Mein Glück, unser Glück

Mädchen mit Teller
Sekundarstufe

Anhand der Frage "Was ist Glück?" tauschen sich die Schüler in Kleingruppen über eigene Glücksmomente aus. Daraus leiten sie ab, welche Voraussetzungen zum eigenen Glück gegeben sein müssen. Im Plenum sammelt und sortiert die Klasse die Erfahrungen und leitet daraus allgemeingültige Bedingungen für Glück ab. Anschließend diskutiert die Klasse, was in der Gesellschaft verändert werden kann, um das Glück aller zu steigern, und was jeder und jede einzelne tun kann. 

Ziele

Die Schülerinnen und Schüler...

  • erörtern den Begriff "Glück" und entwickeln Voraussetzungen für ein glückliches Leben,
  • vollziehen die Bedürfnisse von Menschen nach, die in anderen Kontexten leben,
  • abstrahieren von ihren eigenen Erfahrungen und leiten grundlegende Menschenrechte ab,
  • reflektieren unterschiedliche Definitionen von Wohlstand,
  • setzen sich mit alternativen Wohlstandsindikatoren auseinander und
  • entwickeln Lösungsansätze für eine glücklichere Gesellschaft.

Umsetzung
Als Impuls zum Einstieg dient die Frage "Was ist Glück?". Diese Frage wird für alle sichtbar notiert beziehungsweise an einer Pinnwand angeheftet, sodass sie als Mittelpunkt einer Mind-Map dienen kann.Alternativ können zum Einstieg Zitate zur Diskussion gestellt werden. Die Schüler/-innen erhalten die Aufgabe, die Zitate zu deuten, eigene zu recherchieren oder zu erfinden. Als Zitate eignen sich zum Beispiel:

  • Wer ständig glücklich sein möchte, muss sich oft verändern. (Konfuzius)
  • Die meisten Menschen sind so glücklich, wie sie sich selbst vorgenommen haben. (Abraham Lincoln)
  • Glück, das ist einfach eine gute Gesundheit und ein schlechtes Gedächtnis. (Ernest Hemingway)
  • Man ist meistens nur durch Nachdenken unglücklich. (Joseph Joubert)
  • Unsere Aufgabe ist es, glücklich zu sein. (Dalai Lama)

Als weitere Möglichkeit zum Einstieg kann die Titelillustration des Themas der Woche als Impuls verwendet werden (auf das Bild klicken, um eine größere Version anzuzeigen):

Die Schüler/-innen werden im Anschluss aufgefordert, sich in Kleingruppen über persönliche Glücksmomente auszutauschen. Ziel ist zu definieren, was Glück ist. Die Gruppenmitglieder sammeln allein jeweils drei Glücksmomente, zum Beispiel, indem sie den Satz fortsetzen: Ich habe mich besonders glücklich gefühlt, als…

Die Gruppe tauscht sich anschließend über ihre Glücksmomente aus. Die Schüler/-innen überlegen, was jeweils der Auslöser der Glücksmomente war. Sie notieren gut lesbar auf einzelnen Karten Oberbegriffe für das, was sie jeweils glücklich gemacht hat.

Im Plenum werden die Karten vorgestellt und mithilfe der Mind-Map geclustert. Oberbegriffe können zum Beispiel "Dinge" oder "Erlebnisse" sein. Im Unterrichtsgespräch reflektiert die Klasse gemeinsam: Sind das universelle "Glücksrezepte"? Oder bräuchten Menschen in anderen Lebensumständen vielleicht etwas anderes zum Glück?

An dieser Stelle kann eine Bilderserie von Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen gezeigt und jeweils überlegt werden: Macht dieser Mensch einen glücklichen Eindruck? Welche grundlegenden Bedürfnisse hat dieser Mensch? Was bräuchte er gegebenenfalls, um glücklicher zu sein?

Sollten hier neue Aspekte genannt werden, kann die Mind-Map entsprechend ergänzt werden.

Anhand der ergänzten Glücksrezepte setzt sich die Klasse erneut mit der Frage auseinander, was – aus einer globalen Perspektive – die wichtigsten, allgemein gültigen Voraussetzungen für Glück sein könnten. Welche Voraussetzungen sind zum Beispiel so fundamental, dass man sie als grundlegende Menschenrechte (oder als Staatsziele) formulieren könnte?

Die entsprechenden Karten können gesondert platziert oder markiert werden. Die Lehrkraft kann gegebenenfalls zentrale Aspekte ergänzen: Freiheit, Leben, eine intakte Umwelt, Sicherheit, menschenwürdiges Wohnen, Zugang zu sauberem Wasser, Gerechtigkeit, Eigentum, Gesundheit, Mitbestimmung, Bildung.

Ebenso kann die Lehrkraft die Aufmerksamkeit auf das Cluster "Dinge" lenken: Wie viele "Dinge" braucht man, um glücklich zu sein? Wie lange hält das Glück an, das durch den Erwerb von etwas Käuflichem entstanden ist? Die Schüler/-innen sollten sich an dieser Stelle mit der Frage auseinandersetzen, welche Probleme damit einhergehen können, wenn Glück eindimensional als wirtschaftlicher Erfolg definiert wird. Dazu eignen sich zum Beispiel folgende Fragen:

  • Welches Bild von Glück wird in den Medien/in der Werbung vermittelt?
  • Macht Geld allein glücklich? Wie wäre es, wenn ihr immer reicher würdet, dafür aber die Umwelt immer weiter zerstört würde? (Beziehungsweise: … wenn dafür Arme immer ärmer würden? … wenn sich eure Freunde von euch abwenden würden? … wenn das Geld durch Inflation plötzlich nichts mehr wert wäre? … wenn ihr reich, aber krank würdet …)
  • Machen wohlhabende Menschen einen glücklicheren Eindruck?
  • Sind Menschen in "ärmeren" Ländern unglücklicher als in wohlhabenderen? (persönliche Erfahrungen der Schüler/-innen abfragen)
  • Wie wird in Europa Wohlstand gemessen? (> Bruttoinlandsprodukt, siehe Hintergrundtext)
  • Welche Aspekte, die auf die Karten geschrieben wurden, sind darin nicht enthalten? Was wird vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Wohlstandsindikator nicht gemessen?
  • Was kann das BIP steigern, gleichzeitig aber andere "Glücksgüter" wie eine intakte Umwelt gefährden? (zum Beispiel Tankerunglücke oder Überschwemmungen, siehe Hintergrundtext)

An dieser Stelle kann die Lehrkraft alternative Wohlstandskonzepte vorstellen (siehe Hintergrundtext), die in unterschiedlichen Kontexten vorgeschlagen wurden oder bereits eingesetzt werden, um das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu erweitern. Bei einem größeren Zeitbudget können sich die Schüler/-innen intensiver mit den unterschiedlichen Indikatorensets auseinandersetzen (siehe "Erweiterung").

Abschließend resümieren die Schüler/-innen gemeinsam: Was könnte in der Gesellschaft verändert werden, um das Glück aller zu steigern? Was kann jeder/jede selbst in seinem/ihren Leben ändern, um mehr Glück zu erfahren oder sein/ihr Glück mit anderen zu teilen? In einem abschließenden Partnergespräch (Murmelphase) können die Schüler/-innen jeweils einen Schritt definieren, mit dem sie ihr eigenes Leben glücklicher gestalten wollen.

Erweiterung

  • Die Schüler/-innen formulieren zu zweit eine Aufgabenkarte, eine kurze "Anleitung zum Glück, das nichts kostet" als Empfehlung für einen Mitschüler/eine Mitschülerin. Dabei greifen sie auf ihre eigene Erfahrung zurück: Was macht besonders glücklich? Sie schreiben ihre Idee als Handlungsanleitung auf eine Karte (zum Beispiel: "Geh an einem Sommermorgen barfuß durchs feuchte Gras"). Alle Karten werden gemischt, jedes Paar zieht eine Karte und versucht, diese umzusetzen.
  • Vertiefende Materialien zum "Bruttoinlandsglück" enthalten die Unterrichtsmaterialien "Umweltfreundlich konsumieren" des Bundesumweltministeriums (Kapitel 7).
  • Die Methodensammlung "Bruttoinlandsglück" der Bundeszentrale für politische Bildung zielt auf eine persönliche Auseinandersetzung mit alternativen Herangehensweisen an Wirtschaft. Dabei geht es auch um die Frage, wie Wirtschaft(en) in Zukunft gestaltet werden kann, um zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen. Unter anderem können sich die Schüler/-innen in Gruppen mit jeweils einem alternativen Indikator beschäftigen. Zur Auswahl für die Kleingruppen stehen der Happy Planet Index (HPI), der Human Development Index (HDI), der Gini-Index, der Genuine Progress Index (GPI) sowie der Big Mac Index (BMI). Eine Gruppe widmet sich zudem dem Bruttoinlandsprodukt (BIP).
  • Anlässlich der ARD-Themenwoche "Zum Glück" (2013) sind umfassende Materialien für verschiedenste Fächer erschienen: von Biologie und Mathematik über Politik und Religion bis hin zu Sport.

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Informationen und Materialien

Hintergrund (1)

19.03.2014 | Wirtschaft und Arbeitswelt | Ressourcen | Klima
alter Mann lacht

Lebensqualität und Fortschritt werden meist anhand von Wirtschaftsdaten wie dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemessen. Was keinen Marktwert hat, bleibt dabei jedoch außen vor – zum Beispiel viele Umweltschäden oder das subjektive Wohlbefinden der Menschen. Fachleute diskutieren Alternativen. Ihr Ziel: Ein Maßstab für das Glück einer Gesellschaft soll bei konkreten politischen Entscheidungen helfen.

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Bilderserien (1)

20.03.2014 | Wirtschaft und Arbeitswelt | Ressourcen | Klima
Mädchen und Reh
Sekundarstufe, Grundschule

Die Fotos zeigen Menschen in verschiedenen Lebenssituationen: zum Beispiel eine Geburtstagsfeier im Altersheim oder spielende Kinder in einem Flüchtlingscamp der Vereinten Nationen. Die Motive veranschaulichen, was Menschen glücklich machen und was ihnen zum Glück fehlen könnte.

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Zielgruppe