Hintergrund

Die Alpen – Besonderheiten eines Lebensraumes

Kühe und Bauer auf der Alm
Grundschule, Sekundarstufe

Die Alpenregion ist einer der größten zusammenhängenden Naturräume Europas und beheimatet eine besonders große Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten. Gleichzeitig sind die Alpen bis in hohe Lagen durch Bewirtschaftung geprägt. Rund 14 Millionen Menschen in acht Staaten leben hier. Dramatisch wachsender Verkehr und der Klimawandel zählen zu den größten Herausforderungen für die Entwicklung der Alpenregion.

Im November 2014 hat Deutschland den Vorsitz der Alpenkonvention übernommen. Die Konvention ist ein internationaler Vertrag mit dem Ziel, den Alpenraum zu schützen und dort eine nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten. Sie wurde von den Staaten unterzeichnet, auf deren Gebiet Teile der Alpen liegen, und ist 1995 in Kraft getreten. Die beteiligten Staaten sind Österreich, Frankreich, Deutschland, Italien, Liechtenstein, Schweiz und Slowenien. Auch die Europäische Union hat die Konvention unterzeichnet. Außerdem ist Monaco aufgrund einer zusätzlichen Vereinbarung beigetreten. 

Der Vorsitz der Alpenkonvention wechselt alle zwei Jahre. Deutschland wird ihn bis Ende 2016 innehaben. Zum Abschluss wird im Oktober 2016 in Bayern die 14. Alpenkonferenz stattfinden. Bis dahin werden von Deutschland aus unter anderem die Sitzungen des sogenannten Ständigen Ausschusses der Alpenkonferenz organisiert. 

Zusammenarbeit für einen besonderen Raum

Die Alpenstaaten hatten 1989 anlässlich der sogenannten ersten Alpenkonferenz festgestellt, dass sie dringend handeln müssen, um die Alpen zu schützen. Denn die Alpenregion ist eine einzigartige Natur- und Kulturlandschaft. Das Gebirge ist einer der größten zusammenhängenden Naturräume Europas, der zehntausenden Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bietet. Darunter sind zahlreiche gefährdete Arten sowie fast 400 Pflanzenarten, die ausschließlich in den Alpen vorkommen. 

Gleichzeitig ist die Region seit mehreren tausend Jahren von Menschen besiedelt. Heute liegt die Bevölkerungszahl im Alpenraum bei etwa 14 Millionen Menschen. Sie verteilen sich auf eine Vielzahl von Volks- und Sprachgruppen in acht Staaten. Die große kulturelle Vielfalt auf vergleichsweise kleinem Raum ist eine Besonderheit.

Worum geht es beim Schutz der Alpen?

In den vergangenen Jahrzehnten sind im Alpenraum eine Reihe von Problemen entstanden, die nicht von einzelnen Staaten allein gelöst werden können. Außerhalb und innerhalb der Alpen hat sich die Wirtschaft rasant weiterentwickelt. Dadurch ist zum Beispiel der Güter- und Personenverkehr drastisch gestiegen. Die Besiedelung in vielen Alpentälern ist dichter geworden. Auf diese Weise entstehen wachsende Konflikte um den knappen Boden und Belastungen für die Umwelt. Wirtschaftliche und touristische Zentren werden städtischer, während Menschen aus strukturschwächeren Gegenden abwandern. 

Die Alpenkonvention soll sicherstellen, dass beim Schutz des Alpenraums in allen Alpenländern die gleichen Regeln herrschen. Unterschiedliche Standards können zu Wettbewerbsvorteilen einzelner Länder führen, die auf Kosten der Natur gehen. Die Vertragsstaaten haben sich daher verpflichtet, grenzüberschreitend zusammenzuarbeiten, um den Lebensraum Alpen zu erhalten und seine Ressourcen nachhaltig zu nutzen.

Die Protokolle der Alpenkonvention

In der Alpenkonvention werden eine Reihe von Bereichen genannt, in denen die Staaten handeln wollen. Dazu gehören unter anderem: 

  • Bevölkerung und Kultur: Erhaltung und Förderung der kulturellen Eigenständigkeit der ansässigen Bevölkerung und Sicherstellung ihrer Lebensgrundlagen
  • Raumplanung: sparsame Nutzung des Raumes mit Rücksicht auf die Natur
  • Bodenschutz: Eindämmung der Erosion und Einschränkung der Bodenversiegelung
  • Wasser: Reinhaltung der Gewässer, naturnaher Wasserbau und Nutzung von Wasserkraft unter Berücksichtigung des Naturschutzes und der Interessen der Bevölkerung
  • Naturschutz und Landschaftspflege: Erhaltung der Ökosysteme sowie dauerhafte Sicherung der Eigenart der Natur und Landschaft in ihrer Gesamtheit
  • Berglandwirtschaft: Erhaltung traditioneller Kulturlandschaften und umweltverträglicher Landwirtschaft
  • Bergwald: Erhaltung der Funktionen des Waldes und Waldökosysteme und Stärkung ihrer Widerstandskraft
  • Tourismus und Freizeit: Abstimmung von Tourismus mit Umweltschutz- und sozialen Bedürfnissen
  • Verkehr: Senkung von Belastungen durch den Verkehr innerhalb des Alpenraums sowie Verkehr, der die Alpen durchquert, auf ein für den Lebensraum verträgliches Maß
  • Energie: umweltverträgliche Erzeugung und Nutzung der Energie

Was in diesen Bereichen konkret getan werden soll, wird in sogenannten Protokollen festgelegt. Insgesamt gibt es bisher neun. Die Protokolle sind selbstständige Verträge zwischen den Staaten. Die einzelnen Mitglieder müssen sie jeweils ratifizieren, damit sie in Kraft treten. Die meisten Protokolle wurden von den Vertragspartnern ratifiziert, aber es gibt Ausnahmen. So hat zum Beispiel die Schweiz im Jahr 2010 sogar beschlossen, die Protokolle gar nicht zu ratifizieren. 

Viele Ansprüche auf engem Raum

Eine Besonderheit in den Alpen ist der durch die Berge und Täler geprägte Raum. Weniger als 20 Prozent dieses Gebietes eignen sich für Siedlungen. Die Raumplanung ist daher ein wichtiges Querschnittsthema im Rahmen der Alpenkonvention. Es geht darum, unterschiedliche Nutzungsinteressen abzuwägen. Denn in vielen Regionen der Alpen wächst der Bedarf an Verkehrsflächen und Gewerbegebieten, auch immer mehr Wohnraum wird benötigt. Gleichzeitig müssen Flächen für die Landwirtschaft und Naherholungsgebiete erhalten bleiben, und der Naturschutz muss berücksichtigt werden. 

Die Struktur der Bevölkerung in den Alpen ist im Wandel. Hier spiegelt sich die demografische Entwicklung, die auch in anderen Regionen der westlichen Industrieländer typisch ist. Die Menschen werden im Durchschnitt immer älter. Gleichzeitig wandern viele junge Menschen aus den ländlichen Gebieten in die Wirtschaftszentren der Region, weil in ihren Herkunftsregionen qualifizierte Arbeitsplätze selten sind. Die meisten kehren nicht zurück. 

Durch die Abwanderung werden manche Gebiete "entsiedelt", wodurch Traditionen und kulturelle Eigenheiten verloren gehen können. Wirtschaftliche Zentren werden hingegen immer dichter besiedelt und ähneln zunehmend Großstädten außerhalb der Alpenregion. 

In den ländlichen Gebieten siedeln sich jedoch auch Menschen neu an, die dort Erholung suchen und den Freizeitwert schätzen. Oft nutzen sie ihre Wohnungen nur zeitweise oder an den Wochenenden. Während die Ursprungsbevölkerung großen Wert auf die wirtschaftliche Entwicklung und die Verbesserung der Infrastruktur legt, haben die Zugezogenen in den ländlichen Gebieten großes Interesse daran, dass Landschaft und Natur erhalten werden.

Natur- und Landschaftsschutz und die Rolle der Landwirtschaft 

Die Alpen sind eine der bedeutendsten Tourismusregionen in Europa, und der Tourismus ist in den Berggebieten der wichtigste Wirtschaftssektor. Grund für die große Attraktivität des Alpenraumes sind die Besonderheiten der Landschaft, der Natur und der regionalen Kultur. 

Die Alpen sind ein sogenannter Biodiversitäts-Hotspot. Hier herrscht eine besonders große Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten sowie Lebensräumen. Dabei ist der Alpenraum bis in hohe Lagen eine Kulturlandschaft, das heißt, er ist durch menschliche Nutzung geprägt. Die Übergänge zu naturnahen Gebieten sind oft fließend, denn es herrscht eine traditionell extensive landwirtschaftliche Nutzung vor.  

Das Ökosystem der Alpen ist besonders sensibel gegenüber Veränderungen durch Klimawandel, Landnutzung oder Zersiedlung. Der Klimawandel bewirkt zum Beispiel, dass sich viele Arten in die kühleren höheren Lagen des Gebirges zurückziehen müssen und andere Arten zuwandern. Dadurch werden bestehende Ökosysteme verändert. 

80 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen werden als Grünland genutzt. Diese Form der Bewirtschaftung trägt dazu bei, die Biodiversität zu erhalten. Denn die so bewirtschafteten Flächen dienen vielen Arten als Lebensraum und als Korridor für die Wanderung zwischen verschiedenen Lebensräumen. Doch nur noch gut vier Prozent der Menschen im Alpenraum leben von der Landwirtschaft.

Streitthema Verkehr

Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung im Alpenraum in den letzten Jahrzehnten hängt eng mit der Entwicklung des Verkehrs zusammen. Güter- und Personenverkehr haben drastisch zugenommen.  

Zwar profitieren davon auch die Menschen im Alpenraum, weil sie heute viel mobiler und besser an andere Regionen angebunden sind. Doch gilt der Verkehr als Hauptursache für die Umweltbelastung in den Alpen. Dabei geht es vor allem um den Transit- und Freizeitverkehr. Transitverkehr hält nicht in den Alpen, sondern durchquert diese lediglich, meist in Nord-Süd-Richtung. Wegen der zentralen Lage der Alpen mitten in Europa herrscht hier ein besonders hohes Verkehrsaufkommen. 

Der Verkehr verursacht in den engen Alpentälern mehr Probleme als im Flachland. Schadstoffe und Lärm konzentrieren sich auf engem Raum. Die U- oder V-Form der Täler behindert den Abtransport von Luftschadstoffen. Zudem gibt es im Winter eine Tendenz zu sogenannten Inversionswetterlagen. Dabei liegt eine kalte Luftschicht wie ein Deckel auf den Tälern. In manchen Tallagen sind die Luftverschmutzung und die Belastung durch Ozon zum Teil sehr hoch. Zudem sind für die Infrastruktur große Eingriffe in die Landschaft nötig, und sie beansprucht einen bedeutenden Teil der knappen Flächen.

Das Thema Verkehr nimmt bei der internationalen Diskussion über den Schutz der Alpen besonders großen Raum ein. Das Protokoll der Alpenkonvention, das konkrete Maßnahmen beim Verkehr festlegt, hat bei der Ausarbeitung für die meisten Konflikte zwischen den Staaten gesorgt. Dabei herrscht Einigkeit über einen geeigneten Lösungsansatz: Der Verkehr in den Alpen sollte möglichst auf die Schiene verlagert werden.

Klima und Energie: Tauwetter in den Alpen

Der Alpenraum ist stärker vom Klimawandel betroffen als umliegende Regionen. Im 20. Jahrhundert ist die Durchschnittstemperatur in den Alpen um knapp zwei Grad Celsius gestiegen, in den umliegenden Regionen betrug der Anstieg nur ein Grad Celsius. Das führt zu unmittelbaren Gefahren. Wenn im Hochgebirge zuvor dauerhaft gefrorene Böden auftauen, kann es häufiger zu Felsstürzen und Erdrutschen kommen. Häufiger Starkregen kann Überschwemmungen auslösen.

Durch die steigenden Temperaturen verändern sich auch die Lebensbedingungen für Tier- und Pflanzenarten. Die Baumgrenze hat sich bereits nach oben verschoben, die Verbreitung von Tier- und Pflanzenarten verschiebt sich nach Norden und in höhere Lagen. Auf diese Weise kann sich die Zusammensetzung von Arten ändern und somit die Stabilität von Ökosystemen gefährdet werden. Die Existenz von ganzen Arten und somit die Biodiversität werden dadurch bedroht.

Als eine Maßnahme zum Schutz des Klimas bietet sich gerade in den Alpen die Nutzung der Wasserkraft an. Denn in der Region gibt es zahlreiche Wasserläufe mit ausreichenden Wassermengen und starkem Gefälle. Allerdings sind Anlagen mit Wasserspeichern umstritten, da sie erhebliche Eingriffe in die Landschaft erfordern. Zudem verursachen sie Probleme für den nachfolgenden Flusslauf.

Neben Maßnahmen zum Klimaschutz muss sich die Alpenregion an den bereits unvermeidlichen Wandel anpassen. Dazu gehört, dass Vorsorge gegen vermehrte Gefahren durch Überschwemmungen, Erdrutsche, Felsstürze, Lawinen und Waldbrände getroffen wird. Dazu zählen zum Beispiel der Bau von zusätzlichen Dämmen zum Schutz vor Schnee- oder Schlammlawinen und der Einsatz von Satellitentechnologien zur frühen Erkennung von Gefahren.

Darüber hinaus ist es in der stark vom Tourismus abhängigen Region wichtig, dass dieser Wirtschaftssektor sich an wandelnde Klimabedingungen anpasst. Viele Skiorte bemühen sich zum Beispiel, ihre Abhängigkeit vom Wintersport zu verringern. Sie wollen auch für Sommergäste attraktiver werden.

Wie arbeiten die Staaten zusammen?

Die Staaten der Alpenkonvention haben sich auf ein Arbeitsprogramm geeinigt. Das derzeit gültige Programm wurde 2011 verabschiedet und reicht bis 2016. Seit 2003 gibt es ein Ständiges Sekretariat der Alpenkonvention, um die laufende Arbeit zu unterstützen. Meist zweimal im Jahr trifft sich der sogenannte Ständige Ausschuss aus Delegierten der Vertragsstaaten. Dieser Ausschuss richtet Arbeitsgruppen ein, die unter anderem konkrete Maßnahmen übernehmen.

Arbeitsgruppen gibt es zum Beispiel zu den Themen Verkehr oder ökologischer Verbund. Die Arbeitsgruppe „Verkehr“ beschäftigt sich unter anderem mit dem Schwerlastverkehr durch die Alpen. In der Arbeitsgruppe "Plattform ökologischer Verbund" geht es unter anderem darum, einen grenzübergreifenden Verbund von Schutzgebieten zu schaffen.

Weiterführende Links

Bundesumweltministerium: Alpenkonvention
http://www.bmu.de/themen/europa-international/int-umweltpolitik/alpenkonvention/

Internetseite der Alpenkonvention: "Gut dosiert" – Das Wichtigste über die Alpenkonvention
http://www.alpconv.org/de/convention/smallbites/default.html 

CIPRA – Internationale Dachorganisation von Organisationen, die sich für die nachhaltige Entwicklung in den Alpen einsetzen
http://www.cipra.org/de/cipra/ueber-uns

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