25.01.2018 | Klima

Klimawandel und Migration – Wer schützt die Betroffenen?

Monsun in Thailand 2011
Sekundarstufe

Ausgehend von unterschiedlichen Kurzbiografien beschäftigen sich die Schüler/-innen mit der Frage, welche Rolle die Folgen des Klimawandels für Migrationsbewegungen haben könnten. Sie erarbeiten mithilfe von Textauszügen Informationen zu Lebensbedingungen im pazifischen Inselstaat Tuvalu sowie in Ghana in Westafrika. Die Schüler/-innen entwickeln erste Ansätze zur Verbesserung der Situation und bewerten diese im Hinblick auf Gerechtigkeit beziehungsweise Menschenrechte.

[Der Unterrichtsvorschlag wurde ursprünglich im Dezember 2012 erstellt und im September 2014 und Januar 2018 aktualisiert.]

Kompetenzen und Ziele

Die Schülerinnen und Schüler ... 

  • erläutern anhand von Folgen des Klimawandels den Einfluss ausgewählter natürlicher Vorgänge auf Räume, zum Beispiel die Auswirkungen extremer Wetterereignisse oder des steigenden Meeresspiegels,
  • beschreiben zentrale Ursachen und räumliche Auswirkungen von Migration in Herkunfts- und Zielgebieten,
  • stärken ihre Argumentations- und Urteilskompetenz durch das Beurteilen von Vor- und Nachteilen der Migration für die Betroffenen sowie die Herkunfts- und Zielgebiete,
  • erweitern ihre Urteilskompetenz durch die Beurteilung von Räumen in Bezug auf die dortigen klimatischen Bedingungen und das landwirtschaftliche beziehungsweise wirtschaftliche Produktionspotenzial,
  • erweitern ihre Sozialkompetenzen durch die Auseinandersetzung mit Fallbeispielen.

Umsetzung

Die Leitfragen lauten: Wie wirkt sich der Klimawandel auf Migrationsbewegungen aus beziehungsweise welche Rolle spielen Klimafolgen als Ursache? Welche Möglichkeiten gibt es, damit umzugehen?

Die Unterrichtseinheit sollte mit aktuellen Anlässen beziehungsweise Diskussionen verknüpft werden, bei denen der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Migration eine Rolle spielt, zum Beispiel:

  • politische Ereignisse wie der jährliche Weltklimagipfel der Vereinten Nationen,
  • entsprechende öffentliche Diskussionen beziehungsweise Diskussionsbeiträge wie Stellungnahmen von Organisationen der Flüchtlingshilfe (beispielsweise der Flüchtlingshilfe der Vereinten Nationen) oder Menschenrechtsorganisationen,
  • extreme Wetterereignisse wie Hurrikane oder Dürreperioden, die in den Medien oft mit dem Klimawandel in Zusammenhang gebracht werden. Tatsächlich könnten sich die Intensität, Häufigkeit und Dauer derartiger Ereignisseim Zusammenhang mit dem Klimawandel regional verändern (siehe Thema der Woche Extreme Wetterereignisse). 

Ausgehend von dem Anlass fordert die Lehrkraft die Schüler/-innen zunächst auf, in einem gemeinsamen Brainstorming ihr Vorwissen zu sammeln. Sie stellt die Leitfrage vor und ergänzt im Verlauf der Diskussion gegebenenfalls weitere Fragen:

  • Welche Folgen des Klimawandels sind euch bekannt?
  • Was können diese Folgen für die Lebenssituation von Betroffenen bedeuten?
  • Wie könnten die Betroffenen Menschen auf die Veränderungen reagieren?
  • Welche Probleme könnten sich daraus ergeben?

Gegebenenfalls werden Rückfragen und wichtige Begriffe geklärt, zum Beispiel Migration und Flucht (Erläuterungen siehe Hintergrundtext). 

Ergänzend dazu kann die Lehrkraft den Schülern und Schülerinnen die Bilderserie Folgen des Klimawandels zeigen. Vertiefende Informationen enthält das Thema der Woche Extreme Ereignisse: Lässt der Klimawandel das Wetter verrückt spielen?, das auch zur Vorbereitung genutzt werden kann.

Anschließend setzen sich die Schüler/-innen zunächst einzeln mit den Biografien von Menschen auseinander, deren Auswanderung mit Folgen des Klimawandels zusammenhängt. Die Lehrkraft händigt die Arbeitsmaterialien aus. Diese beschreiben zwei Beispiele:

  1. Den Fall einer Familie aus dem Inselstaat Tuvalu, die ihre Heimat aufgrund des ansteigenden Meeresspiegels verlassen musste und in Neuseeland beantragt, dauerhaft dort aufgenommen zu werden.
  2. Die Geschichte von zwei jungen Frauen aus Ghana. Sie sind aus ihrer Heimat im Norden des Landes in eine der großen Städte im Süden umgezogen. Sie berichten, dass im Norden die Bedingungen für die Landwirtschaft wegen des Klimawandels immer schlechter werden würden.

Jeder Schüler/jede Schülerin sollte die in den Materialien angegebenen Aufgaben bearbeiten. 

Im Anschluss bilden die Schüler/-innen Kleingruppen, in denen jeweils eins der Beispiele Thema ist. Die Kleingruppen diskutieren mögliche Lösungsansätze zu ihrem Beispiel. Diese halten sie schriftlich fest, zum Beispiel in Form einer Concept Map beziehungsweise eines Wirkungsgefüges.

Die Lösungsansätze werden von den Kleingruppen im Plenum vorgestellt. In der gemeinsamen Diskussion werden die Ergebnisse gegebenenfalls ergänzt und die Darstellung des Wirkungsgefüges erweitert.

Dabei sollten insbesondere folgende Aspekte betrachtet werden:

  • Wie haben sich die Bedingungen in der Heimat der Betroffenen konkret verändert?
  • Was bedeutet dies für die Lebenssituation der Betroffenen?
  • Wie könnten die Veränderungen mit dem Klimawandel zusammenhängen?
  • Was erwarten die Betroffenen von ihrem neuen Wohnort?
  • Was bedeutet die Zuwanderung für die Zielregion?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, die Situation der Betroffenen zu verbessern: 1) in der Heimat und 2) am Zielort?

Zudem bewerten die Schüler/-innen in einer gemeinsamen Diskussion die Lösungsansätze im Hinblick auf den Aspekt “Gerechtigkeit”. Als Impuls können kurze Auszüge aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen vorgestellt werden. Dazu gehört unter anderem das Recht auf Leben und Sicherheit. 

Abschließend formulieren die Schüler/-innen aus Sicht einer Menschenrechtsorganisation Forderungen an die Weltgemeinschaft zum Umgang mit Migrationsbewegungen, die mit den Folgen des Klimawandels zusammenhängen: Wie sollten die betroffenen Staaten – Herkunfts- und Zielregionen – mit dieser Herausforderung umgehen?

Erweiterung:

  • Das Video "A call to the world" stellt die Situation der pazifischen Inselstaaten am Beispiel von Kiribati dar, die von dem Anstieg des Meeresspiegels bedroht sind. Es kann stellvertretend für die Situation der pazifischen Inselstaaten vorgestellt werden, die vom steigenden Meeresspiegel bedroht werden.
  • Migranten und Migrantinnen (wie zum Beispiel Mitschüler/-innen) können in Bezug auf dieses Thema interviewt werden: Warum haben diese ihre Heimat verlassen? Welche Rolle haben dabei die Auswirkungen des Klimawandels gespielt? 
  • Ergänzend zu der Unterrichtseinheit können die Schüler/-innen eine fiktive Geschichte verfassen, die mögliche Beispiele für Migration innerhalb von Deutschland aus der Sicht von Betroffenen beschreibt, bei denen Auswirkungen des Klimawandels eine Rolle spielen. Beispiel: "Bauernfamilie aus Brandenburg muss Hof wegen Dürre aufgeben." Hintergrundinformationen zu den Folgen des Klimawandels in Deutschland bietet die Animation: Bedrohung durch den Klimawandel. 
  • Im Geografieunterricht können die betroffenen Räume näher untersucht werden: Welches sind die Ausgangspunkte, welches mögliche Zielgebiete von Migrationsbewegungen? Zudem können die Faktoren untersucht werden, die sich auf Migrationsentscheidungen auswirken: Was spricht für das Verlassen des Herkunftsortes (Push-Faktoren)? Was macht Zielgebiete attraktiv (Pull-Faktoren)?
  • Die frei verfügbare Unterrichtseinheit "Spielerisches Lernen/Serious Games" von ECOMOVE zum Themenkomplex "Internationale Gerechtigkeit und Klimawandel" bietet weitere Ideen und konkrete Unterrichtsmodule, das Thema "Internationale Gerechtigkeit und Klimawandel" im Unterricht zu behandeln.
  • Eine Übersicht über alle Veröffentlichungen zum Thema Klimawandel bietet die Themenseite Klima von Umwelt im Unterricht. 

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Informationen und Materialien

Hintergrund (1)

25.01.2018 | Klima
Flüchtlinge verlassen den Helikopter

Weltweit befinden sich so viele Menschen auf der Flucht wie nie zuvor. Neben gewaltsamen Konflikten und Armut zählen auch Katastrophen wie Überschwemmungen oder Dürreperioden zu den Ursachen. Häufig wird auch der Klimawandel als Faktor angeführt. Doch wie sind die Zusammenhänge, und wie viele Menschen sind tatsächlich vor den Folgen des Klimawandels auf der Flucht? Und wie sieht ihre Zukunft aus?

[Der Hintergrundtext wurde ursprünglich im Dezember 2012 erstellt und im September 2014 und im Januar 2018 aktualisiert.]

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Arbeitsmaterialien (2)

25.01.2018 | Klima
Ein ausgetrocknetes Maisfeld
Sekundarstufe

Die Folgen des Klimawandels bringen Verletzungen der Menschenrechte mit sich, warnt der Weltklimarat IPCC in seinem 5. Sachstandsbericht, der im April 2014 veröffentlicht wurde. Das Material enthält relevante Auszüge aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen.

[Die Materialien wurden ursprünglich im Dezember 2012 erstellt und im September 2014 und im Januar 2018 aktualisiert.]

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25.01.2018 | Klima
Luftbild des Atolls Funafuti in Tuvalu
Sekundarstufe

Die Materialien stellen zwei Beispiele von Menschen aus unterschiedlichen Regionen der Erde vor, die ihre Heimat aufgrund der Folgen des Klimawandels verlassen haben. Dabei handelt es sich um eine Familie aus dem Inselstaat Tuvalu und zwei junge Frauen aus Ghana. 

[Die Materialien wurden ursprünglich im Dezember 2012 erstellt und im September 2014 und im Januar 2018 aktualisiert.] 

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Zielgruppe