Ökosysteme & Biodiversität
Visionen für grüne Städte
Angelo_Giadorno, pixabay
Überblick
Immer mehr Menschen leben in Städten. Damit Städte trotz wachsender Bevölkerungszahlen und den Herausforderungen des Klimawandels lebenswert bleiben, ist Natur in der Stadt unverzichtbar. Parks, Gärten und andere Grünflächen erfüllen wichtige ökologische und soziale Funktionen: Sie verbessern das Stadtklima, leisten einen Beitrag zum Klimaschutz, bieten Lebensräume für Pflanzen und Tiere und schaffen Orte für Erholung, Begegnung und gemeinschaftliches Leben.
In diesem Lernpfad entdecken die Lernenden die vielfältige Bedeutung von Stadtnatur. Dabei lernen sie unter anderem die 3-30-300-Regel als Orientierung für eine gerechte und gesunde Stadtbegrünung kennen und wenden die Regel auf die Umgebung ihrer Schule an. In Gruppen erarbeiten sie mit Bildern und Text die Rolle von Stadtgrün im Klimawandel und für den Erhalt der Artenvielfalt. Zum Abschluss entwerfen die Gruppen ein eigenes grünes Stadtmöbel. In einem kurzen Pitch stellen sie ihre Ideen in einem Rollenspiel vor, reagieren auf kritische Nachfragen und wählen das überzeugendste Möbel.
Tipp: Du findest ergänzende Informationen zu diesem Lernpfad in dem Hintergrundtext: Warum wir grüne Städte brauchen? Der Text ist ein Zusatzangebot, das eine Vertiefung des Themas bei Interesse ermöglicht. Die Durchführung des Lernpfads ist unabhängig.
Leitfragen
- Welche Rolle spielen Grünflächen und Stadtnatur für eine lebenswerte Stadt der Zukunft?
- Welche konkreten Begrünungsmaßnahmen gibt es in Städten?
Vorbereitung
- Arbeitsblatt: Was sind Hitzeinseln?
- Arbeitsblatt: Stadtnatur und Artenvielfalt
- Bildgalerie: Wie Städte grüner werden
- Arbeitsblatt: Wie grün ist deine Stadt?
- Arbeitsblatt: Grüne Stadtmöbel entwerfen
- Bildgalerie: "Störerkarten"
- Aktion: Eine Baumscheibe bepflanzen
- Badge: Visionen für grüne Städte
Ablauf
1. Einstieg
Die 3-30-300-Regel
Stelle den Lernenden die 3-30-300-Regel vor. Sie beschreibt, wie viele Bäume jede Person in ihrem direkten Wohn- und Lebensumfeld haben sollte:
- 3 Bäume sehen: Jede Person sollte von ihrem Zuhause aus mindestens drei große Bäume sehen können.
- 30 % Kronendachfläche: In jedem Stadtviertel sollten mindestens 30 % der Fläche von Baumkronen bedeckt sein.
- 300 Meter zum nächsten Grün: Jeder Person sollte nicht mehr als 300 Meter von einer größeren öffentlichen Grünfläche (zum Beispiel einem Park) entfernt wohnen.
Tipp: Auf der Website Grün in die Stadt findest du eine illustrierte Grafik, die die Regel erklärt.
Erkläre, dass die Regel auf jahrelanger Forschung und praktischen Beobachtungen basiert. Studien zeigen, dass viel Stadtgrün die körperliche und psychische Gesundheit fördert. Menschen, die in der Nähe von Grünflächen leben, fühlen sich gesünder.
Wie grün ist die Umgebung eurer Schule?
Überlegt zunächst gemeinsam im Plenum, wie grün die Umgebung eurer Schule ist? Spekuliert gemeinsam:
- Was denkt ihr, welche der drei Punkte werden erfüllt, welche nicht?
Prüft anschließend gemeinsam oder in kleinen Gruppen die drei Punkte für die Umgebung eurer Schule! (oder auch einem anderen Ort) Dazu könnt ihr die Satellitenansicht einer Karte online nutzen oder du bringst die Karte der Schule und der Schulumgebung mit erkennbarem Maßstab ausgedruckt zum Unterricht mit. Stelle folgende Aufgabe:
- 3 Bäume sehen: Könnt ihr aus dem Fenster eures Klassenraums drei große Bäume sehen?
- 30% Kronendachfläche: Die zweite Regel ist nicht ganz so leicht zu ermitteln: Legt einen Bereich um die Schule fest. Zum Beispiel ein Kreis mit einem Radius von 500m. Auf einer Karte könnt ihr online sehen, wie viele Baumkronen es gibt. Versucht zu schätzen, wie viel Fläche mit Baumkronen bedeckt ist!
- 300 Meter zum nächsten Grün: Sucht auf der Karte den nächstgelegenen Park bzw. eine Grünanlage, die auch als Erholungsfläche dienen kann. Wie weit ist der Park (die Gründanalge) von der Schule entfernt?
Reflektiert gemeinsam:
- Habt ihr die Umgebung eurer Schule richtig eingeschätzt?
- Wie wichtig sind euch Bäume und Grünflächen in eurer Umgebung im Alltag oder für Erholung und Freizeit?
2. Recherche
Warum ist Natur in der Stadt wichtig?
Mindmap
Welchen weiteren Vorteile haben Begrünung und grüne Orte in Städten noch? Sammelt zunächst erste Ideen in einer Mindmap. Notiere die Ideen der Lernenden am Smartboard oder an der Tafel. Die Mindmap wird später durch die Recherchen der Lernenden ergänzt. Frage die Lernenden: Welche weiteren Vorteile haben Parks, Straßenbäume und andere Grünflächen in Städten?
Gruppenarbeit
Anschließend arbeiten die Lernenden in Kleingruppen zu einem von zwei Themen: „Was sind Hitzeinseln?” oder „Artenvielfalt in der Stadt”. Dafür stehen den Lernenden eine Galerie und ein Arbeitsblatt zur Verfügung. Die neuen Informationen werden als Teil der Aufgabe in die Mindmap ergänzt.
Teile dafür die Arbeitsblätter und die Galerie mit den Lernenden.
Im Plenum zurück stellen die Gruppen die neuen Informationen vor. Tauscht euch anschließend darüber aus, ob ihr Beispiele, wie aus der Galerie, in eurer Stadt kennt.
Arbeitsblatt
Arbeitsblatt
Bildgalerie
Zusatz: Foto-Exkurs: Stadtgrün in der Umgebung
Die Lernenden erkunden in Gruppen ihre Umgebung und dokumentieren Grünflächen und Potentialräume für mehr Natur in der Stadt mit dem Smartphone. Teile dafür das Arbeitsblatt mit den Aufgaben mit den Lernenden. Im Anschluss stellen die Lernenden einen Ort vor.
Arbeitsblatt
3. Handeln
Prototyping: grüne Stadtmöbel
Die Lernenden können in der folgenden Aufgabe ein eigenes Stadtmöbel entwerfen.
Erkläre, dass in vielen Städten über 30 Prozent der Flächen versiegelt sind. Oft liegt der Grad an Versiegelung sogar über 40 Prozent. Versiegelung in Städten aufzubrechen ist notwendig, aber auch teuer. Eine Maßnahme für grüne Innenstädte sind deshalb auch grüne Stadtmöbel oder sogenanntes modulares Stadtgrün.
Teile das Arbeitsblatt mit den Lernenden.
Arbeitsblatt
4. Reflexion
Bürgerversammlung: Stellt eure Entwürfe vor!
Im nächsten Schritt können die Gruppen ihren Entwurf präsentieren. Alle Lernenden bilden eine Bürgerversammlung. Die Gruppen können sich gegenseitig Fragen stellen. Zusätzlich zieht jede Gruppe eine “Störerkarte” und muss ihren Entwurf verteidigen. Die Bürgerversammlung wird über den besten Entwurf abstimmen. Die „Störerkarten“ kannst du in der Galerie ausdrucken oder vorlesen.
Den Pitch vorbereiten
Stellen den Lernenden folgende Aufgabe: Bereitet einen kleinen Pitch vor. Ein Pitch ist eine kurze, überzeugende Präsentation einer Idee um Interesse zu wecken und Mitstreiter:innen zu gewinnen. Euer Pitch soll nur 2-4 Minuten lang sein und die Einwohner:innen eurer Stadt von eurem grünen Möbel überzeugen. Ihr könnt dafür eure Skizze oder euer Modell zeigen und auch eine kleine Präsentation vorbereiten. Was war euch für euer Möbel besonders wichtig?
Die Bürgerversammlung
Die Lernenden versammeln sich im Plenum. Jede Gruppe bekommt 4 Minuten für ihre Präsentation. Danach können die Zuhörer:innen Zwischenfragen stellen und Feedback geben. Folgende Fragen können den Lernenden beim Feedback helfen:
- Was gefällt euch an der Idee/ dem Entwurf gut?
- Welches Argument war besonders stark?
- War der Nutzen des Entwurfs klar erkennbar?
Im Anschluss an die Feedbackrunde zieht die präsentierende Gruppe eine „Störerkarte“.
Auf dieser Karte steht ein Einwand z. B. zu Kosten, Nutzen oder Umsetzbarkeit. Die Gruppe hat kurz Zeit, sich zu beraten, und reagiert anschließend auf den Einwand. Ziel ist es, spielerisch den konstruktiven Umgang mit Widerständen zu üben und auch in herausfordernden Situationen überzeugend zu bleiben.
Tipp: In der Galerie findest du unter Download eine Druckdatei mit den Karten. Wenn du die Datei nicht drucken willst, kannst die Kommentare vorlesen oder nur den Text drucken. Text ohne Bild findest du unter der Galerie.
Bildgalerie
Abstimmung und Reflexion
Stimmt in der Klasse mit Handzeichen ab und wählt das beliebteste Stadtmöbel. Natürlich könnt ihr auch eine anonyme Abstimmung gestalten.
Optional kannst du auch ein Blitzlicht mit Fragen anschließen:
- Gibt es etwas, dass dich nachdenklich gemacht hat?
- Wünscht ihr euch eure Wohn- oder Schulumgebung grüner?
- Welche Maßnahme für mehr Stadtgrün findest du am sinnvollsten?
- Was denkst du über den Vorschlag die Bedürfnissen von Tieren bei der Gestaltung von Städten mitzudenken?
- …
Ergänzungen
Aktion
Eine Baumscheibe bepflanzen
Stadtgrün selber machen! Stadtbäume haben großen Stress: Sie haben wenig Platz für ihre Wurzeln und kaum offenen Boden für Regenwasser. Eine bepflanzte Baumscheibe schützt vor Austrocknung, lockert den Boden und schafft mit blühenden Pflanzen Lebensraum für Insekten. Die Aktion bietet den Lernenden Anregungen zu Recherche, Planung und Umsetzung einer eigenen Pflanzaktion.
Aktion
Weitere Links
Spannende Materialien zur Vertiefung
Auf Naklim könnt ihr ein Exit Game herunterladen: „Das Amulett der Stadt-Grünflächen“. Das Spiel wird für Kinder und Jugendliche von 10–14 Jahren empfohlen.
Germanwatch bietet ein digitales Wimmelbild, auf dem es viel zu entdecken gibt.
Kompetenzen
Kompetenz-Erwerb sichtbar machen mit Badges
Bei dieser Übung haben deine Schüler:innen wertvolle Kompetenzen erworben, die du ihnen mit einem digitalen Zertifikat, einem Badge, nachweisen kannst.
Das geht ganz einfach:
- Auf openbadges.education einen Account erstellen und deine Schule als Institution anlegen.
- Kopiere den Badge, den wir für diese Übung angelegt haben, für deine Institution.
- Vergib den kopierten Badge direkt an E-Mail-Adressen oder erstelle eine QR-Code-Vergabe, über die deine Schüler:innen den Badge bei dir anfragen können. In beiden Fällen erhalten sie den Badge per E-Mail.
Alles über Open Educational Badges und wie Lernende Badges in ihrem Rucksack sammeln können, erfährst du in unserem Blog-Beitrag „Kompetenz-Erwerb sichtbar machen mit Open Educational Badges“
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