Wie wirkt sich die intensive Landwirtschaft auf die Artenvielfalt aus?

Mähdrescher im Einsatz
Sekundarstufe

Viele wildlebende Tier- und Pflanzenarten sind durch die intensive Landwirtschaft bedroht, insbesondere Insekten und Vögel. Eine große Rolle spielen dabei Monokulturen und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Gleichzeitig sichert die Landwirtschaft die Ernährung. Welche Möglichkeiten gibt es, moderne landwirtschaftliche Produktion mit dem Schutz der Artenvielfalt zu vereinbaren?

Kompetenzen und Ziele

Die Schüler/-innen …

  • lernen zentrale Merkmale der intensiven Landwirtschaft kennen, 
  • setzen sich mit dem Zusammenhang zwischen der intensiven Landwirtschaft und dem Rückgang der Artenvielfalt auseinander,
  • setzen sich mit Vor- und Nachteilen der intensiven Landwirtschaft auseinander,
  • schulen ihre Urteils- und Argumentationskompetenz durch die Entwicklung nachhaltiger beziehungsweise ökologisch und ökonomisch verträglicher Lösungsansätze,
  • erweitern ihre Präsentationskompetenz durch die Darstellung eigener Ergebnisse.

Umsetzung

Zum Einstieg bietet es sich an, aktuelle Diskussionen über die Landwirtschaft aufzugreifen. Zum Beispiel kann die Lehrkraft auf die öffentlichen Diskussionen über schädliche Wirkungen der Landwirtschaft auf die biologische Vielfalt hinweisen. Als Anlass können zum Beispiel Zeitungsartikel über das sogenannte Insektensterben oder aktuelle Debatten über Pflanzenschutzmittel dienen.

In Verbindung mit dem Anlass wird die Leitfrage vorgestellt: Wie hängt die Landwirtschaft mit der biologischen Vielfalt zusammen? Gegebenenfalls wird die Frage konkretisiert: Welche Folgen hat ein bestimmter Aspekt der Landwirtschaft für bestimmte Tier- und Pflanzenarten?

Die Lehrkraft zeigt den Schülern und Schülerinnen eine Bilderserie aus der Landwirtschaft. Auf den Fotos sind typische Wirtschaftsformen und Arbeitsprozesse der intensiven Landwirtschaft abgebildet. Die Lehrkraft fordert die Schüler/-innen auf, die Bilder zu beschreiben und Vermutungen zu den abgebildeten Nutzungsarten aufzustellen.

Dabei können die folgenden Aspekte aufgegriffen werden:

  • die enormen Ausmaße vieler landwirtschaftlicher Flächen,
  • der Nutzen der großen Anbauflächen,
  • Vergleich mit landwirtschaftlichen Betrieben in der Umgebung, 
  • Wandel der landwirtschaftlichen Produktion im Vergleich früher und heute.

Im Verlauf der Diskussion werden gegebenenfalls Begriffe geklärt. Als Ergebnis sollten folgende zentrale Punkte festgehalten werden:

  • Die Landwirtschaft ist geprägt von der sogenannten intensiven Wirtschaftsweise. Dabei steht das Ziel im Vordergrund, einen möglichst hohen Ertrag pro Flächeneinheit oder Nutztier zu erreichen.
  • Die intensive Landwirtschaft ist durch einen hohen Einsatz von Technik und Energie gekennzeichnet.
  • Die intensive Wirtschaftsweise ermöglicht im historischen Vergleich beziehungsweise im Vergleich mit extensiven Formen der Landwirtschaft sehr hohe Erträge.

Anschließend werden den Schülern und Schülerinnen die Materialien ausgehändigt. Mithilfe der Materialien informieren sie sich über wichtige Begriffe und Merkmale verschiedener Wirtschaftsweisen. Zudem sind in Form von Diagrammen und Tabellen grundlegende Daten zur landwirtschaftlichen Produktion enthalten.

Die Schüler/-innen erhalten den Auftrag, die Informationen zu analysieren. Sie sollen Vor- und Nachteile ermitteln, die sich aus verschiedenen Produktionsweisen ergeben. Diese können zum Beispiel in Form einer Tabelle zusammengefasst werden (siehe unten). Gegebenenfalls können bei der Bearbeitung der Materialien die Perspektiven verschiedener Akteure eingenommen werden wie zum Beispiel: 

  • Landwirt, der intensive Landwirtschaft betreibt,
  • Öko-Landwirt,
  • Naturschützer/-in.

Im Anschluss werden die Ergebnisse vorgestellt und an der Tafel/am Whiteboard in Form einer Tabelle festgehalten:

Mögliche Argumente für die intensive Landwirtschaft Mögliche Argumente gegen die intensive Landwirtschaft
  •  hohe Erträge, Sicherung der Ernährung vieler Menschen
  • Pflanzenschutzmittel wirken nicht nur auf Schädlinge giftig, sondern auch auf andere wildlebende Arten (darunter “Nützlinge” wie Bienen)
  • Vermeidung von Ernteausfall durch Schädlinge
  • Bestandsrückgänge einzelner Arten können Ökosysteme stören (zum Beispiel, indem Nahrungsnetze unterbrochen werden)
  • Sicherung einer hohen und gleichbleibenden Qualität der Erzeugnisse
  • Veränderung des Landschaftsbildes und dadurch Zerstörung von Lebensräumen und Rückzugsmöglichkeiten wildlebender Arten
  • Übermäßiger Gebrauch von Düngemitteln schadet unter anderem Ökosystemen und der Grundwasserqualität
  • Unangemessene Bearbeitung des Bodens kann zu Erosion führen

Dabei sollte die Lehrkraft darauf hinweisen, dass der Rückgang der Artenvielfalt sich nicht ausschließlich auf die intensive Landwirtschaft zurückführen lässt. Vielmehr verändern sich die Bestände wildlebender Arten auch durch andere Einflüsse. Weitere wichtige negative Einflüsse durch den Menschen sind:

  • Zerschneidung von Lebensräumen zum Beispiel durch den Bau von Straßen und Siedlungen,
  • Flächenversiegelung, 
  • Lärm- und Schadstoff-Emissionen.

Darüber hinaus können sich nicht nur durch den Menschen hervorgerufene, sondern auch natürliche Einflussfaktoren negativ auf den Rückgang bestimmter Tier- und Pflanzenarten auswirken. Auch klimatische Einflüsse wie besonders kalte Winter oder gering ausfallende Niederschläge können die Artenvielfalt beeinträchtigen.

Und auch die Ausbreitung von Krankheiten, eine Zunahme der Fressfeinde oder ein zurückgegangenes Nahrungsangebot kann zum Rückgang oder sogar zum Aussterben einer Art führen.

Zum Abschluss setzen sich die Schüler/-innen mit der folgenden Fragestellung auseinander: Wie könnte die Landwirtschaft verbessert werden, sodass die derzeitige Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten besser geschützt werden kann?

Der Lösungsansatz sollte möglichst nachhaltig sein: Neben dem Ziel, die Natur zu schützen beziehungsweise die Artenvielfalt zu erhalten, sollten gleichzeitig die Ernährung vieler Menschen und die ökonomische Existenz der Landwirte sichergestellt werden. Dabei reflektieren die Schüler/-innen auch ihr eigenes Verhalten: Wie können sie selbst als Verbraucher/-innen zu einer Lösung des Problems beitragen?

Erweiterung

  • Ergänzend zu der Unterrichtseinheit bietet sich ein Filmbeitrag des Umweltbundesamtes an: Landwirtschaft mit Zukunft - unser Film
  • Im Anschluss kann ein Vergleich zwischen “konventioneller” Landwirtschaft und Ökolandbau stattfinden. Dabei kann herausgearbeitet werden, wie sich Ökolandbau von konventioneller Landwirtschaft unterscheidet. Hintergrundinformationen und Unterrichtsvorschläge finden sich im Thema der Woche Lebensmittel: Ist das Bio?
  • Zur Vertiefung können die Schüler/-innen Referate über einige Tierarten halten, die durch die Landwirtschaft bedroht sind (wie zum Beispiel die Feldlerche oder Wildbienen).
  • Die Internetseite www.oekolandbau.de bietet Anregungen für Projektarbeiten und Stationenlernen zum Thema Ökolandbau.
  • Das Thema eignet sich auch für eine Podiumsdiskussion. Dazu nehmen die Schüler/-innen die Perspektive der unterschiedlichen Akteure ein.
  • Mithilfe von Fotos, Karten oder Satellitenbildern können unterschiedliche Formen der Landnutzung miteinander verglichen werden (Beispiele: extensive Weidewirtschaft/Streuobstwiese, Bio-Landwirtschaft, intensive Landwirtschaft, Nationalpark …). Die Schüler/-innen können dabei mithilfe von interaktiven Karten gezielt nach unterschiedlichen Landnutzungen recherchieren, wie zum Beispiel einem Biosphärenreservat und einer intensiv landwirtschaftlich genutzten Fläche. Dabei können sie auch ihre eigene Umgebung mit einbeziehen.

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Informationen und Materialien

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Auf einem Getreidefeld werden Pflanzenschutzmittel versprüht.
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