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Berufe für die Klimawende
Jin Dan – pexels – cc
Einleitung
Bis 2045 soll Deutschland klimaneutral werden. Damit dieses Ziel erreicht wird, ist eine Anpassung von Gesellschaft und Wirtschaft wichtig: Gebäude werden energetisch saniert, erneuerbare Energien ausgebaut, Produktionsprozesse in der Industrie umgestellt, Kreislaufwirtschaft etabliert.
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und das Umweltbundesamt (UBA) betonen deshalb: Die sozial-ökologische Transformation ist ohne ausreichend qualifizierte Fachkräfte nicht umsetzbar. Dieser Text stellt vor, welche Berufe und Branchen für die Transformation besonders zentral sind. Dabei zeigt sich, dass neben technischen und naturwissenschaftlichen Bereichen auch vor allem soziale, kommunikative und pflegerische Berufe für den Wandel zentral sind.
Einen allgemeineren Einstieg ins Thema Grüne Kompetenzen und zum Greening von Berufen bietet der Hintergrundtext Berufe in der nachhaltigen Wirtschaft: Grüne Kompetenzen.
Was bedeutet „sozial-ökologische Transformation“?
Mit sozial-ökologischer Transformation ist der grundlegende Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft gemeint, der nötig ist, um Klimaschutz, Ressourcenschonung und soziale Gerechtigkeit miteinander zu verbinden. Der Begriff macht deutlich, dass es nicht nur um neue Technologien geht, sondern auch darum, wie Arbeit, Ausbildung und Teilhabe fair gestaltet werden.
Zwei Bereiche werden dabei oft unterschieden:
- Klimaschutz (Mitigation): Maßnahmen, die Treibhausgase vermeiden oder reduzieren – etwa der Ausbau von Windkraft und Solarenergie, die energetische Gebäudesanierung oder der Umbau industrieller Produktionsverfahren.
- Klimaanpassung (Adaption): Maßnahmen, die die Folgen des bereits stattfindenden Klimawandels abfedern – etwa Hitzeschutz in Städten, wassersensible Stadtentwicklung oder die Wiedervernässung von Mooren.
Für beide Bereiche werden Fachkräfte gebraucht, teilweise dieselben, teilweise unterschiedliche. Das erklärt, warum die Liste der relevanten Berufe so breit gefächert ist.
Welche Berufe sind besonders relevant?
Eine treibhausgasneutrale Wirtschaftsweise bis 2045 ist von Schlüsselbranchen und -berufen abhängig, wie die Studie des Umweltbundesamtes „Arbeit und Qualifizierung in der sozial-ökologischen Transformation“ (UBA, 01/2026) zeigt. Der Ausbau erneuerbarer Energien, die energetische Sanierung von Gebäuden und der Umbau industrieller Produktionssysteme bedürfen entsprechender Qualifikationen und Fachkräfte. In einigen dieser Berufe besteht bereits heute ein deutlicher Fachkräftemangel, der sich mit steigendem Transformationsdruck weiter verschärfen dürfte. Besonders kritisch sind sogenannte „Flaschenhalsberufe“ wie Architektur und Planung: Fehlen hier Fachkräfte, verzögern sich ganze Bauprojekte und damit auch andere Transformationsprozesse.
Zu den identifizierten Transformationsberufen gehören unter anderem Berufe aus den Bereichen Maschinenbau, Energie- und Elektrotechnik, Bauplanung und Architektur.
Für die Anpassung an den Klimawandel zeigt eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) und des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Auftrag des UBA ein noch breiteres Bild. (Weitere Informationen: Klimawandelanpassung: Diese Berufe und Kompetenzen sind gefragt | Umweltbundesamt)
21 Berufsgruppen wurden als besonders relevant identifiziert – gegliedert in sechs Berufssegmenten:
- Land-, Tier- und Forstwirtschaftsberufe: Forst-, Jagdwirtschaft, Landwirtschaftspflege, Gartenbau
- Bau- und Ausbauberufe: Tiefbau, Aus- und Trockenbau, Bauplanung, Architektur, Hochbau, Vermessung und Kartografie, Ver- und Entsorgung
- IT- und naturwissenschaftliche Dienstleistungsberufe: Geologie, Geografie, Meteorologie, Umweltschutztechnik, Umweltmanagement, Physik, Biologie
- Soziale und kulturelle Dienstleistungsberufe: Lehrtätigkeit, Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, Erziehung, Sozialarbeit, Sprach- und Literaturwissenschaften
- Unternehmensbezogene Dienstleistungsberufe: Medien- und Informationsdienste
- Medizinische und nicht-medizinische Gesundheitsberufe: Ärztinnen und Ärzte, Krankenpflege, Rettungsdienst
Die Untersuchung zum Arbeitskräftebedarf für die Klimaneutralität bestätigt damit ein breites Bild: Neben technischen Berufen, etwa in der IT oder der Baubranche, sind gleichermaßen soziale Berufe von der Pflege bis zur Bildung sowie Kommunikationsberufe gefragt. Damit wird deutlich: Die Klimawende braucht Menschen, die bauen und installieren, aber ebenso Menschen, die beraten, organisieren, pflegen, unterrichten und kommunizieren.
Arbeitsmarkt im Wandel
Transformation verändert nicht nur, welche Berufe gebraucht werden, sondern auch, was in bestehenden Berufen verlangt wird. Zugleich verschieben sich Aufgaben zwischen Branchen: Fällt Arbeit an einer Stelle weg, entsteht oft an anderer Stelle neue – nicht immer im selben Beruf oder Sektor.
Veranschaulicht wird dies an einem „Wenn-Dann-Szenario“, das für eine Folgenabschätzung am Beispiel der Wiedervernässung von Mooren erarbeitet wurde (Plassenberg et al. 2025).
So funktioniert das Szenario: Am Anfang steht eine Annahme, das „Wenn“: Bis 2030 werden rund 1,2 Millionen Hektar trockengelegter Moorflächen wiedervernässt. Ein Wirtschaftsmodell rechnet dann durch, was daraus folgt, das „Dann“ – ähnlich wie ein Stein, der ins Wasser fällt und Kreise zieht, die sich immer weiter ausbreiten.
Der erste Kreis betrifft die landwirtschaftlichen Betriebe, die die Flächen bisher als Acker- und Weideland nutzen: Sie brauchen neue Maschinen und bauen andere Pflanzen an. Die weiteren Kreise erfassen Akteure, die mit der Landwirtschaft verbunden sind: Baufirmen legen Dämme an, die Kunststoffindustrie verarbeitet neue Rohstoffe aus den Mooren, Handel und Gastronomie stellen sich auf regionalere, weniger verarbeitete Lebensmittel ein, Planungs- und Genehmigungsbehörden begleiten die Umsetzung – und die Torfindustrie verschwindet bis 2050 vollständig.
Diese Zahlen zeigen, wie stark sich die Wirkungen überlagern: Netto entstehen bundesweit bis 2050 rund 20.000 zusätzliche Arbeitsplätze. Die tatsächliche Bewegung ist aber viel größer – allein 2030 entstehen 23.000 neue Stellen, während 8.000 wegfallen. Und weil Moore in Deutschland nur an wenigen Orten liegen, wirkt sich das regional besonders stark aus: In den 33 am stärksten betroffenen Landkreisen hängen rund 73.000 Arbeitsplätze in Land- und Forstwirtschaft an der Moor-Nutzung – 21 Prozent aller Beschäftigten dieser Branche bundesweit. Eine gesamtwirtschaftlich kleine Zahl an Arbeitsplatzveränderungen kann also vor Ort eine sehr große Wirkung entfalten.
Genau das ist mit Transformation gemeint: keine einzelne Maßnahme, sondern ein Geflecht von Veränderungen, die sich gegenseitig bedingen – und die nur gelingen, wenn Landwirtschaft, Industrie, Handel, Politik und Verbraucher:innen ungefähr gleichzeitig mitziehen.
Bedeutung für den Unterricht
Das Thema eignet sich, um Berufs- und Studienorientierung mit Klimabildung zu verknüpfen. Es zeigt jungen Menschen, dass Engagement für Klimaschutz nicht nur ehrenamtlich oder politisch, sondern auch beruflich möglich ist – und zwar in einer deutlich größeren Bandbreite an Berufen, als das Stichwort „grüner Job“ zunächst vermuten lässt.
Wichtig ist dabei, technische Berufe nicht in den Vordergrund zu stellen. Wer sich für Pflege, Beratung, Verwaltung, Landwirtschaft oder Bildung interessiert, findet ebenfalls Anknüpfungspunkte zur Klimawende. Das kann besonders für Schüler:innen motivierend sein, deren Interessen nicht im technischen Bereich liegen, und trägt dazu bei, das Berufsbild der Transformation vielfältiger und realistischer zu zeichnen.
Der Text lässt sich gut mit dem vorangehenden Hintergrundtext zu grünen Kompetenzen kombinieren: Dort steht im Mittelpunkt, dass Klimaschutz-Kompetenzen in praktisch jedem Beruf eine Rolle spielen können. Hier wird ergänzt, dass einige Branchen und Berufsgruppen dafür besonders zentral sind – und dass ihr Fachkräftebedarf schon heute eine gesellschaftliche Aufgabe darstellt.
Berufliche Orientierung setzt meist bei der Frage an, welcher Beruf zu den eigenen Interessen passt. Ebenso wichtig ist aber die Frage, wie sich dieser Beruf in den kommenden Jahren verändern wird. Es lohnt sich deshalb, junge Menschen dazu anzuregen, ihren Wunschberuf nicht nur im Hinblick auf aktuelle Anforderungen zu betrachten, sondern auch zu fragen, welche neuen Kompetenzen, Arbeitsbedingungen oder Karrierewege sich durch die sozial-ökologische Transformation künftig ergeben könnten.
Quellen und weiterführende Informationen
- Klimawandelanpassung: Diese Berufe und Kompetenzen sind gefragt, Umweltbundesamt
- Welche Fachkräfte braucht die sozial-ökologische Transformation?, Umweltbundesamt
- Fachkräfte für die sozial-ökologische Transformation, Fact Sheet von BIBB und UBA
- Arbeitsmarkt und sozial-ökologische Transformation, Umweltbundesamt
- Fachkräfte für den sozial-ökologischen Wandel gesucht, Pressemitteilung BIBB
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