Veröffentlicht auf Umwelt im Unterricht: Materialien und Service für Lehrkräfte – BMU-Bildungsservice (http://www.umwelt-im-unterricht.de)

16.06.2016 | Stadt

Wohnung gesucht!

Moderne Architektur
Grundschule

Aus welchen Gründen ziehen Menschen in die Stadt? Welche Ansprüche haben sie an ihre Wohnung? Die Schüler/-innen lernen unterschiedliche Lebenssituationen von Wohnungssuchenden kennen sowie neue Ideen für den Wohnungsbau – vom Modulbau bis hin zu generationenübergreifenden Gemeinschaftsprojekten. Ausgehend von realen Gebäuden skizzieren sie eigene Entwürfe.

Ziele

Die Schüler/-innen ...

  • lernen verschiedene Bedürfnisse Wohnungssuchender kennen und bewerten diese,
  • setzen sich mit möglichen Gründen für den städtischen Wohnraumbedarf auseinander,
  • können Interessen verschiedener Akteure von Bauprojekten benennen und bewerten,
  • lernen Grundlagen einer alternativen beziehungsweise nachhaltigen Bauplanung an Beispielen kennen,
  • formulieren eigene Planungsideen und setzen diese in Zeichnungen um,
  • präsentieren eigene Entwürfe.

Umsetzung

Zum Einstieg verdeutlicht die Lehrkraft anhand eines beispielhaften (fiktiven) Erfahrungsberichts eines Schulkindes die aktuelle Wohnungsnot in deutschen Großstädten: 

"Mein Vater hat eine neue Arbeit in Hamburg gefunden. Nun fährt er jeden Tag über zwei Stunden Auto, um von unserem Dorf in die Stadt zu kommen. Deshalb wollen meine Eltern lieber gleich in die Stadt umziehen. Das scheint aber gar nicht so einfach zu sein: Entweder, die Wohnungen dort sind zu klein, schon vergeben oder zu teuer. Freunden von uns geht es ähnlich: Sie wollen nach München ziehen. Aber dort sind die Mieten noch teurer als in Hamburg. "Dann bauen wir eben ein Minihaus auf einem Hinterhof" hat meine Mutter neulich schon vorgeschlagen. Mein Vater hatte eine noch bessere Idee: "Oder wir suchen nach einer leerstehenden Fabrikhalle und bauen uns darin eine gemütliche Wohnung!"

Ergänzend können aktuelle Zeitungsartikel gezeigt werden, die diese Situation auf dem städtischen Wohnungsmarkt bestätigen (zum Beispiel in der FAZ).

Gemeinsam wird erörtert, warum immer mehr Menschen in die Städte ziehen wollen.

Gegebenenfalls ergänzt die Lehrkraft:

In der Stadt gibt es häufig mehr…

  • Arbeitsplätze,
  • kulturelle Angebote wie Kino, Theater oder Musik,
  • Bildungsangebote (Kitas, Schulen, Universitäten, Ausbildungsstätten),
  • öffentliche Verkehrsmittel, Leihautos,
  • Einkaufsmöglichkeiten,
  • Kundschaft – zum Beispiel für Läden und Restaurants,
  • bei Migranten/Migrantinnen: Nachbarn aus dem gleichen Herkunftsland.

Im Folgenden stellt die Lehrkraft die Frage: "Kann man Städte nicht einfach immer weiter vergrößern, bis alle darin Platz haben?" Aus den Antworten sollte deutlich werden, dass dabei:

  • immer mehr Naturraum versiegelt und bebaut würde (was unter anderem zu einem Rückgang der Artenvielfalt führen würde),
  • die innerstädtischen Wege immer länger würden und damit der Verkehr zunehmen würde und
  • bei einem rückläufigen Trend der Einwohnerzahlen viele Gebäude wieder leer stehen würden (Stichwort demografischer Wandel/Geburtenrückgang).

Auf dieser Basis entwickeln die Schüler/-innen zunächst gemeinsam erste Ideen, wie in bestehenden Städten neue Wohnräume geschaffen werden können. Dabei sollen sie darauf achten, dass:

  • bestehende Gebäude genutzt oder umgenutzt werden (zum Beispiel leerstehende Bürokomplexe),
  • möglichst keine neuen Naturräume zerstört werden (zum Beispiel durch Baulückenschließung),
  • möglichst umweltschonende Materialien verwendet werden (zum Beispiel Holz),
  • auch günstiger Wohnraum zur Verfügung gestellt wird (zum Beispiel Untermiete in leerstehenden Zimmern, günstiger Modul- oder Containerbau),
  • Räume auch zu unterschiedlichen Zwecken genutzt und nach Bedarf verändert werden können (zum Beispiel durch Mehrzweckräume oder modulare Raumaufteilung).

Anhand eines Arbeitsblattes (1) lernen die Schüler/-innen verschiedene Beispiele für solche neuen Wohnräume in der Stadt kennen. 

In einer Gruppenarbeitsphase wird anschließend in Form einer Collage eine eigene Planung angefertigt. Die Schüler/-innen erhalten weitere Arbeitsmaterialien (2) mit Beschreibungen von Wohnungssuchenden in einer Stadt sowie mit Bildern von verschiedenen städtischen Gebäuden und Bauplätzen. Die Schüler/-innen bekommen die Aufgabe, für die Personen geeignete Wohnmöglichkeiten zu finden. Die Schüler/-innen ergänzen die Bilder durch Skizzen und Stichworte und fügen sie zu einer Collage zusammen, sodass sich für alle Wohnungssuchenden ein Lösungsvorschlag ergibt. Dabei können die Schüler/-innen auch die Ideen aus Arbeitsblatt 1 nutzen.

Die Gruppen stellen ihre Ideen im Plenum vor. Sie erörtern gemeinsam, welche davon in Städten vermutlich leicht und welche eher schwierig umzusetzen sind. Hier können auch Beispiele aus der eigenen Umgebung herangezogen werden. 

Erweiterung

  • Wie könnten am eigenen Wohnort neue Wohnräume geschaffen werden? Die Schüler/-innen machen sich bei einer gemeinsamen Exkursion auf die Suche nach Baulücken und leerstehenden Gebäuden. Sie können Fotos oder Skizzen anfertigen und anschließend eigene Bebauungspläne entwickeln. 
  • Wie stellen sich die Schüler/-innen die perfekte Stadt der Zukunft vor? Anhand eines Modells aus einfachen Bastelmaterialien wie Pappe, farbigem Papier, Styroporresten, Korken, Streichhölzern, Ästen oder Steinen können die Schüler/-innen ihre eigenen Vorstellungen einer umwelt- und bürgerfreundlichen Stadt verwirklichen.
  • Das Thema "Anders bauen" kann in eine umfassendere Unterrichtsreihe zum Thema "nachhaltige Städte der Zukunft" eingebaut werden. Unterrichtsvorschläge für die Grundschule zu weiteren Aspekten des Themas liegen bei Umwelt im Unterricht vor: Wer baut die Stadt von morgen? (7/2016); Baustoffe: Wohin verschwindet der Sand? (2/2015); Hauptsache dick eingepackt: Heizen und Klimaschutz (1/2016); Stadtgrün für Mensch und Umwelt (6/2015)

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Informationen und Materialien

Hintergrund (1)

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Zielgruppe