Mode – um jeden Preis?

Ware und Preisschilder in einem Kleidungsgeschäft
Sekundarstufe

Die Modebranche lockt mit Werbung und günstigen Preisen zu schnellen Käufen. Doch Umweltprobleme und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie stehen in der Kritik. Die Schüler/-innen setzen sich anhand von Medienberichten mit der Frage auseinander: Welche ökologischen und sozialen Auswirkungen hat "Fast Fashion"? Die Schüler/-innen reflektieren ihr eigenes Konsumverhalten und entwickeln Lösungsansätze für einen nachhaltigeren Umgang mit Textilien.

Ziele

Die Schüler/-innen …

  • setzen sich am Beispiel der Textilindustrie kritisch mit einem Phänomen des globalisierten Handels auseinander,
  • lernen unterschiedliche Stationen einer globalen Wertschöpfungskette kennen,
  • reflektieren ihren eigenen (Textil-)Konsum,
  • setzen sich selbstständig mit Umweltproblemen und sozialen Missständen in der Textilindustrie auseinander,
  • entwickeln Lösungsansätze für einen nachhaltigen (Textil-)Konsum.

Umsetzung

Zum Einstieg zeigt die Lehrkraft als Impuls Fotos, die das Phänomen "Fast Fashion" veranschaulichen. Der Begriff steht für den Trend in der Modebranche, dass schnell wechselnde Kollektionen zu günstigen Preisen vermarktet werden. Gleichzeitig wird Kleidung für viele Verbraucher/-innen zur Wegwerfware. Mehr Informationen finden sich im Hintergrundtext. Zudem enthält die Bilderserie Fotos von Protestaktionen gegen die problematischen Auswirkungen.

Die Schüler/-innen können anschließend zunächst frei assoziieren, was sie damit verbinden. Gegebenenfalls ergänzt die Lehrkraft Fragen:

  • Warum wird vor Modehäusern protestiert?
  • Wer hat selbst schon etwas von solchen Protesten oder Aktionen mitbekommen?

Die Lehrkraft stellt den Begriff "Fast Fashion" zur Diskussion und notiert ihn für alle sichtbar. Im Brainstorming sammeln die Schüler/-innen, wie sie den Begriff interpretieren und was sie dazu wissen.

Gegebenenfalls ergänzt die Lehrkraft, was das Phänomen kennzeichnet:

  • schnell wechselnde Kollektionen
  • möglichst günstige Kleidung
  • (global handelnde) Modeketten/-labels
  • Werbung
  • Konsum

Herstellung in Niedriglohnländern

Im Klassengespräch reflektieren die Schüler/-innen ihren eigenen "Modekonsum-Stil". Die Lehrkraft kann Fragen zur Diskussion stellen und gegebenenfalls zu einzelnen Punkten Umfragen per Handzeichen oder per Zuruf durchführen:

  • Wie häufig wünscht Ihr euch neue Kleidung? 
  • Worauf achtet ihr oder eure Eltern beim Einkauf? (zum Beispiel Preis, Aussehen, Qualität, Marke, Empfehlungen von anderen, bestimmte Siegel oder Standards wie Öko-Tex oder Fair Trade, Herstellungsland)

Insbesondere die Rolle des Preises sollte diskutiert und gegebenenfalls durch die Lehrkraft hervorgehoben werden. Günstige Preise sind ein zentrales Merkmal von "Fast Fashion". Daraus leitet sich die Leitfrage für die nachfolgende Arbeitsphase ab. Sie kann zum Beispiel in Anlehnung an den Dokumentarfilm "The True Cost" formuliert werden: "Was ist der wahre Preis für Mode"?

Im Folgenden setzen sich die Schüler/-innen mit den einzelnen Schritten der Produktion und Vermarktung auseinander, der sogenannten textilen Kette. Sie erhalten den Auftrag, die "wahren Kosten" entlang des Produktionsprozesses zu identifizieren. Damit sind Folgen wie Umwelt- oder soziale Probleme gemeint, die im Verkaufspreis nicht abgebildet werden.

Um einen ersten Eindruck der globalen Wertschöpfungskette zu bekommen, können die Schüler/-innen zunächst ihre eigene Kleidung überprüfen: 

  • Schaut euch die Etiketten eurer T-Shirts et cetera an: Wo wurde eure Kleidung produziert?

In der Regel finden sich Angaben wie China, Bangladesch und andere asiatische Länder.

In der Durchführungsphase erarbeiten die Schüler/-innen in Vierergruppen anhand von Arbeitsblättern eigenständig Ergebnisse zu den Schritten der textilen Kette.

Je nach Zeitbudget und technischer Ausstattung kann dies in Form von Stationenlernen erfolgen oder mit Hilfe von ausgewählten Medienbeiträgen.

Pro Gruppe werden vier unterschiedliche Texte verteilt. Jede/-r Schüler/-in notiert zunächst eigene Stichpunkte zu folgenden Fragen: 

  • Wo werden die unterschiedlichen Herstellungsschritte häufig durchgeführt, und warum gerade dort?
  • Welche Probleme treten dabei auf?
  • Welche Lösungsansätze werden genannt?
  • Ihre Ergebnisse halten die Gruppen mithilfe einer Vorlage (Link zu Materialien) auf jeweils einem Übersichtsplakat fest.  

Im Anschluss werden die Ergebnisse im Plenum diskutiert. Zum Ergebnistransfer werden dabei Antworten auf folgende Fragen gefunden und in Stichworten für alle sichtbar notiert:

  • Wie ist es möglich, dass Kleidungsstücke, die so viele Fertigungsschritte durchlaufen, im Laden nur wenige Euro kosten? (zum Beispiel T-Shirts)
  • Was ist in diesem Preis alles nicht enthalten?
  • Welche Lösungsansätze für eine nachhaltigere Textilproduktion gibt es?

Zum Abschluss werden die Ergebnisse im Plenum mit dem eigenen Konsumverhalten in Zusammenhang gebracht. Dazu werden zum Beispiel folgende Fragen gestellt:

  • Was kann jede/-r Einzelne tun, um diese zu unterstützen?
  • Wärt/Seid ihr selbst (oder eure Eltern) bereit, seltener und dafür teurere Kleidung zu kaufen?

Erweiterung

  • Als Alternative zum Einstieg bieten sich aktuelle Ereignisse oder Diskussionen an. Zum Beispiel sorgen Kampagnen wie die Aktion "DETOX" von Greenpeace immer wieder für Aufmerksamkeit. Zudem gibt es eine Reihe von Fernsehbeiträgen wie "Der Preis der Blue Jeans". Anfang 2016 ist der Kino-Dokumentarfilm "The True Cost" erschienen, der sich mit dem Phänomen "Fast Fashion" beschäftigt. Hierzu liegen Arbeitsmaterialien von Vision Kino vor.
  • Als Diskussionsanlass kann auch das kurze Video zu einem sozialen Experiment gezeigt werden: "The 2 Euro T-Shirt". Die Kampagne "Fashion Revolution" hat einen Verkaufsautomaten in der Öffentlichkeit aufgestellt und gefilmt, wie Passanten/-innen auf das Angebot reagieren, ein T-Shirt für nur zwei Euro zu kaufen.
  • Die Schüler/-innen untersuchen Modewerbung und setzen sich kritisch damit auseinander. Sie entwickeln ein Storyboard für einen Werbeclip, in dem für nachhaltige Kleidung geworben wird. Alternativ können sie eine Idee für eine öffentlichkeitswirksame Aktion entwickeln.
  • Die Materialien des Bundesumweltministeriums "Umweltfreundlich konsumieren" enthalten weitere Anregungen und Projektvorschläge.

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Informationen und Materialien

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