Konsum & Wirtschaft, Politik & Gesellschaft
Chemikalien in der Umwelt? Vorsorge und Nachsorge
Gitte Hellwig, mycelia gGmbH, Stadtansicht von oben, CC BY-SA 4.0
Überblick
Von der Outdoor-Jacke bis zur Bratpfanne: PFAS sind allgegenwärtig. Die chemischen Verbindungen, die Produkte wasserfest, fettabweisend und langlebig machen, finden sich in unzähligen Alltagsgegenständen. Doch ihr Nutzen hat einen hohen Preis: PFAS verbreiten sich in der Umwelt, lagern sich im Körper an und können sowohl Ökosysteme als auch die menschliche Gesundheit gefährden. Wie gehen wir damit um?
Zum Einstieg bekommen die Lernenden einen Überblick über Produkte, die PFAS enthalten. Auf einer interaktiven Karte können sie Orte entdecken, an denen PFAS bereits nachgewiesen wurden. Im Anschluss lernen sie das Vorsorgeprinzip kennen und üben in einem fiktiven Szenario, wie man mit Umweltbelastungen umgeht und Gefahren für die Gesundheit reduziert.
Dieser Lernpfad ergänzt den Lernpfad „Chemikalien: aus der Regenjacke in die Umwelt“. Die Materialien aus beiden Lernpfaden können kombiniert werden.
Tipp: Du findest ergänzende Informationen zu diesem Lernpfad in dem Hintergrundtext „Wie PFAS in die Umwelt gelangen”. Der Text ist ein Zusatzangebot, das eine Vertiefung des Themas bei Interesse ermöglicht. Die Durchführung des Lernpfads ist unabhängig.
Leitfragen
- Wie gehen wir mit Chemikalien in der Umwelt um?
- Was sind Vorsorge- und Nachsorgeprinzip?
Vorbereitung
- Bildgalerie: Alltagsprodukte
- Video: Vom Ozonloch für die Klimakrise lernen
- Arbeitsblatt: PFAS in Mittelstadt
- Bildgalerie: Wie fühlst du dich?
- Quiz: PFAS in der Umwelt
- Badge: Chemikalien in der Umwelt: Vorsorge und Nachsorge
Ablauf
1. Einstieg
Chemikalien in Alltagsprodukten
Teile zum Einstieg die Collage mit den Lernenden und frage:
- Welche Eigenschaften haben diese Alltagsgegenstände?
Als Hilfestellung dienen folgende Fragen:
- Welche Eigenschaften braucht eine Regenjacke?
- Warum weicht ein Pizzakarton oder der Pappbecher nicht auf?
- Warum bleibt in der Pfanne nichts kleben?
Bildgalerie
Informiere die Klasse darüber, dass die Gegenstände PFAS enthalten. Sie machen die Gegenstände u. a. wasserabweisend, fettabweisend und schmutzabweisend. Die Zahnseide wird durch PFAS reibungsarm. Erkläre, dass PFAS eine große Gruppe chemischer Verbindungen sind mit über 10.000 verschiedenen Substanzen. Diese Substanzen gelangen aus der Industrie, durch die Verwendung von Produkten oder die Entsorgung in die Umwelt und reichern sich hier an: z. B. in Böden und im Wasser. Für einige PFAS ist eine gesundheitsschädliche Wirkung nachgewiesen.
Tipp: An dieser Stelle kann du auch den animierten Film aus dem Lernpfad „Chemikalien: Aus der Regenjacke in die Umwelt“ zeigen. Der Film gibt einen kurzen Überblick, was PFAS sind und was sie problematisch macht.
PFAS-Belastungen der Umwelt
Öffne die Karte des Forever Pollution Project um den Lernenden die Belastung der Umwelt durch PFAS zu zeigen. Über den Filter „Known“ kannst du die nachgewiesenen Belastungen anzeigen lassen. Ihr könnt in die Karte zoomen und euch unterschiedliche Orte anzeigen lassen.
2. Recherche
Was ist das Vorsorgeprinzip?
Blitzumfrage
Starte mit einer Blitzumfrage. Die Lernenden können bei Zustimmung ihre Hand heben. Gib den Lernenden im Anschluss die Möglichkeit ihre Meinung kurz zu begründen.
- Stellt euch vor, in eurer Regenjacke ist eine PFAS-Verbindung. Sie landet durchs Waschen im Abwasser und schließlich auch im Wasserkreislauf. Vielleicht ist sie noch in 100 oder 1000 Jahren im Wasser nachweisbar. Was für ein Risiko von dieser Verbindung ausgeht, ist noch nicht ganz sicher. Sollte der Staat die Chemikalie sofort verbieten oder erst, wenn der Schaden bewiesen ist?
Was ist Vorsorge und was ist Nachsorge
Erkläre, dass 1971 das Umweltprogramm der Bundesregierung verabschiedet wurde. Mit dem Umweltprogramm wurde erstmals in der Bundesrepublik Deutschland die Umwelt als Politikfeld definiert. Darin wurde auch das Vorsorgeprinzip definiert. Das Vorsorgeprinzip ist eines der Hauptprinzipien des deutschen Umweltrechts.
Stelle den Lernenden den Lexikoneintrag der Bundeszentrale für politische Bildung zur Verfügung. Der Eintrag erklärt das Vorsorgeprinzip. Die Lernenden lesen den Text und beantworten folgende Fragen:
- Was sind Vorsorge- und Nachsorgeprinzip?
- Welche Vor- und Nachteile haben die Ansätze?
Tipp: Wie das Vorsorgeprinzip im Grundgesetz und im Einigungsvetrag verkankert ist, könnt ihr hier nachlesen. Weitere Informationen zum Vorsorgeprinzip findet ihr auf der Website des Umweltbundesamtes.
3. Handeln
Vorsorgeprinzip vs. Realität
Vorsorge – Bringt das was?
Die aktuelle Umweltbelastung durch PFAS und das geltende Vorsorgeprinzip können bei den Lernenden Fragen aufwerfen. Gib ihnen die Möglichkeit ihre Gedanken zu äußern. Frage die Lernenden:
- Ihr habt das Vorsorgeprinzip kennengelernt. Trotzdem sind viele Orte in Deutschland mit PFAS belastet. Welche Gefühle löst das bei euch aus?
Folgende Informationen helfen dir, die aktuelle Situation einzuordnen:
- Bislang wurden vor allem diejenigen PFAS reguliert, die in den höchsten Konzentrationen in der Umwelt nachgewiesen wurden und deren Auswirkungen auf die Umwelt oder die menschliche Gesundheit nach dem damaligen Kenntnisstand begründet werden konnten.
- In Deutschland und auf EU-Ebene wird aktuell an der Beschränkung von PFAS gearbeitet: Seit 2023 läuft ein Verfahren zur EU-weiten Regulierung.
- Für die Bewertung werden die zahlreichen PFAS-Verwendungen von Expert:innengremien einzeln und differenziert bewertet. Dadurch, dass die Stoffgruppe sehr groß ist, nimmt dieser Prozess einige Zeit in Anspruch.
- Ein „Totalverbot“ haben die Behörden im Rahmen ihrer Bewertung als ungeeignete Regulierungsmaßnahme verworfen. Wo derzeit keine Alternativen zur Verwendung von PFAS vorhanden sind, sollen entsprechende Ausnahmen und Übergangsfristen greifen.
Tipp: Aktuelle Informationen findet ihr in zwei FAQs zu PFAS auf den Seiten des Umweltbundesamtes und der Seite des Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit
Zusatz:
Positive Beispiele für die Regulierung von Chemikalien können die Effekte politischer Maßnahmen und bürgerlichen Engagements sichtbar machen. Wir haben drei Beispiele für dich: Das Verbot von FCKW hat zur Regeneration der Ozonschicht beigetragen. Ein Video der ARD erklärt kurz, die Wirkung des FCKW Verbots auf das Ozonloch.
Weitere Beispiele:
- Eine Petition, die 2025 von über zwei Millionen Menschen unterzeichnet wurde, hat in Frankreich dazu beigetragen, dass Insektizide mit dem Wirkstoff Acetamiprid verboten bleiben. Diese Insektizide wurden in der Landwirtschaft eingesetzt und sind sehr schädlich für Bienen und Hummeln.
- In den frühen 1950er Jahren war der Bestand der Seeadler im Ostseeraum zurückgegangen. Forschende fanden heraus, dass ein in der Landwirtschaft eingesetztes Insektizid, DDT, dafür verantwortlich war. Es machte die Eierschalen dünn, sodass der Nachwuchs der Seeadler nicht überlebte. DDT wurde in den 1970er Jahren verboten. Ab Mitte der 1980er Jahre konnten sich die Bestände der Seeadler wieder erholen.
Video (2:55 Min.)
Nachsorge: PFAS Belastungen in Mittelstadt
Die Lernenden setzen sich in einem fiktiven Szenario mit den gesellschaftlichen Folgen einer Umweltbelastung durch PFAS auseinander. Sie überlegen, welche Maßnahmen sinnvoll sein könnten und formulieren Standpunkte und Handlungsempfehlungen. Die Lernenden können in kleinen Gruppen arbeiten. Teile dafür das Arbeitsblatt:
Zum Abschluss stellen die Gruppen ihre Ideen im Plenum vor. Diskutiert gemeinsam die Vorschläge der Gruppen. Folgende Fragen können hilfreich sein:
- Was denkt ihr: Wie realistisch sind eure Vorschläge?
- Welche Rolle spielen Bürger:innen bei Umweltfragen?
Arbeitsblatt
4. Reflexion
Was jetzt?
Schließe den Lernpfad mit einer Umfrage ab. Lege dafür im Lernraum unterschiedliche Bereiche fest für „Stimme nicht zu“ und „stimme zu“. Auch Zwischentöne sind denkbar. Lies die folgenden Aussagen vor. Die Lernenden können nach jeder Aussage eine Position im Raum suchen und ihre Haltung begründen.
- PFAS-haltige Produkte sollten klar gekennzeichnet sein.
- Ich würde im Alltag Produkte ohne PFAS bevorzugen.
- Die Politik sollte strengere Regeln für PFAS erlassen.
- Ich finde, PFAS sollten komplett verboten werden.
- Menschen müssen stärker über PFAS aufgeklärt werden.
-
Unternehmen sollten stärker verantwortlich gemacht werden, wenn ihre Produkte PFAS enthalten.
Wie fühlst du dich?
Als Option oder Zusatz können die Lernenden ihre Gefühle zum Thema einordnen. In der Galerie findest du dafür eine Grafik mit Inseln. Frage die Lernenden:
- Wie fühlst du dich, nachdem du über die Verschmutzungen der Umwelt durch PFAS erfahren hast? Gibt es etwas, dass dich besonders beunruhigt, wütend oder nachdenklich macht?
Bildgalerie
Zusatz:
Zum Abschluss oder zur Auflockerung können die Lernenden ein Multiple-Choice-Quiz zum Thema PFAS absolvieren. Sie können im Quiz ihr Wissen testen und erweitern.
Quiz
Ergänzungen
Kompetenzen
Kompetenz-Erwerb sichtbar machen mit Badges
Bei dieser Übung haben deine Schüler:innen wertvolle Kompetenzen erworben, die du ihnen mit einem digitalen Zertifikat, einem Badge, nachweisen kannst.
Das geht ganz einfach:
- Auf openbadges.education einen Account erstellen und deine Schule als Institution anlegen.
- Kopiere den Badge, den wir für diese Übung angelegt haben, für deine Institution.
- Vergib den kopierten Badge direkt an E-Mail-Adressen oder erstelle eine QR-Code-Vergabe, über die deine Schüler:innen den Badge bei dir anfragen können. In beiden Fällen erhalten sie den Badge per E-Mail.
Alles über Open Educational Badges und wie Lernende Badges in ihrem Rucksack sammeln können, erfährst du in unserem Blog-Beitrag „Kompetenz-Erwerb sichtbar machen mit Open Educational Badges“
Die Materialien und Inhalte stehen unter der CC BY-SA 4.0 Lizenz. Erstellt durch mycelia gGmbH für das BMUKN.