Engagement für den Natur- und Umweltschutz

Mann blickt auf eine Landschaft
Sekundarstufe

Warum entspricht unser Verhalten im Alltag nicht immer unserem Umweltbewusstsein? Die Schüler/-innen erarbeiten anhand von Beispielen engagierter Personen, was Menschen motiviert, tatsächlich aktiv zu werden. Sie diskutieren, inwiefern die Beispiele in Form von Geschichten geeignet sein können, Verhaltensänderungen zu fördern. Optional setzen sie ein Digital Storytelling-Projekt um.

Kompetenzen und Ziele

Die Schüler/-innen …

  • diskutieren und ermitteln Handlungsspielräume, um im Alltag nachhaltig zu wirken,
  • entwickeln praktische Ansätze für nachhaltiges Handeln im Alltag,
  • nutzen strukturierte Methoden zur Entwicklung von Ideen und Lösungen,
  • vertiefen ihre Methodenkompetenz, indem sie mithilfe von digitalen Werkzeugen eine Präsentation konzipieren und gestalten, 
  • schulen ihre Urteilskompetenz, indem sie Möglichkeiten für nachhaltiges Handeln und gesellschaftliche Partizipation bewerten und dies begründen.

Umsetzung

Einstieg

Die Leitfragen der Unterrichtseinheit lauten: Warum entspricht unser Verhalten im Alltag nicht immer unserem Umweltbewusstsein? Was motiviert Menschen dazu, nachhaltig zu handeln?

Zum Einstieg führt die Lehrkraft eine kurze Umfrage per Handzeichen in der Klasse durch. Dabei werden zunächst einzelne Fragen aus Studien zu Umwelt- beziehungsweise Naturbewusstsein gestellt. Mögliche Fragestellungen sind:

Wie wichtig sind folgende Probleme beziehungsweise Ziele? Bitte bewertet die folgenden Themen (sehr wichtig, eher wichtig, eher nicht wichtig, überhaupt nicht wichtig oder "weiß nicht"):

  • mehr Klimaschutz
  • weniger Energieverbrauch der Bürgerinnen und Bürger
  • Ausstieg aus fossilen Energiequellen wie Kohle, Erdöl und Erdgas
  • Verringerung von Umweltbelastungen durch Pflanzenschutzmittel wie zum Beispiel Glyphosat
  • Berücksichtigung von Tierschutz und Tierwohl in der Nutztierhaltung
  • Verringerung von Lärm, Abgasen und Feinstaub im Straßenverkehr
  • Erhalt der biologischen Vielfalt (Verschwinden von Arten und Lebensräumen) 

Die Ergebnisse werden in Form einer Tabelle für alle sichtbar festgehalten.

Im zweiten Schritt fragt die Lehrkraft nach konkreten Aktivitäten der Schüler/-innen und Schüler, die geeignet wären, zur Erreichung der genannten Ziele beizutragen. Mögliche Fragestellungen sind:

Was tut ihr selbst im Alltag? Bitte bewertet, ob die folgenden Aussagen auf euch zutreffen (trifft voll und ganz zu, trifft eher zu, trifft eher nicht zu, trifft überhaupt nicht zu):

  • Ich versuche bei allem, was ich tue, den Ausstoß von Treibhausgasen möglichst gering zu halten.
  • Ich kaufe und benutze möglichst nur energiesparende elektronische Geräte.
  • Ich kaufe und esse möglichst nur Biolebensmittel.
  • Ich ernähre mich vegetarisch.
  • Ich kaufe und nutze möglichst regionale Produkte.
  • Ich vermeide Autofahrten und Flugreisen.
  • Ich arbeite in einer Umwelt- oder Naturschutzorganisation mit.

Die Ergebnisse werden für alle sichtbar notiert.

Die Lehrkraft weist auf die in der Regel deutlichen Widersprüche zwischen Umwelt- und Naturbewusstsein und eigenem Engagement hin. Sie erläutert, dass die Unterschiede in der gesamten Bevölkerung auftreten und dass dies in Studien immer wieder festgestellt wird (siehe Hintergrundtext).

Sie fordert die Schüler/-innen auf, erste Vermutungen zu äußern, was die Gründe für die Unterschiede zwischen Wissen und Handeln sein könnten. Die Beiträge werden ebenfalls notiert. Gegebenenfalls ergänzt die Lehrkraft wichtige Aspekte:

  • keine Ideen oder zu wenig Wissen, wie aktiver Umweltschutz aussehen könnte
  • zu wenig Geld, zum Beispiel für Bioprodukte
  • mangelndes Problembewusstsein
  • zu wenig Zeit für aufwändiges Engagement
  • fehlende soziale Anerkennung für umweltfreundliches Verhalten beziehungsweise sozialer Druck ("Du hast immer noch dein altes Handy?")
  • die Umweltschutzmaßnahme wäre zu kompliziert oder macht keinen Spaß
  • Erfolge sind kaum oder nicht sichtbar
  • das Gefühl, allein nichts verbessern zu können
  • fehlende Zusammenarbeit mit anderen
  • Gewohnheiten und Routinen

Die Lehrkraft stellt die Leitfragen für die Unterrichtseinheit vor (siehe oben). 

Arbeitsphase 1

In Gruppen erarbeitet die Klasse anhand von Beispielen engagierter Personen beziehungsweise von Initiativen, was Menschen dazu bringen kann, tatsächlich tätig zu werden. Geeignete Beispiele werden in den Materialien vorgestellt. Darüber hinaus eignen sich gegebenenfalls auch Medienbeiträge als Material, zum Beispiel Porträts von prominenten jungen Aktivisten wie Greta Thunberg oder Boyan Slat. Aber auch Personen aus dem persönlichen Umfeld können infrage kommen, wenn sie zum Beispiel in Naturschutzorganisationen tätig sind.

Die Gruppen erhalten folgende Aufgaben für die Auseinandersetzung mit ihrem Beispiel:

Sammele Informationen zu folgenden Fragen und notiere:

  1. Auf welche Weise setzt sich die Person für die Umwelt ein? (Was tut sie?)
  2. Welches Umwelt- oder Naturschutzproblem möchte die Person verringern oder lösen?
  3. Was hat die Person dazu veranlasst, aktiv zu werden? (Zum Beispiel ein bestimmtes Ereignis oder eine Einsicht)
  4. Was motiviert und unterstützt sie dabei, über einen längeren Zeitraum durchzuhalten oder dranzubleiben, wenn es Widerstände gibt?
  5. Welchen Schwierigkeiten begegnet sie?

Im Plenum stellen die Gruppen kurz ihr Beispiel vor. Schwerpunkt ist die Motivation der Personen. Im Unterrichtsgespräch werden die Möglichkeiten des Engagements, die  Hindernisse und Faktoren der Motivation in Form eines Schaubildes miteinander in Bezug gesetzt. Folgende Darstellung bietet sich an (für eine vergrößerte Darstellung auf die Grafik klicken):

Schaubild konnte nicht geladen werden

(Anmerkung: Das Schaubild kann zunächst nur wenige Elemente enthalten und im weiteren Verlauf gegebenenfalls ergänzt werden.)

Die Lehrkraft erläutert gegebenenfalls allgemeine Ansätze für die Erklärung von Verhaltensweisen und nennt entsprechende Fachbegriffe (zum Beispiel High-Cost-/Low-Cost-Hypothese, Selbstwirksamkeit, siehe Hintergrundtext).

Arbeitsphase 2 (optional)

Je nach Zeitbudget können in einem zweiten Teil der Arbeitsphase Kommunikationsmaßnahmen zur Förderung des Engagements diskutiert und erprobt werden.

Die Lehrkraft weist darauf hin, dass Akteure wie Umweltschutzorganisationen, aber auch Behörden und Ministerien mit Informationen und Kampagnen erreichen möchten, dass Menschen im Alltag mehr für Umwelt- und Klimaschutz tun. 

Die Lehrkraft erläutert, dass dabei Geschichten wie die der zuvor vorgestellten Personen eine wichtige Rolle spielen können. Dieser Ansatz wird im Marketing als "Storytelling" bezeichnet. Hintergrund ist, dass Botschaften in Form von Geschichten besonders anschaulich sind (siehe Hintergrundtext).

Die Schüler/-innen erhalten den Auftrag, in Gruppen erneut die Beispiele zu untersuchen und herauszuarbeiten, welche Elemente einer "Story" sich darin finden. Die Gruppen erhalten dazu Materialien mit Informationen zum Storytelling.

Im Plenum stellen die Gruppen die Story-Elemente ihres Beispiels vor.

Abschluss

Zum Abschluss werden im Plenum erneut die Faktoren betrachtet, die das Engagement erschweren. Die Klasse diskutiert und bewertet, inwiefern die untersuchten Beispiele Ansätze bieten, die erschwerenden Faktoren zu überwinden und das Engagement zu fördern. 

Die Lehrkraft fordert die Schüler/-innen auf, jeweils eine Stellungnahme abzugeben: 

  • Welche Faktoren ließen sich deiner Meinung nach eher schwer lösen? Warum? 

Zuletzt können die Schüler/-innen in einer Blitzlicht-Runde eine Absichtserklärung zum eigenen Verhalten abgeben: Wie könnten die Schüler/-innen selbst im Alltag mehr auf Umwelt- und Klimaschutz achten, und was könnten sie tun, um sich das Engagement zu erleichtern? (Beispiele: gemeinsam mit Freunden tätig werden/die Aufgabe in Spaß verwandeln/Alltagsroutinen verändern/sich selbst belohnen/Handlungsfeld suchen, das einem persönlich liegt ...)

Erweiterung

  • Die Schüler/-innen setzen ein eigenes Storytelling-Medienprojekt um. Praktische Hinweise dazu finden sich in den Materialien zum Storytelling. Dabei wählen sie ein Umweltschutzziel, das sie selbst besonders wichtig finden. Mithilfe von typischen Erzählmustern entwickeln sie eine eigene Geschichte. Für die digitale Umsetzung können je nach Vorkenntnissen und technischer Ausstattung verschiedene Formate gewählt werden. Multimediale Präsentationen können mit Standard-Software wie PowerPoint oder OpenOffice/Libre Office gestaltet werden. Videos können mit vielen Smartphones oder Tablets erstellt werden. Darüber hinaus können Social-Media-Plattformen genutzt werden, um Storys aus der persönlichen Sicht von (fiktiven) Akteuren zu erzählen.
  • Die Schüler/-innen recherchieren, welche Personen oder Organisationen im Umweltschutz aktiv sind, und erstellen Porträts ihrer "Umweltschutz-Stars".
  • Die Schüler/-innen treffen Menschen aus der Region, die für Umwelt- und Naturschutz aktiv sind, und befragen sie nach ihrer Motivation. Alternativ kann auch versucht werden, Prominenteninterviews zum Umweltengagement durchzuführen, zum Beispiel per Telefon oder Skype. Die Ergebnisse können in der Schülerzeitung veröffentlicht oder lokalen Medien angeboten werden (viele Redaktionen sind offen für die Kooperation mit Schulprojekten).

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Informationen und Materialien

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Zielgruppe