind Königsadler, Luchs, Gams, Schneehase oder auch das Alpenmurmeltier.

Zugleich prägt die traditionelle Land- und Almwirtschaft seit mehr als tausend Jahren die kulturelle Landschaft der Alpen und spielt beim Erhalt der Biodiversität eine bedeutende Rolle. Im Alpenraum leben rund 14 Millionen Menschen, wobei die Einwohnerdichte stark variiert. Die Täler sind meist stark urbanisiert, im Gegensatz zu den isolierten sowie höher gelegenen Gegenden.

Nachhaltiger und umweltverträglicherer Wintertourismus 

Der Ausbau des Tourismussektors wirkt sich nicht nur auf Natur und Landschaft sondern auch auf den Menschen aus. So steigt zum Beispiel vor Ort aufgrund der Bodenerosion und der Waldrodung die Gefahr von Schlamm- und Gerölllawinen. Der Reise- und Urlaubsverkehr verursacht Luftverschmutzungen und Lärm und beeinträchtigt damit die Umwelt und Gesundheit. Zusätzliche Verkehrs- und touristische Infrastruktur stellen einen Eingriff in Natur und Landschaft dar, sie verändern das Landschaftsbild und die Ästhetik. Durch diese negativen Auswirkungen kann sich auch die Attraktivität für den Tourismus verringern, was wiederum wirtschaftliche Folgen haben kann.

In vielen Urlaubsregionen der Alpen setzt sich bereits die Erkenntnis durch, dass die Natur des Alpenraums geschützt werden muss – nicht zuletzt weil sie Grundlage für den Tourismus und somit für die wirtschaftliche Entwicklung ist. 2006 hat sich das Netzwerk "Alpine Pearls" zusammengeschlossen. Dazu zählen heute 25 Urlaubsorte in sechs Alpenländern, die auf Umweltfreundlichkeit und nachhaltige Mobilität setzen. So wird der Transport der Gäste vom Bahnhof zum Hotel organisiert, so dass die Anreise per Bahn gut machbar ist. Ebenso gibt es Wander- und Skibusse. Die Gemeinde Werfenweng in Österreich beispielsweise leiht ihren Besuchern Elektro-Pkw aus und im Ort gibt es Elektro-Taxis.

Insbesondere vor dem Hintergrund des Klimawandels, den Auswirkungen auf die Alpen sowie auch der veränderten, vielfältigen Ansprüche der Gäste muss sich der Wintertourismus anpassen und das touristische Angebot diversifiziert werden. Dazu gehört, nicht allein auf Skisport zu setzen, sondern auch alternative, umweltfreundliche Möglichkeiten für Wanderer und zur Naturbeobachtung zu schaffen, wie zum Beispiel Wegenetze für Winterwanderungen, geführte Touren oder Besichtigungsangebote von Bauernhöfen und regionalen Attraktionen. Auch spezielle alpine Wellnessangebote und -produkte können neben Wintersportlern andere Zielgruppen für die Urlaubsorte begeistern. Dazu können beispielsweise Thermen mit für den Alpenraum typischen Substanzen und Materialien, wie Bergkräuter, Salz und Sole oder Latschenkiefer gehören. Auch der Ausbau regionaler gastronomischer Angebote, Qualität und Authentizität stellen für den Gast das Besondere in den Mittelpunkt. Wichtig ist, dass auch diese Angebote für mehr touristische Vielfalt die Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit berücksichtigen. 

Auch Politik und Zivilgesellschaft haben den Handlungsbedarf erkannt. Für den grenzübergreifenden Schutz der Alpen setzt sich zum Beispiel die Organisation CIPRA (Commission Internationale pour la Protection des Alpes/Internationale Alpenschutzkommission) ein. Sie wurde 1952 gegründet und vertritt seit 1975 als nichtstaatliche Dachorganisation mittlerweile rund 100 Verbände, Organisationen und Personen. Wichtig ist auch die Alpenkonvention, die 1991 von sechs Staaten (darunter auch Deutschland) und der Europäischen Gemeinschaft unterzeichnet wurde. Sie soll zum Schutz und zur nachhaltigen Entwicklung im Alpenraum beitragen. Siehe hierzu auch das Thema der Woche Alpenkonvention: gemeinsam für den Schutz der Berge.

Weiterführende Links zum Thema:

Bundesumweltministerium (BMU): Alpenkonvention
http://www.bmu.de/themen/europa-international/int-umweltpolitik/alpenkonvention/alpenkonvention/ 

Internationale Alpenschutzkommission (CIPRA): Publikationen
http://www.cipra.org/de/alpmedia/publikationen

Bundesumweltministerium (BMU)/Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV): Wintertourismus im Klimawandel
https://w3-mediapool.hm.edu/mediapool/media/fk14/fk14_lokal/diefakultt_1/forschungundprojekte/publikation/Wintertourismus_im_Klimawandel.pdf

Bundesamt für Naturschutz (BfN): Wintersport
http://natursportinfo.bfn.de/nsi_wintersport.html

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