Hintergrund

Ein einzigartiges Säugetier: die Fledermaus

Schild: "fledermausfreundlich"

Von Fledermäusen sind die Menschen schon immer fasziniert. Sie sind die einzigen Säugetiere, die fliegen können. Mit ihren hochspezialisierten Sinnen sind sie perfekt an ihre Lebensweise angepasst. Doch durch den Einfluss des Menschen sind sie in ihrem Bestand bedroht. Sie finden immer weniger Lebensräume und Nahrung.

Jedes Jahr am letzten Wochenende im August ist "Batnight", die internationale Nacht der Fledermäuse. Umweltorganisationen in mehr als 30 Ländern bieten dann Exkursionen an oder informieren mit Ausstellungen und Präsentationen über die seltenen Tiere. Eine Übersicht der bundesweiten Veranstaltungen rund um die "Batnight" am 25./26. August 2012 findet sich beim NABU e. V.

Fledermäuse gehören mit den Flughunden zu der sehr alten Säugetiergruppe der Chiroptera, den Handflüglern. Sie sind damit die einzigen Säugetiere, die fliegen können , und bilden mit weltweit etwa 950 Arten nach den Nagetieren die zweitgrößte Säugetierordnung der Welt. Der nächste noch lebende Verwandte der Fledermäuse ist der Igel. Es wird angenommen, dass Fledermäuse von kleinen nachtaktiven Insektenfressern abstammen, die im Sprung ihrer Beute nachstellten. Im Laufe der Evolution entwickelte sich aus diesem Springen ein Gleiten und daraus wiederum die Fähigkeit zu fliegen.

Fledermäuse in Deutschland

In Deutschland sind mehr als 20 verschiedene Fledermausarten heimisch , die jeweils unterschiedliche Quartiere bevorzugen. Die sogenannten Waldfledermäuse wie Abendsegler und Fransenfledermäuse bevorzugen alte Baumhöhlen, Risse oder Rindenspalten. Die Hausfledermäuse, zu denen das Mausohr oder die Zwergfledermaus (die kleinste heimische Fledermaus) gehören, beziehen lieber Dachstühle, Giebel, Wandverkleidungen und andere Hohlräume.

Fledermäuse haben nur wenige natürliche Feinde wie Eulen und Marder. In ihrem Bestand sind die nachtaktiven Tiere dennoch gefährdet: durch den Einfluss des Menschen. Einseitigere sowie intensivere Landwirtschaft hat dazu geführt, dass das Angebot an bestimmten Beutetieren wie größeren Nachtfaltern, Fluginsekten oder Käfern geringer geworden ist. Die auf diese Nahrung spezialisierten Fledermausarten haben Schwierigkeiten, Nahrung in ausreichender Menge zu finden. Sie sind daher aus vielen ihrer ursprünglichen Lebensräume verschwunden.

Kein Unterschlupf

Fledermäuse bekommen zudem indirekt den Einsatz von Umweltgiften zu spüren. Sie nehmen sie über ihre Nahrung auf und speichern sie in ihrem Fettgewebe. Wachen die Tiere dann etwa aus ihrem Winterschlaf auf, werden diese Fettreserven verbraucht; das darin konzentrierte Gift gelangt in den Organismus und kann tödlich wirken.

Hinzu kommt, dass die Tiere nicht mehr so leicht einen Unterschlupf finden. Besonders das höhlenreiche Altholz wurde früher gezielt aus dem Wald entfernt. Alte Bergwerksstollen und Keller werden zugeschüttet, Höhlen für Schauzwecke ausgebaut. Auch auf Dachböden gelangen die Tiere heute nur noch schwer, denn Hohlwände werden ausgeschäumt und Fugen versiegelt. Und auch die dort verwendeten Holzschutzmittel können die Tiere vergiften. Die Folge all dieser Belastungen und Gefährdungen ist, dass 14 der hier vorkommenden Fledermausarten vom Aussterben bedroht sind. Da Fledermäuse eine sehr niedrige Fortpflanzungsrate haben (die meisten Arten gebären nur einmal im Jahr ein einzelnes Jungtier) und der Nachwuchs nur in sicherer Umgebung zur Welt kommt, sind die Quartiere auch für die Bestandssicherung elementar.

Harmlose Insektenvernichter

Auch wenn Fledermäuse seit jeher als Vorlage düsterer Schauermärchen und finsterer Gruselfilme dienen – Dracula ist dafür nur ein Beispiel –, ein Grund zum Fürchten sind sie nicht. Tatsächlich ernähren sich nur drei in Südamerika lebende Arten von Blut. Diese sogenannten Vampirfledermäuse suchen etwa auf den Rücken von Pferden oder Rindern nach gut durchbluteten Stellen, die nicht zu sehr behaart sind. Da ihr Speichel betäubend wirkt, können die Fledermäuse unbemerkt zubeißen und lecken zirka 20 bis 30 Milliliter Blut. Wenn überhaupt besteht für die gebissenen Tiere insofern eine Gefahr, als dass die Fledermäuse auf diesem Wege Krankheiten übertragen können.

Die meisten Fledermausarten ernähren sich allerdings von Mücken, Fliegen, Faltern und Käfern und sind damit wahre Insektenvernichter. Gefressen werden aber auch Spinnen und Hunertfüßler. Eine Fledermaus frisst pro Nacht eine Insektenmenge, deren Gewicht etwa einem Drittel, manchmal auch bis zur Hälfte ihres eigenen Körpergewichts entspricht. Bei der Wasserfledermaus, die 7 bis 17 Gramm wiegt , können es mehrere Tausend Mücken pro Nacht sein.

Den nächtlichen Luftraum teilen die Arten dabei unter sich auf: Wasserfledermäuse jagen nur dicht über der Oberfläche von Gewässern, Abendsegler jagen hoch über den Baumkronen, wieder andere sammeln Insekten vom Laub der Bäume und Büsche oder erhören das Rascheln von Laufkäfern auf dem Waldboden.

Ultraschall für die Nahrungssuche

Ein Merkmal haben alle Fledermäuse gemeinsam: die zu perfekten Flugorganen umgebildeten Arme und Hände, die mit den Hinterbeinen und dem Schwanz durch eine sehr elastische Flughaut verbunden sind. Da Fledermäuse die meiste Zeit ihres Lebens mit dem Kopf nach unten hängend verbringen, ist ihr Körper auch darauf eingestellt. Ein Mechanismus an den Fußgelenken verhindert das Herabfallen während des Schlafes, und ihr Blutkreislauf ist so aufgebaut, dass sich das Blut nicht staut. Zudem ist der Oberschenkelknochen um 180 Grad in seinem Gelenk verdreht. Dadurch zeigt das Knie nach hinten und die Fledermaus kann sich kopfüber aufhängen. Außerdem hilft diese Konstruktion beim Fliegen, etwa beim Spannen der Flughaut oder der Bewegungskoordination.

Zur Überlebensstrategie gehört auch, dass die Fledermäuse ihr Leben an die Nacht angepasst haben. So vermeiden sie die Konkurrenz der tagaktiven Vögel und sind anderen nachtaktiven Insektenfressern dadurch überlegen, dass sie als gewandte Flieger auch fliegende Beute machen. Das wichtigste Hilfsmittel ist dabei das Echolot. Dabei senden die Fledermäuse Laute über das Maul oder die speziell dafür ausgebildete Nase aus, die für den Menschen in der Regel nicht wahrnehmbar sind. Diese akustischen Signale werden von Beutetieren zurückgeworfen und über die Ohren der Fledermäuse aufgenommen. Auf diese Weise können sie nicht nur Ort, Richtung und Größe des reflektierten Objekts bestimmen, sondern erkennen auch plötzliche Wendungen eines Beutetieres.

Fledermäuse verfügen zudem über ein hervorragend ausgebildetes Ortsgedächtnis. So prägen sie sich innerhalb kürzester Zeit die Strukturen ihrer Umwelt ein und können sich daran orientieren. Das ist lebenswichtig, da sie so ihre Sinne voll auf das Beutetier konzentrieren können.

Fledermäuse brauchen Jagdreviere

Um genügend Nahrung zu finden sind Fledermäuse auf eine abwechslungsreich strukturierte, mit genügend Jagdrevieren ausgestattete Landschaft angewiesen. Fledermäuse zu schützen, heißt daher vor allem, bereits existierende Unterkünfte und Reviere zu schützen. Alter Baumbestand mit Höhlen sollte möglichst erhalten werden, und kleine Einflugschlitze zu Dachböden oder Kellern sollten offengehalten werden. Eine Alternative können Fledermauskästen im Garten sein. Hilfreich sind auch speziell angelegte Beete mit Blumen, die ihre Blüten in der Nacht öffnen. So lockt etwa der Duft von Nachtkerze, Lichtnelke, Nachtviole oder Minze, Salbei, Thymian und Zitronenmelisse Falter und andere Insekten an, die den Fledermäusen als Nahrung dienen.

Fledermäuse beobachten

Die häufigeren Fledermausarten kann auch ein Laie anhand charakteristischer Merkmale gut erkennen. Allerdings ist es gar nicht so leicht, sie überhaupt zu entdecken. Wer sich aber auf den Lebensrhythmus der nachtaktiven Tiere einstellt, kann sie hervorragend bei ihren Aktivitäten beobachten. Im Gegensatz zu anderen Säugetieren lassen sich Fledermäuse durch die Anwesenheit von Menschen nicht stören. Tipps zur Beobachtung finden sich zum Beispiel auf der Website des NABU e. V.

Während die etwa amselgroßen Abendsegler schon in der Dämmerung über die Baumkronen auf der Suche nach Großinsekten fliegen, verlassen andere Arten erst in der Dunkelheit ihr Quartier. Einige Arten finden sich in der Nähe von Laternen, weil deren Licht Insekten anlockt. Vor allem bei Wasserfledermäusen ist es möglich, ihre Flugmanöver mit Handscheinwerfern sichtbar zu machen. Diese Tiere jagen meist dicht über der Wasseroberfläche. Allerdings reagieren sie auf das Licht empfindlich, es sollte mit Rotlichtfolie abgedämpft werden.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, den Ein- bzw. Ausgang zu einem Unterschlupf zu beobachten. Die meisten Fledermäuse kehren kurz vor Beginn der Morgendämmerung in ihr Quartier zurück. Bevor sie einfliegen, schwärmen sie um die Öffnung des Quartiers, sodass man Dutzende von Fledermäusen gleichzeitig sehen kann, bevor sie in ihrem Unterschlupf verschwinden.

Weiterführende Links

NABU: Infoblatt Fledermäuse
https://www.nabu.de/ratgeber/fledermaeuse.pdf

UN-Umweltschutzprogramm: Internationales Jahr der Fledermaus 2011-2012
www.yearofthebat.org

Bundesamt für Naturschutz: Fledermausschutz in Europa
http://www.bfn.de/0302_eurobats.html

Kinder-Umweltmagazin des Bundesamtes für Naturschutz: Fledermäuse – fliegen mit den Händen
http://www.naturdetektive.de/fileadmin/MDB/documents/service/kinatschu-sommer-screen.pdf

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