Gemeinsam konsumieren - und die Welt verändern?

Schenkbox in Siegen
Sekundarstufe

Die Schüler/-innen reflektieren anhand von Leih-, Tausch- und Schenkprojekten ihre eigenen Konsumbedürfnisse. Sie diskutieren, welche Konsumgüter aus ihrem eigenen Besitz sich zum Tauschen und Leihen eignen und gehen der Frage nach, was die "Shareconomy" zur Lösung von Umweltproblemen beitragen kann. Die Erkenntnisse können für eigene praktische Projekte verwendet werden.

Lernziele

Die Schüler/-innen

  • reflektieren anhand von Beispielen der "Shareconomy" bzw. des kollaborativen Konsums ihre eigenen Konsumbedürfnisse;
  • bewerten Umweltauswirkungen ihres Konsumverhaltens;
  • erarbeiten alternative Konsummöglichkeiten;
  • entwickeln Gestaltungskompetenz, indem sie das Erarbeitete in einem eigenen Projekt umsetzen.

Umsetzung

Zum Einstieg stellt die Lehrkraft als Aufhänger für das Thema den Begriff "Shareconomy" in den Mittelpunkt. Dazu kann sie zum Beispiel ein Zitat aus dem TIME-Magazin zur Diskussion stellen: "Das Teilen wird die Welt verändern!". Das Magazin hatte "Sharing" im Jahr 2011 als eine von zehn Ideen benannt, die helfen können, "unsere schlimmsten Probleme zu lösen". Alternativ können zum Einstieg die unten genannten Medienbeiträge verwendet werden.

Die Schüler/-innen entwickeln in einem Brainstorming gemeinsam Erklärungsversuche. Dabei können Stichworte mittels einer Mindmap gesammelt werden. Leitfragen dazu können sein: Was kann geteilt werden? Auf welche Arten kann man etwas teilen? Was könnten Vorteile, was könnten Nachteile sein?

Nach einem Zwischenfazit oder einer Klärung können Medienbeiträge über die CeBIT 2013 und ihr Leitthema "Shareconomy" vorgestellt werden, zum Beispiel ein Videobeitrag des WDR oder Zeitungsbeiträge wie "In Zukunft sollen wir alle tauschen und teilen" (BILD) und "Tauschen statt kaufen" (Tagesspiegel).

Als Ergänzung kann die Lehrkraft beispielhafte Zahlen einbringen, ggf. in Form eines Quiz:

  • Wie lange wird eine Bohrmaschine während ihrer gesamten Lebensdauer genutzt? (12 Minuten)
  • Wie viele Stunden steht ein Auto am Tag unbenutzt herum? (23 Stunden)

In der anschließenden Arbeitsphase werden die gesammelten Ideen auf die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler übertragen. Mithilfe einer Übung wird erprobt, ob "Shareconomy"-Modelle auch in der Klasse praktizierbar wären. Auf einem Arbeitsblatt notieren alle Schüler/-innen einen Gegenstand, den sie gerne besitzen würden oder zu kaufen planen, zum Beispiel ein Kleidungsstück, Elektronik, Sportequipment.

Danach beantworten die Schülerinnen und Schüler auf dem Blatt kurze Fragen (unter anderem zu Häufigkeit und Dauer der Nutzung, Preis, Aufwand für die Herstellung). Die Ergebnisse werden an die Wand oder Tafel geheftet.

Gemeinsam können nun folgende Punkte diskutiert werden:

  • Was ist beim Beantworten der Fragen aufgefallen?
  • Was spricht für, was gegen den Neukauf
  • Zu welchen Produkten gäbe es zum Neukauf eine Alternative? Welche?
  • Besitzt jemand einen Gegenstand, der gesucht wird, und könnte diesen theoretisch zur Verfügung stellen?
  • Wie könnte das organisiert werden? (Online-Plattform, schwarzes Brett …)
  • Welche Schwierigkeiten könnten dabei auftreten? (Etwa: Etwas Verliehenes könnte beschädigt oder zu spät zurückgebracht werden; Berührungsangst mit Fremden, mangelndes Vertrauen, Lust am ausschließlichen Besitzen, großer Aufwand für das Finden von Partnern und Übergaben)
  • Wie könnten diese Schwierigkeiten gelöst werden?

In einer weiteren Diskussionsphase kehrt die Klasse noch einmal zur Ausgangsfrage zurück: Kann Teilen die Welt verändern?

Dazu werden an der Tafel oder am Smartboard weitere Ideen zu folgenden Fragen gesammelt:

  • Was spricht dagegen, möglichst viele Dinge neu zu kaufen? (z.B. Ressourcenverbrauch, Umweltbelastungen durch Herstellungsaufwand und Abfall, schlechte Produktionsbedingungen wegen niedriger Preise)
  • Was spricht dafür? (z.B. Arbeitsplätze für Menschen, die an der Herstellung beteiligt sind; Komfort)
  • Was spricht darüber hinaus für das Teilen? (z.B. soziale Kontakte)
  • Was spricht gegen das Teilen? (z.B. manche Gegenstände sind zu privat; Aufwand für den Austausch ist zu groß)

Bei der Beantwortung kann helfen, sich die jeweiligen Extreme zu den Fragen vorzustellen: Was wäre, wenn alle kaufen könnten, was sie sich wünschen? Und was wäre, wenn alle nur noch teilen würden?Zum Abschluss wird ein gemeinsames Fazit zur Ausgangsbehauptung gezogen: Kann Teilen die Welt verändern?

Erweiterung

  • Die Schüler/-innen untersuchen in Kleingruppen verschiedene Internetplattformen für kollaborativen Konsum, probieren diese ggf. aus und stellen sie der Klasse vor. Eine Übersicht findet sich unter www.kokonsum.org/plattformen.
  • Die Schüler/-innen entwickeln auf der Grundlage der erarbeiteten Ergebnisse ein eigenes Projekt, zum Beispiel eine Tauschbörse oder einen Tauschraum in der Schule oder deren Nachbarschaft. Anregungen finden sich zum Beispiel unter www.klamottentausch.net und www.umsonstladen.de. Bereits ein einfaches Regal kann als Plattform für den Büchertausch dienen. Das Projekt sollte über einen längeren Zeitraum gepflegt werden; die Erfahrungen aus der Praxis sollten reflektiert werden: Wie gehen die Nutzer mit dem Angebot um? Welche Regeln sind nötig, damit das Angebot langfristig funktioniert?
  • Sollte bei dem Projekt Geld fließen – zum Beispiel wenn es um Verleih oder Secondhandverkauf geht – kann die Gründung einer Schülerfirma erwogen werden.
  • Anregungen für die Vertiefung bieten die umfangreichen Materialien des Bundesumweltministeriums zum Thema "Umweltfreundlich konsumieren". Insbesondere eignen sich die Arbeitsblätter zum Textilkonsum (S. 14-15) oder zu Handys (S. 40ff.). Falls Fragen der Gerechtigkeit vertieft werden sollen eignen sich das Thema Lebensmittel im Müll (S. 30-31) sowie das Kapitel 7 (ab S. 50). Dort werden eigene Visionen und alternative Lösungen entwickelt, zum Beispiel in einer Zukunftswerkstatt.

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Dieser Text steht unter der Creative Commons-Lizenz CC BY-NC-SA 3.0. Sie dürfen ihn zu allen nicht-kommerziellen Zwecken - also auch für den Unterricht - verwenden und bearbeiten, z.B. kürzen oder umformulieren. www.umwelt-im-unterricht.de muss immer als Quelle genannt werden. Details zu den Bedingungen finden Sie auf der Creative Commons-Website.

Informationen und Materialien

Hintergrund (1)

07.03.2013 | Wirtschaft und Arbeitswelt | Ressourcen | Konsum
Illustration; zwei blaue Personen, die über grüne Pfeilen in Verbindung stehen.

"Teilen ist das neue Haben": Unter diesem Motto berichten viele Medien über einen neuen Trend, weg vom individuellen Besitz hin zum gemeinsamen Konsum. Dafür werden die Begriffe "Shareconomy" oder "Ko-Konsum" verwendet. Das vom Carsharing bekannte Prinzip wird dabei mithilfe von Smartphones und sozialen Netzwerken auf andere Gebrauchsgüter übertragen. Welche Lösungen bietet das Teilen für ökologische Probleme? Welche wirtschaftlichen und sozialen Folgen ergeben sich daraus, und wo liegen Hürden?

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Arbeitsmaterialien (3)

07.03.2013 | Wirtschaft und Arbeitswelt | Ressourcen | Konsum
Für Carsharing reservierter Parkplatz
Sekundarstufe, Grundschule

Vom Abendkleid über Bücher bis hin zu Lebensmitteln: Das Arbeitsmaterial bietet einen Überblick über Online-Plattformen zum Tauschen, Teilen und Verschenken.

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07.03.2013 | Wirtschaft und Arbeitswelt | Ressourcen | Konsum
Illustration: Thumb up!
Sekundarstufe

Muss man immer alles neu kaufen? Dieser Frage gehen die Schüler/-innen anhand ihrer konkreten Konsumwünsche nach. Mithilfe eines Fragebogens untersuchen sie, welche Gegenstände sich zum Teilen, Verleihen oder Weitergeben eignen.

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04.01.2013 | Konsum | Gesundheit und Ernährung | Ressourcen
Titelblatt des BMU-Schülerheftes "Umweltfreundlich konsumieren"
Sekundarstufe

Anhand des 56-seitigen Hefts gehen Schülerinnen und Schüler Fragen zu den verschiedenen Bereichen des Konsums nach: Wie klimafreundlich ist mein Frühstück? Woher kommt die Kleidung, die ich morgens anziehe? Ist meine Schule nachhaltig? Die Schüler und Schülerinnen lernen die direkten und indirekten Auswirkungen ihres Konsums auf Mensch und Umwelt kennen. Jeder Unterrichtsvorschlag enthält Ideen für Projekte und vertiefende Aufgaben.

[Stand: Januar 2013. Dieses Angebot wird nicht mehr aktualisiert.]

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