Wohin mit dem hochradioaktiven Abfall?

Transportbehälterlager im Zwischenlager in Gorleben

Im Jahr 2011 hat Deutschland den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen. Doch wo die hochradioaktiven Abfälle aus den Kraftwerken für sehr lange Zeit sicher gelagert werden können, ist bis heute nicht geklärt. Die Suche nach einem Endlagerstandort sorgte jahrzehntelang für teilweise heftige politische Auseinandersetzungen. Nach dem Inkrafttreten der zweiten Fassung des Standortauswahlgesetzes im Mai 2017 kann die eigentliche Suche beginnen. Welche Kriterien muss ein Endlager erfüllen, und warum ist die Suche nach einem Standort so umstritten?

[Die Inhalte des Wochenthemas wurden ursprünglich im Juni 2013 erstellt und im November 2019 überarbeitet.]

Informationen und Materialien

Didaktischer Kommentar

Die Diskussionen um die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle stehen in einem größeren Zusammenhang: Sie sind Teil der gesellschaftlichen Auseinandersetzung um die Nutzung der Kernenergie. Entsprechend kontrovers wird auch die Standortsuche für ein Endlager diskutiert. Das Unterrichtsthema ist insbesondere für höhere Klassenstufen von Interesse, kann jedoch auch mit jüngeren Schülern/Schülerinnen behandelt werden, falls diese bereits über die Medien oder ihr soziales Umfeld davon erfahren haben. Wenn im Rahmen von Themen der Energieversorgung eine entsprechende Vorarbeit geleistet wurde, kann das Thema Endlagersuche gut hieran anschließen.

Durch die Endlagerung von radioaktivem Abfall beeinflusst der Mensch nachhaltig seine Umwelt über einen sehr langen Zeitraum. Zudem müssen bei Entscheidungen verschiedene, oftmals gegensätzliche Argumente abgewogen werden. Die Ergebnisse aus den Unterrichtsvorschlägen können die Schüler/-innen daher gewinnbringend einsetzen, um auch andere Einflüsse des Menschen auf die Umwelt zu analysieren und zu bewerten sowie um unterschiedliche Argumente im Zusammenhang mit Umweltthemen abzuwägen.

Sekundarstufe

Die Leitfrage des Unterrichts lautet: Welche Anforderungen werden an Endlager für hochradioaktive Abfälle gestellt, und worin sind diese begründet?

In der Sekundarstufe ist das Thema Endlagersuche gerade wegen der Kontroversen und der Präsenz in der Öffentlichkeit ein attraktiver Gegenstand für den Unterricht, sofern bei den Schülern/Schülerinnen eine ausreichende Reflexionsfähigkeit besteht. Der hier skizzierte Unterrichtsvorschlag zielt darauf, die Hintergründe der Standortsuche für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle zu erarbeiten. Auf diese Weise wird vermittelt, wie komplexe politische Prozesse und gesellschaftliche Streitfragen heruntergebrochen werden können.

Zudem soll vermittelt werden, dass beim vorliegenden Thema sowohl naturwissenschaftliche als auch politische und soziale Argumentationen eine Rolle spielen und berücksichtigt werden müssen. Auf diese Weise lernen die Schüler/-innen, interdisziplinär zu arbeiten. Es bietet sich daher an, das Thema fächerübergreifend zu behandeln: Aspekte der Strahlung und des Strahlenschutzes oder die Funktionsweise der Nutzung von Kernenergie können im Fach Physik erörtert werden, während die diversen Aspekte des gesellschaftlichen Diskurses um die Endlagerung in Gesellschaftslehre, Politik oder Geografie thematisiert werden. Im Fach Ethik/Philosophie können die Schüler/-innen die Bedeutung des radioaktiven Mülls für zukünftige Generationen diskutieren und im Rahmen des Deutschunterrichts eigene Argumente und Urteile zur Thematik entwickeln.

Viele Lehrpläne behandeln das Thema Energie und beinhalten Fragen der Energieversorgung. An dieser Stelle kann auch der vorgestellte Unterrichtsvorschlag beispielhaft eingesetzt werden. Die Themen Kernenergie und Endlagerung können in Verbindung mit erneuerbaren und fossilen Energien behandelt werden, damit die Schüler/-innen verschiedene Formen der Energiegewinnung kennenlernen und miteinander vergleichen können. Auch an die Inhaltsfelder zu Umweltkonflikten und Nachhaltigkeit kann das Thema angeknüpft werden. Generell ist das Thema auch für viele Schüler/-innen präsent, die in Regionen in der Nähe von Kernkraftwerken, Zwischenlagern und potenziellen Endlagern leben.

Grundschule

Die Leitfrage lautet: Was sind Endlagerstätten für hochradioaktiven Abfall und welche Besonderheiten haben sie?

Schüler/-innen im Grundschulalter erfahren über Medien oder Diskussionen im Familien- und Bekanntenkreis, dass es Kernenergie, Radioaktivität oder "strahlende Abfälle" gibt. Auch das Symbol für Radioaktivität ist vielen Schülern/Schülerinnen bekannt. In Regionen in der Nähe von Kernkraftwerken, Zwischenlagern oder potenziellen Endlagern sind Schüler/-innen teilweise sehr stark mit der Thematik konfrontiert.

Der skizzierte Unterrichtsvorschlag soll es Lehrkräften erleichtern, Fragen der Schüler/-innen aufzugreifen und eine altersgemäße und sachgerechte erste Auseinandersetzung mit dem Thema zu ermöglichen.

Eine Umsetzung bietet sich vor allem im Sachunterricht an, aber auch fächerübergreifend. So kann das Thema verknüpft werden mit Inhaltsfeldern wie "Umwelt und Gesellschaft", "Konflikte" oder "Nachhaltigkeit". Der Einsatz im Deutschunterricht ermöglicht es, dass die Schüler/-innen anhand der Thematik lernen, eine Position argumentativ zu verteidigen.

Verwandte Themen bei Umwelt im Unterricht

Tschernobyl und Fukushima: Wie gefährlich ist Radioaktivität? (4/2016)
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Weitere Materialien

Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE): suche:x – Die Suche nach dem Endlager (2019 – Broschüre)
Mit der Broschüre suche:x informiert das BfE über alle wichtigen Themen rund um die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle. Auf wenigen Seiten komprimiert stellt das BfE hier Basiswissen zur Verfügung.

Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE): Website der multimedialen Endlagerausstellung
Die multimediale Ausstellung gibt einen Überblick über die unterschiedlichen Aspekte der Lagerung radioaktiver Abfälle und das Standortauswahlverfahren.

Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): Strahlung und Strahlenschutz (2019, Info-Broschüre)
Was versteht man unter Radioaktivität? Was ist eigentlich Strahlung? Was ist eine Dosis? Wie wirkt Strahlung? Die Broschüre gibt Informationen zum Schutz von Mensch und Umwelt vor möglichen schädlichen Wirkungen der Strahlung.

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Man sieht sie nicht, und man spürt sie nicht: Strahlung. Dennoch ist der Mensch immer einer Strahlenbelastung ausgesetzt. Doch was sind überhaupt Radioaktivität und Strahlung? Dieser Film klärt auf.

Hintergrund (1)

07.11.2019 | Energie | Gesundheit und Ernährung

Der Umgang mit radioaktiven Abfällen war über Jahrzehnte immer wieder Anlass gesellschaftspolitischer Konflikte. Und gerade die Endlagerung der besonders gefährlichen hochradioaktiven Abfälle ist noch immer ungelöst. Ein neues Gesetz aus dem Jahr 2017 für die Auswahl eines Standortes für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle soll dies ändern.

Wie funktioniert das neu festgelegte Verfahren? Was kennzeichnet radioaktive Abfälle, und was sind die technischen Anforderungen für eine sichere Endlagerung? Wie kann sich die Öffentlichkeit an der Entscheidungsfindung für ein Endlager beteiligen?

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Unterrichtsvorschläge (2)

07.11.2019 | Energie | Gesundheit und Ernährung
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07.11.2019 | Energie | Gesundheit und Ernährung
Grundschule

"Strahlender Abfall", "Streit um mögliches Endlager", "Kernkraftwerke werden abgerissen": Über die Medien oder Diskussionen im persönlichen Umfeld nehmen auch Grundschulkinder derartige Schlagzeilen wahr und werden so mit dem Thema Endlagersuche konfrontiert. Mithilfe der Lehrkraft formulieren sie Fragen zur Nutzung und zu Gefahren von Radioaktivität. Zudem diskutieren sie vereinfachte Möglichkeiten, wie radioaktiver Müll gelagert werden kann, zum Beispiel: Warum schießen wir radioaktive Abfälle nicht ins Weltall?

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07.11.2019 | Energie | Gesundheit und Ernährung
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07.11.2019 | Energie | Gesundheit und Ernährung
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