Ökosysteme & Biodiversität, Politik & Gesellschaft
Gesundheit: Warum wir eine intakte Umwelt brauchen
Kate, Pexels
Einleitung
Erst wenn wir krank werden, erkennen wir den Wert unserer Gesundheit. Doch Gesundheit bedeutet mehr als nur Freiheit von Krankheit; sie schließt auch seelisches und soziales Wohlbefinden ein. Sie bildet die Grundlage für Lebensqualität und ermöglicht uns, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Die medizinische Versorgung hat sich weltweit in vielen Bereichen verbessert. Zugleich führen vom Menschen verursachte Umweltveränderungen zu neuen Risiken. Landnutzung, Rohstoffgewinnung und Umweltverschmutzung verändern Ökosysteme. Sie gefährden unsere Lebensgrundlagen und schaffen neue Gesundheitsrisiken.
Dieser Hintergrundtext führt in ein großes Querschnittsthema ein. Anhand konkreter Beispiele zeigt er, wie menschengemachte Umweltveränderungen die Gesundheit beeinflussen. Im Mittelpunkt stehen Gesundheitsrisiken, die durch Klimawandel, den Verlust der Biodiversität und Schadstoffbelastung entstehen.
- Sekundarstufe: Umwelt und Gesundheit: Wie hängt das zusammen?
Ein globales Thema mit persönlichen Folgen
Unsere Gesundheit hängt direkt vom Zustand der Umwelt ab. Intakte Ökosysteme liefern, was wir zum Leben brauchen: saubere Luft, reines Trinkwasser und fruchtbare Böden.
In Industrieländern ist ein Lebensstil verbreitet, der die eigene Gesundheit belastet und zugleich die Umwelt stark beeinflusst. Ernährung, Mobilität und Konsum tragen zum Klimawandel, zum Verlust der Artenvielfalt und zur Verbreitung von Schadstoffen bei. Diese Veränderungen wirken lokal und global. Langfristig beeinflussen sie auch die Gesundheit künftiger Generationen.
Globale Umweltveränderungen treffen uns jedoch nicht alle gleich. Menschen können unter Umweltfolgen leiden, die anderswo verursacht wurden. Wie stark Umweltveränderungen die Gesundheit beeinflussen, hängt von weiteren Faktoren ab: vom sozioökonomischen Status, etwa von Armut und dem Zugang zur Gesundheitsversorgung; von individueller Anfälligkeit, etwa durch Vorerkrankungen; und von der Exposition gegenüber Umweltrisiken, etwa durch den Wohnort. Einige dieser Faktoren entziehen sich unserem unmittelbaren Einfluss. Gesundheit ist damit auch eine Frage der Gerechtigkeit. Ihr Schutz ist eine politische Aufgabe.
Planetare Risiken und Gesundheit
Umso wichtiger ist es, die Zusammenhänge zwischen Umwelt und Gesundheit zu verstehen. Denn oft sind diese Zusammenhänge zwischen Gesundheit und globalen Umweltveränderungen nicht auf den ersten Blick sichtbar. Sie zu kennen, eröffnet jedoch die Möglichkeit, Ursachen nachhaltig zu bekämpfen.
Der Text stellt drei große Umweltveränderungen kurz vor und zeigt anhand konkreter Beispiele, wie sie die menschliche Gesundheit beeinflussen.
Klimawandel
Der Klimawandel beschreibt die langfristige Veränderung des Klimas, vor allem die globale Erwärmung durch Treibhausgase wie CO₂. Hauptverursacher sind die Verbrennung fossiler Energieträger, Abholzung und industrielle Landwirtschaft. Der Klimawandel bedroht unsere Gesundheit auf vielfältige Weise. Neben offensichtlichen Folgen wie Hitze und Wetterextremen gibt es weniger sichtbare Auswirkungen:
- Hitze: Steigende Temperaturen und häufige Hitzewellen belasten den Körper. Hitze kann Krankheiten auslösen und bestehende Leiden wie zum Beispiel Diabetes verschlimmern.
- Allergien: Die Pollensaison dauert inzwischen länger. Höhere Temperaturen und Dürre setzen Pflanzen unter Stress, sie produzieren mehr Pollen. Immer mehr Menschen leiden deshalb an Allergien.
- Zecken: Mildere Winter lassen Zecken fast ganzjährig aktiv bleiben uns südliche Arten wie die Riesenzecke breiten sich aus. Zecken übertragen Krankheiten wie Borreliose und FSME, deren Fallzahlen seit einigen Jahren steigen.
Biodiversitätsverlust
Biodiversität zeigt sich auf drei Ebenen: in der Vielfalt der Ökosysteme (Lebensgemeinschaften, Lebensräume, Landschaften), der Arten und der Gene innerhalb der Arten. Ihr Verlust betrifft alle drei Bereiche. Sie sichert die Stabilität, Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft von Ökosystemen gegenüber Umweltveränderungen wie dem Klimawandel. Geht Biodiversität verloren, gefährdet das nicht nur die Ökosysteme, sondern auch unsere Gesundheit.
- Zoonosen: Wenn Menschen Lebensräume zerstören, illegal jagen oder Wildtiermärkte betreiben, kommen sie Wildtieren näher. Das erhöht das Risiko für Zoonosen wie SARS-CoV-2 (Corona), Ebola oder Malaria.
- Arzneimittel: Viele moderne Medikamente basieren auf natürlichen Wirkstoffen aus Pflanzen oder Pilzen. Der Verlust von Arten und Lebensräumen könnte die Entwicklung neuer Arzneimittel erschweren.
- Das Darm-Mikrobiom: Die Gemeinschaft der Mikroorganismen im Darm spielt eine zentrale Rolle für unsere Gesundheit, etwa für das Immunsystem. Über pflanzliche Lebensmittel nehmen wir Mikroorganismen aus dem Boden auf. Doch intensive Landwirtschaft reduziert die Artenvielfalt im Boden und damit auch im Darm.
Verschmutzung und Schadstoffe in der Umwelt
Als Stoffeintrag in die Umwelt bezeichnet man die Freisetzung schädlicher Stoffe in Luft, Wasser und Boden. Dazu zählen zum Beispiel Pestizide aus der Landwirtschaft, Zusatzstoffe aus Plastik, PFAS („Ewigkeitschemikalien“) und Luftschadstoffe aus Verkehr, Industrie und Energieerzeugung. Schadstoffe in Luft, Wasser und Boden belasten unsere Gesundheit auf verschiedene Weise. Drei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich diese Schadstoffe sind:
- Feinstaub: Feinstaub entsteht bei Verbrennungsprozessen, zum Beispiel in der Energieerzeugung, im Straßenverkehr und in Industrieanlagen. Die winzigen Teilchen dringen tief in die Lunge ein. Sie können Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen.
- Schwermetalle: Schwermetalle kommen zwar natürlich im Boden vor. Der Großteil stammt jedoch aus Industrie, Verkehr sowie aus Dünge- und Pflanzenschutzmitteln. Pflanzen nehmen Schwermetalle auf. So gelangen sie in unsere Nahrung. Einige Schwermetalle können schon in geringen Mengen gesundheitsschädlich sein.
- Mikroplastik: Mikroplastik, also Kunststoffteilchen unter 5 Millimetern, ist inzwischen fast überall in der Umwelt nachweisbar. Es wurde bereits im menschlichen Körper gefunden. Schadstoffe im Plastik, zum Beispiel Weichmacher, können Entzündungen auslösen und den Hormonhaushalt stören.
Integrative Gesundheitskonzepte als Chance
Politik und Wissenschaft entwickeln neue Gesundheitskonzepte, um komplexe Zusammenhänge besser zu verstehen. Sie betrachten größere Wechselwirkungen und verknüpfen verschiedene Disziplinen. Zwei dieser Ansätze stellen wir vor:
One Health
Der „One-Health-Ansatz“ erkennt die enge Verbindung zwischen der Gesundheit von Menschen, Tieren und Ökosystemen. Um diese Verflechtungen zu berücksichtigen, arbeiten Fachbereiche wie Human- und Veterinärmedizin, Umwelt- und Agrarwissenschaften sowie öffentliche Gesundheitsdienste zusammen. Ihr Ziel: Gesundheitskrisen frühzeitig erkennen und verhindern. Ein Schwerpunkt liegt auf Zoonosen und der Pandemievorsorge. In Deutschland fördern Forschungsprojekte diesen Ansatz, während internationale Kooperationen, etwa mit der WHO und globalen Gesundheitsinitiativen, die Zusammenarbeit stärken.
Planetary Health
Das Konzept „Planetary Health“ betont, dass die menschliche Gesundheit von den natürlichen Systemen der Erde abhängt. Ihre Zerstörung zählt zu den größten Gefahren für die globale Gesundheit.
Dieses Modell stützt sich auf die planetaren Belastungsgrenzen. Werden diese überschritten – etwa durch Klimawandel, Artensterben oder Schadstoffbelastung – gerät das Erdsystem aus dem Gleichgewicht. Das gefährdet die Grundlagen menschlicher Gesundheit. Planetary Health berücksichtigt dabei auch politische, wirtschaftliche und soziale Faktoren. Ein bekanntes Beispiel, das Lebensstil und planetare Gesundheit praktisch verknüpft, ist die Planetary Health Diet. Das ist ein Ernährungsmodell, das sowohl die Gesundheit des Menschen als auch die des Planeten fördern soll und an kulturelle Unterschiede angepasst werden kann.
Bedeutung für den Unterricht
Gesundheit betrifft uns alle und eignet sich hervorragend, um im Unterricht globale Zusammenhänge greifbar zu machen. Das Thema zeigt, wie wir mit unserer Umwelt verbunden sind und wie sich unsere Eingriffe auf uns auswirken.
Anhand von Alltagsbeispielen werden zwei zentrale Verknüpfungen deutlich: die zwischen unserem Lebensstil und Umweltveränderungen sowie die zwischen dem Zustand der Umwelt und unserer Gesundheit. Gleichzeitig macht das Thema klar, dass gemeinsames Handeln unverzichtbar ist. Die Folgen betreffen uns alle – es geht um individuellen Schutz und kollektive Verantwortung.
Quellen und weiterführende Informationen
- Umwelt und Gesundheit konsequent zusammendenken, Sondergutachten des SRU (Sachverständigenrat für Umweltfragen)
- Gesund leben auf einer gesunden Erde, Gutachten des WBGU (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen)
- SDG 3 – Gesundheit & Wohlergehen, Agenda 2030
- Soziale Vulnerabilität im Kontext im Kontext von Umwelt, Gesundheit und sozialer Lage, UMID: Umwelt und Mensch – Informationsdienst
- One Health, Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt
- Klima und Gesundheit, Helmholtz Klima
- „Ein gesunder Lebensstil hilft auch dem Klima„, Helmholtz Klima
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