Konsum & Wirtschaft
Zum Wegwerfen gebaut?
Hert Niks, kamera-mobiltelefon-handy-gerate, pexels
- Was ist der Anlass?
- Warum ist die Lebensdauer von Elektronik- und Elektroprodukten wichtig?
- Wie verändert sich die Verbreitung von Elektronikprodukten?
- Tabelle: Ausstattung privater Haushalte im Zeitvergleich
- Neue Technologien, neue Medien, neue Produkte
- Material oder Mode: Gründe für den Neukauf
- Welche Rolle spielen die Unternehmen?
- Welche Lösungsmöglichkeiten gibt es?
- Die R der Nachhaltigkeit
- Weiterführende Links
Was ist der Anlass?
Seit einigen Jahren gibt es vermehrt Hinweise darauf, dass die Lebensdauer von elektronischen und elektrischen Produkten gesunken ist. Betroffen sind zum Beispiel Laptops, aber auch Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen.
Im Juli 2024 wurde die Europäischen Richtlinie zum Recht auf Reparatur (Right-to-repair-Richtlinie) verabschiedet. Das Recht wird im Sommer 2026 in Deutschland als nationales Recht in Kraft treten. Hersteller werden dazu verpflichtet, Ersatzteile langfristig vorzuhalten und Reparaturleistungen für Haushalts- und Elektronikgeräte über mehrere Jahre hinweg zu angemessenen Preisen anzubieten.
Denn viele Produkte werden bei einem Defekt direkt gegen neue ausgetauscht, weil Reparaturen oft nur schwer möglich und daher sehr teuer sind. Ein Beispiel sind Smartphones, deren Akkus nicht oder nur mit sehr viel Aufwand ersetzt werden können. Wenn elektronische und elektrische Produkte nach kurzer Zeit gegen neue Geräte ausgetauscht werden, ist das nicht nur eine finanzielle Belastung für die Verbraucher:innen. Es schadet auch Umwelt und Klima.
Dieser Hintergrundtext gibt einen Überblick über Produktion, Nutzung und Regularien zum Thema. Er dient als ergänzende Grundlage für folgende Lernpfade auf „Umwelt im Unterricht“, um das Thema zu vertiefen:
- Primarstufe: Zum Wegwerfen gebaut?
- Sekundarstufe: Reparieren statt Wegwerfen!
Warum ist die Lebensdauer von Elektronik- und Elektroprodukten wichtig?
Aus Sicht der nachhaltigen Entwicklung ist die Lebensdauer beziehungsweise das Nutzungsverhalten bei Elektronik- und Elektroprodukten aus verschiedenen Gründen von Bedeutung. Insbesondere die Herstellung verbraucht Ressourcen, sie trägt zum Treibhausgasausstoß bei und ist mit weiteren Umwelt- sowie mit sozialen Problemen verbunden. Zudem müssen die Geräte aufwändig entsorgt werden.
Entlang der Produktionskette werden beträchtliche Mengen von Rohstoffen eingesetzt. Dazu zählen zum Beispiel Metallerze sowie Rohöl für die Herstellung von Kunststoffen. Auch die eingesetzte Energie muss berücksichtigt werden.
In Elektronik- und Elektroprodukten werden besonders wertvolle Rohstoffe verarbeitet. In Handys stecken neben verbreiteten Metallen wie Eisen, Kupfer, Aluminium und Zink auch seltene Stoffe wie Indium, Tantal und Gold.
Die Gewinnung und Verarbeitung der Rohstoffe sind mit großen Umweltschäden verbunden. Einige werden als „Konfliktrohstoffe“ bezeichnet, da sie vor allem in Regionen Zentralafrikas vorkommen, die von militanten Gruppen kontrolliert werden, die für schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind.
Wie verändert sich die Verbreitung von Elektronikprodukten?
Ein durchschnittlicher Haushalt besitzt heute so viele Elektronik- und Elektroprodukte wie nie zuvor. Elektronikprodukte wie Laptops, Smartphones, Smart-TVs, Spielekonsolen et cetera sind heute selbstverständlicher Bestandteil des Alltags. Manche der Geräte gab es vor wenigen Jahrzehnten noch nicht, andere waren früher sehr viel seltener.
Die nachfolgende Tabelle zeigt dies am Beispiel von Informations- und Kommunikationstechnik.
Tabelle: Ausstattung privater Haushalte im Zeitvergleich
| Produkt | Ausstattungsgrad in Prozent | |||
| 1998 | 2008 | 2018 | 2022 | |
| Personalcomputer (PC) gesamt | 38,7 | 75,4 | 90,4 | 92,0 |
| darunter mobile Computer gesamt | – (noch nicht erfasst) |
34,7 | 81,2 | 85,2 |
| darunter Laptop | – | – | 73,9 | 75,5 |
| Tablet | – | – | 47,5 | 55,0 |
| Mobiltelefon gesamt | 11,2 | 86,3 | 96,7 | 98,1 |
| Smartphone | – | – | 77,9 | 88,1 |
Quelle: Statistisches Bundesamt
Ähnlich verhält es sich im Bereich der Unterhaltungselektronik. Immer wieder kommen neuartige Produkte oder neue Produktgenerationen auf den Markt, die sich schnell verbreiten. Ein Beispiel sind Fernseher: In den 1990er-Jahren hatte bereits fast jeder Haushalt einen Fernseher, jedoch mit Röhrentechnik. Dann kamen Flachbildfernseher auf den Markt. Innerhalb kurzer Zeit ersetzten sie die alten Geräte. Mittlerweile sind Smart-TVs, die mit dem Internet verbunden sind, die Regel. Oft ersetzen sie auch DVD- und Blu-ray-Player, die sich die meisten Haushalte in den vergangenen Jahrzehnten angeschafft haben. Ähnliches passiert bei Digitalkameras, Spielekonsolen und Haushaltsgeräten. Dort verbreiten sich „smarte“ Geräte mit Internetverbindung wie Saugroboter.
Neue Technologien, neue Medien, neue Produkte
Viele Geräte werden bereits nach kurzer Zeit ausgetauscht – oft, obwohl sie noch funktionieren. Die Nutzungsdauer ist bei vielen Produkten wesentlich geringer als die technische Lebensdauer.
Ein Grund ist die hohe Innovationsgeschwindigkeit, insbesondere im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) und Unterhaltungselektronik. Die Digitalisierung und Vernetzung über das Internet haben in den vergangenen Jahrzehnten neue Arten von Produkten ermöglicht, die heute für die meisten Menschen eine zentrale Rolle bei der privaten und beruflichen Kommunikation einnehmen.
Gleichzeitig sinken die Preise für viele Produkte nach der Einführung erheblich.
Laut einer Untersuchung des Umweltbundesamtes werden Laptops und Flachbildschirme nach fünf bis sechs Jahren neu gekauft. Bei den Mobiltelefonen gibt es unterschiedliche Daten zur Nutzungsdauer.
Eine zunehmend wichtige Rolle spielt auch die Software. Wenn Hersteller keine Updates für die Steuerungssoftware mehr bereitstellen, können technisch einwandfreie Geräte unbrauchbar werden. Dieses Risiko ist besonders bei „smarten“ Geräten groß. Bei Smartphones ist es ein bekanntes Problem. Doch auch Saugroboter oder andere vernetzte Haushaltstechnik („Smart Home“) können betroffen sein.
Material oder Mode: Gründe für den Neukauf
Das Umweltbundesamt hat untersuchen lassen, welche Gründe dazu führen können, dass ein Produkt nicht mehr den Bedürfnissen des Nutzers beziehungsweise der Nutzerin entspricht. Die Fachleute sprechen von der sogenannten Obsoleszenz, der Alterung eines Produktes. Demnach können verschiedene Arten von „Alterung“ Konsument:innen dazu bewegen, etwas Neues zu kaufen:
- Werkstoffliche Obsoleszenz: Materialien und Bauteile sind nicht mehr leistungsfähig.
- Funktionale Obsoleszenz: Das Produkt wird den Anforderungen nicht mehr gerecht. Beispiel: Die Treiber-Software eines alten Druckers arbeitet nicht mehr mit dem neuen Betriebssystem des PCs zusammen.
- Psychologische Obsoleszenz: Das Produkt entspricht nicht mehr der Mode beziehungsweise den aktuellen technischen Trends. Es funktioniert zwar, wirkt aber veraltet.
- Ökonomische Obsoleszenz: Das Produkt lässt sich nicht mehr wirtschaftlich nutzen. Zum Beispiel, weil Wartung oder Reparatur zu teuer werden oder Zubehör nicht mehr verfügbar ist.
Welche Rolle spielen die Unternehmen?
Hersteller und Unternehmen tragen dazu bei, dass manche Produkte schon nach kurzer Nutzungsdauer ausgetauscht werden. Zum Beispiel sind bei Smartphones oder Laptops viele Teile nicht oder nur schwer austauschbar. Solche Geräte können kaum beziehungsweise gar nicht aufgerüstet werden. Auch eine Reparatur oder das Ersetzen defekter Teile ist kaum möglich.
Zum Beispiel ist bei vielen Handys der Akku fest verbaut, obwohl er ein zentraler Bestandteil ist, dessen Leistung aber mit der Zahl der Ladevorgänge langsam nachlässt. Gleichzeitig bringen große Hersteller häufig neue Geräte auf den Markt.
Hersteller und Handel werben aufwendig für die Neuheiten, und viele Mobilfunkanbieter bieten ihren Kund:innen regelmäßig neue Handys an.
Welche Lösungsmöglichkeiten gibt es?
Die Produktion verursacht im gesamten Lebenszyklus eines Smartphones die größten Umweltauswirkungen. Eine möglichst lange Nutzungsdauer ist daher besonders wichtig für die Umweltbilanz von Elektronikprodukten. Um dies zu erreichen, muss es attraktiver werden, defekte Geräte zu reparieren und funktionierende Geräte weiterzuverwenden, auch wenn sich die Technik weiterentwickelt.
Um dies zu erreichen, sind sowohl Hersteller als auch Konsument:innen gefragt. Einzelne Hersteller bieten ausdrücklich reparaturfreundliche Smartphones oder Geräte mit modularem Konzept an. Hier können zum Beispiel Akku und Display oder sogar die Kamera leicht ausgetauscht werden. Um die Reparaturfreundlichkeit von Geräten zu prüfen, eignet sich diese Website: https://de.ifixit.com/.
Das „Recht auf Reparatur“ schreibt vor, dass Produkte so gestaltet werden sollten, dass sie sich leichter reparieren lassen. Das bedeutet beispielsweise, dass sie mit herkömmlichen Werkzeugen zerlegt werden können, ohne dabei zerstört zu werden.
In den letzten Jahren gab es schon Fortschritte in der Ökodesign-Richtlinie der Europäischen Union. Seit 2012 müssen Hersteller von Kühlschränken, Spülmaschinen, Waschmaschinen, Fernsehern und anderen elektrischen Großgeräten Ersatzteile bereithalten, teilweise bis zu zehn Jahre lang.
Seit Juni 2025 müssen die Hersteller zudem unter anderem für Smartphones und Tablets bestimmte Ersatzteile wie Displays und Akkus für sieben Jahre zur Verfügung stellen sowie Reparaturinformationen mitliefern. Außerdem sollen Hersteller das Produkt künftig so gestalten, dass ein einfacherer Austausch von Komponenten möglich ist. Dadurch werden die Reparatur und die Wiederverwendung von gebrauchten Geräten erleichtert sowie das Recycling und die Ressourceneffizienz gestärkt.
Darüber hinaus sollen die Hersteller Software-Updates für fünf Jahre zur Verfügung stellen. Software-Updates dürfen außerdem nicht dazu führen, dass die Hardware beeinträchtigt wird. Zudem stärkt die neue Verordnung die Rechte von Unternehmen, die Smartphones und Tablets professionell wiederaufbereiten.
Erstmals wird auf dem EU-Energielabel auch ein Reparierbarkeits-Index gezeigt. Hersteller von Smartphones und Tablets müssen auf einer Skala von A bis E angeben, wie gut ihre Geräte reparierbar sind.
Die Bundesregierung will darüber hinaus Reparierbarkeitsindizes für weitere Produktgruppen einführen. Es soll leichter erkennbar werden, wie langlebig Produkte wirklich sind und ob zum Beispiel Einzelteile ausgetauscht werden können.
Die R der Nachhaltigkeit
Die R der Nachhaltigkeit bieten einen Leitfaden für einen bewussten Umgang mit Geräten und den eingesetzten Rohstoffen. Dies lässt sich besonders gut am Beispiel von Smartphones verdeutlichen:
- Reduce (Vermindern): Die Produktion neuer Geräte lässt sich durch langlebige Designs und bewussteren Konsum reduzieren. Eine längere Nutzung vorhandener Technik senkt die Nachfrage nach Rohstoffen und verringert die Menge an Elektroschrott.
- Repair (Reparieren): Eine reparaturfreundliche Gestaltung ermöglicht den Austausch defekter Komponenten wie Akkus oder Bildschirme. Dies maximiert die Lebensdauer der Hardware und vermeidet die vorzeitige Neuproduktion.
- Re-Use (Wiederverwenden): Geräte, die den eigenen Anforderungen nicht mehr entsprechen, können weitergegeben oder verkauft werden.
- Refurbish (Aufbereiten): Durch professionelle Reinigung, Software-Updates oder den Austausch von Verschleißteilen können gebrauchte Geräte in einen neuwertigen Zustand versetzt und so dem Nutzungskreislauf wieder zugeführt werden.
- Recycle (Recyceln): Dies ist der letzte Schritt, wenn eine weitere Nutzung ausgeschlossen ist. Durch fachgerechtes Recycling werden wertvolle Materialien zurückgewonnen, was die Abhängigkeit vom energieintensiven und oft umweltschädlichen Rohstoffabbau verringert.
Das Prinzip der fünf R der Nachhaltigkeit lässt sich auch noch weiter denken. Es gibt bis zu fünf weitere R’s, die den Umgang mit Rohstoffen umdenken. Mehr dazu zum Beispiel vom DIN Deutsches Institut für Normung e. V. “Modell der R-Strategien”.
Weiterführende Links
Umweltbundesamt: Von Kauf bis Entsorgung: Smartphones und Tablets nachhaltig nutzen
Umweltbundesamt: Elektroaltgeräte
Verbraucherzentrale Bundesverband: Studie zu Langlebigkeit von Produkten: Qualität zahlt sich aus
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