Badges in den Lernpfaden von Umwelt im Unterricht
Über den Klimawandel zu reden, reicht nicht. Was junge Menschen brauchen, sind Impulse, um selbst ins Handeln zu kommen. Sie sollen erfahren, dass es weder darum geht, sich schuldig zu fühlen, noch darum, ohnmächtig vor der Herausforderung zu stehen. Welche Kompetenzen sind erforderlich, um die komplexen Zusammenhänge zu verstehen, sich aktiv einzubringen und die Zuversicht zu entwickeln, selbst etwas bewirken zu können?
Junge Menschen benötigen Gestaltungskompetenz. Diese beschreibt die Fähigkeit, Wissen über nachhaltige Entwicklung anzuwenden und die Probleme nicht nachhaltiger Entwicklung zu erkennen. Sie umfasst Fähigkeiten wie vorausschauendes Denken, interdisziplinäres Wissen, autonomes Handeln sowie Partizipation an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen. Lernende sollen so Fähigkeiten erwerben, die es ihnen ermöglichen, eigenverantwortlich die Zukunft mitzugestalten.
In diesem Artikel zeigen wir dir, wie du diese Kompetenzen im Unterricht sichtbar machen kannst: Mit Badges (digitalen Zertifikaten) wird am Ende jedes Lernpfads angezeigt, welche Fähigkeiten deine Klasse gestärkt hat. Du erfährst außerdem, wie du das konkret für deinen Unterricht nutzen kannst.
Hinweis: Wie du Badges mit deinen Lernenden teilst, wie die Vergabe im Schulalltag funktioniert – per E-Mail-Liste oder QR-Code zum Selbsteintragen – und was deine Lernenden anschließend mit ihren gesammelten Badges machen können, erklären wir im Beitrag „Kompetenz-Erwerb sichtbar machen mit Open Educational Badges“.
BNE-Kompetenzen – das Framework dahinter
Die Gestaltungskompetenz, wie wir sie oben beschrieben haben, geht auf das Konzept der transversalen BNE-Kompetenzen nach Gerhard de Haan zurück. Sie sind fachübergreifend angelegt und bilden bei Umwelt im Unterricht die Grundlage für unsere Lernpfade und Inhalte.
Was sind Badges?

Badges sind digitale Lernnachweise. Sie bündeln die Kompetenzen, die innerhalb eines Lernpfads vermittelt werden. Dabei kommen standardisierte Kompetenzbeschreibungen zum Einsatz, die einzelne Aspekte wie „kritisch denken”, „Erkenntnisse formulieren” oder „Initiative zeigen” benennen.
Wie Badges im Detail aufgebaut sind und wie wir konkret vorgegangen sind, beschreibt der Artikel „Wie werden Kompetenzrahmen anschlussfähig?” von Open Educational Badges (OEB), unserem Partner für die Badge-Infrastruktur.
So sieht das in der Praxis aus
Grundschule: „Grün oder grau in der Stadt?“ (Klasse 4–6)

In diesem 90-minütigen Lernpfad untersuchen die Lernenden, warum Grünflächen für Menschen und Natur in der Stadt wichtig sind. Sie analysieren Stadtansichten, recherchieren zu Pflanzen, Tieren und Gesundheit in der Stadt, entwerfen eine eigene Begrünung für eine Straße und geben sich beim abschließenden Gallery Walk gegenseitig Feedback – aus der Perspektive von Tieren wie Spatz oder Fuchs.
Der zugehörige Badge zeigt am Ende, welche Kompetenzen die Klasse dabei gestärkt hat, zum Beispiel:
- ganzheitlich denken
- kreative Ideen entwickeln
- in Teams arbeiten
- Umweltbewusstsein fördern
- Einfühlungsvermögen zeigen
Sekundarstufe: „Wie wir gemeinsam die Antarktis schützen“ (Klasse 10–13)

In diesem Lernpfad übernehmen die Lernenden Rollen aus Wissenschaft, Journalismus und Umweltpolitik, recherchieren aus ihrer jeweiligen Perspektive und entwickeln im interdisziplinären Dialog eine gemeinsame Schutzstrategie für die Antarktis. Zum Abschluss präsentieren sie ihre Position in Kurz-Plädoyers vor der Klasse.
Der Badge dokumentiert hier unter anderem:
- Eigeninitiative ergreifen
- selbstständig arbeiten
- Informationen zusammenfassen
- in Teams arbeiten
- mit Interessenträgern zusammenarbeiten
Von der Grundschule bis zur Oberstufe: ein gemeinsamer Rahmen
Beide Beispiele zeigen: Ob Grundschule oder Oberstufe – die Kompetenzen werden altersgerecht heruntergebrochen, bleiben aber im selben Rahmen vergleichbar. So lässt sich über alle Jahrgangsstufen hinweg anschlussfähig sichtbar machen, woran Lernende arbeiten und was sie dabei erreicht haben.
Badges als Werkzeug und zur Orientierung
Als Redaktion von „Umwelt im Unterricht“ sehen wir in den Badges ein Werkzeug, das Orientierung schafft. Neben dem Fokus auf die Themen und Methoden in den Formaten werden die übergeordneten, fachunabhängigen Kompetenzen sichtbar gemacht. Das bedeutet für dich und deine Klasse:
- Ein Werkzeug für Lehrende. Für dich werden die Kompetenzen zum Auswahlwerkzeug: Welche Kompetenzen sind in deiner Lerngruppe schon ausgeprägt, welche fehlen noch? Was ist das Ziel deines Lernimpulses?
- Orientierung für Lernende. Lernende erhalten eine Übersicht, die zeigt, welche Kompetenzen sie bereits erworben haben. Darauf aufbauend sehen sie, welche Kompetenzen sie als Nächstes ausbauen können und mit welchen Lernangeboten das gelingt.
So arbeiten wir bei UiU damit:
Auch für uns sind die Badges ein zentrales Werkzeug: Sie helfen uns, Materialien aufeinander aufbauend zu konzipieren und bestehende Inhalte zu evaluieren – etwa um zu sehen, welche Kompetenzen wir bereits gut abdecken und wo wir noch blinde Flecken haben.
„Uns ist es wichtig, Kompetenzen nicht abstrakt im Raum stehen zu lassen, sondern sie konkret an einzelne Lernerfahrungen zu koppeln. Mit „Umwelt im Unterricht” bieten wir nun einen gemeinsamen und anschlussfähigen Rahmen, in dem wir BNE-Kompetenzen nachvollziehbar abbilden. Das ist ein spannender Prozess.“ – Annika, Product Owner von OEB.
Was denkst du?
Setzt du Badges schon in deinem Unterricht ein, oder ist das Thema neu für dich? Wir freuen uns über deine Fragen, Erfahrungen und Anregungen – schreib uns gerne über unser Kontaktformular.