Hintergrund

Qualität von Badegewässern

Mann entnimmt Wasserprobe aus einem Gewässer

Baden zählt zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten im Sommer. Viele Menschen zieht es dazu raus ins Grüne an einen See. Doch welche Badestelle eignet sich zum Schwimmen? Bei offiziell registrierten Badegewässern wird die Wasserqualität streng kontrolliert, damit besteht für die Badenden kein Gesundheitsrisiko. Wie kann man Verschmutzungen erkennen, was sind die Ursachen – und wie können Badegewässer geschützt werden?

Im Sommer suchen viele Menschen Erholung am und im Wasser – nicht nur in Schwimmbädern, sondern auch an Seen, Teichen, Meeresküsten und manchmal an Flüssen. Meist finden sich Badestellen jedoch an stehenden Gewässern. Dazu zählen natürliche Gewässer wie Seen und größere Weiher, also Seen mit besonders flachem Wasser, sowie von Menschen angelegte Teiche.

Stehende Gewässer können sich im Vergleich zu Flüssen sehr viel schlechter selbst reinigen und sind besonders anfällig für Belastungen von außen. Dazu zählen Müll, Fäkalien von Haustieren oder Wasservögeln sowie von den Badenden selbst, Abwässer aus überlaufenden Kanalisationen oder Einleitungen aus Kläranlagen sowie Abschwemmungen aus landwirtschaftlichen Nutzflächen. Solche Verschmutzungen sehen nicht nur unappetitlich aus und riechen unangenehm, sondern können aufgrund ihrer Bakterienbelastung auch eine Gefahr für die Gesundheit darstellen. Eine Infektion kann unter anderem zu Durchfall, Erbrechen oder Fieber führen.

Auch eine massenhafte Entwicklung von Algen kann Gesundheitsstörungen wie Bindehautentzündung, Hautausschlag oder sogar chronische Leberschädigungen bei den Badenden hervorrufen.

Registrierte Badegewässer unterliegen strengen Kontrollen

Verlässlich kontrolliert wird die Wasserqualität bei offiziell registrierten Badegewässern. Dem EU-Badegewässerbericht zufolge gab es in Deutschland 2012 insgesamt 2.295 solcher Gewässer – davon 1.929 Binnenbadegewässer sowie 366 Küstenorte an Nord- und Ostsee. Große Seen wie etwa der Chiemsee können mehrere Badestellen besitzen, die als offizielle Badegewässer ausgewiesen sind. Solche Gewässer werden während der Badesaison (in den meisten Bundesländern vom 15. Mai bis zum 15. September) regelmäßig kontrolliert. In Deutschland übernehmen diese Aufgabe häufig die Gesundheitsämter.

Die EU-Badegewässerrichtlinie setzt EU-weit den rechtlichen Rahmen für Badegewässer. Die aktuell geltende Richtlinie ist im März 2006 in Kraft getreten und musste von jedem EU-Mitgliedsstaat in nationales Recht umgewandelt werden. In Deutschland ist jedes Bundesland für die Überwachung seiner Badegewässer selbst verantwortlich, so dass entsprechende Landesverordnungen verabschiedet wurden.

Mit Inkrafttreten der neuen Richtlinie beruht die Beurteilung eines Badegewässers nicht mehr nur auf Einzelmessungen, sondern auf den Daten aus insgesamt vier Jahren. Pro Gewässer werden während der Badesaison in der Regel mindestens vier Proben entnommen, analysiert und mit den Ergebnissen aus den drei vorangegangenen Jahren verglichen. Auf dieser Basis erfolgt die Bewertung des Gewässers in die Güteklassen "ausgezeichnet", "gut" und "ausreichend". Die ersten nach dieser Methode ermittelten Werte standen nach Ende der Badesaison 2011 fest. Für die Jahre 2008 bis 2010 galt eine Übergangsregelung.

E.coli und Enterokokken als wichtige Indikatoren

Mit der EU-Richtlinie von 2006 ist ein aktives Management der Badegewässer in den Vordergrund gerückt. Für jedes Badegewässer legen die zuständigen Behörden ein sogenanntes Gewässerprofil an, in dem – unter anderem – alle für die Qualität des Wassers relevanten Verschmutzungsquellen dokumentiert sind sowie mögliche Probleme mit Cyanobakterien (Blaualgen) aufzeigt werden. Als wichtigste mikrobiologische Werte zur Beurteilung der Wasserqualität gelten die Konzentrationen der Darmbakterien Enterokokken und Escherichia coli (E. coli).

Beide Bakterienarten kommen natürlicherweise im Darm von Mensch und Tier vor, in der Umwelt sind sie aber nur begrenzt lebensfähig. Wenn sie in Gewässern nachgewiesen werden können, deutet das auf eine relativ kurz zurückliegende oder anhaltende Verschmutzung mit Fäkalien hin. Sie gelten deshalb als Indikatoren für das Vorhandensein von Krankheitserregern. Laut Badegewässerrichtlinie gelten folgende Grenzwerte:

ParameterAusgezeichnete QualitätGute QualitätAusreichende Qualität
Escherichia Coli (kolonienbildende Einheiten / in 100 ml Wasser)5001.0001.800
Intestinale Enterokokken (kolonienbildende Einheiten / in 100 ml Wasser)200400700

Damit ein Gewässer in eine der drei Qualitätsstufen eingruppiert werden kann, müssen die Grenzwerte für beide Bakterienarten eingehalten werden. Liegt eine der Konzentrationen über den zulässigen Werten, kann das Gewässer nur die schlechtere Qualitätsstufe erreichen. Werden Grenzwerte überschritten, droht ein Badeverbot.

Daneben erfolgt eine Sichtprüfung des Badegewässers auf Verunreinigung durch Cyanobakterien, auch als "Blaualgen" bekannt. Gewässer haben dann häufig eine grüne Färbung, im Extremfall ähnelt ihr Aussehen einer Erbsensuppe. Gefördert wird das Algenwachstum durch Abschwemmungen von Nährstoffen, vor allem durch Phosphor- und Stickstoffverbindungen aus der landwirtschaftlichen Düngung. "Blaualgen" beeinträchtigen das Baden in zweierlei Hinsicht. Zum einen bilden sie Stoffwechselgifte und Allergene, die zu den bereits genannten Gesundheitsstörungen wie Bindehautentzündung, Hautausschlag oder sogar chronischen Leberschädigungen führen können. Zum anderen trüben sie die Sichttiefe des Gewässers, was die Rettung Ertrinkender erschweren kann. Landesämter geben folgende Faustregel vor: Sollten in knietiefem Wasser wegen einer grün-blauen Trübung die Füße nicht mehr zu sehen sein, sollte auf das Baden verzichtet werden.

Gute Nachricht: Deutsche Badegewässer überwiegend ausgezeichnet

Deutsche Badegewässer bieten zum Großteil eine hohe Wasserqualität – für Badende entsteht in der Regel kein Gesundheitsrisiko. Im Jahr 2012 hatten 88 Prozent aller deutschen Badegewässer eine ausgezeichnete Qualität. Deutschland liegt damit deutlich über dem EU-weiten Durchschnitt von 78 Prozent und belegt insgesamt Platz sechs nach Zypern und Luxemburg (jeweils 100 Prozent), Malta (knapp 97 Prozent), Kroatien (über 95 Prozent) und Griechenland (über 93 Prozent). Ein relativ großer Anteil der EU-weit erfassten Binnenbadegewässer – 30 Prozent – liegt in Deutschland. Bis 2015 sollen alle Badegewässer in der Europäischen Union eine mindestens ausreichende Qualität haben.

Detaillierte Informationen über die Situation der deutschen Badegewässer liefern die Webseiten der zuständigen Landesministerien. Sie lassen sich auf einen Blick über die Übersichtsseite des Umweltbundesamts abrufen.

Auch die Auszeichnung "Blaue Flagge" kennzeichnet Badestellen mit guter Wasserqualität. Die Flagge wird von einer unabhängigen Organisation an Gemeinden vergeben, die sich darum beworben haben. Strände mit blauer Flagge müssen nicht nur die EU-Kriterien für Badegewässer einhalten, sondern darüber hinaus unter anderem besondere Standards für das Umweltmanagement und Umweltbildungsmaßnahmen vor Ort erfüllen.

Weitere Bewertungsgrundlage für Gewässer

Ein weiteres Merkmal für die Qualität von Gewässern ist ihr Trophiezustand (von griechisch "trophos": die Ernährung betreffend). Dies ist ein Maß für die Anreicherung eines Gewässers mit Nährstoffen, insbesondere Phosphor. Nährstoffe werden zumeist über das Abwasser oder durch die Landwirtschaft eingetragen.

Der Trophiezustand wird in mehreren Stufen angegeben, für die es jeweils eigene Bezeichnungen gibt. Ein sogenannter oligotropher See ist gekennzeichnet durch eine geringe Nährstoffbelastung und eine geringe Algenproduktion. Das Wasser ist klar, die Sichtweite hoch. Mit steigender Trophiestufe von mesotroph über eutroph bis polytroph nimmt die Nährstoffbelastung stetig zu, ebenso die Algenproduktion. Die Sichttiefe nimmt ab. Ein polytropher See weist eine übermäßig hohe Nährstoffbelastung auf, massenhafte Algenentwicklung sowie eine sehr geringe Sichttiefe.

In stehenden Gewässern ist die Konzentration an Phosphor besonders relevant. Phosphor wird von Pflanzen und Bakterien als Nährstoff aufgenommen und schließlich wieder ausgeschieden. Gelangt in der sommerlichen Stagnationsphase verstärkt Phosphor in den See, kommt es in der oberen warmen Wasserschicht zu einer Erhöhung der Produktion, was ein verstärktes Algenwachstum bewirkt. Die Sommerstagnation setzt ein, wenn durch die Sonneneinstrahlung die Dichte abnimmt und warme, leichtere Wasserschichten auf dem kälteren, schwereren Wasser schwimmen. Es findet keine Zirkulation mehr statt. Ein verstärktes Algenwachstum führt in den oberen Schichten zu einer höheren Konzentration von Sauerstoff, den die Wasserpflanzen mittels Photosynthese erzeugen. Zugleich steigt die Menge der absinkenden toten Algen – durch deren Abbau es in tiefen Schichten zu Sauerstoffschwund, Methangasbildung und erhöhter Phosphorkonzentration kommt. Solch ein Sauerstoffmangel gefährdet unter anderem die Fische.

Badegewässer schützen

Um Badegewässer zu schützen, wurden auch in Deutschland in den vergangenen Jahren viele Verschmutzungsquellen vermindert. Unter anderem konnte durch Modernisierungen von Kläranlagen sowie einer Regulierung für den Stoffeintrag aus Landwirtschaft und Industrie die Qualität der Badegewässer verbessert werden.

Auch die Badenden selbst können zum Schutz von Badegewässern beitragen. Abfall gehört nicht an den Strand oder ins Wasser, sondern in die Mülltonne oder mit nach Hause. Das gilt insbesondere für Essensreste, die Vögel und andere Tiere anlocken, deren Kot die Badegewässer belastet. Tiere sollten nicht gefüttert werden, da dies zu Nährstoffeinträgen führen kann und damit zu erhöhtem Algenwachstum. Die Fäkalien von Menschen stellen ebenfalls eine Belastung für die Gewässer dar, deshalb sollten Toiletten benutzt werden. Sonnencreme oder Lotionen sollten mindestens eine Stunde vor dem Baden aufgetragen werden, sodass die Haut das Produkt vollständig aufnehmen kann und keine der Öle und Tenside ins Wasser gelangen.

Weiterführende Links

Bundesumweltministerium: Informationen zu Badegewässern
http://www.bmu.de/themen/wasser-abfall-boden/binnengewaesser/badegewaesser/

Umweltbundesamt: Qualität der Badegewässer in Deutschland
http://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/schwimmen-baden/badegewaesser/wasserqualitaet-in-badegewaessern

Europäische Umweltagentur: Bericht Qualität der europäischen Badegewässer 2012
http://www.eea.europa.eu/de/publications/qualitaet-der-europaeischen-badegewaesser-2012

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