Hintergrund

Die "Green Economy" und der Arbeitsmarkt

Fachleute bei der Montage eines Windrads
Grundschule, Sekundarstufe

In Deutschland arbeiten über zwei Millionen Menschen in Tätigkeiten mit unmittelbarem Umweltschutzbezug. Fachleute betrachten sogenannte "grüne" Technologien als Wachstumsmotor für die Wirtschaft. Um welche Branchen, Technologien und Berufe geht es dabei? Was kennzeichnet sie?

Warum verändert sich die Wirtschaft?

Seit den 1990er-Jahren ist das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung zum Leitbild der Politik geworden. Als nachhaltig gilt eine gesellschaftliche Entwicklung, die dauerhaft ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich leistungsfähig ist. Demnach sind Wirtschaft, Umwelt und soziale Aspekte immer im Zusammenspiel zu betrachten: Eine gesunde Umwelt und der schonende Umgang mit den natürlichen Ressourcen sind Voraussetzung für eine langfristig stabile wirtschaftliche und soziale Entwicklung. 

Das Ziel, eine nachhaltige Wirtschaft, wird häufig auch als "Green Economy" bezeichnet. Eine Transformation hin zu einer Green Economy erfordert einen Wandel der gesamten Wirtschaft, der sich auch auf den Arbeitsmarkt auswirkt. Der Begriff der Nachhaltigkeit bezieht auch soziale Aspekte ein – Ziele im Bezug auf den Arbeitsmarkt sind demnach unter anderem faire und gesunde Arbeitsbedingungen. Im Mittelpunkt des folgenden Textes steht die ökologische Transformation der Wirtschaft.

Unter ökologischen Aspekten müssen vor allem der Ressourcenverbrauch und Treibhausgas-Emissionen verringert werden. Aber auch die Produkte und Produktionsweisen selbst müssen umweltverträglicher werden. So wird es auch in klassischen Wirtschaftszweigen wie im Auto- oder Maschinenbau für die Unternehmen immer wichtiger, effizient mit Energie, Rohstoffen und Materialien zu wirtschaften.  

Diskussion über die wirtschaftliche Bedeutung von Umwelt- und Klimaschutz

Welche Folgen der Wandel für die Wirtschaft insgesamt, für bestimmte Branchen und Unternehmen sowie für den Arbeitsmarkt hat, wird häufig diskutiert. Dabei geht es zum Beispiel um die Frage, ob mehr Umwelt- und Klimaschutz insgesamt zu mehr Arbeitsplätzen führen – oder ob Arbeitsplätze verloren gehen. In der öffentlichen Diskussion werden dabei immer wieder Statistiken und Studien zitiert. 

Zu diesem Bereich liegen auch Studien vor, die das Umweltbundesamt und das Bundesumweltministerium in Auftrag gegeben haben – unter anderem zur wirtschaftlichen Bedeutung der Umweltwirtschaft und zu Beschäftigung in diesem Bereich. Außerdem wurde speziell die Entwicklung der Märkte für Umwelt- und Klimaschutztechnologien untersucht („Greentech“). Zudem wird die Frage diskutiert, wie sich die Inhalte der Arbeit verändern und welche Kompetenzen gefordert sind. 
Ob jedoch Umweltschutzmaßnahmen insgesamt zu mehr Arbeitsplätzen führen (Netto- Beschäftigungswirkung), lässt sich statistisch nicht ermitteln – darauf weist das Umweltbundesamt hin.

Wie wichtig ist die „Umweltwirtschaft“?

Unter dem Begriff Umweltwirtschaft werden alle Unternehmen erfasst, die Güter und Dienstleistungen im Bereich des Umweltschutzes anbieten, so das Umweltbundesamt. Im Jahr 2013 hatten sie einen Anteil von 6 Prozent an der Industrieproduktion in Deutschland. Weltweit wuchs der Handel von Umwelt- und Klimaschutzgütern von 2002 bis 2013 im Durchschnitt um jährlich 10,3 Prozent. 

Auch für den Arbeitsmarkt ist der Umweltschutz ein wichtiger Faktor. Mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland arbeiten direkt oder für den Umweltschutz. Somit ist dort jeder 20. Arbeitsplatz angesiedelt, das entspricht einem Anteil von 5,2 Prozent. Die Anzahl der Arbeitsplätze ist deutlich gestiegen: Von 1,45 Millionen im Jahr 2002 auf 2,2 Millionen im Jahr 2012. Der größte Teil entfiel im Jahr 2012 mit 63 Prozent auf Dienstleistungen, zum Beispiel in Planungsbüros, Umweltschutzbehörden, im Handel oder in der Bildung. Allerdings war der Anstieg nicht kontinuierlich. So gab es wegen der Krise in der Solarbranche im Jahr 2010 einen Rückgang im Vergleich zu 2008.  

Wie sich der Umweltschutz auf den Arbeitsmarkt auswirkt, ist nicht leicht zu beziffern. Denn es gehören nicht nur Arbeitsplätze dazu, die unmittelbar Bezug zum Umweltschutz haben – wie die Herstellung von Windturbinen oder Recyclinganlagen. Hinzu kommen Arbeitsplätze in vielen traditionellen Wirtschaftszweigen. Umweltschutz entwickelt sich immer mehr zu einem festen Bestandteil des Wirtschaftens. Das Umweltbundesamt ermittelt die Daten seit 2002 nach einer etablierten Schätzmethode. 

Chancen im Bereich der Umwelttechnologien

Besondere Aufmerksamkeit gilt häufig der Entwicklung im Bereich der Technologien. Umwelttechnik ist eine Querschnittsbranche. Welche Unternehmen dazu zählen, definiert der GreenTech-Atlas des Bundesumweltministeriums daher über sogenannte Leitmärkte. Diese sind demnach: Energieeffizienz, nachhaltige Wasserwirtschaft, umweltfreundliche Energien und Energiespeicherung, nachhaltige Mobilität, Rohstoff- und Materialeffizienz und Kreislaufwirtschaft.  

Fachleute erwarten, dass die Märkte in diesem Bereich deutlich wachsen. Denn die Herausforderungen durch den Klimawandel und Ressourcenknappheit fördern in diesem Bereich weltweit die Nachfrage.  Deutsche Unternehmen sind dabei gut poisitoniert: Sie haben einen Anteil von 14 Prozent am Weltmarkt auf dem Gebiet der grünen Technologien. 

Vor allem kleine und mittlere Unternehmen sind mit einem Anteil von etwa 90 Prozent die entscheidenden Träger der GreenTech-Branche. Sie sind oft besonders flexibel und innovativ mit einem sehr speziellen Lösungsangebot – auf diese Weise können auch viele der kleineren Unternehmen international tätig sein.  

Wie sich Unternehmen und Arbeit verändern

Die Transformation zu einer ressourcen- und klimaschonenden Wirtschaftsweise bringt auch Veränderungen für das Management von Unternehmen mit sich. Unternehmensführungen müssen die Herausforderungen beachten, die sich aus dem Wandel der Rahmenbedingungen ergeben. Insbesondere Klimawandel, Energiewende und Ressourcenknappheit bringen mit sich, dass sich viele Unternehmen verändern müssen. 

Viele Unternehmen bemühen sich bereits, soziale und ökologische Aspekte in ihre Unternehmensstrategie einzubeziehen. Dazu kann gehören, dass sie spezielle Funktionen im Bereich Umweltschutz schaffen wie sogenannte Umweltschutzbeauftragte. Oft wenden sie auch freiwillig sogenannte Umweltmanagementsysteme an. Die bekanntesten sind EMAS  und die Norm ISO 14001. Ihr Ziel ist es, Umwelt- beziehungsweise Nachhaltigkeitsprinzipien systematisch im Unternehmen zu berücksichtigen.

Zudem gibt es in vielen Unternehmen eine Selbstverpflichtung zu einer verantwortlichen Unternehmensführung. Sehr oft wird dafür der englischsprachige Ausdruck Corporate Social Responsibility (CSR)  verwendet. In der Regel veröffentlichen vor allem große Unternehmen Informationen zu ihren CSR-Aktivitäten. Eine Reihe von großen deutschen Unternehmen wendet freiwillig den sogenannten Nachhaltigkeitskodex  an, den der deutsche Rat für nachhaltige Entwicklung ausgearbeitet hat.

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Siegeln, Verbänden und anderen Kennzeichnungen für Unternehmen, die dafür stehen, dass die Unternehmen bestimmte Standards in Bezug auf Umweltschutz oder Nachhaltigkeit anwenden. In der Landwirtschaft gibt es zum Beispiel ökologische Anbauverbände wie demeter oder Bioland. Es gibt auch branchenübergreifende Verbände von Unternehmen, zum Beispiel "dasselbe in grün", der sich als Verband nachhaltiger Unternehmen bezeichnet. Ein weiterer Verband ist "UnternehmensGrün", der „Bundesverband der grünen Wirtschaft“. 

Was sind „grüne Kompetenzen“?

Vor diesem Hintergrund wird auch die ökologische Umgestaltung von Arbeit beziehungsweise Berufen diskutiert – das sogenannte „Greening“. Die Transformation hin zu einer ressourcen- und klimaschonenden Wirtschaftsweise führt dazu, dass sich Arbeitsinhalte sowie die Qualität der Arbeit verändern und damit verbunden die nötigen Qualifikationen. Eine „Green Economy“ erfordert demnach „green skills“, also „grüne Kompetenzen“. 

Dazu gehören unter anderem das Umweltbewusstsein sowie die Bereitschaft, sich mit nachhaltiger Entwicklung auseinanderzusetzen; Innovationskompetenz, um auf Herausforderungen adäquat reagieren zu können sowie unternehmerische Fähigkeiten, um die Möglichkeiten kohlenstoffarmer Technologien erkennen und nutzen zu können.

Weiterführende Links

Umweltbundesamt: Beschäftigung im Umweltschutz – Entwicklung und gesamtwirtschaftliche Bedeutung. Aktualisierte Ausgabe 2016
https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/beschaeftigung-im-umweltschutz-2012

Umweltbundesamt: Umweltschutz und Beschäftigung
http://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/wirtschaft-umwelt/umweltschutz-beschaeftigung

Bundesumweltministerium: "GreenTech 4.0 made in Germany" – Umwelttechnologie-Atlas
http://www.greentech-made-in-germany.de/

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