Warum verschwenden wir Lebensmittel?

Angebissener Apfel
Sekundarstufe

Zum Einstieg präsentiert die Lehrkraft mitgebrachte Lebensmittel, die genießbar sind, im Alltag jedoch oft weggeworfen werden. Die Schüler/-innen diskutieren ausgehend von den Beispielen typische Konsummuster. Sie ermitteln, wie diese mit der Lebensmittelverschwendung entlang der Produktionskette von Nahrungsmitteln zusammenhängen. Sie recherchieren zu Lösungsansätzen und entwickeln daraus weitere Ideen.

Ziele

Die Schüler/-innen …

  • erklären den Zusammenhang zwischen Lebensmittelproduktion und Ressourcenbedarf,
  • erklären am Beispiel des Lebensmittelkonsums den Zusammenhang zwischen dem Konsumverhalten und nicht nachhaltigen Entwicklungen,
  • reflektieren das eigene Konsumverhalten und entwickeln Ideen für nachhaltigen Konsum,
  • recherchieren und bewerten Initiativen zum nachhaltigen Konsum,
  • betrachten Vor- und Nachteile von Regelungen zur Qualität von Lebensmitteln wie Haltbarkeitsangaben (Mindesthaltbarkeitsdatum, MHD) und Güteklasse.

Umsetzung

Zum Einstieg präsentiert die Lehrkraft mitgebrachte Lebensmittel, die genießbar sind, im Alltag jedoch oft weggeworfen werden. Sie stellt die Produkte vor und stellt dazu die Frage: "Würdest du das essen?"

Als Beispiele eignen sich unter anderem: 

  • Joghurt oder andere Milchprodukte mit abgelaufenem oder bald ablaufendem Mindesthaltbarkeitsdatum (im Handel gelegentlich als Sonderangebot erhältlich mit Aufkleber "reduziert")
  • Obst und Gemüse, das optisch nicht ganz einwandfrei ist: schrumpelige Möhren, Äpfel oder Bananen mit braunen Flecken et cetera
  • Obst und Gemüse mit ungewöhnlichen Formen: sehr krumme Gurke, "verwachsene" Kartoffeln oder Möhren et cetera
  • verpackte Lebensmittel, bei denen die Verpackung nicht einwandfrei ist: eine eingedellte Konservendose, ein eingerissener Karton et cetera

Als Variante für den Einstieg kann ein Rundgang in der Schule durchgeführt werden, bei dem nach weggeworfenen Lebensmitteln und Resten gesucht wird – zum Beispiel unter Bänken, in Mülleimern, Reste in der Mensa et cetera. Die Funde werden dokumentiert – zum Beispiel können Fotos und Notizen gemacht werden.

Die Beispielprodukte beziehungsweise Funde vom Schulrundgang werden symbolisch sortiert. Die Klasse wird aufgefordert, die Lebensmittel zuzuordnen:

  • Was kommt in die Tonne?
  • Was würdet ihr essen? (Variante: Was würdet ihr kaufen?)

Für die Zuordnung können zum Beispiel für alle sichtbar eine Mülltonne und ein Kochtopf (oder Essbesteck, Einkaufswagen oder Ähnliches) an die Tafel gezeichnet werden.

Die Zuordnung zu Tonne oder Kochtopf soll begründet werden. Die Beispiele werden "in" die Tonne oder den Topf notiert, die Gründe für die Zuordnung werden ebenfalls festgehalten.

Die Lehrkraft ergänzt die Diskussion im Plenum mit weiteren Fragen, welche die Verbindung zum Alltagsverhalten und zu typischen Konsummustern herstellen:

  • Was tut ihr mit dem gezeigten Beispiel, wenn ihr so etwas zu Hause findet?
  • Was tut ihr beim Einkaufen, wenn zum Beispiel nur noch schrumpeliges Obst und unförmiges Gemüse in der Auslage zu finden ist?
  • Was passiert mit "liegen gebliebenen" Lebensmitteln im Handel?

Die Lehrkraft informiert die Klasse darüber, dass alle zu Beginn vorgestellten Lebensmittel genießbar sind und dass tatsächlich riesige Mengen genießbarer Lebensmittel zu Abfall werden. Die Lehrkraft nennt Daten zur Größenordnung des Problems. Zur Veranschaulichung und Diskussionsgrundlage kann eine Infografik der Europäischen Umweltagentur dienen: 

Quelle: http://www.eea.europa.eu/de/pressroom/infografiken/welches-sind-die-quellen-der/view

Ergänzend können weitere Zahlen und Fakten genannt werden, die im Hintergrundtext ausführlicher erläutert werden. Wichtig sind vor allem folgende Hinweise: 

  • Auch in der Landwirtschaft entstehen weitere Lebensmittelabfälle – zusätzlich zu den in der Grafik gezeigten Bereichen.
  • Es muss zwischen vermeidbaren und unvermeidbaren Lebensmittelabfällen unterschieden werden. Ein großer Teil der Abfälle ist jedoch leicht vermeidbar. 

Die Schüler/-innen erhalten den Auftrag, in Gruppen zu Lösungsansätzen zu recherchieren und eigene Ideen zu entwickeln. Als Grundlage erhalten sie die oben angeführte Infografik zu den Quellen der Lebensmittelverschwendung sowie Informationen zu Initiativen, die sich gegen die Verschwendung wenden. Dazu kann im Internet recherchiert werden, oder den Schülerinnen und Schülern werden Materialien wie Medienberichte oder Broschüren der Initiativen zur Verfügung gestellt.

Geeignete Beispiele sind unter anderem: 

  • "Zu gut für die Tonne": Die Kampagne des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft wirbt für einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln im Haushalt. 
  • "Foodsharing": Die Plattform vernetzt Menschen, die "übrige" Lebensmittel mit anderen teilen möchten. 
  • "Die Tafeln": Die Tafeln sammeln "überschüssige" Lebensmittel und geben sie an Bedürftige weiter.
  • "Food fighters": Profiköche kochen mit Resten.
  • "The Good Food": Ein Marktstand und Laden "rettet" Lebensmittel bei Landwirten oder Läden und bietet sie gegen eine Spende an. 

Gegebenenfalls erhalten die Gruppen Leitfragen für die Recherchen:

1. In welchem Bereich setzt die Initiative an? (zum Beispiel in Haushalten, im Handel et cetera)

2. Welche Argumente werden gegen das typische Wegwerfverhalten genannt?

3. Wie sollte mit Lebensmitteln umgegangen werden? 

Die Klasse trägt die Ergebnisse zusammen. In der Abschlussdiskussion werden die Ergebnisse zu den Leitfragen bewertet:

1. Welcher Bereich ist besonders relevant, um etwas gegen die Verschwendung zu tun?

2. Welche Argumente gegen das Wegwerfen sind besonders überzeugend?

3. Welche alternative Nutzung der Lebensmittel ist besonders überzeugend?

Gegebenenfalls werden zum Abschluss auf Grundlage der Ergebnisse Tipps für den Alltag formuliert. Alternativ formulieren die Schüler/-innen jeweils einen persönlichen Vorsatz: "Um etwas gegen die Lebensmittelverschwendung zu tun, werde ich …"

Erweiterung

  • Je nach Möglichkeit wird der Ansatz einer der Initiativen selbst ausprobiert. Zum Beispiel fragen die Schüler/-innen zu Hause oder in Geschäften der Umgebung nach Resten und bereiten gemeinsam ein Essen zu.
  • Die Schüler/-innen recherchieren, in welchen Geschäften in der Umgebung Reste anfallen. Gegebenenfalls organisieren sie gemeinsam die Nutzung von Resten, zum Beispiel, indem sie die Verbindung zu Initiativen wie "Foodsharing" oder einer Tafel herstellen oder selbst dafür aktiv werden.
  • Die Schüler/-innen entwickeln eine Geschäftsidee, zum Beispiel für eine Schülerfirma, die auf dem "Retten" von Lebensmitteln basiert. Zum Beispiel ein "Reste-Bistro" in der Schule, eine Catering-Firma, Bioenergie oder Kompost aus Abfall et cetera. 
  • Auf der Grundlage von Infografiken und Datenmaterial führen die Schüler/-innen Hochrechnungen durch oder erstellen selbst Infografiken. Als Ausgangsmaterial oder Beispiel können Infografiken der Europäischen Umweltagentur oder der FAO dienen. 

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Informationen und Materialien

Hintergrund (1)

22.09.2016 | Gesundheit und Ernährung | Konsum
Teller mit Resteessen

Die Verschwendung von Lebensmitteln ist ein großes ethisches Problem – und sie belastet die Umwelt. Lebensmittelabfälle treten in der gesamten Herstellungskette auf, von der ursprünglichen Erzeugung bis hin zu den privaten Haushalten. Gleichzeitig wäre es leicht, einen großen Teil der Abfälle zu vermeiden. 

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