Veröffentlicht auf Umwelt im Unterricht: Materialien und Service für Lehrkräfte – BMU-Bildungsservice (http://www.umwelt-im-unterricht.de)

19.11.2020 | Unterrichtsvorschlag

Ein Recht auf gutes Leben

Sekundarstufe

Die Schüler/-innen sammeln allgemeingültige Voraussetzungen, um gut und glücklich leben zu können. Dafür interpretieren sie Zitate berühmter Persönlichkeiten über das Glück sowie Bilder über ein gutes Leben. Zudem reflektieren sie ihre individuellen Vorstellungen und tauschen sich darüber aus. Darauf basierend entwickeln sie Ideen, was verändert werden muss, um das individuelle und gesellschaftliche Wohlbefinden zu steigern.

Kompetenzen und Ziele

Die Schüler/-innen …

  • erörtern die Idee eines "guten Lebens" und reflektieren individuelle Definitionen von Glück,
  • entwickeln ihre Methodenkompetenz durch das Erstellen und Clustern einer Mindmap,
  • verbessern ihre Sprachkompetenz durch die Interpretation von Zitaten,
  • fördern ihre Kommunikations- und Sozialkompetenz, indem sie die Bedürfnisse ihrer Mitschüler/-innen und anderer Menschen nachvollziehen und sich darüber im Plenum austauschen,
  • verbessern ihre Handlungskompetenz, indem sie Lösungsansätze für ein gutes Leben entwickeln.

Umsetzung

Einstieg

Die Leitfragen der Unterrichtseinheit lauten:

  • Was sind allgemeingültige Voraussetzungen für ein gutes Leben?
  • Wie kann das Wohlbefinden einer Gesellschaft gesteigert werden?

Zum Einstieg in den Unterricht dient die Frage "Was brauchen wir, um gut und glücklich leben zu können?" Als Impuls können – je nach Lernniveau – ein Foto oder Zitate zum Thema verwendet werden.

  • Foto oder Illustration: Die Lehrkraft zeigt die Bilderserie Glücksmomente. Alternativ kann eine Illustration zum Thema gezeigt werden (siehe nachfolgende Abbildung).
  • Zitate: Die Lehrkraft stellt verschiedene Zitate zum Thema Glück und gutes Leben vor. Geeignete Zitate finden sich in den Materialien. Es sollten drei oder vier unterschiedliche Zitate ausgewählt werden. Zum Beispiel: "Neun Zehntel unseres Glücks beruhen allein auf der Gesundheit." (Arthur Schopenhauer) oder "Das Glück gehört den Genügsamen." (Aristoteles)

Illustration (optional):

(Klicken, um Vergrößerung anzuzeigen)

Zudem wird die Frage "Was brauchen wir, um gut und glücklich zu leben?" an der Tafel/dem Smartboard so notiert, dass sie im weiteren Verlauf als Mittelpunkt einer Mindmap dienen kann. Zusätzlich werden vier Kategorien auf der Mindmap vermerkt: "Dinge", "Erlebnisse", "Orte", "Personen".

Die Lehrkraft fordert die Schüler/-innen auf, die Fotos beziehungsweise die Zitate zu betrachten und Meinungen zur Frage zu äußern. Die Beiträge werden notiert (Stichworte) und den Kategorien der Mindmap zugeordnet.

Arbeitsphase

Die Schüler/-innen erhalten die Aufgabe, zu ermitteln, was Menschen brauchen, um gut leben zu können. Dabei gehen sie von eigenen Erfahrungen aus, die sie anschließend genauer untersuchen.

Sie erhalten den Auftrag, in Partnerarbeit persönliche Glücksmomente zu beschreiben – mindestens einen zu den Kategorien "Dinge", "Erlebnisse", "Orte", "Personen". Sie formulieren die Beschreibungen zum Beispiel, indem sie den Satz fortsetzen: "Ich habe mich besonders glücklich gefühlt, als …"

Die Ideen werden in mehreren Schritten gesammelt:

  1. Die Schüler/-innen notieren ihre eigenen Ideen (zum Beispiel auf Papier, mit rotem Stift).
  2. Die Schüler/-innen tauschen sich mit einem Partner/einer Partnerin aus und ergänzen die Ideen des anderen (grüner Stift).
  3. Die Schüler/-innen tauschen sich im Plenum aus. Die Ideen der Mitschüler/-innen werden notiert (blauer Stift), während die Lehrkraft die Ideen auf der Mindmap an der Tafel/dem Smartboard vermerkt.

Im Unterrichtsgespräch reflektiert die Klasse gemeinsam verschiedene Beiträge in der Mindmap. Dabei werden folgende Fragen diskutiert:

  • Geht es bei dem Beitrag um persönliche Vorlieben (zum Beispiel Musik, Sport, Hobbys)?
  • Würden alle Menschen in diesem Zusammenhang von einem "guten Leben" sprechen?
  • Was sind die Voraussetzungen dafür, um den "Glücksmoment" erleben zu können? (zum Beispiel Nahrung, Gesundheit/medizinische Versorgung, intakte Natur, Sicherheit)

Um weitere Denkanstöße für die letzte Fragen zu erhalten, können die Schüler/-innen erneut die Bilderserie Bilderserie Glücksmomente betrachten.

Abschluss

Basierend auf den Ergebnissen überlegen die Schüler/-innen, welche Voraussetzungen für ein gutes Leben so fundamental sind, dass man sie als grundlegende Menschenrechte (oder als Staats- beziehungsweise Entwicklungsziele) formulieren könnte, zum Beispiel Recht auf Zugang zu sauberem Wasser.

Sie betrachten die gesammelten Voraussetzungen und bewerten diese. Dazu können folgende Fragen gestellt werden:

  • Könnte man auf diese Voraussetzungen auch verzichten?
  • Welche der Voraussetzungen sind für alle Menschen wichtige Voraussetzungen für ein gutes Leben?

Die wichtigsten allgemeingültigen Voraussetzungen für ein gutes Leben werden in der Mindmap markiert. Bei Bedarf ergänzt die Lehrkraft zentrale Aspekte: Freiheit, intakte Umwelt, Sicherheit, menschenwürdiges Wohnen, Zugang zu sauberem Wasser, Gerechtigkeit, Eigentum, Gesundheit, Mitbestimmung, Bildung.

In diesem Zusammenhang kann die Lehrkraft die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals) ansprechen. Auch das Konzept des Bruttonationalglücks, des Human Development Index oder des Nationalen Wohlfahrtsindex können als Alternative zum Bruttoinlandsprodukt als Wohlstandskonzept eines Staates vorgestellt werden (siehe Hintergrundtext).

Abschließend resümieren die Schüler/-innen im Plenum:

  • Was könnte in der Gesellschaft verändert werden, um allen Menschen Wohlstand und ein gutes Leben zu ermöglichen?
  • Was kann jeder/jede selbst in seinem/ihrem Leben ändern, um mehr Glück und Wohlbefinden zu erfahren oder sein/ihr Glück mit anderen zu teilen?

In einem abschließenden Partnergespräch können die Schüler/-innen jeweils einen Schritt definieren, mit dem sie ihr eigenes Leben besser und glücklicher gestalten wollen.

Erweiterung

  • Der Abschluss der Unterrichtseinheit kann genutzt werden, um die Bedeutung materieller "Dinge" als Voraussetzung für Wohlbefinden zu diskutieren. Dabei kann auch die Mindmap genutzt werden. Mögliche Fragestellungen sind zum Beispiel: "Wie viele Dinge braucht man, um glücklich zu sein?", "Ist Wohlbefinden käuflich?", "Welche Folgen hat mein Konsum auf das Glück anderer Menschen?", "Sind wohlhabende Menschen automatisch glücklicher beziehungsweise sind ärmere Leute per se unglücklich?"
  • Die Schüler/-innen erstellen gemeinsam ein Spiel mit dem Titel "Anleitung zum Glück". Dafür formuliert jeder Schüler/jede Schülerin eine Glücksaufgabe ("Challenge") auf eine Karte, zum Beispiel: "Sieh dir einen Sonnenaufgang an." Alle Karten werden gemischt, jede/-r zieht eine Karte und versucht, diese (als Hausaufgabe) umzusetzen.
  • Die Methodensammlung "Bruttoinlandsglück" der Bundeszentrale für politische Bildung zielt auf eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema "Wirtschaft neu denken". Dabei geht es auch um die Fragen, wie Wohlstand gemessen werden kann, was ein gutes Leben umfasst und was die Zukunft bereithält. Auf der Grundlage selbst gewählter Elemente stellen die Schüler/-innen einen eigenen Indikator "Bruttoinlandsglück" zusammen.

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